Lutherbibel 1984 (LU84)
36

Gebet des Gottesvolkes um Hilfe gegen seine Feinde

361Herr, allmächtiger Gott, erbarme dich unser, 2

36,2
Ps 80,15
sieh hin und
36,2
2. Mose 23,27
versetze alle Völker in Schrecken! 3Erhebe deine Hand gegen die fremden Völker, dass sie deine Macht sehen. 4Wie du vor ihren Augen dich heilig erwiesen hast an uns, so
36,4
Hes 28,22-23
zeige dich mächtig an ihnen vor unsern Augen, 5damit sie dich erkennen, wie wir erkannt haben, dass es
36,5
5. Mose 4,35
Jdt 9,15
keinen andern Gott gibt als dich, Herr.

6Tu neue Zeichen und neue Wunder.

36,6
Mi 7,15-16
7Verherrliche deine Hand und deinen rechten Arm. 8Errege Grimm und schütte Zorn aus.
36,8
Ps 79,6
9Wirf den Widersacher nieder und vertilge den Feind; 10
36,10
5. Mose 32,35
führe bald die Zeit herbei und
36,10
5. Mose 32,40-41
denke an deinen Eid, damit man deine Wundertaten preist. 11Der Zorn des Feuers soll die verzehren, die sich so sicher fühlen; und die deinem Volk Leid antun, sollen umkommen. 12Zerschmettre die Köpfe der Fürsten, die uns feind sind und sagen: Außer uns gibt es niemand!
36,12
Hab 1,11

13Versammle alle Stämme Jakobs und lass sie dein Erbe sein wie am Anfang.

36,13
5. Mose 30,3
14Herr, erbarme dich über dein Volk, das von dir den
36,14
Jes 43,1
Namen hat, und über Israel, das du einen
36,14
2. Mose 4,22
Erstgeborenen genannt hast. 15Erbarme dich über die Stadt Jerusalem, wo dein Heiligtum ist und wo du wohnst. 16Erfülle Zion mit deiner Majestät und dein Volk mit deiner Herrlichkeit.

17Bekenne dich zu denen, die von Anfang an dein Eigentum gewesen sind; und erfülle die

36,17
Röm 15,8
Verheißungen, die in deinem Namen verkündigt worden sind. 18Lohne es denen, die auf dich warten, damit das
36,18
2. Petr 1,19
Wort deiner Propheten bestätigt wird. 19Nach dem
36,19
4. Mose 6,23-26
Segen Aarons über dein Volk erhöre, Herr, das Gebet derer, die dich anrufen, damit alle, die auf Erden wohnen, erkennen, dass du der Herr bist, der ewige Gott.

Ratschläge für die Wahl der Frau, der Freunde und der Ratgeber

20Der Bauch nimmt verschiedene Speisen zu sich; doch ist die eine Speise besser als die andre. 21Wie die Zunge das Wildbret schmeckt, so merkt ein verständiges Herz die falschen Worte. 22Ein tückischer Mensch kann einen ins Unglück bringen; aber ein erfahrner weiß es ihm zu vergelten.

23Eine Frau wird jeden zum Manne nehmen; aber

36,23
1. Mose 29,16-18
unter den Töchtern nimmt man die eine lieber als die andre. 24Eine schöne Frau erfreut den Mann, und er sieht nichts lieber; 25wenn sie dazu freundliche und liebliche Worte spricht, so ist ihr Mann nicht zu vergleichen mit andern.
36,25
Kap

26Wer eine Frau erwirbt, erwirbt damit noch mehr: eine

36,26
1. Mose 2,18
Gehilfin, die zu ihm passt, und eine
36,26
Spr 31,10-11
Säule, an die er sich lehnt. 27Wo kein Zaun ist, wird Hab und Gut geraubt; und wo keine Frau ist, da irrt der Mann seufzend umher.
36,27
Kap
28Wie man einem bewaffneten Räuber nicht traut, der von einer Stadt in die andre schleicht, so traut man auch nicht einem Mann, der kein Heim hat und dort bleiben muss, wo er am Abend hinkommt.
36,28
Kap

37

371Jeder Freund sagt zwar: Ich bin auch dein Freund –; aber einige sind nur dem Namen nach Freunde. 2Wenn ein Gefährte und Freund einem feind wird, so bleibt der Gram darüber bis in den Tod. 3Ach wo kommt doch das Übel her, dass alle Welt so voll Falschheit ist?

37,3
2. Kor 11,3
4Wenn’s dem Freund gut geht, so freuen sie sich mit ihm;
37,4
Kap
wenn’s ihm aber schlecht geht, werden sie seine Feinde. 5Sie stehen ihm bei, wenn es um den Bauch geht; aber wenn es Kampf gibt, verstecken sie sich hinter dem Schild. 6Vergiss den Freund nicht in deinem Herzen, 7und denke an ihn, wenn du reich wirst.

8Jeder

37,8
Kap
Ratgeber will raten, aber einige raten zu ihrem eignen Nutzen. 9Darum hüte dich vor dem Ratgeber: Überlege zuvor, was ihm nützlich sein kann, denn er denkt vielleicht daran, zu seinem Vorteil zu raten; lass ihn nicht über dich bestimmen, 10damit er nicht sagt: Du bist auf dem rechten Weg –, selbst aber beiseite steht und achtgibt, wie es dir ergehen wird.

11Berate dich nicht mit dem, der dich missgünstig betrachtet, und vor denen, die dich beneiden, verbirg deinen Plan. 12Man fragt ja auch nicht eine Frau um Rat, wie man ihre Nebenbuhlerin freundlich behandeln soll, oder einen Ängstlichen, wie man Krieg führen soll, oder einen Kaufmann, wie hoch er deine und seine Ware schätzt, oder

37,12
Spr 20,14
einen Käufer, wie teuer du etwas verkaufen sollst, 13oder einen Missgünstigen, wie man denken, oder einen Unbarmherzigen, wie man barmherzig sein soll, oder einen Faulen, wie man viel arbeiten kann, 14oder einen für ein Jahr angeworbenen Tagelöhner, ob seine Arbeit schon zu Ende ist, oder einen trägen Hausknecht, wie viel man leisten kann. Alle diese Leute frag nicht um Rat, 15sondern halte dich stets zu gottesfürchtigen Leuten, von denen du weißt, dass sie Gottes Gebote halten;
37,15
Kap
16die gesinnt sind, wie du bist, die Mitleid mit dir haben, wenn du strauchelst.

17Und bleibe bei dem,

37,17
Dan 1,8
was dir dein Herz rät; denn du wirst keinen treueren Ratgeber finden. 18Denn mit seinem Herzen kann ein Mann oft mehr erkennen als sieben Wächter, die oben auf der Warte sitzen. 19Doch bei alledem rufe den Allerhöchsten an, dass er dein Tun gelingen und nicht fehlschlagen lässt.
37,19
Tob 4,20

20Ehe du etwas anfängst, überleg dir’s zuvor; und ehe du etwas tust, geh mit dir zurate. 21Denn wenn man etwas Neues vorhat, so treten vier Dinge auf: Gutes und Böses, Leben und Tod; und darüber

37,21
Spr 18,21
Jak 3,5
regiert allezeit die Zunge.

22Mancher ist zwar fähig, vielen andern zu raten, aber sich selbst kann er nicht helfen. 23Mancher möchte klug raten und wird doch nicht gern gehört, und so bleibt er ein Bettler; 24denn er hat nicht vom Herrn die Gnade dazu, und es ist keine Weisheit in ihm.

25Mancher ist weise nur für sich selbst; der schafft mit seinem Rat nur für sich selbst Nutzen. 26Ein weiser Mann lehrt sein Volk und schafft mit seinem Rat bleibenden Nutzen. 27Ein weiser Mann wird sehr gelobt, und alle, die ihn sehen, preisen ihn. 28Jeder hat eine

37,28
Hiob 14,5
bestimmte Zeit zu leben; aber
37,28
5. Mose 11,21
Israels Tage sind nicht zu zählen. 29Ein Weiser hat in seinem Volk großes Ansehen, und sein Name bleibt ewig.

Warnung vor Unmäßigkeit

30Mein Kind, prüfe, was für deinen Leib gesund ist; und sieh, was für ihn ungesund ist, das gib ihm nicht. 31Denn nicht alles ist jedem nützlich, auch mag nicht jeder alles. 32Überfriss dich nicht, wenn es dir schmeckt, und sei nicht gierig bei leckeren Speisen. 33

37,33-34
Kap
Denn viel Fressen macht krank, und ein unersättlicher Vielfraß wird sich erbrechen. 34Viele haben sich zu Tode gefressen; wer aber mäßig isst, der lebt desto länger.

38

Lob des Arztes

381Ehre den

38,1
Kol 4,14
Arzt mit gebührender Verehrung, damit du ihn hast, wenn du ihn brauchst; 2denn der Herr hat ihn geschaffen, und
38,2
2. Mose 15,26
die Heilung kommt von dem Höchsten, und Könige ehren ihn mit Geschenken. 3Die Kunst des Arztes erhöht ihn und macht ihn groß bei Fürsten und Herren.

4Der Herr lässt die

38,4
Hes 47,12
Arznei aus der Erde wachsen, und ein Vernünftiger verachtet sie nicht. 5Wurde nicht
38,5
2. Mose 15,23-25
das bittere Wasser süß durch Holz, damit man seine Kraft erkennen sollte? 6Und er hat solche Kunst den Menschen gegeben, um sich herrlich zu erweisen durch seine wunderbaren Mittel. 7Damit heilt er und vertreibt die Schmerzen, und der Apotheker macht Arznei daraus, 8damit
38,8
Joh 5,17
Gottes Werke kein Ende nehmen und es
38,8
Mt 4,23-24
Heilung durch ihn auf Erden gibt.

9

38,9-10
Jes 38,1-516-17
Jak 5,14-16
Mein Kind, wenn du krank bist, so missachte dies nicht; sondern bitte den Herrn, dann wird er dich gesund machen. 10Lass ab von der Sünde und handle rechtschaffen und reinige dein Herz von aller Missetat. 11Opfre lieblichen Geruch und
38,11
3. Mose 2,1-2
feinstes Mehl zum Gedenkopfer, und gib ein fettes Opfer, als müsstest du sterben.

12Danach lass den Arzt zu dir, denn der Herr hat ihn geschaffen; und weise ihn nicht von dir, denn du brauchst auch ihn. 13Es kann die Stunde kommen, in der dem Kranken allein durch die Hand der Ärzte geholfen wird; 14denn auch sie werden den Herrn bitten, dass er’s ihnen gelingen lässt, damit es sich mit ihm bessert und er gesund wird und wieder für sich sorgen kann.

15Wer vor seinem Schöpfer sündigt, der soll dem Arzt in die Hände fallen!

38,15
Ps 107,17-18
Joh 5,14

Von der Trauer um einen Toten

16Mein Kind, wenn einer stirbt, so beweine ihn und klage wie einer, dem großes Leid geschehen ist, und verhülle seinen Leib, wie es ihm zukommt, und bestatte ihn mit Ehren.

38,16
Tob 2,2-9
17
38,17-18
Kap
Du sollst bitterlich weinen und von Herzen betrübt sein und Leid tragen, wie er es verdient hat, 18etwa einen Tag oder zwei, damit man nicht schlecht von dir redet; und tröste dich auch wieder, damit du nicht allzu traurig wirst. 19Denn vom Trauern kommt der Tod, und die Traurigkeit des Herzens schwächt die Kräfte. 20In der Anfechtung bleibt die Traurigkeit, und ein Leben in Armut tut dem Herzen weh.

21

38,21-22
1. Thess 4,13-14
Lass die Traurigkeit nicht in dein Herz, sondern weise sie ab und denk ans Ende und vergiss es nicht; 22denn es gibt kein Wiederkommen. Du hilfst ihm nicht, und dir tust du Schaden. 23Denke daran: wie er gestorben, so musst du auch sterben. Gestern war’s an mir, heute ist’s an dir. 24Weil der Tote nun seine Ruhe hat, so höre auch du auf, ihn zu beklagen, und tröste dich wieder, weil sein Geist von ihm geschieden ist.
38,24
2. Sam 12,19-23

Vom Erlernen der Weisheit

25Wer Weisheit lernt, braucht viel Zeit, und nur wer sonst nichts zu tun hat, wird Weisheit gewinnen.

26Wie kann der Weisheit erlernen, der den Pflug führt und stolz die Ochsen mit dem Stecken antreibt und nur mit solchen Arbeiten umgeht und mit nichts anderm als mit Ochsen zu reden weiß? 27Er muss daran denken, wie er ackern soll, und muss spät und früh den Kühen Futter geben.

28Ebenso geht es den Zimmerleuten und Baumeistern, die Tag und Nacht arbeiten, oder denen, die Siegel stechen und fleißig Bilder malen; die müssen daran denken, dass das Bild ähnlich wird, und früh und spät darauf bedacht sein, dass sie es vollenden.

29Ebenso geht es dem Schmied bei seinem Amboss, der auf das Schmiedewerk achtet und vom Feuer versengt wird und sich in der Hitze des Ofens müde arbeitet. 30Das Hämmern dröhnt ihm in die Ohren, und er sieht darauf, wie er das Werk richtig macht, 31und muss daran denken, wie er’s fertig bringt, und früh und spät darauf bedacht sein, dass es schön aussieht.

32Ebenso geht es dem

38,32
Jer 18,3-4
Töpfer; der muss bei seiner Arbeit sitzen und die Scheibe mit seinen Füßen drehen und muss immer um sein Werk besorgt sein und sein bestimmtes Maß an Arbeit tun. 33Er muss mit seinen Armen aus dem Ton sein Gefäß formen und muss sich mit seinen Füßen abmühen. 34Er muss daran denken, wie er’s fein glasiert, und früh und spät den Ofen fegen.

35Diese alle vertrauen auf ihre Hände, und jeder versteht sich auf sein Handwerk. 36Man kann sie beim Bau der Stadt nicht entbehren, 37sie sind weder Beisassen noch brauchen sie umherzuziehen – doch zur Beratung des Volks werden sie nicht herangezogen, und in der Gemeinde treten sie nicht hervor; 38auf dem Stuhl des Richters sitzen sie nicht, auf Bund und

38,38
Joh 7,49
Gesetz verstehen sie sich nicht; sie können Recht und Gerechtigkeit nicht lehren, 39und weise Sprüche werden bei ihnen nicht gefunden: doch sie
38,39
Spr 18,9
stützen den Bestand der Welt und denken daran, wie sie ihre Arbeit verrichten können.