Lutherbibel 1984 (LU84)
31

Gefahren des Reichtums

311

31,1-11
Lk 12,15-31
Wachen um des Reichtums willen verzehrt den Leib, und sich darum sorgen lässt nicht schlafen. 2Wenn einer wach liegt und sich sorgt, so kann er nicht einschlafen, und schwere Krankheit verscheucht den Schlaf.

3Der Reiche arbeitet und kommt dabei zu Geld, und wenn er ausruht, kann er’s auch genießen. 4Der Arme arbeitet und lebt doch kärglich, und wenn er ausruht, wird er zum Bettler.

5

31,5
Kap
Wer Geld lieb hat, der bleibt nicht ohne Sünde; und wer Gewinn sucht, der wird damit zugrunde gehen. 6
31,6
Kap
Viele kommen zu Fall um Geldes willen, und ihr Verderben steht ihnen vor Augen;
31,6
1. Tim 6,9
7die danach trachten, stürzen darüber, und die Unverständigen verfangen sich darin.

8Wohl dem Reichen, der untadelig geblieben ist und nicht das Geld sucht! 9Wo ist der? So wollen wir ihn loben; denn er tut große Dinge unter seinem Volk.

31,9
2. Sam 19,33
Mt 27,57-60
19,24
10Wer bewährt sich darin bis ans Ende? Der soll gelobt werden. Wer konnte das Gesetz übertreten und tat’s doch nicht, konnte Böses tun und tat’s auch nicht? 11Seine Güter werden bleiben, und die Gemeinde wird seine Almosen preisen.

Warnung vor Unmäßigkeit im Essen und Trinken

12

31,12-21
Spr 23,1-36-8
Wenn du am Tisch eines reichen Mannes sitzt, so sperr deinen Mund nicht auf 13und denke nicht: Hier gibt’s viel zu fressen!, 14sondern bedenke, dass ein neidisches Auge schlimm ist; 15denn was ist neidischer als das Auge? Darum weint es schon beim geringsten Anlass.

16Greif nicht nach dem, wohin der andre sieht, 17damit du nicht mit ihm in der Schüssel zusammenstößt. 18Überlege dir,

31,18
Tob 4,16
Mt 7,12
was dein Nächster gern oder ungern hat, und bedenke alles, was du tust. 19Iss, was dir vorgesetzt wird, wie ein Mensch, und greif nicht gierig zu, damit man dich nicht missachtet. 20Um des Anstandes willen höre du zuerst auf, und sei kein unersättlicher Vielfraß, damit du keinen Anstoß erregst. 21Wenn du mit vielen zu Tisch sitzt, so greif nicht zuerst zu.

22Ein wohlerzogener Mensch ist mit wenig zufrieden; darum braucht er in seinem Bett nicht so zu stöhnen. 23Und wenn der Magen mäßig gehalten wird, so schläft man gut und kann früh am Morgen aufstehen und fühlt sich wohl. 24

31,24-25
Kap
Aber ein unersättlicher Vielfraß schläft unruhig und hat Leibschmerzen und Bauchweh. 25Wenn du genötigt worden bist, viel zu essen, so steh auf, erbrich dich und geh weg, dann wirst du Ruhe haben.

26Mein Kind, gehorche mir und verachte mich nicht, so wirst du zuletzt meine Worte wahr finden. 27Bei allem, was du tust, sei eifrig, so wirst du auch nicht krank werden.

28Einen

31,28
Hebr 13,2
gastfreien Mann loben die Leute und sagen, er sei ein trefflicher Mann; und das stimmt; 29aber von einem Geizhals redet die ganze Stadt schlecht, und man spricht mit Recht so von ihm.

30Sei kein

31,30
Jes 5,22
Held beim Weinsaufen; denn der Wein bringt viele Leute um. 31Das Feuer prüft den Stahl, wenn er in Wasser getaucht ist; so prüft der Wein die Mutwilligen, wenn sie in Streit geraten. 32Der Wein erquickt die Menschen,
31,32
1. Tim 5,23
wenn man ihn mäßig trinkt. 33Und was ist das Leben ohne Wein? 34Denn er ist geschaffen, dass er die Menschen
31,34
Ri 9,13
Ps 104,15
Spr 31,6-7
fröhlich machen soll. 35Der Wein, zu rechter Zeit und in rechtem Maß getrunken, erfreut Herz und Seele. 36Aber wenn man
31,36
1. Mose 9,20-21
zu viel davon trinkt, bringt er Herzeleid, weil man
31,36
Spr 23,29-35
sich gegenseitig reizt und miteinander streitet. 37Die Trunkenheit macht einen Narren noch toller,
31,37
Spr 20,1
38bis er strauchelt und kraftlos hinfällt und sich verletzt.

39Schilt deinen Nächsten nicht beim Wein und verachte ihn nicht, wenn er lustig wird. 40Gib ihm keine bösen Worte und dränge ihn nicht, wenn er dir etwas zurückzuzahlen hat.

32

Bescheidenheit beim Gastmahl

321

32,1-2
Mt 23,611-12
Lk 12,37
17,7-10
Hat man dich zum Tischältesten eingesetzt, so überhebe dich nicht über die andern, sondern stelle dich ihnen gleich. Sorge erst für sie, dann magst du dich setzen. 2Und wenn du alles getan hast, was notwendig war, dann setz dich zu ihnen, 3damit du dich über ihre Ehrung freuen kannst und einen Kranz erhältst, weil du alles so gut geordnet hast.

4Du, der du zu den Älteren zählst, kannst reden, weil es dir zukommt 5und du Erfahrung hast; aber hindere die Spielleute nicht. 6Und wenn man lauscht, so schwatz nicht dazwischen und spare dir deine Weisheit für andere Zeiten. 7Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert Musik das Festmahl. 8Wie ein Smaragd auf schönem Golde, 9so wirken Lieder beim guten Wein.

10

32,10-11
Kap
Auch du, Jüngling, darfst reden, wenn’s nötig ist, aber höchstens zweimal, 11wenn man dich fragt. Mach es kurz und sage mit wenigen Worten viel; 12und mach es wie einer, der zwar Bescheid weiß, aber doch schweigt. 13Stell dich nicht den Vornehmen gleich, und wo Alte sind, schwatz nicht viel. 14Vor dem Donner leuchtet der Blitz; und
32,14
Spr 18,12
dem Bescheidenen geht große Gunst voraus.

15Steh beizeiten auf und sei nicht der Letzte; 16sondern geh eilends heim und sei nicht leichtsinnig. Dort freue dich nach Herzenslust, doch sündige nicht im Übermut; 17sondern danke für das alles dem, der dich geschaffen und

32,17
5. Mose 8,10
1. Kor 10,31
1. Tim 4,4
mit seinen Gütern gesättigt hat.

Bereitschaft zum Vertrauen auf das Gesetz

18

32,18
Kap
Wer den Herrn fürchtet, der nimmt Belehrung an, und
32,18
1. Sam 2,26
wer frühzeitig danach trachtet, der wird Gnade finden. 19
32,19
Spr 2,3-5
Lk 8,18
Wer nach dem Gesetz fragt, der wird’s reichlich empfangen; wer’s aber nicht mit Ernst meint, der wird daran zu Fall kommen. 20Wer den Herrn fürchtet, der findet das Recht, und
32,20
1. Kön 3,10-1216-28
seine Urteile leuchten wie ein Licht. 21Ein Gottloser lässt sich nicht zurechtweisen und findet eine Begründung, wie er sie gerade braucht.
32,21
2. Tim 4,3

22Ein vernünftiger Mann verachtet nicht guten Rat; 23aber ein übermütiger fürchtet sich vor nichts. 24Tu nichts ohne

32,24
Tob 4,19
Rat, so gereut’s dich nicht nach der Tat.

25Geh nicht den Weg, auf dem du fallen oder dich an Steinen stoßen könntest. 26Verlass dich nicht darauf, dass der Weg eben ist; ja,

32,26
2. Sam 15,1-6
hüte dich auch vor deinen eignen Kindern. 27Bei allem, was du tust,
32,27
1. Tim 4,16
hab acht auf dich selbst; denn auch so hält man die Gebote.

28Wer dem Gesetz vertraut, der achtet auf die Gebote; und

32,28
Ps 23,1
wer dem Herrn vertraut, dem wird nichts fehlen.

33

331Wer den Herrn fürchtet, dem widerfährt nichts Böses; sondern

33,1
1. Kor 10,13
wenn er angefochten ist, wird er wieder erlöst werden. 2Ein Weiser lässt sich das Gesetz nicht verleiden; aber ein Heuchler treibt umher wie ein Schiff im Sturm. 3Ein verständiger Mensch vertraut dem Gesetz, und das Gesetz gibt ihm zuverlässige Weisung wie eine
33,3
1. Sam 14,41
Losentscheidung durch Gott.33,3 Gemeint sind die Lose »Licht und Recht« (vgl. Sach- und Worterklärungen).

4Überlege zuvor, was du sagen willst, dann wird man dich anhören; lass dich zuvor belehren, dann kannst du recht antworten. 5Des Narren Herz ist wie ein Rad am Wagen, und seine Gedanken drehen sich wie die Nabe.

6Wie ein Hengst, der unter jedem Reiter wiehert, so ist ein Freund, der Lust zum Spott hat.

Die unterschiedlichen Ordnungen in Gottes Welt

7

33,7-9
1. Mose 2,3
3. Mose 23,1-44
Warum muss ein Tag heiliger sein als der andre, obwohl doch alle Tage im Jahre gleichermaßen von der Sonne herkommen? 8Die Weisheit des Herrn hat sie so unterschieden, und er hat die Zeiten des Jahres und die Feiertage so geordnet: 9Er hat einige ausgezeichnet und geheiligt, und andere hat er in die Reihe der übrigen Tage gestellt.

10Wie

33,10
Kap
alle Menschen aus der Erde und Adam aus dem Staube geschaffen sind, 11so hat sie doch der Herr unterschieden in seiner großen Weisheit und ihre Wege verschieden bestimmt. 12Einige hat er gesegnet, erhöht und geheiligt und zu seinem Dienst bestellt; andere aber hat er verflucht und erniedrigt und aus ihrer Stellung gestürzt.
33,12
1. Mose 4,4-5
1. Sam 2,6-8
13Denn
33,13
Röm 9,21
sie sind in seiner Hand wie Ton in des Töpfers Hand; er macht alle seine Werke, wie es ihm gefällt. 14So sind auch die Menschen in der Hand dessen, der sie gemacht hat, er gibt einem jeden, wie er es für recht hält.

15

33,15-16
Kap
Wie das Gute dem Bösen und das Leben dem Tod gegenübergestellt ist, so der Gottesfürchtige dem Gottlosen. 16So schau alle Werke des Höchsten an: Es sind immer jeweils zwei und dabei eins dem andern gegenübergestellt.

Vom Verhalten gegenüber Familie und Gesinde

17Als Letzter bin auch ich am Werk gewesen wie einer, der im Herbst

33,17
3. Mose 19,9-10
Nachlese hält; und Gott hat mir den Segen dazu gegeben, dass auch ich meine Kelter füllen konnte wie bei der Hauptlese. 18Schaut, wie ich nicht für mich allein gearbeitet habe, sondern für alle, die gern lernen wollen!
33,18
Kap
19Gehorcht mir, ihr Vornehmen im Volk, und ihr Vorsteher in der Gemeinde, vernehmt es!

20Lass den

33,20
Kap
Sohn, die Frau, den Bruder, den Freund nicht über dich verfügen, solange du lebst; und übergib niemand dein Hab und Gut, damit es dich nicht reut und du sie darum bitten musst. 21Solange du lebst und atmen kannst, überlass deinen Platz keinem andern Menschen. 22Es ist besser, dass deine Kinder dich brauchen, als dass du aus ihren Händen nehmen musst. 23Bei allem, was du tust, behalte die Entscheidung in der Hand, und lass dir deine Ehre nicht nehmen. 24Wenn dein Ende kommt, dass du davonmusst, dann teile dein Erbe aus.

25Der Esel braucht Futter, den Stock und seine Last und der Sklave Brot, Strafe und Arbeit. 26Halte den Sklaven zur Arbeit an, so hast du Ruhe vor ihm; lässt du ihn müßiggehen, so will er frei sein.

27Joch und Riemen beugen den Nacken; ein böser Sklave gehört in den Block und verdient Schläge!

33,27
Spr 29,19
28Treibe ihn zur Arbeit an, dass er nicht müßiggeht; 29denn Müßiggang lehrt viel Böses. 30
33,30-31
2. Mose 21,20-217,22-23
Phlm 16
Lege ihm Arbeiten auf, die einem Sklaven gebühren; gehorcht er dann nicht, so fessle seine Füße. Doch lege keinem zu viel auf und tu nichts, ohne ein Recht darauf zu haben. 31Hast du einen Sklaven, so halt’s mit ihm wie mit dir selbst; denn du hast ihn teuer erworben. Hast du einen Sklaven, so behandle ihn wie einen Bruder; denn du hast ihn nötig wie dein eignes Leben. 32Behandelst du ihn aber schlecht, sodass er sich aufmacht und davonläuft: wo willst du ihn dann suchen?