Lutherbibel 1984 (LU84)
29

Von Darlehen und ihrer Rückgabe

291Der Barmherzige

29,1
Ps 37,2126
Tob 1,17
leiht seinem Nächsten, und wer ihm aufhilft, der hält die Gebote. 2
29,2
Mt 5,42
Leihe deinem Nächsten, wenn er’s nötig hat, und gib’s auch dem Nächsten wiederum zurück zur bestimmten Zeit. 3Halte, was du zugesagt hast, und handle ehrlich mit ihm, so findest du allezeit, was du brauchst.

4Mancher meint, er habe gefunden, was er doch geborgt hat, und macht dem Ärger, der ihm geholfen hat. 5Er küsst einem die Hand, bis er’s empfängt, und redet unterwürfig, weil der Nächste Geld hat; 6aber wenn er’s zurückgeben soll, so verzögert er’s und klagt sehr, es sei schwere Zeit. 7Und wenn er’s auch kann, gibt er kaum die Hälfte zurück und rechnet’s jenem als Gewinn an. 8Kann er’s aber nicht, so bringt er jenen um sein Geld und macht ihn schließlich sich zum Feind nicht ohne Schuld; 9denn er bezahlt ihn mit Fluchen und Schelten und gibt ihm Schmähworte statt Dank.

10Mancher leiht ungern, nicht aus Bosheit, sondern weil er fürchtet, schuldlos um das Seine zu kommen.

29,10
Kap
11
29,11-17
Kap
Doch habe Geduld mit deinem Nächsten in der Not, und lass ihm aus Barmherzigkeit Zeit.
29,11
Mt 18,29
12Hilf dem Armen um des Gebots willen, und lass ihn in der Not nicht leer von dir weggehen.
29,12
5. Mose 15,7-11
13
29,13
Lk 6,3035
Verlier lieber dein Geld um deines Bruders und Freundes willen, und
29,13
Mt 25,18
vergrabe es nicht unter einen Stein, wo es doch verrostet. 14Sammle dir
29,14
Mt 6,20
einen Schatz nach dem Gebot des Allerhöchsten; der
29,14
Jak 5,2-3
wird für dich besser sein als Gold. 15Lege dir einen Schatz von Wohltaten an; der wird dich erretten aus allem Unglück
29,15
Kap
16und für dich streiten gegen deinen Feind 17besser als ein starker Schild oder ein schwerer Spieß.

Vom Bürgschaftleisten

18Ein rechtschaffener Mann wird Bürge für seinen Nächsten; 19aber ein Schamloser lässt ihn im Stich. 20Vergiss nicht, was dein Bürge für dich getan hat; 21denn er hat sich mit seinem Leben für dich eingesetzt. 22Der Gottlose bringt seinen Bürgen um Hab und Gut, 23und ein Undankbarer lässt seinen Retter im Stich.

24

29,24
Spr 6,1-2
Bürge werden hat viele reiche Leute zugrunde gerichtet und hin und her geworfen wie die Wellen im Meer. 25Es hat mächtige Leute von Haus und Hof vertrieben, sodass sie in fremden Ländern umherirren mussten.

26Ein Gottloser, der sich zur Bürgschaft drängt und Gewinn davon haben will, der wird der Strafe nicht entgehen. 27Hilf deinem Nächsten aus, soviel du kannst; doch

29,27
Kap
sieh dich vor, dass du nicht selbst darüber zu Schaden kommst.

Vom Elend in der Fremde

28Das Erste zum Leben sind Wasser und Brot, Kleider und Haus – das braucht man am nötigsten.

29,28
Kap
29Besser ein armes Leben in der eignen Hütte als ein köstlich gedeckter Tisch in fremden Häusern. 30Lass dir genügen, ob du wenig oder viel hast; dann wirst du nicht die Schmähung hören, dass du ein Fremder bist; denn
29,30
Kap
es ist ein schlimmes Leben, von Haus zu Haus zu ziehen. 31Und wo du fremd bist, darfst du deinen Mund nicht auftun. 32Ein Fremdling wirst du bleiben und Schmähworte herunterschlucken müssen; 33dazu musst du bittere Worte hören, nämlich: Du Fremder, geh hin und bereite den Tisch und lass mich essen, was du hast!, 34oder: Zieh aus, du Fremder, ich habe einen besseren Gast gekriegt; mein Bruder zieht zu mir, ich muss das Haus haben. 35Das ist schwer für einen vernünftigen Menschen, dass er um der Bleibe willen gescholten und als Gläubiger gekränkt wird.

30

Empfehlung strenger Erziehung

301

30,1-13
Kap
Wer seinen Sohn lieb hat, der hält für ihn die Rute bereit, damit er später Freude an ihm erlebt. 2Wer seinen Sohn in Zucht hält, der wird sich an ihm freuen und braucht sich bei den Bekannten seinetwegen nicht zu schämen. 3Wer seinen Sohn gut erzieht, der macht seinen Feind neidisch, aber vor seinen Freunden kann er über ihn frohlocken; 4denn wenn sein Vater stirbt, so ist’s, als wäre er nicht gestorben; denn er hat sein Ebenbild hinterlassen. 5Als er noch lebte, sah er ihn mit Freuden an; als er starb, brauchte er sich nicht zu sorgen; 6denn er hat einen Sohn hinterlassen, der an seinen Feinden Rache übt, aber den Freunden wieder Gutes tut.
30,6
1. Kön 2,5-9
Röm 12,19

7Wer aber zu weich ist gegen seinen Sohn, der verbindet ihm die Wunden und erschrickt, wenn dieser weint. 8Ein ungebändigtes Pferd wird störrisch, und ein zügelloser Sohn wird ungebärdig. 9

30,9
1. Kön 1,5-6
Verhätschelst du dein Kind, so musst du dich vor ihm fürchten; spielst du mit ihm, so wird es dich betrüben. 10Spotte nicht gemeinsam mit ihm, damit du nicht mit ihm trauern und zuletzt die Zähne zusammenbeißen musst. 11Lass ihm seinen Willen nicht in der Jugend und entschuldige seine Verfehlungen nicht. 12Beuge ihm den Nacken, solange es noch jung ist; bläue ihm den Rücken, solange es noch klein ist, damit es nicht halsstarrig und dir ungehorsam wird und dir Herzeleid bereitet. 13Erzieh deinen Sohn und
30,13
Kap
lass ihn nicht müßiggehen, damit du nicht über seiner Torheit zuschanden wirst.

Wert der Gesundheit

14Es ist besser, arm zu sein und dabei frisch und gesund als reich und nicht gesund. 15Gesund und frisch sein ist besser als alles Gold, und

30,15
Apg 3,6
ein gesunder Körper ist besser als großes Gut. 16Kein Reichtum ist zu vergleichen mit einem gesunden Körper, und kein Gut gleicht der Freude des Herzens.

17Der

30,17
Kap
Tod ist besser als ein bitteres Leben und ewige Ruhe besser als stete
30,17
2. Kor 12,9
Krankheit. 18Ein gutes Gericht vor einem Mund, der nicht essen kann, ist wie die Speise, die man einem Toten aufs Grab stellt. 19Was nützt einem Götzen das Opfermahl, das er doch
30,19
St zu Dan 2,6
weder essen noch riechen kann? 20So ist’s mit dem, der vom Herrn heimgesucht wird. 21Er sieht es zwar mit den Augen und seufzt, aber ist
30,21
Kap
wie ein Verschnittener, der eine Jungfrau in den Armen hält und seufzt.

Lob eines fröhlichen Herzens

22Gib dich nicht der Traurigkeit hin, und plage dich nicht selbst mit deinen eignen Gedanken. 23Denn

30,23
Spr 17,22
ein fröhliches Herz ist des Menschen Leben, und seine Freude verlängert sein Leben. 24Ermuntere dich und tröste dein Herz, und vertreibe die Traurigkeit von dir.
30,24
Phil 4,4
25Denn die
30,25
Kap
Traurigkeit tötet viele Leute und dient doch zu nichts. 26Eifer und Zorn verkürzen das Leben, und Sorge macht alt vor der Zeit. 27Ein Herz, das heiter und beim Mahl fröhlich ist, sorgt für gutes Essen.
30,27
Pred 2,24-25

31

Gefahren des Reichtums

311

31,1-11
Lk 12,15-31
Wachen um des Reichtums willen verzehrt den Leib, und sich darum sorgen lässt nicht schlafen. 2Wenn einer wach liegt und sich sorgt, so kann er nicht einschlafen, und schwere Krankheit verscheucht den Schlaf.

3Der Reiche arbeitet und kommt dabei zu Geld, und wenn er ausruht, kann er’s auch genießen. 4Der Arme arbeitet und lebt doch kärglich, und wenn er ausruht, wird er zum Bettler.

5

31,5
Kap
Wer Geld lieb hat, der bleibt nicht ohne Sünde; und wer Gewinn sucht, der wird damit zugrunde gehen. 6
31,6
Kap
Viele kommen zu Fall um Geldes willen, und ihr Verderben steht ihnen vor Augen;
31,6
1. Tim 6,9
7die danach trachten, stürzen darüber, und die Unverständigen verfangen sich darin.

8Wohl dem Reichen, der untadelig geblieben ist und nicht das Geld sucht! 9Wo ist der? So wollen wir ihn loben; denn er tut große Dinge unter seinem Volk.

31,9
2. Sam 19,33
Mt 27,57-60
19,24
10Wer bewährt sich darin bis ans Ende? Der soll gelobt werden. Wer konnte das Gesetz übertreten und tat’s doch nicht, konnte Böses tun und tat’s auch nicht? 11Seine Güter werden bleiben, und die Gemeinde wird seine Almosen preisen.

Warnung vor Unmäßigkeit im Essen und Trinken

12

31,12-21
Spr 23,1-36-8
Wenn du am Tisch eines reichen Mannes sitzt, so sperr deinen Mund nicht auf 13und denke nicht: Hier gibt’s viel zu fressen!, 14sondern bedenke, dass ein neidisches Auge schlimm ist; 15denn was ist neidischer als das Auge? Darum weint es schon beim geringsten Anlass.

16Greif nicht nach dem, wohin der andre sieht, 17damit du nicht mit ihm in der Schüssel zusammenstößt. 18Überlege dir,

31,18
Tob 4,16
Mt 7,12
was dein Nächster gern oder ungern hat, und bedenke alles, was du tust. 19Iss, was dir vorgesetzt wird, wie ein Mensch, und greif nicht gierig zu, damit man dich nicht missachtet. 20Um des Anstandes willen höre du zuerst auf, und sei kein unersättlicher Vielfraß, damit du keinen Anstoß erregst. 21Wenn du mit vielen zu Tisch sitzt, so greif nicht zuerst zu.

22Ein wohlerzogener Mensch ist mit wenig zufrieden; darum braucht er in seinem Bett nicht so zu stöhnen. 23Und wenn der Magen mäßig gehalten wird, so schläft man gut und kann früh am Morgen aufstehen und fühlt sich wohl. 24

31,24-25
Kap
Aber ein unersättlicher Vielfraß schläft unruhig und hat Leibschmerzen und Bauchweh. 25Wenn du genötigt worden bist, viel zu essen, so steh auf, erbrich dich und geh weg, dann wirst du Ruhe haben.

26Mein Kind, gehorche mir und verachte mich nicht, so wirst du zuletzt meine Worte wahr finden. 27Bei allem, was du tust, sei eifrig, so wirst du auch nicht krank werden.

28Einen

31,28
Hebr 13,2
gastfreien Mann loben die Leute und sagen, er sei ein trefflicher Mann; und das stimmt; 29aber von einem Geizhals redet die ganze Stadt schlecht, und man spricht mit Recht so von ihm.

30Sei kein

31,30
Jes 5,22
Held beim Weinsaufen; denn der Wein bringt viele Leute um. 31Das Feuer prüft den Stahl, wenn er in Wasser getaucht ist; so prüft der Wein die Mutwilligen, wenn sie in Streit geraten. 32Der Wein erquickt die Menschen,
31,32
1. Tim 5,23
wenn man ihn mäßig trinkt. 33Und was ist das Leben ohne Wein? 34Denn er ist geschaffen, dass er die Menschen
31,34
Ri 9,13
Ps 104,15
Spr 31,6-7
fröhlich machen soll. 35Der Wein, zu rechter Zeit und in rechtem Maß getrunken, erfreut Herz und Seele. 36Aber wenn man
31,36
1. Mose 9,20-21
zu viel davon trinkt, bringt er Herzeleid, weil man
31,36
Spr 23,29-35
sich gegenseitig reizt und miteinander streitet. 37Die Trunkenheit macht einen Narren noch toller,
31,37
Spr 20,1
38bis er strauchelt und kraftlos hinfällt und sich verletzt.

39Schilt deinen Nächsten nicht beim Wein und verachte ihn nicht, wenn er lustig wird. 40Gib ihm keine bösen Worte und dränge ihn nicht, wenn er dir etwas zurückzuzahlen hat.