Lutherbibel 1984 (LU84)
28

281

28,1-2
Mt 6,1214-15
Wer sich rächt, an dem wird sich der Herr wieder rächen und wird ihm seine Sünden auch anrechnen. 2Vergib deinem Nächsten, was er dir zuleide getan hat, so werden auch dir deine Sünden vergeben, wenn du darum betest. 3
28,3-5
Mt 5,23-24
18,21-35
Ein Mensch hält gegen den andern am Zorn fest – und will bei dem Herrn Gnade suchen? 4Er ist unbarmherzig gegen seinesgleichen – und will für seine Sünden bitten? 5Er ist nur Fleisch und Blut und hält am Zorn fest – wer will denn ihm seine Sünden vergeben?

6

28,6-7
Kap
Denk an das Ende und lass die Feindschaft fahren. 7Denk an das Verderben und an den Tod und bleibe bei den Geboten. 8Denk an die Gebote und lass deinen Groll gegen deinen Nächsten. 9Denk an den Bund des Höchsten und vergib, was dein Nächster gefehlt hat, ohne es zu wissen.

10

28,10-11
Spr 29,22
Halte dich fern vom Streit, so wirst du weniger sündigen. 11Denn ein zorniger Mensch entfacht Streit, und der Gottlose bringt gute Freunde auseinander und hetzt gegeneinander, die in Frieden leben. 12
28,12
Spr 26,20
Wenn viel Holz da ist, wird das Feuer umso größer, und wenn der Streit hart ist, entbrennt er umso heftiger; wenn einer Macht hat, wird sein Zorn umso größer, und wenn einer reich ist, wird sein Zorn umso heftiger.

13Schnell sein zum Zank zündet ein Feuer an, und schnell sein zum Streit führt zu Blutvergießen.

28,13
Kap
14Bläst du in einen Funken, so wird ein Feuer daraus; speist du aber darauf, so verlöscht er; und beides kann aus deinem Munde kommen.

15Den

28,15
Spr 16,28
Verleumder und Doppelzüngigen soll man verfluchen; denn er richtet viele zugrunde, die in Frieden leben. 16Ein Schandmaul28,16 Verse 16 und 18: Schandmaul wörtlich: dritte Zunge. bringt viele Leute zu Fall und vertreibt sie aus einem Land ins andre. 17Es reißt feste Städte ein und zerstört die Paläste der Fürsten. 18Ein Schandmaul verstößt redliche Frauen 19und raubt ihnen, was sie sauer erwarben. 20Wer darauf hört, hat keine Ruhe mehr und kann nicht in Frieden leben.

21Die Geißel macht Striemen; aber die Zunge zerschmettert die Knochen. 22Viele sind gefallen durch die Schärfe des Schwerts, aber nirgends so viele wie durch die

28,22
Jak 3,5-8
Zunge. 23Wohl dem, der vor ihr bewahrt bleibt und von ihrem Zorn verschont wird und ihr Joch nicht tragen muss und mit ihren Fesseln nicht gebunden ist! 24Denn ihr Joch ist eisern und ihre Fesseln ehern; 25der Tod durch sie ist ein bitterer Tod, doch immer noch besser, als mit ihr zu leben; 26aber den Gottesfürchtigen wird sie nicht unterdrücken, und er wird in ihrem Feuer nicht verbrennen. 27Wer aber den Herrn verlässt, der wird hineinfallen und darin verbrennen, und es wird nicht ausgelöscht werden; es wird ihn überfallen wie ein Löwe und ihn zerfleischen wie ein Panther.

28Du umzäunst dein Hab und Gut mit Dornen; warum machst du nicht vielmehr

28,28
Kap
vor deinen Mund Tür und Riegel? 29Du
28,29
Kap
wägst dein Silber und Gold, bevor du es aufbewahrst; warum wägst du nicht auch deine Worte auf der Goldwaage? 30Hüte dich, dass du nicht dadurch ausgleitest und hinfällst vor denen, die auf dich lauern.

29

Von Darlehen und ihrer Rückgabe

291Der Barmherzige

29,1
Ps 37,2126
Tob 1,17
leiht seinem Nächsten, und wer ihm aufhilft, der hält die Gebote. 2
29,2
Mt 5,42
Leihe deinem Nächsten, wenn er’s nötig hat, und gib’s auch dem Nächsten wiederum zurück zur bestimmten Zeit. 3Halte, was du zugesagt hast, und handle ehrlich mit ihm, so findest du allezeit, was du brauchst.

4Mancher meint, er habe gefunden, was er doch geborgt hat, und macht dem Ärger, der ihm geholfen hat. 5Er küsst einem die Hand, bis er’s empfängt, und redet unterwürfig, weil der Nächste Geld hat; 6aber wenn er’s zurückgeben soll, so verzögert er’s und klagt sehr, es sei schwere Zeit. 7Und wenn er’s auch kann, gibt er kaum die Hälfte zurück und rechnet’s jenem als Gewinn an. 8Kann er’s aber nicht, so bringt er jenen um sein Geld und macht ihn schließlich sich zum Feind nicht ohne Schuld; 9denn er bezahlt ihn mit Fluchen und Schelten und gibt ihm Schmähworte statt Dank.

10Mancher leiht ungern, nicht aus Bosheit, sondern weil er fürchtet, schuldlos um das Seine zu kommen.

29,10
Kap
11
29,11-17
Kap
Doch habe Geduld mit deinem Nächsten in der Not, und lass ihm aus Barmherzigkeit Zeit.
29,11
Mt 18,29
12Hilf dem Armen um des Gebots willen, und lass ihn in der Not nicht leer von dir weggehen.
29,12
5. Mose 15,7-11
13
29,13
Lk 6,3035
Verlier lieber dein Geld um deines Bruders und Freundes willen, und
29,13
Mt 25,18
vergrabe es nicht unter einen Stein, wo es doch verrostet. 14Sammle dir
29,14
Mt 6,20
einen Schatz nach dem Gebot des Allerhöchsten; der
29,14
Jak 5,2-3
wird für dich besser sein als Gold. 15Lege dir einen Schatz von Wohltaten an; der wird dich erretten aus allem Unglück
29,15
Kap
16und für dich streiten gegen deinen Feind 17besser als ein starker Schild oder ein schwerer Spieß.

Vom Bürgschaftleisten

18Ein rechtschaffener Mann wird Bürge für seinen Nächsten; 19aber ein Schamloser lässt ihn im Stich. 20Vergiss nicht, was dein Bürge für dich getan hat; 21denn er hat sich mit seinem Leben für dich eingesetzt. 22Der Gottlose bringt seinen Bürgen um Hab und Gut, 23und ein Undankbarer lässt seinen Retter im Stich.

24

29,24
Spr 6,1-2
Bürge werden hat viele reiche Leute zugrunde gerichtet und hin und her geworfen wie die Wellen im Meer. 25Es hat mächtige Leute von Haus und Hof vertrieben, sodass sie in fremden Ländern umherirren mussten.

26Ein Gottloser, der sich zur Bürgschaft drängt und Gewinn davon haben will, der wird der Strafe nicht entgehen. 27Hilf deinem Nächsten aus, soviel du kannst; doch

29,27
Kap
sieh dich vor, dass du nicht selbst darüber zu Schaden kommst.

Vom Elend in der Fremde

28Das Erste zum Leben sind Wasser und Brot, Kleider und Haus – das braucht man am nötigsten.

29,28
Kap
29Besser ein armes Leben in der eignen Hütte als ein köstlich gedeckter Tisch in fremden Häusern. 30Lass dir genügen, ob du wenig oder viel hast; dann wirst du nicht die Schmähung hören, dass du ein Fremder bist; denn
29,30
Kap
es ist ein schlimmes Leben, von Haus zu Haus zu ziehen. 31Und wo du fremd bist, darfst du deinen Mund nicht auftun. 32Ein Fremdling wirst du bleiben und Schmähworte herunterschlucken müssen; 33dazu musst du bittere Worte hören, nämlich: Du Fremder, geh hin und bereite den Tisch und lass mich essen, was du hast!, 34oder: Zieh aus, du Fremder, ich habe einen besseren Gast gekriegt; mein Bruder zieht zu mir, ich muss das Haus haben. 35Das ist schwer für einen vernünftigen Menschen, dass er um der Bleibe willen gescholten und als Gläubiger gekränkt wird.

30

Empfehlung strenger Erziehung

301

30,1-13
Kap
Wer seinen Sohn lieb hat, der hält für ihn die Rute bereit, damit er später Freude an ihm erlebt. 2Wer seinen Sohn in Zucht hält, der wird sich an ihm freuen und braucht sich bei den Bekannten seinetwegen nicht zu schämen. 3Wer seinen Sohn gut erzieht, der macht seinen Feind neidisch, aber vor seinen Freunden kann er über ihn frohlocken; 4denn wenn sein Vater stirbt, so ist’s, als wäre er nicht gestorben; denn er hat sein Ebenbild hinterlassen. 5Als er noch lebte, sah er ihn mit Freuden an; als er starb, brauchte er sich nicht zu sorgen; 6denn er hat einen Sohn hinterlassen, der an seinen Feinden Rache übt, aber den Freunden wieder Gutes tut.
30,6
1. Kön 2,5-9
Röm 12,19

7Wer aber zu weich ist gegen seinen Sohn, der verbindet ihm die Wunden und erschrickt, wenn dieser weint. 8Ein ungebändigtes Pferd wird störrisch, und ein zügelloser Sohn wird ungebärdig. 9

30,9
1. Kön 1,5-6
Verhätschelst du dein Kind, so musst du dich vor ihm fürchten; spielst du mit ihm, so wird es dich betrüben. 10Spotte nicht gemeinsam mit ihm, damit du nicht mit ihm trauern und zuletzt die Zähne zusammenbeißen musst. 11Lass ihm seinen Willen nicht in der Jugend und entschuldige seine Verfehlungen nicht. 12Beuge ihm den Nacken, solange es noch jung ist; bläue ihm den Rücken, solange es noch klein ist, damit es nicht halsstarrig und dir ungehorsam wird und dir Herzeleid bereitet. 13Erzieh deinen Sohn und
30,13
Kap
lass ihn nicht müßiggehen, damit du nicht über seiner Torheit zuschanden wirst.

Wert der Gesundheit

14Es ist besser, arm zu sein und dabei frisch und gesund als reich und nicht gesund. 15Gesund und frisch sein ist besser als alles Gold, und

30,15
Apg 3,6
ein gesunder Körper ist besser als großes Gut. 16Kein Reichtum ist zu vergleichen mit einem gesunden Körper, und kein Gut gleicht der Freude des Herzens.

17Der

30,17
Kap
Tod ist besser als ein bitteres Leben und ewige Ruhe besser als stete
30,17
2. Kor 12,9
Krankheit. 18Ein gutes Gericht vor einem Mund, der nicht essen kann, ist wie die Speise, die man einem Toten aufs Grab stellt. 19Was nützt einem Götzen das Opfermahl, das er doch
30,19
St zu Dan 2,6
weder essen noch riechen kann? 20So ist’s mit dem, der vom Herrn heimgesucht wird. 21Er sieht es zwar mit den Augen und seufzt, aber ist
30,21
Kap
wie ein Verschnittener, der eine Jungfrau in den Armen hält und seufzt.

Lob eines fröhlichen Herzens

22Gib dich nicht der Traurigkeit hin, und plage dich nicht selbst mit deinen eignen Gedanken. 23Denn

30,23
Spr 17,22
ein fröhliches Herz ist des Menschen Leben, und seine Freude verlängert sein Leben. 24Ermuntere dich und tröste dein Herz, und vertreibe die Traurigkeit von dir.
30,24
Phil 4,4
25Denn die
30,25
Kap
Traurigkeit tötet viele Leute und dient doch zu nichts. 26Eifer und Zorn verkürzen das Leben, und Sorge macht alt vor der Zeit. 27Ein Herz, das heiter und beim Mahl fröhlich ist, sorgt für gutes Essen.
30,27
Pred 2,24-25