Lutherbibel 1984 (LU84)
23

231Herr, Vater und Herrscher über mein Leben, verlass mich nicht, wenn sie mich verführen wollen, und lass mich durch sie nicht zu Fall kommen. 2Könnte doch jemand eine Geißel für meine Gedanken beschaffen und eine Zuchtrute zur Weisheit für mein Herz, dass ich nicht geschont werde, wenn ich falsch handle, und meine Sünden nicht unbestraft bleiben, 3damit meine Torheiten nicht noch mehr werden und meine Sünden nicht zunehmen, damit ich nicht zu Fall komme vor meinen Feinden und ihnen zum Spott werde!

4Herr,

23,4
Ps 89,27
Weish 2,16
Vater und Gott meines Lebens, 5behüte mich vor
23,5
Hiob 31,1
lüsternem Blick und wende von mir alle
23,5
Tob 3,17
bösen Begierden! 6Lass mich nicht in Wollust und Unkeuschheit geraten und behüte mich vor schamlosem Sinn!

Warnung vor Zungensünden

7

23,7-8
Spr 10,1419
Liebe Kinder, lernt den Mund halten; denn wer ihn hält, der wird sich mit seinen Worten nicht verfangen, 8wie der Gottlose sich verfängt und der Lästerer und Stolze durch sie zu Fall kommen.

9Gewöhne deinen Mund nicht ans

23,9
Mt 5,33-37
Schwören und nicht daran,
23,9
2. Mose 20,7
den Namen des Heiligen ständig zu nennen. 10Denn wie ein Knecht, der beim Verhör oft geschlagen wird, nicht ohne Striemen ist, 11so kann auch der nicht rein von Sünde bleiben, der oft schwört und Gottes Namen ständig nennt. 12Wer oft schwört, der sündigt oft, und die Plage wird seinem Hause nicht fernbleiben. 13Schwört er
23,13
3. Mose 5,4-6
unbedacht, so sündigt er dennoch; hält er’s nicht, so sündigt er zweifach; 14schwört er aber falsch, so wird er nicht gerecht gesprochen; sein Haus wird hart bestraft werden.

15Es gibt eine Art zu reden, die dem Tod gleicht; davor behüte Gott das Haus Jakob! 16Die Gottesfürchtigen fliehen dies alles und besudeln sich nicht mit dieser Sünde. 17Gewöhne deinen Mund nicht an rohe und schmutzige Reden; denn dabei kommt es zur Sünde.

18Denk an deinen Vater und deine Mutter, wenn du unter vornehmen Leuten sitzt, 19damit du dich nicht vor ihnen vergisst und nicht durch dein Benehmen zum Narren wirst und schließlich wünschst, du wärst nie geboren, und

23,19
Jer 20,14
den Tag deiner Geburt verfluchst. 20Wer sich daran gewöhnt, schändlich zu reden, der nimmt sein Leben lang keine Zucht an.

Warnung vor Unzucht

21Zwei Arten von Menschen begehen viele Sünden und die dritte bringt Strafe über sich: 22Wer voll brünstiger Gier ist, der ist wie ein brennendes Feuer und hört nicht auf, bis er sich selbst verzehrt hat. 23Ein Mann, der an sich selbst Unzucht treibt, hat keine Ruhe, bis das Feuer ausgebrannt ist. 24Einem sittenlosen Menschen scheint alle Speise süß, und er lässt nicht ab, bis er ein Ende nimmt.

25Ein Mann, der seine Ehe bricht und denkt bei sich:

23,25
Hiob 24,15
Wer sieht mich schon? 26Es ist finster um mich und die Wände verbergen mich, sodass mich
23,26
St zu Dan 1,20
niemand sieht; was soll ich scheuen? Der Allerhöchste achtet auf meine Sünden nicht –, 27der scheut nur die Augen der Menschen 28und bedenkt nicht, dass die Augen des Herrn vieltausendmal heller sind als die Sonne und
23,28
Kap
alles sehen, was die Menschen tun, und auch in die verborgenen Winkel schauen; 29alle Dinge sind ihm bekannt, ehe sie geschaffen werden, und ebenso, wenn sie vollbracht sind. 30
23,30-34
2. Mose 20,14
5. Mose 22,22
Dieser Mann wird öffentlich in der Stadt bestraft werden, 31und er wird ergriffen werden, wenn er sich’s am wenigsten versieht.

32Ebenso wird’s auch einer Frau ergehen, die ihren Mann betrügt und einen Erben von einem andern bekommt. 33Erstens ist sie dem Gebot des Höchsten ungehorsam; zum andern versündigt sie sich an ihrem Mann; zum Dritten bekommt sie durch ihren Ehebruch Kinder von einem andern. 34Eine solche Frau wird man der Gemeinde vorführen, und ihre Kinder müssen’s büßen. 35Ihre Kinder werden nicht Wurzel schlagen, und ihre Zweige werden nicht Frucht bringen.

23,35
Kap
36Wenn man sich an sie erinnert, flucht man ihr, und ihre Schande wird niemals ausgetilgt.
23,36
Weish 10,8
37Daran lernen die Nachkommen, dass nichts besser ist, als Gott zu fürchten, und nichts
23,37
Ps 119,103
süßer, als auf Gottes Gebote zu achten.

24

Das Hohelied der Weisheit

241

24,1-47
Spr 8,1-36
Hiob 28,1-28
Die Weisheit preist sich selbst, und unter dem Volk rühmt sie sich. 2Sie tut ihren Mund auf in der Gemeinde des Höchsten 3und lobt sich vor seinem himmlischen Heer und spricht: 4»Ich ging vom Munde des Höchsten aus
24,4
Weish 7,25
6,24
Spr 2,6
5und bedeckte wie Nebel die Erde. 6Mein Zelt war in der Höhe und mein Thron auf den Wolken.
24,6
Bar 3,29
7Ich allein durchwanderte das Himmelsgewölbe 8und durchzog die Tiefen des Abgrunds. 9Auf den Wogen im Meer, überall auf Erden, 10unter allen Menschen und Völkern gewann ich Besitz. 11Bei diesen allen suchte ich Wohnung, um bei einem von ihnen einen Erbbesitz zu finden.

12Da gebot mir der Schöpfer aller Dinge, und der mich geschaffen hat, gab mir eine bleibende Wohnung 13und sprach:

24,13
Bar 3,37-38
In Jakob sollst du wohnen, und in Israel soll dein Erbbesitz sein. 14Vor der Welt,
24,14
Kap
im Anfang bin ich geschaffen und werde ewig bleiben. 15Ich habe vor
24,15
2. Mose 40,2-3
ihm im heiligen Zelt gedient und danach
24,15
1. Kön 8,1916
auf dem Zion eine feste Stätte gefunden; so hat er mich in die geliebte Stadt gesetzt, dass ich in Jerusalem regieren sollte. 16Ich bin eingewurzelt bei einem geehrten Volk, das
24,16
5. Mose 7,6
Gottes Erbteil ist.

17

24,17-18
Ps 92,13
Ich bin hochgewachsen wie eine Zeder auf dem Libanon und wie eine Zypresse auf dem Gebirge Hermon. 18Ich bin aufgewachsen wie ein Palmbaum in En-Gedi und wie die Rosenstöcke in Jericho, 19wie ein schöner Ölbaum auf freiem Felde; ich bin aufgewachsen wie eine Platane. 20Ich strömte einen
24,20
Kap
lieblichen Geruch aus wie Zimt und köstliche Würze und duftete wie die beste Myrrhe, 21wie Galbanum und Onyx und Stakte und wie der Weihrauch im Tempel.
24,21
2. Mose 30,34-35
22Ich breitete meine Zweige aus wie eine Terebinthe, und meine Zweige waren schön und prächtig. 23Ich sprosste lieblich wie der Weinstock, 24und meine Blüte brachte herrliche und reiche Frucht.

25

24,25
Kap
Kommt her zu mir, alle, die ihr nach mir verlangt, 26und sättigt euch an meinen Früchten! 27Denn an mich zu denken ist
24,27
Kap
süßer als Honig, und mich zu besitzen süßer als Honigseim. 28
24,28-29
Joh 4,13-14
6,35
Wer von mir isst, den hungert immer nach mir; 29und wer von mir trinkt, den dürstet immer nach mir. 30Wer mir gehorcht, der wird nicht zuschanden; 31und wer mir dient, der wird unschuldig bleiben.«

32Dies alles ist das

24,32
2. Kön 23,2
Bar 4,1
Buch des Bundes, den der höchste Gott aufgerichtet hat, 33nämlich
24,33
5. Mose 33,4
das Gesetz, das uns Mose befohlen hat, das Erbe der Gemeinde Jakobs. 34
24,34-37
1. Mose 2,10-14
Jos 3,15
Es lässt Weisheit fließen wie der Pischon 35und wie der Tigris im Frühling; 36es lässt Verstand überströmen wie der Euphrat und wie der Jordan in der Ernte. 37Das Gesetz lässt Belehrung hervorbrechen wie der Nil, wie der Gihon im Herbst. 38
24,38-39
Röm 11,33
Es hat nie einen gegeben, der mit dem Lernen der Weisheit zu Ende gekommen wäre, und es wird nie einer kommen, der sie ergründen könnte. 39Denn ihr Sinn ist reicher als das Meer und ihr Rat tiefer als der große Abgrund.

40So ging auch ich, die Weisheit, hervor wie ein Seitenarm aus dem Strom und wie ein Wassergraben, der in den Lustgarten geleitet wird. 41

24,41-44
Hes 47,1-12
Joh 7,38
Ich sprach: Ich will meinen Garten bewässern 42und meine Beete tränken. 43Da wurde mein Wasserarm zum Strom 44und mein Strom zum Meer. 45Nun lasse ich meine Lehre leuchten weithin wie der lichte Morgen und lasse sie scheinen bis in die Ferne. 46Auch schütte ich meine Lehre aus wie Prophetenworte und hinterlasse sie kommenden Geschlechtern. 47Da seht ihr, dass ich mich nicht für mich allein gemüht habe, sondern für alle, die Weisheit begehren.
24,47
Kap

25

Drei gute und drei böse Dinge

251Drei Dinge gefallen mir, die Gott und den Menschen wohlgefallen: 2wenn

25,2
Ps 133,1
Brüder eins sind und die
25,2
3. Mose 19,18
Nachbarn sich lieb haben und wenn Mann und Frau gut miteinander umgehen.

3Drei Dinge gibt es, denen ich von Herzen feind bin, und es missfällt mir sehr, dass es sie gibt: 4wenn ein Armer hoffärtig ist und ein Reicher gern lügt und ein alter Narr ein Ehebrecher ist.

Weisheit als Zierde des Alters

5Wenn du in der Jugend nicht sammelst, wie kannst du im Alter etwas finden? 6

25,6-7
Hiob 32,7
Wie schön ist’s, wenn die grauen Häupter urteilen können und die Alten Rat wissen. 7Wie schön ist bei Greisen Weisheit und bei Angesehenen Überlegung und Rat. 8Das ist die
25,8
Spr 16,31
Krone der Alten, wenn sie viel erfahren haben; und ihre Ehre ist’s, wenn sie Gott fürchten.

Zehn gute Dinge

9Neun Dinge kommen mir in den Sinn, die ich in meinem Herzen lobe, und das zehnte will ich mit meinem Munde preisen: 10ein Mann, der

25,10
Spr 23,24
Freude an seinen Kindern hat. Wer erlebt, dass er
25,10
Mt 5,44
seine Feinde untergehen sieht. 11Wohl dem, der eine
25,11
Kap
verständige Frau hat! Wer mit seinen Reden nicht entgleist. Wer denen nicht
25,11
1. Petr 2,18
dienen muss, die seiner nicht wert sind. 12Wohl dem, der einen
25,12
Kap
treuen Freund hat! Wohl dem, der klug ist! Und der da lehrt, wo man’s gern hört! 13Wie groß ist der, der weise ist! 14Aber
25,14
Kap
wer Gott fürchtet, über dem ist niemand; 15denn die Furcht Gottes geht über alles.
25,15
Kap
16Wer sie festhält, mit wem kann man den vergleichen?

Die böse Frau

17Es ist kein Leiden so groß wie Herzeleid. 18Es ist keine Bosheit so schlimm wie

25,18
Mt 14,8
Frauenbosheit. 19Es ist keine Heimsuchung so schwer wie die Heimsuchung durch Menschen, die hassen. 20Es ist keine Rachgier so maßlos wie Rachgier von Feinden. 21Es ist kein Gift so stark wie Schlangengift und ist kein Zorn so bitter wie Feindeszorn.

22Ich wollte lieber bei Löwen und Drachen wohnen als bei einer bösen Frau.

25,22
Spr 21,919
23Wenn sie böse wird, so verzerren sich ihre Züge, und sie verfinstert ihr Gesicht wie ein Bär. 24Ihr Mann muss unwillkürlich vor Bitterkeit aufseufzen, wenn er mitten unter seinen Freunden sitzt. 25Alle Schlechtigkeit ist gering gegen die
25,25
1. Kön 21,1-29
Schlechtigkeit einer Frau;
25,25
2. Kön 9,30-37
es geschehe ihr das, was den Gottlosen geschieht!

26Eine schwatzhafte Frau ist für einen stillen Mann wie ein sandiger Weg bergauf für einen alten Mann. 27Fall nicht auf die Schönheit einer Frau herein, und begehre sie nicht deswegen.

25,27
Spr 6,25
28Wenn die Frau ihren Mann ernährt, 29so gibt es lauter Streit, Beschimpfung und große Schande.

30Eine böse Frau schafft ein betrübtes Herz, ein trauriges Angesicht und Herzeleid. 31Eine Frau, die ihren Mann nicht glücklich macht, lässt seine Hände schlaff werden und lähmt seine Knie.

32Die Sünde

25,32
1. Mose 3,6
nahm ihren Anfang bei einer Frau, und
25,32
Röm 5,12
um ihretwillen müssen wir alle sterben. 33Wie man Wasser nicht durchbrechen lassen soll, so soll man einer bösen Frau ihren Willen nicht lassen. 34Will sie dir nicht folgen, so scheide dich von ihr.