Lutherbibel 1984 (LU84)
21

Warnung vor mancherlei Sünden

211Mein Kind,

21,1
Joh 8,11
hast du gesündigt, so höre damit auf und bitte, dass dir die bisherigen Sünden vergeben werden. 2
21,2
1. Mose 39,7-12
Fliehe vor der Sünde wie vor einer Schlange; denn wenn du ihr zu nahe kommst, so sticht sie dich. 3Ihre Zähne sind wie Löwenzähne und töten den Menschen. 4Jede Sünde ist wie ein zweischneidiges Schwert und verwundet so, dass niemand heilen kann.

5Wer Gewalt und Unrecht tut,

21,5
Hiob 20,10
muss zuletzt zum Bettler werden; und wer hochmütig ist, kommt zuletzt von Haus und Hof. 6
21,6
Ps 34,7
Sobald der Elende ruft, so hört’s Gott, und seine Rache wird eilends kommen.

7Wer

21,7
Jak 3,17
sich nichts sagen lässt, der ist schon auf der Bahn des Gottlosen; aber wer Gott fürchtet, der nimmt es zu Herzen. 8Wer zu reden versteht, ist weithin bekannt, und ein Kluger merkt, wo er entgleist.

9Wer

21,9
Hab 2,6-7
sein Haus baut mit fremdem Hab und Gut, der sammelt Steine für sein Grab.

10Die Schar der Gottlosen ist wie ein Haufe

21,10
Jes 1,31
Werg, das vom Feuer verzehrt wird. 11Die Gottlosen gehen zwar auf einem gepflasterten Weg; aber an seinem Ende ist der Abgrund der Hölle.
21,11
Ps 73,3-516-19
Mt 7,13

Unterschiede zwischen Weisen und Narren

12Wer Gottes Gebot hält, der

21,12
Kap
folgt seinem eignen Kopf nicht; 13und Gott mit Ernst fürchten ist Weisheit.
21,13
Hiob 28,28
14Wer nicht klug ist, der lässt sich nicht erziehen;
21,14
Kap
15es gibt aber eine Klugheit, die viel Bitterkeit schafft.
21,15
Kap

16Die Erkenntnis eines weisen Mannes wächst wie eine Flut, und

21,16
Spr 18,4
sein Rat ist wie eine lebendige Quelle. 17Das Herz des Narren ist wie ein Topf mit einem Sprung: es kann keine Lehre behalten. 18Wenn ein Vernünftiger eine gute Lehre hört, so lobt er sie und fügt noch etwas hinzu; hört sie aber einer, der üppig lebt, so missfällt sie ihm und er kehrt ihr den Rücken.

19Die Rede des Narren

21,19
Kap
drückt wie eine Last beim Gehen; aber wenn ein Weiser redet, da hört man gern zu. 20In der Gemeinde gibt man auf das acht, was der Weise redet; und was er rät, nimmt man sich zu Herzen. 21Für den Narren ist Weisheit wie ein eingefallenes Haus; und die Erkenntnis des Unverständigen hüllt sich in leere Worte. 22Wenn man den Narren erziehen will, so stellt er sich an, als wollte man ihm Fesseln an Hände und Füße legen; 23aber ein Weiser hält Zucht für goldenen Schmuck und für ein Geschmeide am rechten Arm.
21,23
Kap

24Ein Narr läuft einem ohne Weiteres ins Haus; aber ein Besonnener scheut sich davor. 25Ein Narr guckt einem ohne Weiteres zum Fenster hinein; aber ein Guterzogener bleibt draußen stehen. 26Der ist unerzogen, der an der Tür horcht; für den Vernünftigen wäre es sogar eine große Schmach.

27Die Schwätzer reden, wovon sie nichts verstehen; die Weisen aber

21,27
Kap
wägen ihre Worte mit der Goldwaage. 28Die Narren tragen ihr Herz auf der Zunge; aber die Weisen haben ihren Mund im Herzen.
21,28
Spr 13,3
29Ein Narr lacht überlaut; ein Weiser lächelt nur ein wenig.

30Wenn der Gottlose seinem Widersacher flucht, so flucht er sich selber.

21,30
Mt 5,22
31Die Verleumder bringen sich selbst in Schande, und niemand hat sie gern um sich.
21,31
Kap

22

Über Faulheit und ungeratene Kinder

221Ein fauler Mensch ist wie ein kotbeschmutzter Stein, und jeder zischt ihn aus, weil er so ekelhaft ist. 2Ein fauler Mensch ist wie ein Mistklumpen; wer ihn aufhebt, der muss sich die Hände abwischen.

3

22,3
Spr 17,25
Ein ungeratener Sohn ist für seinen Vater eine Schande, und eine missratene Tochter bringt ihm Schaden. 4Eine vernünftige Tochter kriegt einen Mann; aber eine Tochter, die sich schändlich aufführt, bleibt sitzen und sie macht ihrem Vater Kummer; 5und welche frech ist, die ist für den Vater wie den Mann eine Schande und wird von beiden verachtet.

6Eine Rede, die zur Unzeit geschieht, ist wie fröhliches Saitenspiel, wenn einer traurig ist. Strenge Erziehung aber ist zu jeder Zeit weise.

Vom Verhalten gegen Narren

7Wer einen Narren lehrt, der leimt Scherben zusammen oder handelt wie einer, der jemand aus tiefem Schlaf weckt. 8Wer mit einem Narren redet, der redet mit einem Schlafenden, 9der am Ende fragt: Was ist denn?

10

22,10-11
Kap
Über einen Toten soll man trauern, denn das Licht ist ihm erloschen; und über einen Narren soll man trauern, denn der Verstand ist ihm erloschen. 11Doch soll man über einen Toten nicht zu sehr trauern; denn er ist zur Ruhe gekommen; 12aber das Leben des Narren ist schlimmer als der Tod. 13
22,13
1. Mose 50,10
Sieben Tage trauert man über einen Toten, aber über Narren und Gottlose ihr Leben lang.

14Rede nicht viel mit einem Narren; und geh nicht zu einem Unverständigen. 15Hüte dich vor ihm, dass du nicht Mühe durch ihn hast und durch das befleckt wirst, was er ausspeit. 16Weiche ihm aus, so bleibst du in Frieden und kommst nicht in Angst und Not durch seine Torheit. 17Was ist schwerer als Blei? Wie kann man ihn anders nennen als »Narr«? 18Es ist leichter, Sand, Salz und Eisen zu tragen, als einen unverständigen Menschen zu ertragen.

22,18
Spr 27,3

Das Herz des Weisen und des Narren in der Bewährungsprobe

19Wie

22,19
Mt 7,24-25
ein Haus, das mit Holzbalken fest gefügt ist, im Sturmwind nicht zerfällt, so ist auch ein Herz, das seiner Sache gewiss ist: das fürchtet sich vor keinem Schrecken. 20Wie eine gute Tünche an glatter Wand, so ist ein Herz, das festhält an verständiger Erkenntnis. 21Wie ein Zaun auf hohem Berge dem Wind nicht standhalten kann, 22so hält ein zaghaftes Herz, das Törichtes vorhat, keinem Schrecken stand.

Vom Verhalten gegen Freunde

23Wenn man jemand ins Auge trifft, ruft man Tränen hervor; 24und wenn man jemand ins Herz trifft, löst man Kummer aus. 25Wer einen Stein unter die Vögel wirft, der scheucht sie weg; und wer seinen Freund schmäht, der zerstört die Freundschaft.

26

22,26-27
Kap
Selbst wenn du ein Schwert gezückt hast gegen deinen Freund, so gib die Hoffnung nicht auf; denn ihr könnt wieder Freunde werden. 27Hast du gegen deinen Freund den Mund aufgetan, so sei ohne Sorge; denn ihr könnt euch wieder versöhnen; nur Schmähungen, Missachtung, Preisgabe von Geheimnissen und hinterlistige Nachrede: das verjagt jeden Freund.

28

22,28-29
Kap
Bleib deinem Freund in seiner Armut treu, damit du dich mit ihm freuen kannst, wenn’s ihm wieder gut geht. 29Halt zu ihm, wenn’s ihm schlecht geht, damit du auch sein Glück mit ihm teilen kannst.

30Rauch und Qualm gehen voraus, ehe ein Feuer brennt; so kommt’s vom Schmähen zum Blutvergießen.

22,30
Kap

31Ich schäme mich nicht, den Freund zu schützen, und ziehe mich nicht von ihm zurück. 32Widerfährt mir aber etwas Böses seinetwegen, dann wird sich jeder vor ihm hüten, der davon hört.

Bitte um Bewahrung vor bösen Worten und Gedanken

33Könnte doch

22,33
Kap
ein Schloss an meinen Mund gelegt und ein Siegel fest auf meine Lippen gedrückt werden, damit ich nicht zu Fall komme und meine Zunge mich nicht verdirbt!

23

231Herr, Vater und Herrscher über mein Leben, verlass mich nicht, wenn sie mich verführen wollen, und lass mich durch sie nicht zu Fall kommen. 2Könnte doch jemand eine Geißel für meine Gedanken beschaffen und eine Zuchtrute zur Weisheit für mein Herz, dass ich nicht geschont werde, wenn ich falsch handle, und meine Sünden nicht unbestraft bleiben, 3damit meine Torheiten nicht noch mehr werden und meine Sünden nicht zunehmen, damit ich nicht zu Fall komme vor meinen Feinden und ihnen zum Spott werde!

4Herr,

23,4
Ps 89,27
Weish 2,16
Vater und Gott meines Lebens, 5behüte mich vor
23,5
Hiob 31,1
lüsternem Blick und wende von mir alle
23,5
Tob 3,17
bösen Begierden! 6Lass mich nicht in Wollust und Unkeuschheit geraten und behüte mich vor schamlosem Sinn!

Warnung vor Zungensünden

7

23,7-8
Spr 10,1419
Liebe Kinder, lernt den Mund halten; denn wer ihn hält, der wird sich mit seinen Worten nicht verfangen, 8wie der Gottlose sich verfängt und der Lästerer und Stolze durch sie zu Fall kommen.

9Gewöhne deinen Mund nicht ans

23,9
Mt 5,33-37
Schwören und nicht daran,
23,9
2. Mose 20,7
den Namen des Heiligen ständig zu nennen. 10Denn wie ein Knecht, der beim Verhör oft geschlagen wird, nicht ohne Striemen ist, 11so kann auch der nicht rein von Sünde bleiben, der oft schwört und Gottes Namen ständig nennt. 12Wer oft schwört, der sündigt oft, und die Plage wird seinem Hause nicht fernbleiben. 13Schwört er
23,13
3. Mose 5,4-6
unbedacht, so sündigt er dennoch; hält er’s nicht, so sündigt er zweifach; 14schwört er aber falsch, so wird er nicht gerecht gesprochen; sein Haus wird hart bestraft werden.

15Es gibt eine Art zu reden, die dem Tod gleicht; davor behüte Gott das Haus Jakob! 16Die Gottesfürchtigen fliehen dies alles und besudeln sich nicht mit dieser Sünde. 17Gewöhne deinen Mund nicht an rohe und schmutzige Reden; denn dabei kommt es zur Sünde.

18Denk an deinen Vater und deine Mutter, wenn du unter vornehmen Leuten sitzt, 19damit du dich nicht vor ihnen vergisst und nicht durch dein Benehmen zum Narren wirst und schließlich wünschst, du wärst nie geboren, und

23,19
Jer 20,14
den Tag deiner Geburt verfluchst. 20Wer sich daran gewöhnt, schändlich zu reden, der nimmt sein Leben lang keine Zucht an.

Warnung vor Unzucht

21Zwei Arten von Menschen begehen viele Sünden und die dritte bringt Strafe über sich: 22Wer voll brünstiger Gier ist, der ist wie ein brennendes Feuer und hört nicht auf, bis er sich selbst verzehrt hat. 23Ein Mann, der an sich selbst Unzucht treibt, hat keine Ruhe, bis das Feuer ausgebrannt ist. 24Einem sittenlosen Menschen scheint alle Speise süß, und er lässt nicht ab, bis er ein Ende nimmt.

25Ein Mann, der seine Ehe bricht und denkt bei sich:

23,25
Hiob 24,15
Wer sieht mich schon? 26Es ist finster um mich und die Wände verbergen mich, sodass mich
23,26
St zu Dan 1,20
niemand sieht; was soll ich scheuen? Der Allerhöchste achtet auf meine Sünden nicht –, 27der scheut nur die Augen der Menschen 28und bedenkt nicht, dass die Augen des Herrn vieltausendmal heller sind als die Sonne und
23,28
Kap
alles sehen, was die Menschen tun, und auch in die verborgenen Winkel schauen; 29alle Dinge sind ihm bekannt, ehe sie geschaffen werden, und ebenso, wenn sie vollbracht sind. 30
23,30-34
2. Mose 20,14
5. Mose 22,22
Dieser Mann wird öffentlich in der Stadt bestraft werden, 31und er wird ergriffen werden, wenn er sich’s am wenigsten versieht.

32Ebenso wird’s auch einer Frau ergehen, die ihren Mann betrügt und einen Erben von einem andern bekommt. 33Erstens ist sie dem Gebot des Höchsten ungehorsam; zum andern versündigt sie sich an ihrem Mann; zum Dritten bekommt sie durch ihren Ehebruch Kinder von einem andern. 34Eine solche Frau wird man der Gemeinde vorführen, und ihre Kinder müssen’s büßen. 35Ihre Kinder werden nicht Wurzel schlagen, und ihre Zweige werden nicht Frucht bringen.

23,35
Kap
36Wenn man sich an sie erinnert, flucht man ihr, und ihre Schande wird niemals ausgetilgt.
23,36
Weish 10,8
37Daran lernen die Nachkommen, dass nichts besser ist, als Gott zu fürchten, und nichts
23,37
Ps 119,103
süßer, als auf Gottes Gebote zu achten.