Lutherbibel 1984 (LU84)
12

Vorsicht beim Wohltun

(vgl. Mt 5,43-48)

121Willst du Gutes tun, so sieh zu, wem du es tust; dann verdienst du Dank damit. 2Tu dem Frommen Gutes, so wird dir’s reichlich vergolten, wenn nicht von ihm, so doch gewiss vom Herrn.

12,2
Lk 14,12-14
3Tu denen nichts Gutes, die beharrlich Böses tun und die selbst nicht gern Almosen geben; 4gib dem Gottesfürchtigen, doch nimm dich des Gottlosen nicht an. 5Tu Gutes dem Demütigen, aber dem Gottlosen gib nichts.
12,5
Spr 25,21-22
Röm 12,19-21
Verweigere ihm dein Brot und gib ihm nichts, damit er dadurch nicht stärker wird als du: 6du wirst doppelt so viel Schlechtes durch ihn empfangen, wie du ihm Gutes getan hast. Denn
12,6
Lk 6,35
auch der Allerhöchste ist den Sündern Feind und wird die Gottlosen bestrafen.

Vorsicht vor falschen Freunden

7

12,7-8
Kap
Wenn’s einem gut geht, so lernt man keinen Freund richtig kennen; wenn’s einem aber schlecht geht, so wird sich der Feind nicht verbergen. 8Denn wenn’s einem gut geht, so macht das den Feind verdrossen;
12,8
Spr 19,4
wenn’s einem aber schlecht geht, so ziehen auch die Freunde sich zurück.

9

12,9-11
Spr 26,24-25
Trau niemals deinem Feinde; 10denn wie das Eisen immer wieder rostet, so lässt auch er nicht von seiner Niedertracht. 11Und wenn er sich auch verneigt und verbeugt, so halte dich dennoch zurück und hüte dich vor ihm. Und wenn du auch an ihm polierst wie an einem Spiegel, so bleibt er doch rostig. 12Stelle ihn nicht neben dich, damit er dich nicht wegstößt und an deinen Platz tritt. Setze ihn auch nicht neben dich, damit er sich nicht auf deinen Stuhl setzt und du zuletzt an meine Worte denken musst und es dich reuen wird, dass du nicht auf sie gehört hast.
12,12
Kap

13Wer hat Mitleid mit einem Schlangenbeschwörer, der gebissen wird, oder mit einem Tierbändiger, der zerrissen wird? So geht’s auch dem, der sich mit den Gottlosen einlässt und sich in ihre Sünden verwickelt. 14Er bleibt wohl eine Weile bei dir; aber wenn du strauchelst, so hält er dich nicht fest.

15

12,15-16
Jer 9,7
41,6-7
Der Feind gibt wohl gute Worte und beklagt dich sehr und stellt sich freundlich, 16kann sogar dabei weinen; aber im Herzen plant er schon, dich in die Grube zu stürzen, und wenn er Gelegenheit findet, bekommt er nicht genug von deinem Blut. 17Wenn dir Unheil widerfährt, so ist er als Erster zur Stelle 18und tut so, als wollte er dir helfen, aber bringt dich hinterrücks zu Fall. 19Mit dem Kopf nickt er Beifall und klatscht in die Hände; er beklagt dich höhnisch und zeigt dir sein wahres Gesicht.
12,19
Kap

13

Vorsicht im Umgang mit Reichen und Mächtigen

131Wer Pech angreift, der besudelt sich damit; und wer sich zum Hochmütigen gesellt, der lernt Hochmut. 2

13,2-3
Kap
Geselle dich nicht zum Mächtigen und Reichen; du lädst sonst eine schwere Last auf dich. 3Was soll der irdene Topf beim ehernen Kessel? Denn wenn sie aneinander stoßen, so zerbricht er.

4Der Reiche tut Unrecht und brüstet sich noch damit; aber der Arme muss es erleiden und sich dazu noch entschuldigen. 5Solange du dem Reichen nützlich bist, lässt er dich für sich arbeiten; aber wenn du nicht mehr kannst, so lässt er dich fallen. 6Solange du etwas hast, bleibt er bei dir, und es bekümmert ihn nicht, wenn er dir den Beutel leert. 7Wenn er dich braucht, so täuscht er dich geschickt: Er lächelt dich an, verheißt dir viel, gibt dir die besten Worte und fragt: Brauchst du etwas?, 8und lädt dich großzügig ein, um dich später zwei- oder dreimal auszunehmen, und verspottet dich noch zuletzt. 9Und wenn er dann deine Not sieht, lässt er dich fallen und schüttelt den Kopf über dich.

13,9
Kap
10Darum sieh zu, dass du dich nicht täuschen lässt 11und deine Einfalt dich nicht ins Unglück bringt.

12

13,12-13
Spr 25,6-7
Wenn dich ein Mächtiger zu sich heranziehen will, so halte dich zurück, dann sucht er dich umso mehr zu sich heranzuziehen. 13Dränge dich nicht selbst zu ihm hin, damit du nicht verstoßen wirst; halte dich auch nicht zu fern, damit man dich nicht vergisst. 14Geh nicht darauf aus, mit ihm zu reden wie mit deinesgleichen, und traue seinen vielen Worten nicht; denn er versucht dich damit und mit freundlichem Lächeln horcht er dich aus. 15Unbarmherzig ist, wer unachtsam redet: 16schwerlich entgeht er der Strafe und dem Gefängnis. 17Darum gib gut acht und sieh dich vor: 18du lebst in großer Gefahr!

19

13,19
Kap
Jedes Tier liebt seinesgleichen und jeder Mensch den, der ihm am nächsten steht. 20Jedes Geschöpf hält sich zu seiner eignen Art; so soll auch der Mensch sich gesellen zu seinesgleichen. 21Wie
13,21
Mt 10,16
wenn sich der Wolf zum Schaf gesellt, gerade so ist es, wenn ein Gottloser sich zum Frommen gesellt. 22Wie die Hyäne mit dem Hund nicht Frieden hält, so auch der Reiche nicht mit dem Armen. 23Wie der Löwe das Wild in der Steppe frisst, so fressen die Reichen die Armen. 24Wie der Hochmütige verachtet, was gering ist, so verachtet auch der Reiche den Armen.
13,24
Spr 29,27

25Wenn der Reiche zu fallen droht, so stützen ihn seine Freunde;

13,25
Spr 19,4
wenn der Arme fällt, stoßen ihn selbst seine Freunde zu Boden. 26Wenn ein Reicher den Halt verliert, so gibt es viele, die ihm beistehen; wenn er sich mit Worten vergriffen hat, so gibt man ihm noch recht. 27Wenn aber ein Armer den Halt verliert, so bauscht man es noch auf; und
13,27
Pred 9,16
wenn er auch verständig redet, so lässt man’s doch nicht gelten. 28Wenn der Reiche redet, so schweigen alle, und
13,28
Ps 73,9
seine Worte hebt man in den Himmel. 29Wenn aber der Arme redet, so fragt man: Wer ist denn das?, und wenn er Anstoß erregt, so fallen sie über ihn her.

Vom rechten und falschen Gebrauch des Reichtums

30Reichtum ist nur dann gut, wenn keine Sünde an ihm klebt, und allein der Gottlose nennt die Armut böse.

31Was einer im Sinn hat, das sieht man ihm an den Augen an, es sei Gutes oder Böses.

13,31
Spr 15,13
32Hat er Gutes im Sinn, so blickt er fröhlich auf; wer aber arglistige Gedanken hegt, dem sieht man an, wie er sich damit quält.

14

141Wohl dem,

14,1
Kap
der sich nicht mit Reden vergeht und davon ein böses Gewissen hat! 2Wohl dem, der kein böses
14,2
Weish 17,11
Apg 23,1
Gewissen hat und der seine Zuversicht nicht verloren hat!

3Zu einem kleinlichen Kerl passt es nicht recht, wenn er reich ist; und was soll Geld und Gut einem Geizkragen? 4Wer viel sammelt und sich selber nichts Gutes gönnt, der sammelt’s für andere und andere werden’s verprassen.

14,4
Pred 2,21-24
5Wer sich selbst nichts Gutes gönnt, was sollte der andern Gutes tun? Er wird aber auch wenig Freude an seinem Eigentum haben. 6Es ist nichts schlimmer, als wenn einer sich selbst nichts Gutes gönnt; und das ist die rechte Strafe für seinen Geiz. 7Tut er etwas Gutes, so tut er’s nur aus Versehen; zuletzt kommt doch wieder seine Habgier zum Vorschein. 8Das ist ein böser Mensch, der nicht mit ansehen kann, dass man den Leuten Gutes tut, sondern sein Angesicht wegwendet und sich über niemand erbarmt. 9
14,9
Spr 27,20
Ein habgieriger Mensch hat nie genug an dem, was ihm beschieden ist, und kann vor lauter Geiz nicht gedeihen. 10Ein Neidhammel missgönnt den andern das Brot, und es tut ihm weh, wenn er auftischen muss.
14,10
Spr 23,6-7

11Mein Kind, tu dir selbst so viel Gutes an, wie du kannst, und gib dem Herrn die Opfer, die ihm gebühren. 12Bedenke, dass der Tod nicht auf sich warten lässt und dass du keinen

14,12
Jes 28,15
Weish 1,16
Vertrag mit dem Tod hast. 13Tu dem Freund Gutes
14,13
Spr 3,28
noch vor deinem Ende, und gib dem Armen nach deinen Kräften. 14Versäume keinen fröhlichen Tag, und lass dir die Freuden nicht entgehen, die dir beschieden sind.
14,14
Pred 2,24
7,14
14,14 Luther übersetzte frei: Vergiss der Armen nicht, wenn du den fröhlichen Tag hast, so wird dir auch Freude widerfahren, die du begehrst. 15Denn du musst doch alles, was du sauer erworben hast, andern lassen und den Ertrag deiner Arbeit den Erben geben.
14,15
Ps 49,11
16Schenke und lass dich beschenken, und gönne dir, was dir zusteht; 17denn wenn du tot bist, so hast du nichts mehr davon.

18Alles Lebendige

14,18
Ps 102,2741,5
veraltet wie ein Kleid, denn es ist das uralte Gesetz: Du musst sterben! 19Wie mit den
14,19
Jes 40,6
grünen Blättern auf einem schönen Baum – die einen fallen ab, die andern wachsen wieder – so geht’s mit dem Menschengeschlecht auch:
14,19
Pred 1,4
die einen sterben, die andern werden geboren. 20Alles vergängliche Werk muss ein Ende nehmen; 21und die es bewirken, fahren auch mit dahin.
14,21
Pred 9,6

Vom Trachten nach der Weisheit

22

14,22-25
Spr 8,34
Wohl dem, der über die Weisheit nachsinnt und sie aufnimmt in sein ganzes Denken; 23der ihre Wege von Herzen betrachtet und ihren Geheimnissen immer weiter
14,23
Kap
nachforscht, ihr wie ein Späher nachschleicht und auf ihren Wegen auf sie wartet 24und guckt zu ihrem Fenster hinein und horcht an ihrer Tür, 25sucht Herberge nahe bei ihrem Hause und schlägt seine Pflöcke bei ihren Mauern ein und richtet an ihrer Wand sein Zelt auf, sodass er eine gute Herberge hat. 26
14,26-27
Jes 25,4
Er bringt auch seine Kinder unter ihr Dach und bleibt unter ihrem Schatten; 27da wird er vor der Hitze beschirmt und hat eine herrliche Wohnung.