Lutherbibel 1984 (LU84)
6

Warnung vor Bürgschaften, vor Faulheit und Falschheit

61

6,1-2
Kap
Mein Sohn, hast du gebürgt für deinen Nächsten und hast du Handschlag gegeben für einen andern, 2und bist du gebunden durch deine Worte und gefangen in der Rede deines Mundes, 3so tu doch dies, mein Sohn, damit du wieder frei wirst, denn du bist in deines Nächsten Hand: Geh hin, dränge und bestürme deinen Nächsten! 4Lass deine Augen nicht schlafen noch deine Augenlider schlummern. 5Errette dich wie ein Reh aus der Schlinge und wie ein Vogel aus der Hand des Fängers.

6Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr!

6,6
Kap
7Wenn sie auch keinen Fürsten noch Hauptmann noch Herrn hat, 8so bereitet sie doch ihr Brot im Sommer und sammelt ihre Speise in der Ernte. 9Wie lange liegst du, Fauler! Wann willst du aufstehen von deinem Schlaf? 10
6,10-11
Kap
Ja, schlafe noch ein wenig, schlummre ein wenig, schlage die Hände ineinander ein wenig, dass du schläfst, 11so wird dich die Armut übereilen wie ein Räuber und der Mangel wie ein gewappneter Mann.

12Ein heilloser Mensch, ein nichtswürdiger Mann, wer einhergeht mit

6,12
Kap
trügerischem Munde, 13wer
6,13
Kap
winkt mit den Augen, gibt Zeichen mit den Füßen, zeigt mit den Fingern, 14trachtet nach Bösem und Verkehrtem in seinem Herzen und richtet allezeit Hader an. 15Darum wird plötzlich sein Verderben über ihn kommen, und er wird schnell zerschmettert werden, und keine Hilfe ist da.

16Diese sechs Dinge hasst der HERR, diese sieben sind ihm ein Gräuel: 17stolze Augen, falsche Zunge, Hände, die unschuldiges Blut vergießen, 18ein Herz, das arge Ränke schmiedet, Füße, die behände sind, Schaden zu tun, 19ein falscher Zeuge, der frech Lügen redet, und wer Hader zwischen Brüdern anrichtet.

Warnung vor Ehebruch

20Mein Sohn, bewahre das Gebot deines Vaters und lass nicht fahren die Weisung deiner Mutter.

6,20
Kap
21Binde sie dir aufs Herz allezeit und hänge sie um deinen Hals, 22dass sie dich geleiten, wenn du gehst; dass sie dich bewachen, wenn du dich legst;
6,22
Ps 119,172
dass sie zu dir sprechen, wenn du aufwachst. 23Denn das Gebot ist eine Leuchte und die Weisung ein Licht, und die Vermahnung ist der Weg des Lebens, 24auf dass du bewahrt werdest vor der Frau deines Nächsten, vor der glatten Zunge der Fremden.
6,24
Kap
25Lass dich nach ihrer Schönheit nicht gelüsten in deinem Herzen, und lass dich nicht fangen durch ihre Augenlider. 26Denn eine Hure bringt einen nur ums Brot, aber eines andern Ehefrau um das kostbare Leben.

27Kann auch jemand ein Feuer unterm Gewand tragen, ohne dass seine Kleider brennen? 28Oder könnte jemand auf Kohlen gehen, ohne dass seine Füße verbrannt würden? 29So geht es dem, der zu seines Nächsten Frau geht; es bleibt keiner ungestraft, der sie berührt.

6,29
Kap
30Es ist für einen Dieb nicht so schmachvoll, wenn er stiehlt, um seine Gier zu stillen, weil ihn hungert; 31wenn er ergriffen wird,
6,31
2. Mose 21,37
ersetzt er’s siebenfach und gibt her alles Gut seines Hauses. 32Aber wer mit einer Verheirateten die Ehe bricht, der ist von Sinnen; wer sein Leben ins Verderben bringen will, der tut das. 33Schläge und Schande treffen ihn, und seine Schmach ist nicht zu tilgen. 34Denn Eifersucht erweckt den Grimm des Mannes, und er schont nicht am Tage der Vergeltung 35und achtet kein Sühnegeld und nimmt nichts an, wenn du auch viel schenken wolltest.

7

71Mein Sohn, behalte meine Rede und verwahre meine Gebote bei dir. 2Behalte meine Gebote, so wirst du leben, und hüte meine Weisung wie deinen Augapfel. 3Binde sie an deine Finger, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens. 4Sprich zur Weisheit: Du bist meine Schwester, und nenne die Klugheit deine Freundin, 5dass sie dich behüte vor der Frau des andern, vor der Fremden, die glatte Worte gibt.

6Denn am Fenster meines Hauses guckte ich durchs Gitter 7und sah einen unter den Unverständigen und erblickte unter den jungen Leuten einen törichten Jüngling. 8Der ging über die Gasse zu ihrer Ecke und schritt daher auf dem Wege zu ihrem Hause 9in der Dämmerung, am Abend des Tages, als es Nacht wurde und dunkel war. 10Und siehe, da begegnete ihm eine Frau im Hurengewand, listig, 11wild und unbändig, dass ihre Füße nicht in ihrem Hause bleiben können. 12Jetzt ist sie draußen, jetzt auf der Gasse und lauert an allen Ecken. 13Und sie erwischt ihn und küsst ihn, wird dreist und spricht: 14»Ich hatte

7,14
3. Mose 7,15-17
Dankopfer zu bringen, heute habe ich meine Gelübde erfüllt. 15Darum bin ich ausgegangen, dir entgegen, um nach dir zu suchen, und habe dich gefunden. 16Ich habe mein Bett schön geschmückt mit bunten Decken aus Ägypten. 17Ich habe mein Lager mit Myrrhe besprengt, mit Aloe und Zimt. 18Komm, lass uns kosen bis an den Morgen und lass uns die Liebe genießen. 19Denn der Mann ist nicht daheim, er ist auf eine weite Reise gegangen. 20Er hat den Geldbeutel mit sich genommen; er wird erst zum Vollmond wieder heimkommen.« 21Sie überredet ihn mit vielen Worten und gewinnt ihn mit ihrem glatten Munde. 22Er folgt ihr alsbald nach, wie ein Stier zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Hirsch, der ins Netz rennt, 23bis ihm der Pfeil die Leber spaltet; wie ein Vogel zur Schlinge eilt und weiß nicht, dass es das Leben gilt.

24So hört nun auf mich, meine Söhne, und merkt auf die Rede meines Mundes. 25Lass dein Herz nicht abweichen auf ihren Weg und irre nicht ab auf ihre Bahn. 26Denn zahlreich sind die Erschlagenen, die sie gefällt hat, und viele sind, die sie getötet hat. 27Ihr Haus ist der Weg ins Totenreich, da man hinunterfährt in des Todes Kammern.

8

Einladung und Verheißung der Weisheit

81

8,1-3
Kap
Ruft nicht die Weisheit, und lässt nicht die Klugheit sich hören? 2Öffentlich am Wege steht sie und an der Kreuzung der Straßen; 3an den Toren am Ausgang der Stadt und am Eingang der Pforte ruft sie: 4O ihr Männer, euch rufe ich und erhebe meine Stimme zu den Menschenkindern! 5Merkt, ihr Unverständigen, auf Klugheit, und ihr Toren, nehmt Verstand an! 6Hört, denn ich rede, was edel ist, und meine Lippen sprechen, was recht ist. 7Denn mein Mund redet die Weisheit, und meine Lippen hassen, was gottlos ist. 8Alle Reden meines Mundes sind gerecht, es ist nichts Verkehrtes noch Falsches darin. 9Sie sind alle recht für die Verständigen und richtig denen, die Erkenntnis gefunden haben. 10Nehmt meine Zucht an lieber als Silber und achtet Erkenntnis höher als kostbares Gold.
8,10
Kap
11Denn Weisheit ist besser als Perlen, und alles, was man wünschen mag, kann ihr nicht gleichen.

12Ich, die Weisheit, wohne bei der Klugheit und weiß guten Rat zu geben. 13Die Furcht des HERRN hasst das Arge; Hoffart und Hochmut, bösem Wandel und falschen Lippen bin ich feind. 14Mein ist beides, Rat und Tat, ich habe Verstand und Macht. 15Durch mich regieren die Könige und setzen die Ratsherren das Recht.

8,15
Kap
16Durch mich herrschen die Fürsten und die Edlen richten auf Erden. 17Ich liebe, die mich lieben, und die mich suchen, finden mich. 18Reichtum und Ehre ist bei mir, bleibendes Gut und Gerechtigkeit. 19Meine Frucht ist besser als Gold und feines Gold, und mein Ertrag besser als erlesenes Silber. 20Ich wandle auf dem Wege der Gerechtigkeit, mitten auf der Straße des Rechts, 21dass ich versorge mit Besitz, die mich lieben, und ihre Schatzkammern fülle.

Die Weisheit als Gottes Liebling

22

8,22-31
Hiob 28,23-28
Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. 23Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war. 24Als die Meere noch nicht waren, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen. 25Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren, 26als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens. 27Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über den Fluten der Tiefe, 28als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe, 29als er
8,29
Ps 104,9
dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte, 30da war ich als sein Liebling8,30 Luther übersetzte im Anschluss an die griechische und lateinische Bibel »der Werkmeister«. bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; 31ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.

32So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten! 33Hört die Mahnung und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind! 34Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore! 35Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom HERRN. 36Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod.

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