Lutherbibel 1984 (LU84)
3

Johannes der Täufer

(Mk 1,2-8; Lk 3,1-18)

31Zu der Zeit kam

3,1
Lk 1,13
Johannes der Täufer und predigte in der Wüste von Judäa 2und sprach:
3,2
Kap
Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! 3Denn dieser ist’s, von dem der Prophet Jesaja gesprochen und gesagt hat (Jes 40,3): »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg und macht eben seine Steige!«
3,3
Joh 1,23

4Er aber, Johannes, hatte ein Gewand aus Kamelhaaren an und

3,4
2. Kön 1,8
einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber waren Heuschrecken und wilder Honig. 5Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und ganz Judäa und alle Länder am Jordan 6und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden.

7Als er nun viele Pharisäer und Sadduzäer sah zu seiner Taufe kommen, sprach er zu ihnen:

3,7
Kap
Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8Seht zu, bringt rechtschaffene Frucht der Buße! 9Denkt nur nicht, dass ihr bei euch sagen könntet:
3,9
Joh 8,3339
Röm 2,28-29
4,12
Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken. 10Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum:
3,10
Lk 13,6-9
jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

11Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

3,11
Joh 1,26-2733
Apg 1,5
2,3-4
12Er hat seine Worfschaufel in der Hand; er wird seine Tenne fegen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.
3,12
Kap

Jesu Taufe

(Mk 1,9-11; Lk 3,21-22; Joh 1,32-34)

13Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. 14Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?

3,14
Joh 13,6
15Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s geschehen.

16Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah

3,16
Jes 11,2
den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. 17Und siehe, eine
3,17
Kap
Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn,
3,17
Jes 42,1
an dem ich Wohlgefallen habe.

4

Jesu Versuchung

(Mk 1,12-13; Lk 4,1-13)

41Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel

4,1
Hebr 4,15
versucht würde. 2Und da er
4,2
2. Mose 34,28
1. Kön 19,8
vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 3Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.
4,3
1. Mose 3,1-7
4Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5. Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«

5Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Ps 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« 7Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5. Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«

8Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit 9und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.

4,9
Kap
10Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5. Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« 11Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da
4,11
Joh 1,51
Hebr 1,614
traten Engel zu ihm und dienten ihm.

Der Beginn des Wirkens Jesu in Galiläa

(Mk 1,14-15; Lk 4,14-15)

12Als nun Jesus hörte, dass

4,12
Kap
Johannes gefangen gesetzt worden war, zog er sich nach Galiläa zurück. 13Und er verließ Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum, das am See liegt im Gebiet von Sebulon und Naftali, 14damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jes 8,23; 9,1): 15»Das Land Sebulon und das Land Naftali, das Land am Meer, das Land jenseits des Jordans, das heidnische Galiläa, 16das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.«
4,16
Joh 8,12

17Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen:

4,17
Kap
Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!

Die Berufung der ersten Jünger

(Mk 1,16-20; Lk 5,1-11; Joh 1,35-51)

18Als nun Jesus am Galiläischen Meer entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, der Petrus genannt wird, und Andreas, seinen Bruder; die warfen ihre Netze ins Meer; denn sie waren Fischer. 19Und er sprach zu ihnen: Folgt mir nach;

4,19
Kap
ich will euch zu Menschenfischern machen! 20Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.
4,20
Kap

21Und als er von dort weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Boot mit ihrem Vater Zebedäus, wie sie ihre Netze flickten. Und er rief sie. 22Sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten ihm nach.

Krankenheilungen in Galiläa

(Mk 1,39; 3,7-12; Lk 4,44; 6,17-19)

23Und Jesus zog umher in ganz Galiläa, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen im Volk. 24Und die Kunde von ihm erscholl durch ganz Syrien. Und sie

4,24
Mk 6,55
brachten zu ihm alle Kranken, mit mancherlei Leiden und Plagen behaftet, Besessene, Mondsüchtige und Gelähmte; und er machte sie gesund. 25Und es folgte ihm eine große Menge aus Galiläa, aus den Zehn Städten, aus Jerusalem, aus Judäa und von jenseits des Jordans.

5

Die Bergpredigt

(Kapitel 5,1–7,29)

Die Seligpreisungen

(Lk 6,20-49)

51Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm. 2Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:

3Selig sind,

5,3
Jes 57,15
die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.

4Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

5,4
Ps 126,5
Offb 7,17

5Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

5,5
Kap

6Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

5,6
Lk 18,9-14
Joh 6,35

7Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

5,7
Kap

8Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

5,8
Ps 24,3-5
51,12-13
1. Joh 3,2-3

9Selig sind die

5,9
Hebr 12,14
Friedfertigen5,9 Andere Übersetzung: »die Frieden stiften«.; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

10Selig sind, die

5,10
1. Petr 3,14
um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

11Selig seid ihr, wenn euch die Menschen

5,11
Kap
um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen. 12Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie
5,12
Hebr 11,33-38
Jak 5,10
verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.

Salz und Licht

13Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.

5,13
Mk 9,50
Lk 14,34-35

14Ihr seid

5,14
Joh 8,12
das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. 15Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.
5,15
Mk 4,21
Lk 8,16
16So lasst
5,16
Phil 2,14-15
euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie
5,16
Joh 15,8
Eph 5,8-9
eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Jesu Stellung zum Gesetz

17Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.

5,17
Kap
18Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein
5,18
Lk 16,17
Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht. 19Wer nun
5,19
Jak 2,10
eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich.

20Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.

5,20
Kap

Vom Töten

21Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist (2. Mose 20,13; 21,12): »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. 22Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.

5,22
1. Joh 3,15

23Darum: wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 24so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und

5,24
Mk 11,25
versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe.

25Vertrage dich mit deinem Gegner sogleich, solange du noch mit ihm auf dem Weg bist, damit dich der Gegner nicht dem Richter überantworte und der Richter dem Gerichtsdiener und du ins Gefängnis geworfen werdest.

5,25
Kap
26Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast.

Vom Ehebrechen

27Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2. Mose 20,14): »Du sollst nicht ehebrechen.« 28Ich aber sage euch:

5,28
2. Sam 11,2
Hiob 31,1
2. Petr 2,14
Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.

29

5,29-30
Kap
Wenn dich aber dein rechtes Auge zum Abfall verführt, so reiß es aus und wirf’s von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. 30Wenn dich deine rechte Hand zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle fahre.

31Es ist auch gesagt (5. Mose 24,1): »Wer sich von seiner Frau scheidet, der soll ihr einen Scheidebrief geben.«

5,31
Kap
32Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, der macht, dass sie die Ehe bricht; und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe.
5,32
Lk 16,18
1. Kor 7,10-11

Vom Schwören

33Ihr habt weiter gehört, dass zu den Alten gesagt ist (3. Mose 19,12; 4. Mose 30,3): »Du sollst keinen falschen Eid schwören und sollst dem Herrn deinen Eid halten.« 34

5,34-35
Kap
Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem
5,34
Jes 66,1
Himmel, denn er ist Gottes Thron; 35noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße; noch bei Jerusalem, denn
5,35
Ps 48,3
sie ist die Stadt des großen Königs. 36Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören; denn du vermagst nicht ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen. 37Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.
5,37
Jak 5,12

Vom Vergelten

38Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2. Mose 21,24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« 39Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.

5,39
Klgl 3,30
Joh 18,22-23
Röm 12,1921
1. Petr 2,20-23
40Und
5,40
1. Kor 6,7
wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel.
5,40
Hebr 10,34
41Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei. 42Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.

Von der Feindesliebe

43Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3. Mose 19,18) und deinen Feind hassen. 44Ich aber sage euch:

5,44
2. Mose 23,4-5
Lk 6,27-28
Röm 12,1420
Liebt eure Feinde und
5,44
Lk 23,34
Apg 7,60
bittet für die, die euch verfolgen,5,44 In der späteren Überlieferung wird der Text erweitert: »Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen« (vgl. Lk 6,27-28). Den Feind zu hassen (Vers 43) wird im Alten Testament nirgends geboten. 45damit ihr
5,45
Eph 5,1
Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

46Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? 47Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden? 48Darum sollt ihr

5,48
3. Mose 19,2
vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.