Lutherbibel 1984 (LU84)
35

Elihus dritte Rede

351Und Elihu hob an und sprach:

2Hältst du das für recht, nennst du das

35,2
Kap
»meine Gerechtigkeit vor Gott«, 3dass du sprichst:
35,3
Kap
»Was nützt sie mir? Was habe ich davon, dass ich nicht sündige?« 4Ich will dir antworten ein Wort und deinen Freunden mit dir.

5Schau gen Himmel und sieh; und schau die Wolken an hoch über dir! 6Sündigst du, was kannst du ihm schaden? Und wenn deine Missetaten viel sind, was kannst du ihm tun?

35,6
Kap
7Und wenn du gerecht wärst, was kannst du ihm geben oder was wird er von deinen Händen nehmen?
35,7
Kap
8Nur einem Menschen wie dir kann deine Bosheit etwas tun und einem Menschenkind deine Gerechtigkeit.

9Man schreit, dass viel Gewalt geschieht, und ruft um Hilfe vor dem Arm der Großen; 10aber man fragt nicht: »Wo ist Gott, mein Schöpfer, der

35,10
Apg 16,25
Lobgesänge gibt in der Nacht, 11der uns klüger macht als die Tiere auf Erden und weiser als die Vögel unter dem Himmel?« 12Da schreien sie über den Hochmut der Bösen, doch er erhört sie nicht. 13Denn
35,13
Joh 9,31
Gott wird Nichtiges nicht erhören, und der Allmächtige wird es nicht ansehen. 14Nun gar, wenn du sprichst,
35,14
Kap
du könntest ihn nicht sehen – der Rechtsstreit liegt ihm vor, harre nur seiner! 15Aber nun,
35,15
Pred 8,11
da sein Zorn nicht heimsucht und er sich um Frevel nicht viel kümmert, 16sperrt Hiob seinen Mund auf um nichts und hält stolze Reden mit Unverstand.

36

Elihus letzte Rede

361Elihu hob noch einmal an und sprach:

2Warte noch ein wenig, ich will dich lehren; denn ich habe noch etwas für Gott zu sagen. 3Ich will mein Wissen weit herholen und meinem Schöpfer Recht verschaffen. 4Meine Reden sind wahrlich nicht falsch; vor dir steht einer, der es wirklich weiß.

5Siehe, Gott ist mächtig und verwirft niemand; er ist mächtig an Kraft des Herzens. 6Den Gottlosen erhält er nicht am Leben, sondern hilft dem Elenden zum Recht.

36,6
Ps 72,412
146,7-9
7Er wendet seine Augen nicht von dem Gerechten, sondern
36,7
Ps 113,7-8
mit Königen auf dem Thron lässt er sie sitzen immerdar, dass sie groß werden. 8Und wenn sie gefangen liegen in Ketten und elend, gebunden mit Stricken, 9so hält er ihnen vor, was sie getan haben, und ihre Sünden, dass sie sich überhoben haben, 10und
36,10
Kap
öffnet ihnen das Ohr zur Warnung und sagt ihnen, dass sie sich von dem Unrecht bekehren sollen. 11Gehorchen sie und dienen ihm, so werden sie bei guten Tagen alt werden und glücklich leben. 12Gehorchen sie nicht, so werden sie dahinfahren durch des Todes Geschoss und vergehen in Unverstand. 13Die Ruchlosen verhärten sich im Zorn. Sie flehen nicht, auch wenn er sie gefangen legt; 14so wird ihre Seele in der Jugend sterben und ihr Leben unter den Hurern im Tempel. 15Aber den Elenden wird er durch sein Elend erretten und ihm das Ohr öffnen durch Trübsal.

16So reißt er auch dich aus dem Rachen der Angst in einen weiten Raum, wo keine Bedrängnis mehr ist; und an deinem Tische, voll von allem Guten, wirst du Ruhe haben. 17Wenn du aber richtest wie ein Gottloser, so halten dich Gericht und Recht fest. 18Sieh zu, dass nicht dein Zorn dich verlockt oder die Menge des Lösegeldes dich verleitet. 19Wird dein Geschrei dich aus der Not bringen oder alle kräftigen Anstrengungen? 20Sehne dich nicht nach der Nacht, die Völker wegnimmt von ihrer Stätte! 21Hüte dich und kehre dich nicht zum Unrecht, denn Unrecht wählst du lieber als Elend!

22Siehe, Gott ist groß in seiner Kraft; wo ist ein Lehrer, wie er ist?

36,22
Ps 25,9
23Wer will ihm weisen seinen Weg, und wer will zu ihm sagen: »Du tust Unrecht«? 24Denk daran, dass du sein Werk preisest, von dem die Menschen singen. 25Denn alle Menschen schauen danach aus, aber sie sehen’s nur von ferne. 26Siehe, Gott ist groß und unbegreiflich; die Zahl seiner Jahre kann niemand erforschen.

27Er zieht empor die Wassertropfen und treibt seine Wolken zusammen zum Regen, 28dass die Wolken überfließen und Regen senden auf die Menge der Menschen. 29Wer versteht, wie er die Wolken türmt und donnern lässt aus seinem Gezelt? 30Siehe, er breitet sein Licht um sich und bedeckt alle Tiefen des Meeres. 31Denn damit regiert er die Völker und gibt Speise die Fülle. 32Er bedeckt seine Hände mit Blitzen und bietet sie auf gegen den, der ihn angreift. 33Ihn kündet an sein Donnern, wenn er mit Zorn eifert gegen den Frevel.

37

371Darüber entsetzt sich mein Herz und fährt bebend hoch. 2O hört doch, wie sein Donner rollt und was für Gedröhn aus seinem Munde geht! 3Er lässt ihn hinfahren unter dem ganzen Himmel und seinen Blitz über die Enden der Erde. 4Ihm nach brüllt der Donner, und er donnert mit seinem großen Schall; und wenn sein Donner gehört wird, hält er die Blitze nicht zurück. 5Gott donnert mit seinem Donner wunderbar und tut große Dinge, die wir nicht begreifen. 6Er spricht zum Schnee: »Falle zur Erde!«, und zum Platzregen, so ist der Platzregen da mit Macht. 7So legt er alle Menschen unter Siegel, dass die Leute erkennen, was er tun kann. 8Die wilden Tiere gehen in die Höhle und legen sich auf ihr Lager.

37,8
Ps 104,21-22
9Aus seinen Kammern kommt der Sturm und von Norden her die Kälte. 10Vom Odem Gottes kommt Eis, und die weiten Wasser liegen erstarrt. 11Die Wolken beschwert er mit Wasser, und aus der Wolke bricht sein Blitz. 12Er kehrt die Wolken, wohin er will, dass sie alles tun, was er ihnen gebietet auf dem Erdkreis: 13Zur Züchtigung für ein Land oder zum Segen lässt er sie kommen.

14Das vernimm, Hiob, steh still und merke auf die Wunder Gottes! 15Weißt du, wie Gott ihnen Weisung gibt und wie er das Licht aus seinen Wolken hervorbrechen lässt? 16Weißt du, wie die Wolken schweben, die Wunder des Allwissenden? 17Du, dem schon die Kleider heiß werden, wenn das Land still liegt unterm Südwind, 18kannst du gleich ihm die Wolkendecke ausbreiten, die fest ist wie ein gegossener Spiegel? 19Zeige uns, was wir ihm sagen sollen; denn wir können nichts vorbringen vor Finsternis. 20Wenn jemand redet, muss es ihm gesagt werden? Hat je ein Mensch gesagt, er wolle vernichtet werden? 21Eben sah man das Licht nicht, das hinter den Wolken hell leuchtet; als aber der Wind daherfuhr, da wurde es klar. 22Von Norden kommt goldener Schein; um Gott her ist schrecklicher Glanz. 23Den Allmächtigen erreichen wir nicht, der so groß ist an Kraft und reich an Gerechtigkeit. Das Recht beugt er nicht. 24Darum sollen ihn die Menschen fürchten, und er sieht keinen an, wie weise sie auch sind.