Lutherbibel 1984 (LU84)
26

Hiobs dritte Antwort an Bildad

261Hiob antwortete und sprach:

2Wie sehr stehst du dem bei, der keine Kraft hat, hilfst du dem, der keine Stärke in den Armen hat! 3Wie gibst du Rat dem, der keine Weisheit hat, und lehrst ihn Einsicht in Fülle! 4Mit wessen Hilfe redest du? Und wessen Geist geht von dir aus?

5Die Schatten drunten erbeben, das Wasser und die darin wohnen. 6

26,6
Ps 139,8
Spr 15,11
Am 9,2
Das Totenreich ist aufgedeckt vor ihm, und der
26,6
Offb 9,1
Abgrund hat keine Decke. 7Er spannt den Norden aus über dem Leeren und hängt die Erde über das Nichts. 8Er fasst das Wasser zusammen in seine Wolken, und die Wolken zerreißen darunter nicht. 9Er verhüllt seinen Thron und breitet seine Wolken davor. 10Er hat am Rande des Wassers eine Grenze gezogen, wo Licht und Finsternis sich scheiden. 11Die Säulen des Himmels zittern und entsetzen sich vor seinem Schelten. 12Durch seine Kraft hat er das Meer erregt, und durch seine Einsicht hat er
26,12
Kap
Rahab26,12 d. i. der Drache der Urzeit. zerschmettert. 13Am Himmel wurde es schön durch seinen Wind, und seine Hand durchbohrte die
26,13
Jes 27,1
flüchtige Schlange. 14Siehe, das sind nur die Enden seiner Wege, und nur ein leises Wörtlein davon haben wir vernommen. Wer will aber den Donner seiner Macht verstehen?

27

271Und Hiob fuhr fort mit seinem Spruch und sprach:

2So wahr Gott lebt, der mir mein Recht verweigert, und der Allmächtige, der meine Seele betrübt 3– solange noch mein Odem in mir ist und der Hauch von Gott in meiner Nase –: 4Meine Lippen reden nichts Unrechtes, und meine Zunge sagt keinen Betrug.

27,4
Ps 34,14
5Das sei ferne von mir, dass ich euch recht gebe; bis mein Ende kommt, will ich nicht weichen von meiner Unschuld. 6An meiner Gerechtigkeit halte ich fest und lasse sie nicht;
27,6
Apg 24,16
1. Kor 4,4
mein Gewissen beißt mich nicht wegen eines meiner Tage.

7Meinem Feind soll es gehen wie dem Gottlosen und dem, der sich gegen mich auflehnt, wie dem Ungerechten. 8Denn was ist die Hoffnung des Ruchlosen,

27,8
Lk 12,20
wenn Gott mit ihm ein Ende macht und seine Seele von ihm fordert? 9Meinst du, dass Gott sein Schreien hören wird, wenn die Angst über ihn kommt? 10Oder kann er an dem Allmächtigen seine Lust haben und Gott allezeit anrufen?

11Ich will euch über Gottes Tun belehren, und wie der Allmächtige gesinnt ist, will ich nicht verhehlen. 12Siehe, ihr habt es selber gesehen; warum bringt ihr dann so unnütze Dinge vor? 13

27,13-17
Spr 13,22
Pred 2,26
Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bei Gott und das Erbe der Tyrannen, das sie vom Allmächtigen bekommen: 14Werden seine Söhne groß, so werden sie eine Beute des Schwerts; und seine Nachkommen werden an Brot nicht satt.
27,14
Kap
15Die ihm übrig bleiben, wird der Tod ins Grab bringen, und seine Witwen werden nicht weinen. 16Wenn er Geld zusammenbringt wie Staub und schafft Kleider an, wie man Lehm aufhäuft, 17so wird er’s zwar anschaffen, aber der Gerechte wird’s anziehen, und dem Unschuldigen wird das Geld zuteil. 18Er baut sein Haus wie eine Spinne und wie ein Wächter eine Hütte macht. 19Reich legt er sich nieder, aber wird’s nicht noch einmal tun können; tut er seine Augen auf, dann ist nichts mehr da. 20Es wird ihn Schrecken überfallen wie Wasserfluten; des Nachts nimmt ihn der Sturmwind fort. 21Der Ostwind wird ihn wegführen, dass er dahinfährt, und wird ihn von seinem Ort hinwegwehen. 22Das wird er über ihn bringen und ihn nicht schonen; vor seiner Gewalt muss er immer wieder fliehen. 23Man wird über ihn mit den Händen klatschen und über ihn zischen, wo er gewesen ist.

28

Das Lied von der Weisheit Gottes

281Es hat das Silber seine Gänge und das Gold seinen Ort, wo man es läutert. 2Eisen bringt man aus der Erde, und aus dem Gestein schmilzt man Kupfer. 3Man macht der Finsternis ein Ende, und bis ins Letzte erforscht man das Gestein, das im Dunkel tief verborgen liegt. 4Man bricht einen Schacht fern von da, wo man wohnt; vergessen, ohne Halt für den Fuß, hängen und schweben sie, fern von den Menschen. 5Man zerwühlt wie Feuer unten die Erde, auf der doch oben das Brot wächst. 6Man findet Saphir in ihrem Gestein, und es birgt Goldstaub. 7Den Steig dahin hat kein Geier erkannt und kein Falkenauge gesehen. 8Das stolze Wild hat ihn nicht betreten, und kein Löwe ist darauf gegangen. 9Auch legt man die Hand an die Felsen und gräbt die Berge von Grund aus um. 10Man bricht Stollen durch die Felsen, und alles, was kostbar ist, sieht das Auge. 11Man wehrt dem Tröpfeln des Wassers und bringt, was verborgen ist, ans Licht. 12Wo will man aber die Weisheit finden? Und wo ist die Stätte der Einsicht?

13Niemand weiß, was sie wert ist, und sie wird nicht gefunden im Lande der Lebendigen. 14Die Tiefe spricht: »In mir ist sie nicht«; und das Meer spricht: »Bei mir ist sie auch nicht.« 15Man kann nicht Gold für sie geben noch Silber darwägen, sie zu bezahlen.

28,15
Spr 3,13-15
16Ihr gleicht nicht Gold von Ofir oder kostbarer Onyx und Saphir. 17Gold und edles Glas kann man ihr nicht gleichachten noch sie eintauschen um güldnes Kleinod. 18Korallen und Kristall achtet man gegen sie nicht; wer Weisheit erwirbt, hat mehr als Perlen. 19Topas aus Kusch wird ihr nicht gleichgeschätzt, und das reinste Gold wiegt sie nicht auf. 20Woher kommt denn die Weisheit? Und wo ist die Stätte der Einsicht?

21Sie ist verhüllt vor den Augen aller Lebendigen, auch verborgen den Vögeln unter dem Himmel. 22Der Abgrund und der Tod sprechen: »Wir haben mit unsern Ohren nur ein Gerücht von ihr gehört.« 23

28,23-28
Spr 8,22-31
Gott weiß den Weg zu ihr, er allein kennt ihre Stätte. 24Denn er sieht die Enden der Erde und schaut alles, was unter dem Himmel ist. 25Als er dem Wind sein Gewicht gegeben und dem Wasser sein Maß gesetzt, 26als er dem Regen ein Gesetz gegeben hat und dem Blitz und Donner den Weg: 27damals schon sah er sie und verkündigte sie, bereitete sie und ergründete sie 28und sprach zum Menschen: Siehe,
28,28
Ps 111,10
Spr 1,7
die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, und meiden das Böse, das ist Einsicht.