Lutherbibel 1984 (LU84)
20

Zofars zweite Rede

(vgl. Kap 15,1-35; 18,1-21)

201Da antwortete Zofar von Naama und sprach:

2Darum muss ich antworten, und deswegen kann ich nicht schweigen; 3denn ich muss hören, wie man mich schmäht und tadelt, aber der Geist aus meiner Einsicht lehrt mich antworten. 4Weißt du nicht, dass es allezeit so gegangen ist, seitdem Menschen auf Erden gewesen sind, 5dass das Frohlocken der Gottlosen nicht lange währt und die Freude des Ruchlosen nur einen Augenblick? 6

20,6-7
Ps 37,35-36
Wenn auch sein Scheitel in den Himmel reicht und sein Haupt an die Wolken rührt, 7so wird er doch für immer
20,7
Mi 7,10
vergehen wie sein Kot, und die ihn gesehen haben, werden sagen: Wo ist er? 8Wie ein Traum wird er verfliegen und nicht mehr zu finden sein und wie ein Nachtgesicht verschwinden. 9Das Auge, das ihn gesehen hat, wird ihn nicht mehr sehen, und
20,9
Ps 37,10
seine Stätte wird ihn nicht mehr schauen. 10Seine Söhne werden bei den Armen betteln gehen, und seine Hände müssen seine Habe wieder hergeben. 11Sind auch seine Gebeine voll Jugendkraft, so muss sie sich doch mit ihm in den Staub legen.

12Wenn ihm auch das Böse in seinem Munde wohlschmeckt, dass er es birgt unter seiner Zunge, 13dass er es hegt und nicht loslässt und es zurückhält in seinem Gaumen, 14so wird sich doch seine Speise verwandeln in seinem Leibe und wird Otterngift in seinem Bauch. 15Die Güter, die er verschlungen hat, muss er wieder ausspeien, und Gott treibt sie aus seinem Bauch heraus. 16Er wird Otterngift saugen, und die Zunge der Schlange wird ihn töten. 17Er wird nicht sehen die Ströme noch die Bäche, die mit Honig und Milch fließen. 18Er wird

20,18
5. Mose 28,30-33
erwerben und doch nichts davon genießen und über seine eingetauschten Güter nicht froh werden. 19Denn er hat unterdrückt und verlassen den Armen; er hat Häuser an sich gerissen, die er nicht erbaut hat. 20Denn sein Wanst konnte nicht voll genug werden; mit seinem köstlichen Gut wird er nicht entrinnen. 21Nichts entging seiner Fressgier; darum wird sein gutes Leben keinen Bestand haben. 22Wenn er auch die Fülle und genug hat, wird ihm doch angst werden; alle Gewalt der Mühsal wird über ihn kommen.

23Es soll geschehen: Damit er genug bekommt, wird Gott den Grimm seines Zorns über ihn senden und wird über ihn regnen lassen seine Schrecknisse. 24Flieht er vor dem eisernen Harnisch, so wird ihn der eherne Bogen durchbohren! 25Es dringt das Geschoss aus seinem Rücken, der Blitz des Pfeiles aus seiner Galle; Schrecken fahren über ihn hin.

20,25
5. Mose 32,41
26Alle Finsternis ist für ihn aufgespart. Es wird ihn
20,26
5. Mose 32,22
ein Feuer verzehren, das keiner angezündet hat, und wer übrig geblieben ist in seiner Hütte, dem wird’s schlimm ergehen. 27Der Himmel wird seine Schuld enthüllen, und die Erde wird sich gegen ihn erheben. 28Seine Ernte wird weggeführt werden, zerstreut am Tage seines Zorns.

29Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bei Gott und das Erbe, das Gott ihm zugesprochen hat.

21

Hiobs zweite Antwort an Zofar

211Hiob antwortete und sprach:

2Hört doch meiner Rede zu und lasst mir das eure Tröstung sein! 3Ertragt mich, dass ich rede, und danach spottet über mich! 4Geht denn gegen einen Menschen meine Klage, oder warum sollte ich nicht ungeduldig sein? 5Kehrt euch her zu mir; ihr werdet erstarren und

21,5
Kap
die Hand auf den Mund legen müssen. 6Wenn ich daran denke, so erschrecke ich, und Zittern kommt meinen Leib an.

7Warum bleiben die Gottlosen am Leben, werden alt und nehmen zu an Kraft?

21,7
Jer 12,1
8Ihr Geschlecht ist sicher um sie her, und ihre Nachkommen sind bei ihnen. 9Ihr Haus hat Frieden ohne Furcht, und Gottes Rute ist nicht über ihnen. 10Ihr Stier bespringt und es missrät nicht; ihre Kuh kalbt und wirft nicht fehl. 11Ihre kleinen Kinder lassen sie hinaus wie eine Herde, und ihre Knaben springen umher. 12Sie jauchzen mit Pauken und Harfen und sind fröhlich mit Flöten. 13Sie werden alt bei guten Tagen, und in Ruhe fahren sie hinab zu den Toten, 14und doch sagen sie zu Gott:
21,14
Kap
»Weiche von uns, wir wollen von deinen Wegen nichts wissen! 15
21,15
2. Mose 5,2
2. Kön 18,35
Ps 12,5
Dan 3,15
Wer ist der Allmächtige, dass wir ihm dienen sollten? Oder was nützt es uns, wenn wir ihn anrufen?« 16»Doch siehe, ihr Glück steht nicht in ihren Händen, und
21,16
Kap
der Rat der Gottlosen ist ferne von mir.«

17Wie oft geschieht’s denn, dass die Leuchte der Gottlosen verlischt und ihr Unglück über sie kommt, dass Gott Herzeleid über sie austeilt in seinem Zorn, 18dass sie werden wie Stroh vor dem Winde und wie

21,18
Ps 1,4
Spreu, die der Sturmwind wegführt? 19
21,19
Kap
»Gott spart das Unglück des Gottlosen auf für dessen Kinder.« Er vergelte es ihm selbst, dass er’s spüre! 20Seine Augen mögen sein Verderben sehen, und vom Grimm des Allmächtigen möge er trinken! 21Denn was liegt ihm an seinem Hause nach seinem Tode, wenn die Zahl seiner Monde zu Ende ist?

22Wer will Gott Weisheit lehren,

21,22
Pred 5,7
der auch die Hohen richtet? 23Der eine stirbt frisch und gesund in allem Reichtum und voller Genüge, 24sein Melkfass ist voll Milch, und sein Gebein wird gemästet mit Mark; 25der andere aber stirbt mit verbitterter Seele und hat nie vom Glück gekostet – 26und doch
21,26
Kap
liegen beide miteinander in der Erde, und Gewürm deckt sie zu.

27Siehe, ich kenne eure Gedanken und eure Ränke, mit denen ihr mir Unrecht antut. 28Denn ihr sprecht: »Wo ist das Haus des Fürsten, und wo ist die Hütte, in der die Gottlosen wohnten?« 29Habt ihr nicht befragt, die des Weges kommen, und nicht auf ihre Zeichen geachtet, 30dass nämlich der Böse erhalten wird am Tage des Verderbens und am Tage des Grimms bleibt? 31Wer sagt ihm ins Angesicht, was er verdient? Wer vergilt ihm, was er getan hat? 32Wird er doch zu Grabe geleitet, und man hält Wache über seinem Hügel! 33Süß sind ihm die Schollen des Grabes, und alle Menschen ziehen ihm nach, und die ihm vorangehen, sind nicht zu zählen.

34Wie tröstet ihr mich mit Nichtigkeiten, und von euren Antworten bleibt nichts als Trug!

22

Des Elifas letzte Rede

221Da antwortete Elifas von Teman und sprach:

2Kann denn ein Mann Gott etwas nützen? Nur sich selber nützt ein Kluger. 3Meinst du, der Allmächtige habe Vorteil davon, dass du gerecht bist? Was hilft’s ihm, selbst wenn deine Wege ohne Tadel sind? 4Meinst du: er wird dich wegen deiner Gottesfurcht zurechtweisen und mit dir ins Gericht gehen? 5Ist deine Bosheit nicht zu groß, und sind deine Missetaten nicht ohne Ende? 6Du hast deinem Bruder

22,6
2. Mose 22,25-26
ein Pfand abgenommen ohne Grund, du hast den
22,6
Kap
Nackten die Kleider entrissen; 7du hast die Durstigen nicht getränkt mit Wasser und hast dem Hungrigen dein Brot versagt;
22,7
Kap
8dem Mächtigen gehört das Land, und sein Günstling darf darin wohnen; 9die Witwen hast du leer weggehen lassen und die Arme der Waisen zerbrochen.
22,9
Kap
10Darum bist du von Schlingen umgeben, und Entsetzen hat dich plötzlich erschreckt. 11Dein Licht ist Finsternis, sodass du nicht sehen kannst, und die Wasserflut bedeckt dich.

12Ist Gott nicht hoch wie der Himmel? Sieh die Sterne an, wie hoch sie sind! 13Du sprichst zwar: »Was weiß Gott? Sollte er durchs Gewölk hindurch richten können? 14Die Wolken sind seine Hülle, dass er nicht sehen kann; er wandelt am Rande des Himmels.« 15Hältst du den Weg der Vorzeit ein, auf dem die Ungerechten gegangen sind, 16die

22,16
Kap
fortgerafft wurden, ehe es Zeit war, und
22,16
1. Mose 7,21
das Wasser hat ihren Grund weggewaschen, 17die zu Gott sprachen:
22,17
Kap
»Heb dich von uns!«? Was sollte der Allmächtige ihnen antun können? 18Hat er doch ihr Haus mit Gütern gefüllt. Aber:
22,18
Kap
»Der Rat der Gottlosen ist ferne von mir.« 19Die
22,19
Ps 107,42
Gerechten werden’s sehen und sich freuen, und der Unschuldige wird sie verspotten: 20»Ja, unser Widersacher ist vertilgt, und was er hinterließ, hat das Feuer verzehrt.«

21So vertrage dich nun mit Gott und mache Frieden; daraus wird dir viel Gutes kommen. 22Nimm doch Weisung an von seinem Munde, und fasse seine Worte in dein Herz. 23

22,23
Kap
Bekehrst du dich zum Allmächtigen und demütigst du dich und
22,23
Kap
tust das Unrecht weit weg von deiner Hütte 24– wirf in den Staub dein Gold und zu den Steinen der Bäche das Gold von Ofir –, 25so wird der Allmächtige dein Gold sein und wie Silber, das dir zugehäuft wird. 26Dann wirst du deine Lust haben an dem Allmächtigen und dein Antlitz zu Gott erheben. 27Wenn du ihn bitten wirst, wird er dich hören, und
22,27
Ps 50,14-15
du wirst deine Gelübde erfüllen. 28Was du dir vornimmst, lässt er dir gelingen, und das Licht wird auf deinen Wegen scheinen. 29Denn
22,29
1. Petr 5,5
er erniedrigt die Hochmütigen; aber wer seine Augen niederschlägt, dem hilft er. 30Auch wer nicht unschuldig ist, wird errettet werden; er wird errettet um der Reinheit deiner Hände willen.
22,30
Ps 18,2125
2. Kor 5,21