Lutherbibel 1984 (LU84)
18

Bildads zweite Rede

181Da antwortete Bildad von Schuach und sprach:

2Wie lange wollt ihr auf Worte Jagd machen? Habt doch Einsicht; danach wollen wir reden! 3Warum werden wir geachtet wie Vieh und sind so töricht in euren Augen? 4Willst du vor Zorn bersten? Soll um deinetwillen die Erde veröden und der Fels von seiner Stätte weichen?

5Dennoch

18,5
Spr 13,9
wird das Licht der Gottlosen verlöschen, und der Funke seines Feuers wird nicht leuchten. 6Das Licht wird finster werden in seiner Hütte und seine Leuchte über ihm verlöschen. 7Seine kräftigen Schritte werden kürzer, und sein eigener Plan wird ihn fällen. 8Ins Garn bringen ihn seine Füße, und über Fanggruben führt sein Weg. 9Das Netz wird seine Ferse festhalten, und die Schlinge wird ihn fangen. 10Sein Strick ist versteckt in der Erde und seine Falle auf seinem Weg. 11Um und um schreckt ihn jähe Angst, dass er nicht weiß, wo er hinaus soll.
18,11
3. Mose 26,36
12Unheil hungert nach ihm, und Unglück steht bereit zu seinem Sturz. 13Die Glieder seines Leibes werden verzehrt; seine Glieder wird verzehren der
18,13
4. Mose 12,10-12
Erstgeborene des Todes. 14Er wird aus seiner Hütte verjagt, auf die er vertraute, und hingetrieben zum König des Schreckens. 15In seiner Hütte wird wohnen, was nicht zu ihm gehört; über seine Stätte wird Schwefel gestreut. 16Unten verdorren seine Wurzeln, und oben verwelken seine Zweige. 17Sein Andenken wird vergehen im Lande, und er wird keinen Namen haben auf der Gasse. 18Er wird vom Licht in die Finsternis vertrieben und vom Erdboden verstoßen werden. 19Er wird keine Kinder haben und keine Enkel unter seinem Volk; es wird ihm keiner übrig bleiben in seinen Wohnungen. 20Die im Westen werden sich
18,20
Ps 37,13
über seinen Gerichtstag entsetzen, und die im Osten wird Furcht ankommen. 21Ja, so geht’s der Wohnung des Ungerechten und der Stätte dessen, der Gott nicht achtet.

19

Hiobs zweite Antwort an Bildad

191Hiob antwortete und sprach:

2Wie lange plagt ihr doch meine Seele und peinigt mich mit Worten! 3Ihr habt mich nun zehnmal verhöhnt und schämt euch nicht, mir so zuzusetzen. 4Habe ich wirklich geirrt, so trage ich meinen Irrtum selbst. 5Wollt ihr euch wahrlich über mich erheben und wollt mir meine Schande beweisen?

6So merkt doch endlich, dass Gott mir unrecht getan hat und mich mit seinem Jagdnetz umgeben hat. 7Siehe,

19,7
Jer 20,8
Hab 1,2
ich schreie »Gewalt!« und werde doch nicht gehört; ich rufe, aber kein Recht ist da.
19,7
Kap
8Er
19,8
Kap
hat meinen Weg vermauert, dass ich nicht hinüberkann, und hat Finsternis auf meinen Steig gelegt. 9Er hat mir mein Ehrenkleid ausgezogen und die Krone von meinem Haupt genommen. 10Er hat mich zerbrochen um und um, dass ich dahinfuhr, und hat meine Hoffnung ausgerissen wie einen Baum. 11Sein Zorn ist über mich entbrannt, und
19,11
Kap
er achtet mich seinen Feinden gleich. 12Vereint kommen seine Kriegsscharen und haben ihren Weg gegen mich gebaut und sich um meine Hütte her gelagert.

13Er hat meine Brüder von mir entfernt, und meine Verwandten sind mir fremd geworden.

19,13
Ps 31,12
14Meine
19,14
Ps 38,12
Nächsten haben sich zurückgezogen, und meine Freunde haben mich vergessen. 15Meinen Hausgenossen und meinen Mägden gelte ich als Fremder; ich bin ein Unbekannter in ihren Augen. 16Ich rief meinen Knecht und er antwortete mir nicht; ich musste ihn anflehen mit eigenem Munde. 17Mein Odem ist zuwider meiner Frau, und den Söhnen meiner Mutter ekelt’s vor mir. 18Selbst die Kinder geben nichts auf mich; stelle ich mich gegen sie, so geben sie mir böse Worte. 19Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt. 20Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon19,20 Wörtlich: nur mit meiner Zähne Haut bin ich davongekommen.. 21Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! 22Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch?

23Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, 24mit einem eisernen Griffel in Blei geschrieben, zu ewigem Gedächtnis in einen Fels gehauen! 25Aber ich weiß, dass

19,25
Jes 41,14
Hos 13,14
mein Erlöser19,25 mein Erlöser, d. h. hier: Gott als Anwalt, der sich zu meiner Verteidigung und Erlösung erhebt. – Luther übersetzte die Verse 25-26: »Ich weiß, dass mein Erlöser lebet, und er wird mich hernach aus der Erden aufwecken. Und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen.« lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.
19,25
Kap
26Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch
19,26
Ps 17,15
73,24
Gott sehen. 27Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust. 28Wenn ihr sprecht: Wie wollen wir ihn verfolgen und eine Sache gegen ihn finden!, 29so fürchtet euch selbst vor dem Schwert; denn das sind Missetaten, die das Schwert straft, damit ihr wisst, dass es ein Gericht gibt.

20

Zofars zweite Rede

(vgl. Kap 15,1-35; 18,1-21)

201Da antwortete Zofar von Naama und sprach:

2Darum muss ich antworten, und deswegen kann ich nicht schweigen; 3denn ich muss hören, wie man mich schmäht und tadelt, aber der Geist aus meiner Einsicht lehrt mich antworten. 4Weißt du nicht, dass es allezeit so gegangen ist, seitdem Menschen auf Erden gewesen sind, 5dass das Frohlocken der Gottlosen nicht lange währt und die Freude des Ruchlosen nur einen Augenblick? 6

20,6-7
Ps 37,35-36
Wenn auch sein Scheitel in den Himmel reicht und sein Haupt an die Wolken rührt, 7so wird er doch für immer
20,7
Mi 7,10
vergehen wie sein Kot, und die ihn gesehen haben, werden sagen: Wo ist er? 8Wie ein Traum wird er verfliegen und nicht mehr zu finden sein und wie ein Nachtgesicht verschwinden. 9Das Auge, das ihn gesehen hat, wird ihn nicht mehr sehen, und
20,9
Ps 37,10
seine Stätte wird ihn nicht mehr schauen. 10Seine Söhne werden bei den Armen betteln gehen, und seine Hände müssen seine Habe wieder hergeben. 11Sind auch seine Gebeine voll Jugendkraft, so muss sie sich doch mit ihm in den Staub legen.

12Wenn ihm auch das Böse in seinem Munde wohlschmeckt, dass er es birgt unter seiner Zunge, 13dass er es hegt und nicht loslässt und es zurückhält in seinem Gaumen, 14so wird sich doch seine Speise verwandeln in seinem Leibe und wird Otterngift in seinem Bauch. 15Die Güter, die er verschlungen hat, muss er wieder ausspeien, und Gott treibt sie aus seinem Bauch heraus. 16Er wird Otterngift saugen, und die Zunge der Schlange wird ihn töten. 17Er wird nicht sehen die Ströme noch die Bäche, die mit Honig und Milch fließen. 18Er wird

20,18
5. Mose 28,30-33
erwerben und doch nichts davon genießen und über seine eingetauschten Güter nicht froh werden. 19Denn er hat unterdrückt und verlassen den Armen; er hat Häuser an sich gerissen, die er nicht erbaut hat. 20Denn sein Wanst konnte nicht voll genug werden; mit seinem köstlichen Gut wird er nicht entrinnen. 21Nichts entging seiner Fressgier; darum wird sein gutes Leben keinen Bestand haben. 22Wenn er auch die Fülle und genug hat, wird ihm doch angst werden; alle Gewalt der Mühsal wird über ihn kommen.

23Es soll geschehen: Damit er genug bekommt, wird Gott den Grimm seines Zorns über ihn senden und wird über ihn regnen lassen seine Schrecknisse. 24Flieht er vor dem eisernen Harnisch, so wird ihn der eherne Bogen durchbohren! 25Es dringt das Geschoss aus seinem Rücken, der Blitz des Pfeiles aus seiner Galle; Schrecken fahren über ihn hin.

20,25
5. Mose 32,41
26Alle Finsternis ist für ihn aufgespart. Es wird ihn
20,26
5. Mose 32,22
ein Feuer verzehren, das keiner angezündet hat, und wer übrig geblieben ist in seiner Hütte, dem wird’s schlimm ergehen. 27Der Himmel wird seine Schuld enthüllen, und die Erde wird sich gegen ihn erheben. 28Seine Ernte wird weggeführt werden, zerstreut am Tage seines Zorns.

29Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bei Gott und das Erbe, das Gott ihm zugesprochen hat.