Lutherbibel 1984 (LU84)
16

Hiobs zweite Antwort an Elifas

161Hiob antwortete und sprach:

2Ich habe das schon oft gehört. Ihr seid allzumal leidige Tröster! 3Wollen die leeren Worte kein Ende haben? Oder was reizt dich, so zu reden? 4Auch ich könnte wohl reden wie ihr, wärt ihr an meiner Stelle. Auch ich könnte Worte gegen euch zusammenbringen und

16,4
Ps 22,8
mein Haupt über euch schütteln. 5Ich würde euch stärken mit dem Munde und mit meinen Lippen trösten. 6Aber wenn ich schon redete, so würde mich mein Schmerz nicht verschonen; hörte ich auf zu reden, so bliebe er dennoch bei mir.

7Nun aber hat Er mich müde gemacht und alles verstört, was um mich ist. 8Er hat mich runzlig gemacht, das zeugt wider mich, und mein Siechtum steht wider mich auf und verklagt mich ins Angesicht. 9Sein Grimm hat mich zerrissen, und er war mir feind; er knirschte mit den Zähnen gegen mich; mein Widersacher funkelt mich mit seinen Augen an. 10Sie haben ihren Mund aufgesperrt wider mich und haben mich schmählich auf meine Backen geschlagen. Sie haben ihren Mut miteinander an mir gekühlt. 11Gott hat mich übergeben dem Ungerechten und hat mich in die Hände der Gottlosen kommen lassen. 12Ich war in Frieden, aber er hat mich zunichtegemacht; er hat mich beim Genick genommen und zerschmettert.

16,12
Klgl 3,12
Er hat mich als seine Zielscheibe aufgerichtet; 13seine Pfeile schwirren um mich her. Er hat meine Nieren durchbohrt und nicht verschont; er hat meine Galle auf die Erde geschüttet. 14Er schlägt in mich eine Bresche nach der andern; er läuft gegen mich an wie ein Kriegsmann. 15Ich habe einen
16,15
1. Mose 37,34
Sack um meinen Leib gelegt und mein Haupt in den Staub gebeugt. 16Mein Antlitz ist gerötet vom Weinen, auf meinen Wimpern liegt Dunkelheit, 17obwohl kein Frevel in meiner Hand und mein Gebet rein ist.

18Ach Erde,

16,18
1. Mose 4,10
Hes 24,7-8
bedecke mein Blut nicht, und mein Schreien finde keine Ruhestatt! 19Siehe, auch jetzt noch ist
16,19
Kap
mein Zeuge im Himmel, und mein Fürsprecher ist in der Höhe. 20
16,20-21
1. Sam 2,25
Meine Freunde verspotten mich; unter Tränen blickt mein Auge zu Gott auf, 21dass er Recht verschaffe dem Mann bei Gott, dem Menschen vor seinem Freund. 22Denn nur wenige Jahre noch und
16,22
Kap
ich gehe den Weg, den ich nicht wiederkommen werde.

17

171Mein Geist ist zerbrochen, meine Tage sind ausgelöscht; das Grab ist da. 2Fürwahr, Gespött umgibt mich, und auf ihrem Hadern muss mein Auge weilen. 3Sei

17,3
Kap
du selbst mein Bürge bei dir – wer will mich sonst vertreten? 4Denn du hast ihrem Herzen den Verstand verborgen, darum wirst du ihnen den Sieg nicht geben. 5Zum Teilen lädt einer Freunde ein, doch die Augen seiner Kinder müssen verschmachten.

6Er hat mich zum

17,6
Kap
Sprichwort unter den Leuten gemacht, und ich muss mir ins Angesicht speien lassen. 7Mein Auge ist dunkel geworden vor Trauern, und alle meine Glieder sind wie ein Schatten. 8Darüber entsetzen sich die Gerechten, und die Unschuldigen entrüsten sich über die Ruchlosen. 9Aber der Gerechte hält fest an seinem Weg, und wer reine Hände hat, nimmt an Stärke zu.

10Wohlan, kehrt euch alle wieder her und kommt; ich werde dennoch keinen Weisen unter euch finden! 11Meine Tage sind vergangen; zerrissen sind meine Pläne, die mein Herz besessen haben. 12Nacht will man mir zum Tag machen: Licht sei näher als Finsternis. 13Wenn ich auch lange warte, so ist doch bei den Toten mein Haus, und in der Finsternis ist mein Bett gemacht. 14Das Grab nenne ich meinen Vater und die Würmer meine Mutter und meine Schwester. 15Worauf soll ich denn hoffen? Und wer sieht noch Hoffnung für mich? 16Hinunter zu den Toten wird sie fahren, wenn alle miteinander im Staub liegen.

18

Bildads zweite Rede

181Da antwortete Bildad von Schuach und sprach:

2Wie lange wollt ihr auf Worte Jagd machen? Habt doch Einsicht; danach wollen wir reden! 3Warum werden wir geachtet wie Vieh und sind so töricht in euren Augen? 4Willst du vor Zorn bersten? Soll um deinetwillen die Erde veröden und der Fels von seiner Stätte weichen?

5Dennoch

18,5
Spr 13,9
wird das Licht der Gottlosen verlöschen, und der Funke seines Feuers wird nicht leuchten. 6Das Licht wird finster werden in seiner Hütte und seine Leuchte über ihm verlöschen. 7Seine kräftigen Schritte werden kürzer, und sein eigener Plan wird ihn fällen. 8Ins Garn bringen ihn seine Füße, und über Fanggruben führt sein Weg. 9Das Netz wird seine Ferse festhalten, und die Schlinge wird ihn fangen. 10Sein Strick ist versteckt in der Erde und seine Falle auf seinem Weg. 11Um und um schreckt ihn jähe Angst, dass er nicht weiß, wo er hinaus soll.
18,11
3. Mose 26,36
12Unheil hungert nach ihm, und Unglück steht bereit zu seinem Sturz. 13Die Glieder seines Leibes werden verzehrt; seine Glieder wird verzehren der
18,13
4. Mose 12,10-12
Erstgeborene des Todes. 14Er wird aus seiner Hütte verjagt, auf die er vertraute, und hingetrieben zum König des Schreckens. 15In seiner Hütte wird wohnen, was nicht zu ihm gehört; über seine Stätte wird Schwefel gestreut. 16Unten verdorren seine Wurzeln, und oben verwelken seine Zweige. 17Sein Andenken wird vergehen im Lande, und er wird keinen Namen haben auf der Gasse. 18Er wird vom Licht in die Finsternis vertrieben und vom Erdboden verstoßen werden. 19Er wird keine Kinder haben und keine Enkel unter seinem Volk; es wird ihm keiner übrig bleiben in seinen Wohnungen. 20Die im Westen werden sich
18,20
Ps 37,13
über seinen Gerichtstag entsetzen, und die im Osten wird Furcht ankommen. 21Ja, so geht’s der Wohnung des Ungerechten und der Stätte dessen, der Gott nicht achtet.

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