Lutherbibel 1984 (LU84)
14

141Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, 2

14,2
Ps 90,5
geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht. 3Doch du tust deine Augen über einen solchen auf, dass du mich vor dir ins Gericht ziehst. 4Kann wohl ein Reiner kommen von Unreinen? Auch nicht einer!
14,4
Ps 14,3
5Sind
14,5
Ps 31,16
seine Tage bestimmt, steht die Zahl seiner Monde bei dir und hast du
14,5
Ps 39,5
ein Ziel gesetzt, das er nicht überschreiten kann: 6so blicke doch weg von ihm, damit er Ruhe hat, bis sein Tag kommt, auf den er sich
14,6
Kap
wie ein Tagelöhner freut.

7Denn ein Baum hat Hoffnung, auch wenn er abgehauen ist; er kann wieder ausschlagen, und seine Schösslinge bleiben nicht aus. 8Ob seine Wurzel in der Erde alt wird und sein Stumpf im Boden erstirbt, 9so grünt er doch wieder vom Geruch des Wassers und treibt Zweige wie eine junge Pflanze. 10Stirbt aber ein Mann, so ist er dahin; kommt ein Mensch um – wo ist er? 11Wie Wasser ausläuft aus dem See, und wie ein Strom versiegt und vertrocknet, 12so ist ein Mensch, wenn er sich niederlegt,

14,12
Kap
er wird nicht wieder aufstehen; er wird nicht aufwachen, solange der Himmel bleibt, noch von seinem Schlaf erweckt werden.

13Ach dass du mich im Totenreich verwahren und

14,13
Jes 26,20
verbergen wolltest, bis dein Zorn sich legt, und mir ein Ziel setzen und dann an mich denken wolltest! 14Meinst du, ein toter Mensch wird wieder leben? Alle Tage meines Dienstes wollte ich harren, bis meine Ablösung kommt. 15Du würdest rufen und ich dir antworten; es würde dich verlangen nach dem Werk deiner Hände. 16Dann würdest du meine Schritte zählen, aber hättest doch nicht acht auf meine Sünden. 17Du würdest
14,17
Hos 13,12
meine Übertretung in ein Bündlein versiegeln und meine Schuld übertünchen.

18Ein Berg kann zerfallen und vergehen und ein Fels von seiner Stätte weichen, 19Wasser wäscht Steine weg, und seine Fluten schwemmen die Erde weg: so machst du die

14,19
Röm 5,5
Hoffnung des Menschen zunichte. 20Du überwältigst ihn für immer, dass er davonmuss, entstellst sein Antlitz und lässt ihn dahinfahren. 21Sind seine Kinder in Ehren, das weiß er nicht, oder ob sie verachtet sind, das wird er nicht gewahr. 22Nur sein eigenes Fleisch macht ihm Schmerzen, und nur um ihn selbst trauert seine Seele.

15

Des Elifas zweite Rede

151Da antwortete Elifas von Teman und sprach:

2Soll ein weiser Mann so aufgeblasene Worte reden und seinen Bauch so blähen mit leeren Reden? 3Du verantwortest dich mit Worten, die nichts taugen, und dein Reden ist nichts nütze. 4Du selbst zerstörst die Gottesfurcht und raubst dir die Andacht vor Gott. 5Denn deine Schuld lehrt deinen Mund, und du hast erwählt eine listige Zunge. 6Dein Mund verdammt dich und nicht ich, deine Lippen zeugen gegen dich.

7Bist du als der erste Mensch geboren? Kamst du vor den Hügeln zur Welt? 8Hast du

15,8
Kap
im heimlichen Rat Gottes zugehört und die Weisheit an dich gerissen? 9Was weißt du, das wir nicht wissen? Was verstehst du, das uns nicht bekannt ist?
15,9
Kap
10Es sind Ergraute und Alte unter uns, die länger gelebt haben als dein Vater.

11Gelten Gottes Tröstungen so gering bei dir und ein Wort, das sanft mit dir verfuhr? 12Was reißt dein Herz dich fort? Was funkeln deine Augen, 13dass sich dein Mut wider Gott richtet und du solche Reden aus deinem Munde lässt? 14Was ist der Mensch, dass er

15,14
Kap
rein sein sollte, und dass der gerecht sein sollte, der vom Weibe geboren ist? 15Siehe,
15,15
Kap
seinen Heiligen traut Gott nicht, und
15,15
Kap
selbst die Himmel sind nicht rein vor ihm. 16Wie viel weniger der Mensch, der gräulich und verderbt ist, der Unrecht säuft wie Wasser!

17Ich will dir’s zeigen, höre mir zu, und ich will dir erzählen, was ich gesehen habe, 18was die Weisen gesagt und ihre Väter ihnen nicht verborgen haben, 19denen allein das Land gegeben war, sodass kein Fremder unter ihnen umherzog: 20

15,20-24
1. Mose 4,14
Der Gottlose bebt sein Leben lang, und dem Tyrannen ist die Zahl seiner Jahre verborgen. 21Stimmen des Schreckens hört sein Ohr, und mitten im Frieden kommt der Verderber über ihn. 22Er glaubt nicht, dass er dem Dunkel entrinnen könne, und fürchtet immer das Schwert. 23Er zieht hin und her nach Brot und weiß, dass ihm der Tag der Finsternis bereitet ist. 24Angst und Not schrecken ihn und schlagen ihn nieder wie ein König, der angreift. 25Denn er hat seine Hand gegen Gott ausgereckt und dem Allmächtigen getrotzt. 26Er läuft mit dem Kopf gegen ihn an und ficht halsstarrig wider ihn. 27Er brüstet sich wie ein fetter Wanst und macht sich feist und dick. 28Er wohnt in zerstörten Städten, in Häusern, wo man nicht bleiben soll, die zu Steinhaufen bestimmt sind.

29Doch wird er nicht reich bleiben, und sein Gut wird nicht bestehen, und sein Besitz wird sich nicht ausbreiten im Lande. 30Er wird der Finsternis nicht entrinnen. Die Flamme wird seine Zweige verdorren, und Gott wird ihn durch den Hauch seines Mundes wegraffen. 31Er traue nicht auf Trug, sonst wird er betrogen sein, und Trug wird sein Lohn werden. 32Er wird ihm voll ausgezahlt werden noch vor der Zeit, und sein Zweig wird nicht mehr grünen. 33Er gleicht dem Weinstock, der die Trauben unreif abstößt, und dem Ölbaum, der seine Blüte abwirft. 34Denn die Rotte der Ruchlosen wird unfruchtbar bleiben, und das Feuer wird die Hütten der Bestechlichen fressen. 35Sie gehen schwanger mit Mühsal und gebären Unglück, und ihr Schoß bringt Trug zur Welt.

15,35
Jes 59,4

16

Hiobs zweite Antwort an Elifas

161Hiob antwortete und sprach:

2Ich habe das schon oft gehört. Ihr seid allzumal leidige Tröster! 3Wollen die leeren Worte kein Ende haben? Oder was reizt dich, so zu reden? 4Auch ich könnte wohl reden wie ihr, wärt ihr an meiner Stelle. Auch ich könnte Worte gegen euch zusammenbringen und

16,4
Ps 22,8
mein Haupt über euch schütteln. 5Ich würde euch stärken mit dem Munde und mit meinen Lippen trösten. 6Aber wenn ich schon redete, so würde mich mein Schmerz nicht verschonen; hörte ich auf zu reden, so bliebe er dennoch bei mir.

7Nun aber hat Er mich müde gemacht und alles verstört, was um mich ist. 8Er hat mich runzlig gemacht, das zeugt wider mich, und mein Siechtum steht wider mich auf und verklagt mich ins Angesicht. 9Sein Grimm hat mich zerrissen, und er war mir feind; er knirschte mit den Zähnen gegen mich; mein Widersacher funkelt mich mit seinen Augen an. 10Sie haben ihren Mund aufgesperrt wider mich und haben mich schmählich auf meine Backen geschlagen. Sie haben ihren Mut miteinander an mir gekühlt. 11Gott hat mich übergeben dem Ungerechten und hat mich in die Hände der Gottlosen kommen lassen. 12Ich war in Frieden, aber er hat mich zunichtegemacht; er hat mich beim Genick genommen und zerschmettert.

16,12
Klgl 3,12
Er hat mich als seine Zielscheibe aufgerichtet; 13seine Pfeile schwirren um mich her. Er hat meine Nieren durchbohrt und nicht verschont; er hat meine Galle auf die Erde geschüttet. 14Er schlägt in mich eine Bresche nach der andern; er läuft gegen mich an wie ein Kriegsmann. 15Ich habe einen
16,15
1. Mose 37,34
Sack um meinen Leib gelegt und mein Haupt in den Staub gebeugt. 16Mein Antlitz ist gerötet vom Weinen, auf meinen Wimpern liegt Dunkelheit, 17obwohl kein Frevel in meiner Hand und mein Gebet rein ist.

18Ach Erde,

16,18
1. Mose 4,10
Hes 24,7-8
bedecke mein Blut nicht, und mein Schreien finde keine Ruhestatt! 19Siehe, auch jetzt noch ist
16,19
Kap
mein Zeuge im Himmel, und mein Fürsprecher ist in der Höhe. 20
16,20-21
1. Sam 2,25
Meine Freunde verspotten mich; unter Tränen blickt mein Auge zu Gott auf, 21dass er Recht verschaffe dem Mann bei Gott, dem Menschen vor seinem Freund. 22Denn nur wenige Jahre noch und
16,22
Kap
ich gehe den Weg, den ich nicht wiederkommen werde.

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