Lutherbibel 1984 (LU84)
3

31Und er sprach:

3,1
5. Mose 24,1-4
Wenn sich ein Mann von seiner Frau scheidet und sie geht von ihm und gehört einem andern, darf er sie auch wieder annehmen? Ist’s nicht so, dass das Land unrein würde? Du aber hast mit vielen gehurt und solltest wieder zu mir kommen?, spricht der HERR. 2Hebe deine Augen auf zu den Höhen und sieh, wo du allenthalben dich preisgegeben hast! An den Wegen sitzt du und lauerst auf sie wie ein Araber in der Wüste und machst das Land unrein mit deiner
3,2
Hos 4,13
Hurerei und Bosheit. 3Darum muss auch der Frühregen ausbleiben, und kein Spätregen kommt. Aber du hast eine Hurenstirn, du willst dich nicht mehr schämen 4und schreist jetzt zu mir:
3,4
Kap
»Lieber Vater, du Vertrauter meiner Jugend! 5Willst du denn ewiglich zürnen und nicht vom Grimm lassen?« Siehe, so redest du und tust Böses und lässt dir nicht wehren.

Schuldspruch und Verheißung über Israel und Juda

6Und der HERR sprach zu mir zur Zeit des Königs Josia: Hast du gesehen, was Israel, die Abtrünnige, tat? Sie ging hin

3,6
Kap
auf alle hohen Berge und unter alle grünen Bäume und trieb dort Hurerei. 7
3,7-9
2. Kön 17,18-19
Hes 23,2-11
Und ich dachte, nachdem sie das alles getan, würde sie zu mir zurückkehren. Aber sie kehrte nicht zurück. Und obwohl ihre Schwester Juda, die Treulose, gesehen hat, 8wie ich Israel, die Abtrünnige, wegen ihres Ehebruchs gestraft und sie entlassen und ihr einen Scheidebrief gegeben habe, scheut sich dennoch ihre Schwester, das treulose Juda, nicht, sondern geht hin und treibt auch Hurerei. 9Und ihre leichtfertige Hurerei hat das Land unrein gemacht; denn sie treibt Ehebruch mit Stein und Holz. 10Und auch in diesem allen bekehrt sich das treulose Juda, ihre Schwester, nicht zu mir von ganzem Herzen, sondern nur mit Heuchelei, spricht der HERR.

11Und der HERR sprach zu mir: Das abtrünnige Israel steht gerechter da als das treulose Juda. 12Geh hin und rufe diese Worte nach Norden und sprich: Kehre zurück, du abtrünniges Israel, spricht der HERR, so will ich nicht zornig auf euch blicken. Denn

3,12
2. Mose 34,6
ich bin gnädig, spricht der HERR, und will nicht ewiglich zürnen. 13Allein erkenne deine Schuld, dass du wider den HERRN, deinen Gott, gesündigt hast und bist hin und her gelaufen zu den fremden Göttern unter allen grünen Bäumen, und ihr habt meiner Stimme nicht gehorcht, spricht der HERR.

14Kehrt um, ihr abtrünnigen Kinder, spricht der HERR, denn ich bin euer Herr! Und ich will euch holen,

3,14
Jes 6,13
einen aus einer Stadt und zwei aus einem Geschlecht, und will euch bringen nach Zion. 15Und ich will euch
3,15
Kap
Hirten geben nach meinem Herzen, die euch weiden sollen in Einsicht und Weisheit. 16
3,16-17
4. Mose 10,33-36
2. Kön 25,8-9
Hebr 4,14-16
Und es soll geschehen, wenn ihr zahlreich geworden seid und euch ausgebreitet habt im Lande, so soll man, spricht der HERR, in jenen Tagen nicht mehr reden von der Bundeslade des HERRN, ihrer nicht mehr gedenken oder nach ihr fragen und sie nicht mehr vermissen; auch wird sie nicht wieder gemacht werden. 17Sondern zu jener Zeit wird man Jerusalem nennen
3,17
2. Mose 17,16
»Des HERRN Thron« und
3,17
Jes 2,2-4
Mi 4,2
es werden sich dahin sammeln alle Heiden um des Namens des HERRN willen zu Jerusalem, und sie werden nicht mehr wandeln nach ihrem verstockten und bösen Herzen. 18In jenen Tagen wird das Haus Juda zum Haus Israel gehen, und
3,18
Jes 11,11-13
sie werden miteinander heimkommen von Norden her in das Land, das ich euren Vätern zum Erbe gegeben habe.

19Und ich dachte: Wie will ich dich halten,

3,19
5. Mose 7,6
32,6
als wärst du mein Sohn, und dir das liebe Land geben,
3,19
5. Mose 8,7
den allerschönsten Besitz unter den Völkern! Und ich dachte, du würdest mich dann
3,19
»Lieber Vater« nennen und nicht von mir weichen. 20Aber das Haus Israel hat mir nicht die Treue gehalten, gleichwie eine Frau wegen ihres Liebhabers nicht die Treue hält, spricht der HERR.

Israels Umkehr

21Man hört ein klägliches Heulen und Weinen der Israeliten

3,21
auf den Höhen, weil sie übel getan und den HERRN, ihren Gott, vergessen haben. 22Kehrt zurück, ihr abtrünnigen Kinder, so will ich euch heilen von eurem Ungehorsam.

Siehe, wir kommen zu dir; denn du bist der HERR, unser Gott. 23Wahrlich, es ist ja nichts als Betrug mit den Hügeln und mit dem Lärm auf den Bergen. Wahrlich, es hat Israel keine andere Hilfe als am HERRN, unserm Gott. 24Der schändliche Baal hat gefressen, was unsere Väter erworben hatten, von unsrer Jugend an, ihre Schafe und Rinder, Söhne und Töchter. 25So müssen wir uns betten in unsere Schande, und unsre Schmach soll uns bedecken. Denn

3,25
Kap
wir haben gesündigt wider den HERRN, unsern Gott, wir und unsere Väter, von unsrer Jugend an bis auf den heutigen Tag, und haben nicht gehorcht der Stimme des HERRN, unseres Gottes.

4

41Willst du dich, Israel, bekehren, spricht der HERR, so kehre dich zu mir! Und wenn du deine gräulichen Götzen von meinem Angesicht wegtust, so brauchst du nicht mehr umherzuschweifen, 2und wenn du ohne Heuchelei recht und heilig

4,2
5. Mose 10,20
Jes 65,16
schwörst: »So wahr der HERR lebt«, dann werden die Heiden in ihm gesegnet werden und sich seiner rühmen. 3Denn so spricht der HERR zu denen in Juda und zu Jerusalem:
4,3
Hos 10,12
Pflüget ein Neues und säet nicht unter die Dornen! 4
4,4
Kap
Beschneidet euch für den HERRN und tut weg die Vorhaut eures Herzens, ihr Männer von Juda und ihr Leute von Jerusalem, auf dass nicht
4,4
Kap
um eurer Bosheit willen mein Grimm ausfahre wie Feuer und brenne, sodass niemand löschen kann.

Der Feind aus dem Norden wird das Land verheeren

5Verkündet in Juda und schreit laut in Jerusalem und sprecht: »Blast die Posaune im Lande!« Ruft mit voller Stimme und sprecht: »Sammelt euch und lasst uns in die festen Städte ziehen!« 6Richtet in Zion ein Fluchtzeichen auf; flieht und säumet nicht! Denn ich bringe

4,6
Kap
von Norden Unheil herzu und großen Jammer. 7Es steigt herauf der
4,7
Kap
Löwe aus seinem Dickicht, und der Verderber der Völker hat sich aufgemacht und ist ausgezogen von seiner Stätte, dein Land zu verwüsten und deine Städte zu verbrennen, sodass niemand darin wohnt. 8Darum
4,8
Kap
zieht den Sack an, klagt und heult; denn der grimmige Zorn des HERRN will sich nicht von uns wenden.

9Zu der Zeit, spricht der HERR, wird dem König und den Fürsten der Mut entfallen, die Priester werden bestürzt und die Propheten erschrocken sein. 10Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, du hast dies Volk und Jerusalem sehr getäuscht, als du sagtest: »Es wird

4,10
Kap
Friede bei euch sein«, wo doch das Schwert uns ans Leben geht!

11Zu der Zeit wird man diesem Volk und Jerusalem sagen: »Es kommt ein heißer Wind von den kahlen Höhen aus der Wüste, geraden Weges zu der Tochter meines Volks, nicht zum Worfeln noch zum Sichten.« 12Ja, ein Wind kommt auf mein Geheiß, der ihnen zu stark sein wird; da will ich dann mit ihnen rechten. 13Siehe, er fährt daher wie Wolken, und seine Wagen sind wie ein Sturmwind, seine Rosse sind schneller als Adler. Weh uns! Wir sind verloren! 14So

4,14
Kap
wasche nun, Jerusalem, dein Herz von der Bosheit, auf dass dir geholfen werde. Wie lange wollen bei dir bleiben deine heillosen Gedanken?

15Horch! Es kommt ein Geschrei von Dan her und eine böse Botschaft vom Gebirge Ephraim. 16Sagt an den Völkern, verkündet in Jerusalem: Belagerer kommen aus fernen Landen und erheben Kriegsgeschrei gegen die Städte Judas. 17Sie werden sich

4,17
Kap
um Jerusalem her lagern wie die Wächter auf dem Felde; denn es hat mich erzürnt, spricht der HERR. 18Das hast du zum Lohn für deinen Wandel und dein Tun. Das kommt von deiner Bosheit, dass es so bitter um dich steht und dir bis ans Herz dringt.

19Wie ist mir so weh! Mein Herz pocht mir im Leibe und ich habe keine Ruhe; denn ich höre der Posaune Hall, den Lärm der Feldschlacht; 20Niederlage auf Niederlage wird gemeldet. Denn das ganze Land wird verheert, plötzlich sind meine Hütten und meine Zelte zerstört. 21Wie lange soll ich noch das Fluchtzeichen sehen und der Posaune Hall hören? 22Aber mein Volk ist toll und glaubt mir nicht. Töricht sind sie und achten’s nicht;

4,22
Jes 27,11
weise sind sie genug, Übles zu tun, aber recht tun wollen sie nicht lernen.

23Ich schaute das Land an, siehe,

4,23
1. Mose 1,2
es war wüst und öde, und den Himmel und er war finster. 24Ich sah die Berge an, und siehe, sie bebten und alle Hügel wankten. 25Ich sah, und siehe, da war kein Mensch, und alle Vögel unter dem Himmel waren weggeflogen. 26Ich sah, und siehe, das Fruchtland war eine Wüste, und alle seine Städte waren zerstört vor dem HERRN und vor seinem grimmigen Zorn. 27Denn so spricht der HERR: Das ganze Land soll wüst werden, aber
4,27
Kap
ich will mit ihm doch nicht ganz ein Ende machen. 28Darum wird das Land betrübt und der Himmel droben traurig sein; denn ich hab’s geredet, ich hab’s beschlossen und es soll mich nicht gereuen, ich will auch nicht davon ablassen.

29Aus allen Städten werden sie vor dem Geschrei der Reiter und Schützen fliehen und in die dichten Wälder laufen und in die Felsen kriechen. Alle Städte werden verlassen stehen, sodass niemand darin wohnt. 30Was willst du dann tun, du Überwältigte? Wenn du dich schon mit Purpur kleiden und mit goldenen Kleinoden schmücken und dein Angesicht schminken würdest, so schmückst du dich doch vergeblich. Die dir jetzt den Hof machen, werden dich verachten, sie werden dir nach dem Leben trachten. 31Denn ich höre ein Geschrei wie von einer Gebärenden, Angstrufe wie von einer, die in den ersten Kindsnöten ist, ein Geschrei der Tochter Zion, die da keucht und die Hände ausbreitet: Ach, weh mir! Ich muss vergehen vor den Würgern.

5

Dem sündigen Volk kann nicht mehr vergeben werden

51Geht durch die Gassen Jerusalems und schaut und merkt auf und

5,1
1. Mose 18,22-32
sucht auf den Straßen der Stadt, ob ihr jemand findet, der Recht übt und auf Wahrheit hält, so will ich ihr gnädig sein. 2Und wenn sie auch sprechen: Bei dem lebendigen Gott!, so
5,2
Kap
schwören sie doch falsch.

3HERR, deine Augen sehen auf Wahrhaftigkeit5,3 Luther übersetzte: »sehen nach dem Glauben«.. Du schlägst sie, aber sie fühlen’s nicht;

5,3
Kap
du machst fast ein Ende mit ihnen, aber sie bessern sich nicht.
5,3
Jes 48,4
Sie haben ein Angesicht, härter als ein Fels, und wollen sich nicht bekehren. 4Ich aber dachte: Wohlan, es sind arme, unverständige Leute und wissen nicht um des HERRN Weg und um ihres Gottes Recht. 5Ich will zu den Großen gehen und mit ihnen reden; die werden um des HERRN Weg und ihres Gottes Recht wissen. Aber
5,5
Kap
sie alle haben das Joch zerbrochen und die Seile zerrissen. 6Darum wird sie auch der
5,6
Kap
Löwe aus dem Walde zerreißen, und der Wolf aus der Steppe wird sie verderben, und der Panther wird um ihre Städte lauern; alle, die von da herausgehen, werden zerfleischt. Denn ihrer Sünden sind zu viele, und sie bleiben in ihrem Ungehorsam.

7Wie soll ich dir denn gnädig sein? Deine Söhne haben mich verlassen und schwören bei dem, der nicht Gott ist. Als ich sie satt gemacht hatte, trieben sie Ehebruch und liefen ins Hurenhaus. 8Ein jeder

5,8
Hes 22,11
wiehert nach seines Nächsten Frau wie die vollen, müßigen Hengste. 9Und ich sollte das an ihnen nicht heimsuchen, spricht der HERR, und ich sollte mich nicht rächen an einem Volk wie diesem?
5,9
Kap

10Stürmt ihre Weinberge hinauf und zerstört die stützenden Mauern; aber verwüstet sie nicht ganz! Reißt ihre Weinranken weg; denn sie gehören nicht dem HERRN! 11Sie verachten mich, spricht der HERR, das Haus Israel und das Haus Juda.

12Sie verleugnen den HERRN und sprechen: »Das tut er nicht; so übel wird es uns nicht gehen; Schwert und Hunger werden wir nicht sehen. 13Die Propheten sind Schwätzer und haben Gottes Wort nicht; es ergehe ihnen selbst so!« 14Darum spricht der HERR, der Gott Zebaoth: Weil ihr solche Reden führt, siehe, so will ich meine Worte in deinem Munde zu Feuer machen und dies Volk zu Brennholz, dass es verzehrt werde.

15Siehe, ich will über euch vom Hause Israel

5,15
Kap
ein Volk von ferne her bringen, spricht der HERR, ein Volk von unerschöpflicher Kraft, ein uraltes Volk, ein Volk,
5,15
Jes 28,11
dessen Sprache du nicht verstehst, und was sie reden, kannst du nicht vernehmen. 16Seine Köcher sind wie offene Gräber; es sind lauter Helden. 17Sie werden deine Ernte und dein Brot verzehren, sie werden deine Söhne und Töchter fressen, sie werden deine Schafe und Rinder verschlingen, sie werden deine Weinstöcke und Feigenbäume verzehren; deine festen Städte, auf die du dich verlässt, werden sie mit dem Schwert einnehmen.

18Doch will ich, spricht der HERR, auch zu jener Zeit mit euch

5,18
Kap
nicht ganz ein Ende machen. 19Und wenn sie sagen: Warum tut uns der HERR, unser Gott, dies alles?, sollst du ihnen antworten: Wie ihr mich verlasst und fremden Göttern dient in eurem eigenen Lande, so sollt ihr auch Fremden dienen in einem Lande, das nicht euer ist.
5,19
Kap

20Verkündet im Hause Jakob und ruft aus in Juda und sprecht: 21Hört zu, ihr tolles Volk, das keinen Verstand hat,

5,21
Jes 6,9-10
Mk 8,18
die da Augen haben und sehen nicht, Ohren haben und hören nicht! 22Wollt ihr mich nicht fürchten, spricht der HERR, und vor mir nicht erschrecken,
5,22
Ps 104,9
der ich dem Meere den Sand zur Grenze setze, darin es allezeit bleiben muss, darüber es nicht gehen darf? Und wenn es auch aufwallt, so vermag es doch nichts; und wenn seine Wellen auch toben, so dürfen sie doch nicht darübergehen. 23Aber dies Volk hat ein abtrünniges, ungehorsames Herz. Sie bleiben abtrünnig und gehen ihrer Wege 24und sprechen niemals in ihrem Herzen: »Lasst uns doch den HERRN, unsern Gott, fürchten, der uns
5,24
5. Mose 11,14
Frühregen und Spätregen gibt zur rechten Zeit und uns die Ernte treulich und jährlich gewährt.« 25Aber
5,25
Jes 59,2
eure Verschuldungen verhindern das, und eure Sünden halten das Gute von euch fern.

26Man findet unter meinem Volk Gottlose, die den Leuten nachstellen und Fallen zurichten, um sie zu fangen, wie’s die Vogelfänger tun. 27Ihre Häuser sind voller Tücke, wie ein Vogelbauer voller Lockvögel ist. Daher sind sie groß und reich geworden, 28fett und feist. Sie gehen mit bösen Dingen um; sie halten kein Recht,

5,28
2. Mose 22,21
Jes 1,17
der Waisen Sache fördern sie nicht, dass ihnen ihr Recht werde, und helfen den Armen nicht zum Recht. 29Sollte ich das an ihnen nicht heimsuchen, spricht der HERR, und sollte ich mich nicht rächen an einem Volk wie diesem?
5,29

30Es steht gräulich und grässlich im Lande. 31Die

5,31
Hes 13,6
Propheten weissagen Lüge, und die Priester herrschen auf eigene Faust, und mein Volk hat’s gern so. Aber was werdet ihr tun, wenn’s damit ein Ende hat?