Lutherbibel 1984 (LU84)
16

Jeremias Einsamkeit als Vorzeichen des Gerichts

161Und des HERRN Wort geschah zu mir: 2Du sollst dir keine Frau nehmen und weder Söhne noch Töchter zeugen an diesem Ort. 3Denn so spricht der HERR von den Söhnen und Töchtern, die an diesem Ort geboren werden, und von ihren Müttern, die sie gebären, und von ihren Vätern, die sie zeugen in diesem Lande: 4Sie sollen an bösen Krankheiten sterben und nicht beklagt noch begraben werden, sondern sollen

16,4
Kap
Dung werden auf dem Acker. Durch Schwert und Hunger sollen sie umkommen, und ihre Leichname sollen den Vögeln des Himmels und den Tieren des Feldes zum Fraße werden.

5So spricht der HERR: Du sollst in kein Trauerhaus gehen, weder um zu klagen noch um zu trösten; denn ich habe meinen Frieden von diesem Volk weggenommen, die Gnade und die Barmherzigkeit, spricht der HERR. 6Große und Kleine sollen sterben in diesem Lande und nicht begraben noch beklagt werden, und

16,6
Kap
niemand wird sich ihretwegen wund ritzen oder kahl scheren. 7Auch wird man keinem das Trauerbrot brechen, um ihn zu trösten wegen eines Toten, und auch nicht den Trostbecher zu trinken geben wegen seines Vaters oder seiner Mutter. 8Du sollst auch in kein Hochzeitshaus gehen, um bei ihnen zu sitzen zum Essen und zum Trinken. 9Denn so spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Siehe,
16,9
Kap
ich will an diesem Ort vor euren Augen und zu euren Lebzeiten ein Ende machen dem Jubel der Freude und Wonne, der Stimme des Bräutigams und der Braut.

10

16,10-13
Kap
Und wenn du das alles diesem Volk gesagt hast und sie zu dir sprechen werden: »Warum kündigt uns der HERR all dies große Unheil an? Was ist die Missetat und Sünde, womit wir wider den HERRN, unsern Gott, gesündigt haben?«, 11so sollst du ihnen sagen: Weil eure Väter mich verlassen haben, spricht der HERR, und andern Göttern nachgelaufen sind, ihnen gedient und sie angebetet, mich aber verlassen und mein Gesetz nicht gehalten haben, 12ihr aber noch ärger tut als eure Väter; denn siehe,
16,12
Kap
ein jeder lebt nach seinem verstockten und bösen Herzen, sodass er mir nicht gehorcht. 13Darum will ich euch aus diesem Lande verstoßen in ein Land, von dem weder ihr noch eure Väter gewusst haben.
16,13
5. Mose 28,64
Dort sollt ihr andern Göttern dienen Tag und Nacht, weil ich euch keine Gnade mehr erweisen will.

Heil und Gericht für Israel und für die Völker

14

16,14-15
Kap
Darum siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der HERR lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat«, 15sondern: »So wahr der HERR lebt, der die Israeliten geführt hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Ländern, wohin er sie verstoßen hatte.« Denn ich will sie zurückbringen in das Land, das ich ihren Vätern gegeben habe.

16Siehe, ich will viele Fischer aussenden, spricht der HERR, die sollen sie fischen; und danach will ich viele Jäger aussenden, die sollen sie fangen auf allen Bergen und auf allen Hügeln und in allen Felsklüften. 17Denn

16,17
Hiob 34,21
meine Augen sehen auf alle ihre Wege, dass sie sich nicht vor mir verstecken können, und ihre Missetat ist vor meinen Augen nicht verborgen. 18Aber zuvor will ich ihre Missetat und Sünde
16,18
Jes 40,2
zwiefach vergelten, weil sie mein Land mit ihren toten Götzen unrein gemacht und mein Erbland mit ihren Gräueln angefüllt haben.

19HERR, du bist meine Stärke und Kraft und meine Zuflucht in der Not! Die Heiden werden zu dir kommen von den Enden der Erde und sagen: Nur Lüge haben unsere Väter gehabt, nichtige Götter, die nicht helfen können. 20Wie kann ein Mensch sich Götter machen? Das sind doch keine Götter! 21Darum siehe, diesmal will ich sie lehren und meine Kraft und Gewalt ihnen kundtun, dass sie erfahren sollen:

16,21
2. Mose 3,15
Ich heiße der HERR.

17

Judas Sünde und Strafe

171

17,1-3
2. Kön 23,4-18
Die Sünde Judas ist geschrieben mit eisernem Griffel und mit diamantener Spitze gegraben auf die Tafel ihres Herzens und auf die Hörner an ihren Altären; 2denn ihre Söhne denken an ihre Altäre und Ascherabilder unter den grünen Bäumen und auf den hohen Hügeln. 3Aber ich will deine Opferhöhen auf Bergen und Feldern samt deiner Habe und allen deinen Schätzen zum Raube geben um der Sünde willen, die in deinem ganzen Gebiet begangen ist.
17,3
Kap
4Und du sollst aus deinem Erbe verstoßen werden, das ich dir gegeben habe, und ich will dich zum Knecht deiner Feinde machen in einem Lande, das du nicht kennst; denn ihr habt ein Feuer meines Zorns angezündet, das ewiglich brennen wird.

Falsche und wahre Sicherheit

5So spricht der HERR: Verflucht ist der Mann, der

17,5
Ps 118,8
146,3
sich auf Menschen verlässt und
17,5
2. Chr 32,8
hält Fleisch für seinen Arm und weicht mit seinem Herzen vom HERRN. 6Der wird sein wie ein
17,6
Kap
Dornstrauch in der Wüste und wird nicht sehen das Gute, das kommt, sondern er wird bleiben in der Dürre der Wüste, im unfruchtbaren Lande, wo niemand wohnt.

7Gesegnet aber ist der Mann,

17,7
Ps 146,5
der sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist. 8Der ist
17,8
Ps 1,3
wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte.

9Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen? 10Ich, der HERR,

17,10
1. Sam 16,7
Ps 7,10
Spr 15,11
kann das Herz ergründen und die Nieren prüfen und
17,10
Röm 2,6
gebe einem jeden nach seinem Tun, nach den Früchten seiner Werke. 11Wie ein Vogel, der sich über Eier setzt, die er nicht gelegt hat, so ist, wer unrecht Gut sammelt; denn
17,11
Lk 12,20
er muss davon, wenn er’s am wenigsten denkt, und muss zuletzt noch Spott dazu haben.

12Aber die Stätte unseres Heiligtums ist der

17,12
Kap
Thron der Herrlichkeit, erhaben von Anbeginn. 13Denn du, HERR, bist die Hoffnung Israels. Alle, die dich verlassen, müssen zuschanden werden, und die Abtrünnigen müssen auf die Erde geschrieben werden; denn sie verlassen den HERRN,
17,13
Kap
die Quelle des lebendigen Wassers.

Jeremias Gebet in Anfechtung

14

17,14
2. Mose 15,26
Ps 6,3
Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen; denn du bist mein Ruhm. 15Siehe, sie sprechen zu mir: »Wo ist denn des HERRN Wort?
17,15
Jes 5,19
Lass es doch kommen!« 16Aber ich habe dich nie gedrängt, Unheil kommen zu lassen; auch hab ich den bösen Tag nicht herbeigewünscht, das weißt du. Was ich gepredigt habe, das liegt offen vor dir.

17Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Not! 18

17,18
Ps 35,4
Lass die zuschanden werden, die mich verfolgen, und nicht mich; lass sie erschrecken, und nicht mich. Lass den Tag des Unheils über sie kommen und zerschlage sie zwiefach!

Die Heiligung des Sabbats

19

17,19-27
Neh 13,15-22
So sprach der HERR zu mir: Geh hin und tritt ins Tor des Volks, durch das die Könige von Juda aus und ein gehen, und in alle Tore Jerusalems 20und sprich zu ihnen: Höret des HERRN Wort, ihr Könige Judas und ganz Juda und alle Einwohner Jerusalems, die durch diese Tore gehen! 21
17,21-22
2. Mose 20,8-10
So spricht der HERR: Hütet euch und tragt keine Last am Sabbattag durch die Tore Jerusalems 22und tragt keine Last am Sabbattag aus euren Häusern und tut keine Arbeit, sondern
17,22
Jes 56,2
heiligt den Sabbattag, wie ich euren Vätern geboten habe. 23Aber
17,23
Kap
sie hörten nicht und kehrten mir ihre Ohren nicht zu, sondern blieben halsstarrig, dass sie ja nicht auf mich hörten noch Zucht annähmen.

24Wenn ihr nun auf mich hören werdet, spricht der HERR, dass ihr am Sabbattag keine Last durch die Tore dieser Stadt tragt, sondern ihn heiligt, dass ihr an diesem Tage keine Arbeit tut, 25so

17,25
Kap
sollen auch durch die Tore dieser Stadt aus und ein gehen Könige, die auf dem Thron Davids sitzen und die mit Ross und Wagen fahren, sie und ihre Großen samt allen, die in Juda und Jerusalem wohnen; und es soll diese Stadt immerdar bewohnt werden. 26Und sie sollen kommen aus den Städten Judas und aus der Gegend von Jerusalem und aus dem Lande Benjamin, aus dem Hügelland und vom Gebirge und vom Südland, die da bringen Brandopfer, Schlachtopfer, Speisopfer und Weihrauch und die da Dankopfer bringen zum Hause des HERRN. 27Werdet ihr aber nicht auf mein Gebot hören,
17,27
Hes 20,12-13
den Sabbattag zu heiligen und keine Last am Sabbattag zu tragen durch die Tore Jerusalems, so will ich ein Feuer in ihren Toren anzünden, das die festen Häuser Jerusalems verzehrt und nicht gelöscht werden kann.

18

Das Gleichnis vom Töpfer

181Dies ist das Wort, das geschah vom HERRN zu Jeremia: 2Mach dich auf und geh hinab in des Töpfers Haus; dort will ich dich meine Worte hören lassen. 3Und ich ging hinab in des Töpfers Haus, und siehe, er arbeitete eben auf der Scheibe. 4Und der Topf, den er aus dem Ton machte, missriet ihm unter den Händen. Da machte er einen andern Topf daraus, wie es ihm gefiel.

5Da geschah des HERRN Wort zu mir: 6Kann ich nicht ebenso mit euch umgehen, ihr vom Hause Israel, wie dieser Töpfer?, spricht der HERR. Siehe,

18,6
Jes 45,9
Röm 9,21
wie der Ton in des Töpfers Hand, so seid auch ihr vom Hause Israel in meiner Hand.

7

18,7-10
Kap
Bald rede ich über ein Volk und Königreich, dass ich es ausreißen, einreißen und zerstören will; 8wenn es sich aber bekehrt von seiner Bosheit, gegen die ich rede, so
18,8
Kap
reut mich auch das Unheil, das ich ihm gedachte zu tun. 9Und bald rede ich über ein Volk und Königreich, dass ich es bauen und pflanzen will; 10wenn es aber tut, was mir missfällt, dass es meiner Stimme nicht gehorcht, so reut mich auch das Gute, das ich ihm verheißen hatte zu tun.

11Und nun sprich zu den Leuten in Juda und zu den Bürgern Jerusalems: So spricht der HERR: Siehe, ich bereite euch Unheil und habe gegen euch etwas im Sinn. So bekehrt euch doch, ein jeder von seinen bösen Wegen, und

18,11
Kap
bessert euern Wandel und euer Tun! 12Aber sie sprechen:
18,12
Kap
Daraus wird nichts! Wir wollen nach unsern Gedanken wandeln, und ein jeder soll tun nach seinem
18,12
Kap
verstockten und bösen Herzen.

13Darum spricht der HERR: Fragt doch unter den Heiden: Wer hat je dergleichen gehört? So gräuliche Dinge tut die Jungfrau Israel! 14Bleibt doch der Schnee länger auf den Steinen im Felde, wenn’s vom Libanon herab schneit, und das Regenwasser verläuft sich nicht so schnell, 15wie mein Volk meiner vergisst. Sie opfern den nichtigen Göttern. Die haben sie zu Fall gebracht auf den alten Wegen und lassen sie nun gehen auf ungebahnten Straßen, 16auf dass ihr Land zur Wüste werde, ihnen zur ewigen Schande, dass, wer vorübergeht, sich entsetze und den Kopf schüttle. 17Denn ich will sie wie durch einen Ostwind zerstreuen vor ihren Feinden;

18,17
Kap
ich will ihnen den Rücken und nicht das Antlitz zeigen am Tag ihres Verderbens.

Jeremias Gebet gegen seine Feinde

18Sie sprechen: »Kommt und lasst uns gegen Jeremia Böses planen; denn dem Priester wird’s nicht fehlen an Weisung noch dem Weisen an Rat noch dem Propheten am Wort! Kommt, lasst uns ihn mit seinen eigenen Worten schlagen und nichts geben auf alle seine Reden!«

19HERR, hab acht auf mich und höre die Stimme meiner Widersacher! 20Ist’s recht, dass man Gutes mit Bösem vergilt? Denn sie haben mir eine Grube gegraben! Gedenke doch, wie ich vor dir gestanden bin, um für sie zum Besten zu reden und deinen Grimm von ihnen abzuwenden! 21So strafe nun ihre Kinder mit Hunger und gib sie dem Schwerte preis, dass ihre Frauen kinderlos und Witwen seien und ihre Männer vom Tode getroffen und ihre junge Mannschaft im Krieg durchs Schwert getötet werden; 22dass Geschrei aus ihren Häusern gehört werde, wenn du plötzlich Kriegsvolk über sie kommen lässt. Denn sie haben eine Grube gegraben, mich zu fangen, und meinen Füßen Fallen gestellt. 23Aber du, HERR, kennst alle ihre Anschläge gegen mich, dass sie mich töten wollen. So

18,23
Mt 6,15
vergib ihnen ihre Missetat nicht und tilge ihre Sünde nicht aus vor dir! Lass sie vor dir zu Fall kommen und handle an ihnen zur Zeit deines Zorns!
18,23
Lk 23,34