Lutherbibel 1984 (LU84)
7

Holofernes belagert Betulia

71Am nächsten Tag befahl Holofernes seinem Heer, gegen Betulia hinaufzuziehen. 2Und

7,2
Kap
er hatte hundertzwanzigtausend Mann zu Fuß und zwölftausend Reiter, dazu die
7,2
Kap
Hilfstruppen, die er in den unterworfenen Gebieten ausgehoben und die man ihm aus der gesamten waffenfähigen Jugend der Länder und Städte zugeführt hatte. 3Dies ganze Heer rüstete sich zum Kampf gegen Israel; sie zogen am Abhang des Gebirges entlang bis zu einer Anhöhe; von dort sieht man
7,3
Kap
Dotan und blickt von Belma bis Chelmon, das gegenüber
7,3
Kap
Jesreël liegt.

4Als nun die Israeliten das große Heer der Assyrer sahen, warfen sie sich auf die Erde,

7,4
Est 4,3
streuten sich Asche aufs Haupt und
7,4
Kap
beteten alle miteinander, dass der Gott Israels seine Barmherzigkeit beweisen wolle an seinem Volk. 5Dann nahmen sie ihre Waffen und besetzten die Engpässe der Gebirgswege und bewachten sie Tag und Nacht.

6Als aber Holofernes um die Stadt herumzog, entdeckte er südlich davon eine Quelle, die durch eine Wasserleitung in die Stadt floss. Diese Wasserleitung ließ er zerstören. 7Sie hatten jedoch unweit der Mauer kleine Quellen, aus denen sie heimlich Wasser holen wollten; doch war es nicht genug, um den Durst damit zu stillen. 8Doch

7,8
Zef 2,8
die Ammoniter und Moabiter kamen zu Holofernes und sagten: 9Die Israeliten wagen nicht, offen zum Kampf anzutreten, sondern sie verteidigen das Gebirge und befestigen die Hügel, an deren Steilhang sie sitzen. 10Damit du sie aber kampflos überwinden kannst, lass nur die Quellen bewachen, sodass sie kein Wasser holen können; dann müssen sie ohne Schwertstreich sterben oder die Not bringt sie dazu, ihre Stadt zu übergeben, von der sie meinen, dass man sie nicht erobern kann, weil sie in den Bergen liegt. 11Dieser Rat gefiel Holofernes und seinem Gefolge und er legte hundert Mann an jede Quelle.

12Als man nun zwanzig Tage die Quellen bewacht hatte, hatten alle Bewohner von Betulia kein Wasser mehr, weder in Zisternen noch anderswo, sodass es nicht mehr ausreichte, um auch nur einen Tag den Durst richtig zu stillen; denn man hatte ja täglich den Leuten das Wasser zugemessen. 13Da kamen alle, Mann und Frau, Jung und Alt, zu Usija und den Ältesten und klagten: Gott sei Richter zwischen euch und uns.

7,13
2. Mose 5,21
Ihr habt uns in diese große Not gebracht, weil ihr nicht mit den Assyrern Frieden schließen wolltet; darum hat uns Gott nun in ihre Hände gegeben 14und wir haben keine Hilfe zu erwarten, sondern müssen vor ihren Augen vor Durst verschmachten und jämmerlich umkommen. 15Darum ruft die ganze Stadt zusammen, damit wir uns alle den Leuten des Holofernes freiwillig ergeben. 16Denn
7,16
Kap
es ist besser, dass wir uns ergeben und am Leben bleiben und darin Gott loben, als dass wir umkommen und vor aller Welt zuschanden werden und sehen müssen, wie unsre Frauen und Kinder so jämmerlich vor unsern Augen sterben. 17Wir
7,17
5. Mose 4,26
bezeugen heute vor Himmel und Erde und vor dem Gott unsrer Väter, der uns jetzt um unsrer Sünden willen bestraft, dass wir euch gebeten haben, die Stadt dem Heer des Holofernes zu übergeben, und dass wir lieber rasch durchs Schwert umkommen als langsam vor Durst verschmachten.

18Darauf weinte und heulte das ganze Volk viele Stunden lang und sie schrien zu Gott: 19Wir haben gesündigt samt unsern Vätern; wir haben unrecht getan und sind gottlos gewesen.

7,19
1. Kön 8,47
Ps 106,6
20Aber du bist barmherzig, darum sei uns gnädig oder bestrafe du selbst uns; und weil wir dich bekennen, übergib uns nicht den Heiden, die dich nicht kennen,
7,20
Ps 79,10
damit sie nicht sagen: Wo ist nun ihr Gott?

21Als sie sich nun müde geschrien und geweint hatten und es ein wenig still geworden war, stand Usija auf und sagte unter Tränen: 22Liebe Brüder, habt doch Geduld und

7,22
1. Sam 11,3
lasst uns noch fünf Tage auf Hilfe von Gott warten, 23ob er uns nicht seine Gnade erweisen und
7,23
2. Makk 8,15
seinen Namen herrlich machen will. 24Wird uns in diesen fünf Tagen nicht geholfen, so wollen wir tun, was ihr erbeten habt.

8

Judit ruft auf zum Warten auf Gottes Hilfe

81Davon hörte Judit. Sie war eine Witwe, eine Tochter Meraris, des Sohnes des Uz, des Sohnes Josefs, des Sohnes Usijas, des Sohnes Hilkijas, des Sohnes Jamnors, des Sohnes Gideons, des Sohnes Rafains, des Sohnes Ahitubs, des Sohnes Malkijas, des Sohnes Enans, des Sohnes Natanjas, des Sohnes Schealtiëls, des Sohnes Simeons, des Sohnes Rubens. 2Ihr Mann hatte Manasse geheißen und war zur Zeit der Gerstenernte gestorben. 3Denn als er auf dem Felde die Arbeiter beim Garbenbinden beaufsichtigte, machte ihn die Hitze krank und er starb in seiner Stadt Betulia und wurde dort bei seinen Vätern begraben.

4Der hinterließ Judit; die war nun seit drei Jahren und sechs Monaten eine Witwe. 5

8,5-6
Dan 6,11
1. Tim 5,5
Sie hatte sich oben in ihrem Hause einen besonderen Raum hergerichtet, in dem sie sich mit ihren Mägden eingeschlossen hielt. 6Sie war bekleidet mit einem Trauergewand und fastete täglich, außer am Sabbat, am Neumond und an den andern Festen des Hauses Israel. Sie war wunderschön, und ihr Mann hatte ihr großen Reichtum und einen stattlichen Hausstand und ausgedehnten Besitz mit Rinder- und Schafherden hinterlassen. 7Auch hatte sie bei allen einen guten Ruf, da sie den Herrn fürchtete; und niemand konnte etwas Schlechtes über sie sagen.

8Als Judit nun hörte, dass Usija zugesagt hatte, die Stadt nach fünf Tagen den Assyrern zu übergeben, sandte sie eine Botschaft an die Ältesten Kabri und Karmi. 9Als diese zu ihr kamen, sagte sie zu ihnen: Was soll das sein? Hat Usija eingewilligt, die Stadt den Assyrern zu übergeben, wenn euch in fünf Tagen nicht geholfen wird? 10Wer seid ihr, dass ihr

8,10
5. Mose 6,16
den Herrn versucht? Das dient nicht dazu, Gnade zu finden, sondern vielmehr Zorn und Ungnade. 11Wollt ihr dem Herrn nach eurem Gefallen
8,11
Mt 24,36
Zeit und Tag bestimmen, wann er helfen soll? 12
8,12-13
Ps 103,8-9
Hos 11,9
Tob 3,14
2. Kor 5,19
Doch der Herr ist geduldig; darum wollen wir das bereuen und seine Gnade suchen mit Tränen. 13Denn Gott zürnt nicht wie ein Mensch, der sich nicht versöhnen lässt. 14Darum wollen wir uns von Herzen vor ihm demütigen und ihm dienen und mit Tränen zum Herrn beten, dass er nach seinem Gefallen Barmherzigkeit an uns erweisen wolle.

15Und wie wir jetzt trauern müssen wegen des Hochmuts der Assyrer, so wollen wir beten, dass wir uns nach diesem Jammer wieder freuen können, weil wir nicht der Sünde unsrer Väter gefolgt sind, die ihren Gott verließen und fremde Götter anbeteten;

8,15
Kap
darum wurden sie ihren Feinden übergeben und von ihnen erschlagen, gefangen und misshandelt. 16Wir aber kennen keinen andern Gott als ihn allein und wollen mit Demut von ihm Hilfe und Trost erwarten. 17So wird er, der Herr, unser Gott, uns das Leben retten vor unsern Feinden und alle Heiden, die sich gegen uns erheben, demütigen und zuschanden machen.

18Und weil ihr, liebe Brüder, die Ältesten des Volkes Gottes seid und ihr Leben in eurer Hand ist, tröstet das Volk mit eurem Wort, dass sie bedenken, wie unsre Väter auch

8,18
5. Mose 8,2
versucht wurden, damit sie sich darin bewährten, dass sie Gott von Herzen dienten. 19Erinnert sie, wie unser Vater Abraham
8,19
1. Mose 22,1-19
1. Makk 2,52
versucht und
8,19
Jak 2,21-23
Gottes Freund geworden ist, nachdem er sich durch viele
8,19
Tob 12,13
Anfechtungen bewährt hatte. 20Ebenso sind
8,20
1. Mose 26,12-22
Isaak,
8,20
1. Mose 27,29-32
Jakob,
8,20
2. Mose 2,1-15
Mose und alle, die Gott lieb gewesen sind, standhaft geblieben und
8,20
2. Mose 17,1-7
4. Mose 16,1-35
haben viel Trübsal überwinden müssen. 21Andere aber wollten die Trübsal nicht mit Gottesfurcht annehmen, sondern haben in ihrem Leiden gegen Gott geklagt und gelästert und sind darum vom Verderber und durch die Schlangen umgebracht worden.
8,21
4. Mose 14,1-326-30
21,4-6
1. Kor 10,9-10
22Darum lasst uns nicht ungeduldig werden in diesem Leiden, sondern erkennen, dass es
8,22
Hiob 11,5-6
Weish 11,9-10
eine viel geringere Strafe ist, als wir mit unsern Sünden verdienen, und glauben, dass wir wie Knechte
8,22
Hebr 12,4-11
vom Herrn gezüchtigt werden zur Besserung und nicht zum Verderben. 23Darauf antworteten Usija und die Ältesten: Es ist alles wahr, was du gesagt hast, und an deinen Worten ist nichts zu tadeln. 24Darum bete für uns; denn du bist eine heilige Frau, die den Herrn fürchtet.

25Und Judit sagte: Wenn ihr erkennt,

8,25
1. Joh 4,1
dass von Gott kommt, was ich gesagt habe, so prüft nun, ob auch das von Gott kommt, was ich vorhabe, und betet, dass Gott es gelingen lässt. 26In dieser Nacht wartet am Tor, wenn ich mit meiner Magd hinausgehe, und betet, dass der Herr in diesen fünf Tagen, wie ihr gesagt habt, sich seinem Volk Israel zuwendet. 27Ihr sollt aber nicht dem nachforschen, was ich vorhabe, sondern nur für mich beten zum Herrn, unserm Gott; unternehmt sonst nichts, bis ihr wieder von mir hört. 28Und Usija, der Fürst Judas, sagte zu ihr: Geh hin in Frieden; der Herr sei mit dir und bestrafe unsre Feinde! Und sie gingen wieder von ihr weg.

9

Judit betet um Gottes Hilfe

91Danach

9,1
Kap
ging Judit in ihre Kammer und zog ein Bußgewand an,
9,1
Kap
streute Asche auf ihr Haupt und fiel nieder vor dem Herrn, schrie zu ihm und sprach: 2Herr, du Gott meines Vaters Simeon,
9,2
1. Mose 34,1-225-29
du hast ihm das Schwert gegeben, die Heiden zu bestrafen, die seine Schwester vergewaltigt und geschändet hatten, du hast ihre Frauen und Töchter gefangen nehmen und ihre Habe plündern lassen durch deine Knechte, die der Eifer um dich getrieben hat. Hilf mir armen Witwe, Herr, mein Gott! 3Denn
9,3
Ps 74,12
alle Hilfe, vorzeiten und immer wieder, hast du erdacht und gebracht, und
9,3
Ps 33,9
was du willst, das muss geschehen. 4Wenn du helfen willst, so kann’s nicht fehlgehen; und du weißt gut, wie du die Feinde bestrafen sollst.

5

9,5-7
2. Mose 14,5-924-28
Schau jetzt auf das Heer der Assyrer, wie du vorzeiten auf das Heer der Ägypter geschaut hast, als sie schwer bewaffnet deinen Knechten nachjagten und sich auf ihre Wagen, Reiter und ihr großes Kriegsvolk verließen. 6Als du sie aber ansahst, wurde es finster um sie, und sie wurden verzagt, 7die Tiefe des Meeres hielt sie fest, und das Wasser ersäufte sie. 8So geschehe jetzt auch denen, Herr, die auf ihre große Zahl vertrauen und auf ihre Wagen, Spieße, Pfeile und Lanzen pochen, aber nicht wissen, dass du selbst, Herr, unser Gott, es bist,
9,8
Ps 46,10
der den Kriegen wehrt von Anfang an, und dass du mit Recht
9,8
Ps 83,19
›Herr‹ heißt. 9
9,9
Ps 79,1-13
Strecke deinen Arm aus wie vorzeiten, und zerschmettere die Feinde durch deine Macht; lass sie umkommen durch deinen Zorn, die damit drohen, dein Heiligtum zu zerstören und
9,9
Ps 26,8
den Ort, wo deine Ehre wohnt, zu entheiligen und mit ihrem Schwert das Horn deines Altars abzuhauen.

10Herr, bestrafe ihn, den Hochmütigen, durch sein eignes Schwert; lass ihn durch seine eignen Augen gefangen werden, wenn er mich ansieht, und lass ihn durch meine freundlichen Worte betrogen werden. 11Gib mir die Festigkeit, keinen Ekel zu zeigen, und die Kraft, ihn zu stürzen. 12Das wird deinem Namen Ehre bringen, dass ihn eine Frau getötet hat.

9,12
Ri 4,9
5,26
9,53
13Denn du, Herr, bist stark auch ohne Heeresmacht, und
9,13
Ps 33,16-18
147,10
du hast keine Freude an der Stärke der Rosse; die Hoffärtigen haben dir noch nie gefallen; aber allezeit hat dir gefallen das Gebet der Elenden und
9,13
1. Petr 5,5
Demütigen. 14Du Gott des Himmels, Schöpfer der Wasser und Herr aller Dinge,
9,14
Kap
erhöre das Gebet einer armseligen Frau, die allein auf deine Barmherzigkeit vertraut. 15Denke, Herr, an deinen Bund, und gib mir ein, was ich reden und wie ich vorgehen soll, und gib mir Glück dazu, damit dein Haus nicht entweiht wird und
9,15
2. Kön 19,19
alle Heiden erkennen, dass du Gott bist und sonst keiner.