Lutherbibel 1984 (LU84)
48

Gnade für das abtrünnige Israel

481Hört dies, ihr vom Hause Jakob, die ihr nach dem Namen Israels heißt und aus dem Wasser Judas gekommen seid; die ihr schwört bei dem Namen des HERRN und den Gott Israels bekennt, aber nicht in Wahrheit und Gerechtigkeit,

48,1
Kap
2sie nennen sich nach der heiligen Stadt und pochen auf den Gott Israels, der da heißt der HERR Zebaoth.

3Ich habe vorzeiten verkündigt, was schon gekommen ist; aus meinem Munde ist es gekommen, und ich habe es sagen lassen. Ich tat es plötzlich und es kam. 4Denn ich weiß, dass du hart bist und dein Nacken eine eiserne Sehne ist und deine Stirn ehern. 5Darum habe ich dir’s vorzeiten verkündigt und es dir sagen lassen, ehe es gekommen ist, damit du nicht sagen könntest: Mein Götze tat es, und mein Abgott, der geschnitzt und gegossen wurde, hat’s befohlen.

6Das alles hast du gehört und siehst es und verkündigst es doch nicht. Von nun an lasse ich dich Neues hören und Verborgenes, das du nicht wusstest. 7Jetzt ist es geschaffen und nicht vorzeiten, und vorher hast du nicht davon gehört, auf dass du nicht sagen könntest: Siehe, das wusste ich schon. 8Du hörtest es nicht und wusstest es auch nicht, und dein Ohr war damals nicht geöffnet. Ich aber wusste sehr wohl, dass du treulos bist und man dich nennt »Abtrünnig von Mutterleib an«.

9Um meines Namens willen halte ich lange meinen Zorn zurück, und um meines Ruhmes willen bezähme ich mich dir zugut, damit du nicht ausgerottet wirst. 10Siehe, ich habe dich geläutert, aber nicht wie Silber, sondern ich habe dich geprüft im

48,10
5. Mose 4,20
Glutofen des Elends. 11Um meinetwillen, ja, um meinetwillen will ich’s tun, dass ich nicht gelästert werde; denn
48,11
Kap
ich will meine Ehre keinem andern lassen.

Die Stunde der Erlösung Israels ist gekommen

12Höre mir zu, Jakob, und du, Israel, den ich berufen habe: Ich bin’s, ich bin der Erste und auch der Letzte. 13Meine Hand hat die Erde gegründet, und meine Rechte hat den Himmel ausgespannt. Ich rufe und alles steht da.

14Versammelt euch alle und hört: Wer ist unter ihnen, der es verkündigt hat?

48,14
Kap
Er, den der HERR liebt, wird seinen Willen an Babel beweisen und seinen Arm an den Chaldäern. 15Ich, ja, ich habe es gesagt, ich habe ihn gerufen, ich habe ihn auch kommen lassen, und sein Weg soll ihm gelingen. 16Tretet her zu mir und hört dies!
48,16
Kap
Ich habe von Anfang an nicht im Verborgenen geredet; von der Zeit an, da es geschieht, bin ich auf dem Plan. – Und nun sendet mich Gott der HERR und sein Geist.

17So spricht der HERR, dein Erlöser, der Heilige Israels: Ich bin der HERR, dein Gott, der dich lehrt, was dir hilft, und dich leitet auf dem Wege, den du gehst. 18O

48,18
5. Mose 5,29
dass du auf meine Gebote gemerkt hättest, so würde dein Friede sein wie ein Wasserstrom und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen. 19Deine Kinder würden
48,19
1. Mose 22,17
zahlreich sein wie Sand und deine Nachkommen wie Sandkörner. Dein Name würde nicht ausgerottet und nicht vertilgt werden vor mir.

20

48,20
Jer 51,6
Offb 18,4
Geht heraus aus Babel, flieht von den Chaldäern! Mit fröhlichem Schall verkündigt dies und lasst es hören, tragt’s hinaus bis an die Enden der Erde und sprecht: Der HERR hat seinen Knecht Jakob erlöst. 21Sie litten keinen Durst, als er sie leitete in der Wüste.
48,21
2. Mose 17,6
Er ließ ihnen Wasser aus dem Felsen fließen, er spaltete den Fels, dass Wasser herausrann. 22Aber die Gottlosen, spricht der HERR, haben keinen Frieden.
48,22
Kap

49

Der Knecht Gottes das Heil Israels und das Licht der Heiden

(vgl. Kap 42,1-4)

491Hört mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der Ferne, merkt auf! Der HERR hat mich berufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Schoß der Mutter war. 2Er hat

49,2
Hebr 4,12
Offb 1,16
meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht,
49,2
Kap
mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum spitzen Pfeil gemacht und mich in seinem Köcher verwahrt. 3Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will. 4Ich aber dachte,
49,4
1. Kor 15,58
ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz, wiewohl mein Recht bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott ist.

5Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht bereitet hat, dass ich Jakob zu ihm zurückbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde, – darum bin ich vor dem HERRN wert geachtet und mein Gott ist meine Stärke –, 6er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern

49,6
Kap
ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, dass du seist mein Heil bis an die Enden der Erde.

Die Wiederherstellung Israels

7So spricht der HERR, der Erlöser Israels, sein Heiliger, zu dem, der verachtet ist von den Menschen und verabscheut von den Heiden, zu dem Knecht, der unter Tyrannen ist: Könige sollen sehen und aufstehen, und Fürsten sollen niederfallen um des HERRN willen, der treu ist, um des Heiligen Israels willen, der dich erwählt hat.

8So spricht der HERR:

49,8
Ps 69,14
2. Kor 6,2
Ich habe dich erhört zur Zeit der Gnade und habe dir am Tage des Heils geholfen und
49,8
Kap
habe dich behütet und zum Bund für das Volk bestellt, dass du das Land aufrichtest und das verwüstete Erbe zuteilst, 9zu sagen den Gefangenen: Geht heraus!, und zu denen in der Finsternis: Kommt hervor! Am Wege werden sie weiden und auf allen kahlen Höhen ihre Weide haben. 10Sie
49,10
Offb 7,16
werden weder hungern noch dürsten, sie wird weder Hitze noch Sonne stechen; denn ihr Erbarmer wird sie führen und sie an die Wasserquellen leiten. 11Ich will alle meine Berge zum ebenen Wege machen, und meine Pfade sollen gebahnt sein.
49,11
Kap
12Siehe, diese werden von ferne kommen, und siehe, jene vom Norden und diese vom Meer und jene vom Lande Sinim.
49,12
Lk 13,29

13

49,13
Kap
Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden.

14Zion aber sprach: Der HERR hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen. 15Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen,

49,15
1. Mose 21,16
1. Kön 3,26
dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße,
49,15
Jer 31,20
so will ich doch deiner nicht vergessen. 16Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet; deine Mauern sind immerdar vor mir. 17Deine Erbauer eilen herbei, aber die dich zerbrochen und zerstört haben, werden sich davonmachen.

18

49,18
Kap
Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt und kommen zu dir. So wahr ich lebe, spricht der HERR: Du sollst mit diesen allen wie mit einem Schmuck angetan werden und wirst sie als Gürtel um dich legen, wie eine Braut es tut. 19Denn dein wüstes, zerstörtes und verheertes Land wird dir alsdann zu eng werden, um darin zu wohnen, und deine Verderber werden vor dir weichen, 20sodass deine Söhne, du Kinderlose, noch sagen werden vor deinen Ohren:
49,20
Kap
Der Raum ist mir zu eng; mach mir Platz, dass ich wohnen kann. 21Du aber wirst sagen in deinem Herzen: Wer hat mir diese geboren? Ich war unfruchtbar, einsam, vertrieben und verstoßen. Wer hat mir diese aufgezogen? Siehe, ich war allein gelassen – wo waren denn diese?

22So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will meine Hand zu den Heiden hin erheben und für die Völker mein Banner aufrichten.

49,22
Kap
Dann werden sie deine Söhne in den Armen herbringen und deine Töchter auf der Schulter hertragen. 23Und Könige sollen deine Pfleger und ihre Fürstinnen deine Ammen sein.
49,23
Ps 72,9
Sie werden vor dir niederfallen zur Erde aufs Angesicht und deiner Füße Staub lecken. Da
49,23
Kap
wirst du erfahren, dass ich der HERR bin, an dem nicht zuschanden werden, die auf mich harren.

24Kann man auch einem Starken den Raub wegnehmen? Oder kann man einem Gewaltigen seine Gefangenen entreißen? 25So aber spricht der HERR:

49,25
Mt 12,29
Nun sollen die Gefangenen dem Starken weggenommen werden, und der Raub soll dem Gewaltigen entrissen werden. Ich selbst will deinen Gegnern entgegentreten und deinen Söhnen helfen. 26Und ich will deine Schinder sättigen mit ihrem eigenen Fleisch, und sie sollen von ihrem eigenen Blut wie von süßem Wein trunken werden. Und alles Fleisch soll erfahren, dass ich, der HERR, dein Heiland bin und dein Erlöser, der Mächtige Jakobs.

50

Die Schuld liegt beim Volk

501So spricht der HERR: Wo ist der

50,1
Kap
Scheidebrief eurer Mutter, mit dem ich sie entlassen hätte? Oder wer ist mein Gläubiger, dem ich euch verkauft hätte? Siehe,
50,1
Kap
ihr seid um eurer Sünden willen verkauft, und eure Mutter ist um eurer Abtrünnigkeit willen entlassen. 2Warum kam ich und niemand war da? Warum rief ich und niemand antwortete?
50,2
Kap
Ist mein Arm nun so kurz geworden, dass er nicht mehr erlösen kann? Oder ist bei mir keine Kraft mehr, zu erretten? Siehe, mit meinem Schelten
50,2
2. Mose 14,21
mache ich das Meer trocken und die Wasserströme zur Wüste, dass ihre Fische vor Mangel an Wasser stinken und vor Durst sterben. 3Ich kleide den Himmel mit Dunkel und hülle ihn in Trauer.

Der Knecht Gottes im Leiden

(vgl. Kap 42,1-4)

4Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. 5

50,5
Ps 40,7
Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. 6Ich
50,6
Joh 19,1
bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften.
50,6
Mt 26,67-68
Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.

7Aber Gott der HERR hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum

50,7
Hes 3,8-9
hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde. 8Er ist nahe, der mich
50,8
Röm 8,33
gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir! 9Siehe, Gott der HERR hilft mir; wer will mich verdammen? Siehe, sie alle werden wie Kleider zerfallen, die die Motten fressen.

10Wer ist unter euch, der den HERRN fürchtet, der der Stimme seines Knechts gehorcht, der im Finstern wandelt und dem kein Licht scheint? Der hoffe auf den Namen des HERRN und verlasse sich auf seinen Gott! 11Siehe, ihr alle, die ihr ein Feuer anzündet und Brandpfeile zurüstet, geht hin in die Glut eures Feuers und in die Brandpfeile, die ihr angezündet habt! Das widerfährt euch von meiner Hand; in Schmerzen sollt ihr liegen.