Lutherbibel 1984 (LU84)
21

Die Schau von Babels Fall

(vgl. Kap 13,1–14,23)

211Dies ist die Last für die Wüste: Wie ein Wetter vom Süden herfährt, so kommt’s aus der Wüste, aus einem schrecklichen Lande. 2Mir ist eine harte Offenbarung angezeigt: »Der Räuber raubt, und der Verwüster verwüstet. Elam, zieh herauf! Medien, belagere! Ich will allem Seufzen ein Ende machen.« 3Darum sind meine Lenden voll Schmerzen, und Angst hat mich ergriffen wie eine Gebärende. Ich krümme mich, wenn ich’s höre, und erschrecke, wenn ich’s sehe. 4Mein Herz zittert, Grauen hat mich erschreckt; auch am Abend, der mir so lieb ist, habe ich keine Ruhe.

5Deckt den Tisch, breitet den Teppich aus, esst und trinkt! Macht euch auf, ihr Fürsten, salbt den Schild! 6Denn so hat der Herr zu mir gesagt: »Geh hin, stelle den Wächter auf; was er schaut, soll er ansagen! 7Und sieht er einen Zug von Wagen mit Rossen, einen Zug von Eseln und Kamelen, so soll er darauf achtgeben mit allem Eifer.«

8Da rief der Späher: Herr, ich stehe auf der Warte bei Tage immerdar und stelle mich auf meine Wacht jede Nacht. 9Und siehe, da kommen Männer, ein Zug von Wagen mit Rossen; die heben an und sprechen:

21,9
Offb 18,2
Gefallen ist Babel, es ist gefallen, und alle Bilder seiner Götter sind zu Boden geschlagen!

10Mein zerdroschenes und zertretenes Volk! Was ich gehört habe vom HERRN Zebaoth, dem Gott Israels, das verkündige ich euch.

Sprüche über Edom und Arabien

(vgl. Jer 49,7-22; 49,28-33)

11Dies ist die Last für Duma: Man ruft zu mir aus

21,11
5. Mose 2,5
Seïr: Wächter, ist die Nacht bald hin? Wächter, ist die Nacht bald hin? 12Der Wächter aber sprach: Wenn auch der Morgen kommt, so wird es doch Nacht bleiben. Wenn ihr fragen wollt, so kommt wieder und fragt.

13Dies ist die Last für Arabien: Ihr müsst im Gestrüpp, in der Steppe über Nacht bleiben, ihr Karawanen der Dedaniter. 14Bringt den Durstigen Wasser entgegen, die ihr wohnt im Lande Tema; bietet Brot den Flüchtigen. 15Denn sie fliehen vor dem Schwert, ja, vor dem bloßen Schwert, vor dem gespannten Bogen, vor der Gewalt des Kampfes.

16Denn so hat der Herr zu mir gesprochen: Noch ein Jahr,

21,16
Kap
wie des Tagelöhners Jahre sind, dann soll alle Herrlichkeit Kedars untergehen. 17Und von den Bogenschützen Kedars sollen nur wenige übrig bleiben; denn der HERR, der Gott Israels, hat’s gesagt.

22

Gegen den Übermut Jerusalems

221Dies ist die Last für das Schautal: Was habt ihr denn, dass ihr alle auf die Dächer steigt, 2du Stadt voller Lärmen und Toben, du fröhliche Burg? – Deine Erschlagenen sind nicht mit dem Schwert erschlagen und nicht im Kampf gefallen. 3Alle deine Hauptleute sind gewichen, in die Ferne geflohen. Alle, die man von dir gefunden hat, wurden gefangen, ohne Bogen gefangen. 4Darum sage ich: Schaut weg von mir,

22,4
Jer 8,23
lasst mich bitterlich weinen! Müht euch nicht, mich zu trösten über die Zerstörung der Tochter meines Volks!

5Denn es kommt ein Tag des Getümmels und des Zertretens und der Verwirrung von Gott, dem HERRN Zebaoth, im Schautal; es kracht die Mauer, sie schreien am Berge. 6Elam fährt daher mit Köchern, Wagen, Leuten und Rossen, und Kir lässt seine Schilde glänzen. 7Und es wird geschehen, dass deine auserlesenen Täler werden voll von Wagen und Rossen sein; die stellen sich auf gegen das Tor. 8Da wird der Schutz Judas weggenommen werden.

Aber ihr schautet zu der Zeit auf die Rüstungen im Waldhaus. 9Und ihr saht, dass viele Risse in der Stadt Davids waren, und sammeltet das Wasser des

22,9
Kap
unteren Teiches. 10Ihr zähltet auch die Häuser Jerusalems und
22,10
Jer 33,4
bracht sie ab, um die Mauer zu befestigen, 11und machtet ein Becken zwischen beiden Mauern für das Wasser des alten Teiches. Doch ihr saht nicht auf den, der solches tut, und schautet nicht auf den, der solches schafft von ferne her.

12Zu der Zeit rief Gott, der HERR Zebaoth, dass man

22,12
Am 8,10
weine und klage und sich das Haar abschere und den Sack anlege. 13Aber siehe da, lauter Freude und Wonne, Rinder töten, Schafe schlachten, Fleisch essen, Wein trinken:
22,13
1. Kor 15,32
»Lasst uns essen und trinken; wir sterben doch morgen!« 14Aber meinen Ohren ist vom HERRN Zebaoth offenbart: »Wahrlich, diese Missetat soll euch nicht vergeben werden, bis ihr sterbt«, spricht Gott, der HERR Zebaoth.

Schebna und Eljakim

15So spricht Gott, der HERR Zebaoth: Geh hinein zu dem Verwalter da, zu

22,15
Kap
Schebna, dem Hofmeister, und sprich zu ihm: 16Was hast du hier? Und wen hast du hier, dass du dir hier ein Grab aushauen lässt, dass du dein Grab in der Höhe aushauen und deine Wohnung in den Felsen machen lässt? 17Siehe, der HERR wird dich wegwerfen, wie ein Starker einen wegwirft, und wird dich packen 18und dich zum Knäuel machen und dich wegschleudern wie eine Kugel in ein weites Land. Dort wirst du sterben, dort werden deine kostbaren Wagen bleiben, du Schmach für das Haus deines Herrn! 19Und ich will dich aus deiner Stellung stürzen und dich aus deinem Amt stoßen.

20Und zu der Zeit will ich rufen meinen Knecht Eljakim, den Sohn Hilkijas, 21und will ihm dein Amtskleid anziehen und ihn mit deinem Gürtel gürten und deine Herrschaft in seine Hand geben, dass er

22,21
1. Mose 45,8
Vater sei für die, die in Jerusalem wohnen, und für das Haus Juda. 22Und ich will die Schlüssel des Hauses Davids auf seine Schulter legen, dass er
22,22
Offb 3,7
auftue und niemand zuschließe, dass er zuschließe und niemand auftue. 23Und ich will ihn als Nagel einschlagen an einen festen Ort, und er soll werden zum Thron der Ehre für seines Vaters Haus.

24Aber wenn sich an ihn hängt die ganze Schwere seines Vaterhauses, Kind und Kindeskinder, alle kleinen Geräte, Trinkgefäße und allerlei Krüge, 25dann, spricht der HERR Zebaoth, soll der Nagel nachgeben, der am festen Ort steckt, er soll abbrechen und fallen, sodass alles, was daran hing, zerbricht; denn der HERR sagt es.

23

Das Gericht über Tyrus und Sidon

(vgl. Hes 26,1–28,24)

231Dies ist die Last für Tyrus:

Heult, ihr

23,1
Hes 27,12
Tarsisschiffe, denn Tyrus ist zerstört, dass kein Haus mehr da ist! Wenn sie heimkehren aus dem Lande Kittim, werden sie dessen gewahr werden. 2Die Bewohner der Küste sind still geworden, die Kaufleute von Sidon. Ihre Boten zogen übers Meer 3und was von Früchten am Schihor und von Getreide am Nil wuchs, brachte man nach Sidon hin über große Wasser, und du warst der Völker Markt geworden. 4Erschrick, Sidon, denn das Meer, ja, die Feste am Meer spricht: Ich werde nicht mehr Mutter, ich gebäre nicht mehr; darum ziehe ich keine Jünglinge auf und erziehe keine Jungfrauen. 5Sobald es die Ägypter hören, erschrecken sie über die Kunde von Tyrus.

6Fahrt hin nach Tarsis, heult, ihr Bewohner der Küste! 7Ist das eure fröhliche Stadt, die sich ihres Alters rühmte? Ihre Füße führten sie weit weg, in der Ferne zu weilen. 8Wer hat solches beschlossen, dass es Tyrus, der Krone, so gehen sollte, wo doch ihre Kaufleute Fürsten waren und ihre Händler die Herrlichsten auf Erden? 9Der HERR Zebaoth hat’s so beschlossen, auf dass er erniedrigte die Pracht und verächtlich machte die stolze Stadt, alle Herrlichsten auf Erden. 10Bebaue dein Land, du Tochter

23,10
Hes 27,12
Tarsis! Denn es gibt keinen Hafen mehr.

11Der HERR hat seine Hand ausgereckt über das Meer und erschreckt die Königreiche. Er hat Befehl gegeben über Phönizien, dass seine Bollwerke zerstört werden, 12und er hat gesagt: Du sollst nicht mehr fröhlich sein, du geschändete Jungfrau, du Tochter Sidon! Nach Kittim mach dich auf und zieh fort, doch wirst du auch da keine Ruhe haben. 13Siehe, die Chaldäer – dies Volk hat’s getan, nicht Assur – haben die Stadt zur Wüste gemacht; sie haben Belagerungstürme aufgerichtet, ihre Paläste niedergerissen und die Stadt geschleift. 14Heult, ihr Tarsisschiffe, denn euer Bollwerk ist zerstört!

15Zu der Zeit wird Tyrus vergessen werden siebzig Jahre, solange etwa ein König lebt. Aber nach siebzig Jahren wird es mit Tyrus gehen, wie es im Hurenlied heißt: 16Nimm die Harfe, geh in der Stadt umher, du vergessene Hure! Mach’s gut auf dem Saitenspiel und singe viel Lieder, auf dass dein wieder gedacht werde! 17Denn nach siebzig Jahren wird der HERR die Stadt Tyrus heimsuchen, dass sie wieder zu ihrem Hurenlohn komme und Hurerei treibe mit allen Königreichen auf Erden. 18Aber ihr Gewinn und Hurenlohn wird dem HERRN geweiht werden. Man wird ihn nicht wie Schätze sammeln und aufhäufen, sondern ihr Erwerb wird denen zufallen, die vor dem HERRN wohnen, dass sie essen und satt werden und wohlbekleidet seien.