Lutherbibel 1984 (LU84)
8

Der Mittler des neuen Bundes

81Das ist nun die Hauptsache bei dem, wovon wir reden: Wir haben einen solchen

8,1
Kap
Hohenpriester, der da sitzt zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel 2und ist ein Diener am Heiligtum und an der wahren Stiftshütte, die Gott aufgerichtet hat und nicht ein Mensch. 3Denn jeder Hohepriester wird eingesetzt, um Gaben und Opfer darzubringen. Darum muss auch dieser etwas haben, was er opfern kann. 4Wenn er nun auf Erden wäre, so wäre er nicht Priester, weil da schon solche sind, die nach dem Gesetz die Gaben opfern. 5Sie dienen aber nur
8,5
Kol 2,17
dem Abbild und Schatten des Himmlischen, wie die göttliche Weisung an Mose erging, als er die Stiftshütte errichten sollte (2. Mose 25,40): »Sieh zu«, sprach er, »dass du alles machst nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist.«

6Nun aber hat er ein höheres Amt empfangen, wie er ja auch der Mittler eines

8,6
Kap
besseren Bundes ist, der auf bessere Verheißungen gegründet ist. 7Denn wenn der erste Bund untadelig gewesen wäre, würde nicht Raum für einen andern gesucht.

8Denn Gott tadelt sie und sagt (Jer 31,31-34): »Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da will ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda

8,8
Kap
einen neuen Bund schließen, 9nicht wie der Bund gewesen ist,
8,9
2. Mose 19,5-6
den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tage, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen. Denn sie sind nicht geblieben in meinem Bund; darum habe ich auch nicht mehr auf sie geachtet, spricht der Herr. 10Denn das ist der Bund, den ich schließen will mit dem Haus Israel nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz geben in ihren Sinn, und in ihr Herz will ich es schreiben und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. 11Und es wird keiner seinen Mitbürger lehren oder seinen Bruder und sagen: Erkenne den Herrn! Denn sie werden mich alle kennen von dem Kleinsten an bis zu dem Größten. 12Denn ich will gnädig sein ihrer Ungerechtigkeit, und ihrer Sünden will ich nicht mehr gedenken.«

13Indem er sagt: »einen neuen Bund«, erklärt er den ersten für veraltet. Was aber veraltet und überlebt ist, das ist seinem Ende nahe.

8,13
Röm 10,4

9

Das einmalige Opfer Christi

91Es hatte zwar auch der erste Bund seine Satzungen für den Gottesdienst und sein irdisches Heiligtum. 2Denn es war da aufgerichtet die Stiftshütte: der vordere Teil, worin der

9,2
2. Mose 25,31
Leuchter war und der
9,2
2. Mose 25,23
Tisch und die
9,2
2. Mose 25,30
Schaubrote, und er heißt das Heilige; 3hinter dem zweiten Vorhang aber war der Teil der Stiftshütte, der das
9,3
2. Mose 26,33
Allerheiligste heißt. 4
9,4-5
2. Mose 16,33
25,10-22
4. Mose 17,23-25
Darin waren das goldene Räuchergefäß und die Bundeslade, ganz mit Gold überzogen; in ihr waren der goldene Krug mit dem Himmelsbrot und der Stab Aarons, der gegrünt hatte, und die Tafeln des Bundes. 5Oben darüber aber waren die Cherubim der Herrlichkeit, die überschatteten den Gnadenthron. Von diesen Dingen ist jetzt nicht im Einzelnen zu reden.

6Da dies alles so eingerichtet war,

9,6
4. Mose 18,3-4
gingen die Priester allezeit in den vorderen Teil der Stiftshütte und richteten den Gottesdienst aus. 7In den andern Teil aber ging nur
9,7
2. Mose 30,10
einmal im Jahr allein der Hohepriester, und das nicht ohne
9,7
3. Mose 16,214-15
Blut, das er opferte für die unwissentlich begangenen Sünden, die eigenen und die des Volkes. 8Damit macht der Heilige Geist deutlich, dass der
9,8
Kap
Weg ins Heilige noch nicht offenbart sei, solange der vordere Teil der Stiftshütte noch bestehe; 9der ist ein Gleichnis für die gegenwärtige Zeit: Es werden da Gaben und Opfer dargebracht,
9,9
Kap
die nicht im Gewissen vollkommen machen können den, der den Gottesdienst ausrichtet. 10Dies sind nur äußerliche Satzungen über
9,10
3. Mose 11,1-47
Speise und Trank und verschiedene
9,10
4. Mose 19,1-22
Waschungen, die bis zu der Zeit einer besseren Ordnung auferlegt sind.

11Christus aber ist gekommen als ein Hoherpriester der zukünftigen Güter durch die größere und vollkommenere Stiftshütte, die nicht mit Händen gemacht ist, das ist: die nicht von dieser Schöpfung ist. 12Er ist auch nicht durch das Blut von Böcken oder Kälbern, sondern durch sein eigenes Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erworben. 13Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die

9,13
4. Mose 19,2917
Asche von der Kuh durch Besprengung die Unreinen heiligt, sodass sie äußerlich rein sind, 14um wie viel mehr wird dann das
9,14
1. Petr 1,18-19
1. Joh 1,7
Offb 1,5
Blut Christi, der sich selbst als Opfer ohne Fehl durch den ewigen Geist Gott dargebracht hat, unser Gewissen
9,14
Kap
reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott! 15Und darum ist er auch der
9,15
Kap
Mittler des neuen Bundes, damit durch seinen Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfangen.

16Denn wo ein Testament9,16 Das griechische Wort für »Testament« und »Bund« ist das gleiche. ist, da muss der Tod dessen geschehen sein, der das Testament gemacht hat. 17Denn ein Testament tritt erst in Kraft mit dem Tode; es ist noch nicht in Kraft, solange der noch lebt, der es gemacht hat. 18Daher wurde auch der erste Bund nicht ohne Blut gestiftet. 19Denn als Mose alle Gebote gemäß dem Gesetz allem Volk gesagt hatte, nahm er das Blut von Kälbern und Böcken mit Wasser und Scharlachwolle und Ysop und besprengte das Buch und alles Volk

9,19
4. Mose 19,6
20und sprach (2. Mose 24,8): »Das ist das Blut des Bundes, den Gott euch geboten hat.« 21Und die Stiftshütte und alle Geräte für den Gottesdienst
9,21
3. Mose 8,15
besprengte er desgleichen mit Blut. 22Und es wird fast alles mit Blut gereinigt nach dem Gesetz, und
9,22
3. Mose 17,11
ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung.

23So also mussten die Abbilder der himmlischen Dinge gereinigt werden; die himmlischen Dinge selbst aber müssen bessere Opfer haben als jene. 24Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heiligtum, das mit Händen gemacht und nur ein Abbild des wahren Heiligtums ist, sondern in den Himmel selbst, um jetzt

9,24
Kap
für uns vor dem Angesicht Gottes zu erscheinen; 25auch nicht, um sich oftmals zu opfern, wie der Hohepriester alle Jahre mit fremdem Blut in das Heiligtum geht; 26sonst hätte er oft leiden müssen vom Anfang der Welt an. Nun aber,
9,26
1. Kor 10,11
Gal 4,4
am Ende der Welt, ist er ein für alle Mal erschienen, durch sein eigenes Opfer
9,26
Kap
die Sünde aufzuheben. 27Und wie
9,27
1. Mose 3,19
den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht: 28so ist auch Christus einmal
9,28
Kap
geopfert worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil.

10

101Denn das Gesetz hat nur einen

10,1
Kap
Schatten von den zukünftigen Gütern, nicht das Wesen der Güter selbst. Deshalb kann es die, die opfern, nicht für immer vollkommen machen, da man alle Jahre die gleichen Opfer bringen muss. 2Hätte nicht sonst das Opfern aufgehört, wenn die, die den Gottesdienst ausrichten, ein für alle Mal rein geworden wären und sich kein Gewissen mehr gemacht hätten über ihre Sünden? 3Vielmehr geschieht dadurch
10,3
3. Mose 16,34
alle Jahre nur eine Erinnerung an die Sünden. 4Denn es ist unmöglich, durch das Blut von Stieren und Böcken Sünden wegzunehmen.

5Darum spricht er, wenn er in die Welt kommt (Ps 40,7-9): »Opfer und Gaben hast du nicht gewollt; einen Leib aber hast du mir geschaffen. 6Brandopfer und Sündopfer gefallen dir nicht. 7Da sprach ich: Siehe, ich komme – im Buch steht von mir geschrieben –, dass ich tue, Gott, deinen Willen.« 8Zuerst hatte er gesagt: »Opfer und Gaben, Brandopfer und Sündopfer hast du nicht gewollt, sie gefallen dir auch nicht«, obwohl sie doch nach dem Gesetz geopfert werden. 9Dann aber sprach er: »Siehe, ich komme, zu tun deinen Willen.« Da hebt er das Erste auf, damit er das Zweite einsetze. 10Nach diesem Willen sind wir

10,10
Joh 17,19
geheiligt ein für alle Mal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi.

11Und jeder Priester steht

10,11
2. Mose 29,38
Tag für Tag da und versieht seinen Dienst und bringt oftmals die gleichen Opfer dar, die doch niemals die Sünden wegnehmen können. 12Dieser aber hat ein Opfer für die Sünden dargebracht und sitzt nun für immer zur Rechten Gottes 13und wartet hinfort, bis
10,13
Ps 110,1
seine Feinde zum Schemel seiner Füße gemacht werden. 14Denn mit einem Opfer hat er für immer die vollendet, die geheiligt werden.

15Das bezeugt uns aber auch der Heilige Geist. Denn nachdem der Herr gesagt hat (Jer 31,33-34): 16»Das ist der

10,16
Kap
Bund, den ich mit ihnen schließen will nach diesen Tagen«, spricht er: »Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben, und in ihren Sinn will ich es schreiben, 17und ihrer Sünden und ihrer Ungerechtigkeit will ich nicht mehr gedenken.« 18
10,18
Kap
Wo aber Vergebung der Sünden ist, da geschieht kein Opfer mehr für die Sünde.

Das Bekenntnis der Hoffnung

19Weil wir denn nun, liebe Brüder, durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum

10,19
Mt 27,51
Röm 5,2
Eingang in das Heiligtum, 20den er uns aufgetan hat als neuen und lebendigen
10,20
Kap
Weg durch den Vorhang, das ist: durch das Opfer seines Leibes, 21und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes, 22so
10,22
Kap
lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in vollkommenem Glauben, besprengt in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen und
10,22
Eph 5,26
1. Petr 3,21
gewaschen am Leib mit reinem Wasser. 23
10,23
Kap
Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat; 24und lasst uns aufeinander achthaben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken 25und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern
10,25
Kap
einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht,
10,25
Röm 13,11-12
dass sich der Tag naht.

26

10,26-29
Kap
Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, haben wir hinfort kein andres Opfer mehr für die Sünden,
10,26
4. Mose 15,30
27sondern nichts als ein schreckliches Warten auf das Gericht und das gierige Feuer, das die Widersacher verzehren wird. 28Wenn jemand das Gesetz des Mose bricht,
10,28
5. Mose 17,6
muss er sterben ohne Erbarmen auf zwei oder drei Zeugen hin. 29Eine wie viel härtere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt und das Blut des Bundes für unrein hält, durch das er doch geheiligt wurde, und den Geist der Gnade schmäht?
10,29
Kap
30Denn wir kennen den, der gesagt hat (5. Mose 32,35-36): »Die Rache ist mein, ich will vergelten«, und wiederum: »Der Herr wird sein Volk richten.« 31Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.
10,31
Kap

32Gedenkt aber der früheren Tage, an denen ihr,

10,32
Kap
nachdem ihr erleuchtet wart, erduldet habt einen großen Kampf des Leidens, 33indem ihr zum Teil selbst durch Schmähungen und Bedrängnisse zum
10,33
1. Kor 4,9
Schauspiel geworden seid, zum Teil Gemeinschaft hattet mit denen, welchen es so erging. 34Denn ihr habt mit den Gefangenen gelitten und den Raub eurer Güter mit Freuden erduldet, weil ihr wisst, dass ihr
10,34
Mt 6,20
19,2129
eine bessere und bleibende Habe besitzt.

35Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. 36

10,36
Lk 21,19
Jak 5,7
Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt. 37Denn »nur noch eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und wird nicht lange ausbleiben. 38Mein
10,38
Röm 1,17
Gerechter aber wird aus Glauben leben. Wenn er aber zurückweicht, hat meine Seele kein Gefallen an ihm« (Hab 2,3-4). 39Wir aber
10,39
1. Thess 3,3
sind nicht von denen, die zurückweichen und verdammt werden, sondern von denen, die glauben und die Seele erretten.