Lutherbibel 1984 (LU84)
33

Jakobs Versöhnung mit Esau

331Jakob hob seine Augen auf und sah seinen Bruder

33,1
Kap
Esau kommen mit vierhundert Mann. Und er verteilte seine Kinder auf Lea und auf Rahel und auf die beiden Leibmägde 2und stellte die Mägde mit ihren Kindern vornean und Lea mit ihren Kindern dahinter und Rahel mit Josef zuletzt. 3Und er ging vor ihnen her und neigte sich siebenmal zur Erde, bis er zu seinem Bruder kam. 4Esau aber lief ihm entgegen und herzte ihn und fiel ihm um den Hals und küsste ihn und sie weinten.

5Und Esau hob seine Augen auf und sah die Frauen mit den Kindern und sprach: Wer sind diese bei dir? Er antwortete: Es sind die

33,5
Ps 127,3
Kinder, die Gott deinem Knecht beschert hat. 6Und die Mägde traten herzu mit ihren Kindern und neigten sich vor ihm. 7Lea trat auch herzu mit ihren Kindern und sie neigten sich vor ihm. Danach traten Josef und Rahel herzu und sie neigten sich auch vor ihm.

8Und Esau sprach: Was willst du mit

33,8
Kap
all den Herden, denen ich begegnet bin? Er antwortete: Dass ich Gnade fände vor meinem Herrn. 9Esau sprach: Ich habe genug, mein Bruder; behalte, was du hast. 10Jakob antwortete: Ach nein! Hab ich Gnade gefunden vor dir, so nimm mein Geschenk von meiner Hand; denn ich sah dein Angesicht,
33,10
Kap
als sähe ich Gottes Angesicht, und du hast mich freundlich angesehen. 11Nimm doch diese Segensgabe von mir an, die ich dir zugebracht habe; denn Gott hat sie mir beschert und ich habe von allem genug. So nötigte er ihn, dass er sie nahm.

12Und Esau sprach: Lass uns aufbrechen und fortziehen; ich will mit dir ziehen. 13Er aber sprach zu ihm: Mein Herr weiß, dass ich zarte Kinder bei mir habe, dazu säugende Schafe und Kühe; wenn sie auch nur einen Tag übertrieben würden, würde mir die ganze Herde sterben. 14Mein Herr ziehe vor seinem Knechte her. Ich will gemächlich hintennach treiben, wie das Vieh und die Kinder gehen können, bis ich komme zu meinem Herrn nach Seïr. 15Esau sprach: So will ich doch bei dir lassen etliche von meinen Leuten. Er antwortete: Ist das denn nötig? Lass mich nur Gnade vor meinem Herrn finden. 16So zog Esau an jenem Tage wiederum seines Weges nach Seïr.

Jakob siedelt sich bei Sichem an

17Und Jakob zog nach Sukkot und baute sich ein Haus und machte seinem Vieh Hütten; daher heißt die Stätte Sukkot33,17 d. h. Hütten.. 18Danach kam Jakob wohlbehalten zu der Stadt Sichem, die im Lande Kanaan liegt, nachdem er aus Mesopotamien gekommen war, und lagerte vor der Stadt 19und

33,19
Jos 24,32
kaufte das Land, wo er sein Zelt aufgeschlagen hatte, von den Söhnen Hamors, des Vaters Sichems, um hundert Goldstücke 20und errichtete dort einen Altar und nannte ihn »Gott ist der Gott Israels«.
33,20
Kap

34

Die Schandtat an Dina und das Blutbad zu Sichem

341

34,1
Kap
Dina aber, Leas Tochter, die sie Jakob geboren hatte, ging aus, die Töchter des Landes zu sehen. 2Als
34,2
Ri 9,28
Sichem sie sah, der Sohn des Hiwiters Hamor, der des Landes Herr war, nahm er sie, legte sich zu ihr und tat ihr Gewalt an. 3Und sein Herz hing an ihr und er hatte das Mädchen lieb und redete freundlich mit ihr. 4Und Sichem sprach zu seinem Vater Hamor: Nimm mir das Mädchen zur Frau.

5Und Jakob erfuhr, dass seine Tochter Dina geschändet war; und seine Söhne waren mit dem Vieh auf dem Felde, und Jakob schwieg, bis sie kamen. 6Da ging Hamor, Sichems Vater, hinaus zu Jakob, um mit ihm zu reden. 7Indessen kamen die Söhne Jakobs vom Felde. Und als sie es hörten, verdross es die Männer und sie wurden sehr zornig, dass er eine Schandtat an Israel begangen und bei Jakobs Tochter gelegen hatte. Denn solches durfte nicht geschehen.

8Da redete Hamor mit ihnen und sprach: Das Herz meines Sohnes Sichem sehnt sich nach eurer Tochter; gebt sie ihm doch zur Frau. 9Verschwägert euch mit uns; gebt uns eure Töchter und nehmt ihr unsere Töchter 10und wohnt bei uns. Das Land soll euch offen sein; bleibt und treibt Handel und werdet ansässig. 11Und Sichem sprach zu ihrem Vater und zu ihren Brüdern: Lasst mich Gnade bei euch finden; was ihr mir sagt, das will ich geben. 12Fordert nur getrost von mir

34,12
2. Mose 22,15
Brautpreis und Geschenk, ich will’s geben, wie ihr’s verlangt; gebt mir nur das Mädchen zur Frau.

13Da antworteten Jakobs Söhne dem Sichem und seinem Vater Hamor hinterhältig, weil ihre Schwester Dina geschändet war, 14und sprachen zu ihnen: Wir können das nicht tun, dass wir unsere Schwester einem unbeschnittenen Mann geben; denn das wäre uns eine Schande. 15Doch dann wollen wir euch zu Willen sein, wenn ihr uns gleich werdet und alles, was männlich unter euch ist, beschnitten wird.

34,15
Kap
16Dann wollen wir unsere Töchter euch geben und eure Töchter uns nehmen und bei euch wohnen und ein Volk sein. 17Wenn ihr aber nicht einwilligen wollt, euch zu beschneiden, so wollen wir unsere Schwester nehmen und davonziehen. 18Die Rede gefiel Hamor und seinem Sohn gut. 19Und der Jüngling zögerte nicht, dies zu tun; denn er hatte großes Gefallen an der Tochter Jakobs. Und er war mehr angesehen als alle in seines Vaters Hause.

20Da kamen sie nun, Hamor und sein Sohn Sichem, zum Tor ihrer Stadt und redeten mit den Bürgern der Stadt und sprachen: 21Diese Leute sind friedsam bei uns; lasst sie im Lande wohnen und Handel treiben; das Land ist weit genug für sie. Wir wollen uns ihre Töchter zu Frauen nehmen und ihnen unsere Töchter geben. 22Aber nur dann wollen sie uns zu Willen sein, dass sie bei uns wohnen und ein Volk mit uns werden, wenn wir alles, was männlich unter uns ist, beschneiden, gleichwie sie beschnitten sind. 23Ihr Vieh und ihre Güter und alles, was sie haben, wird es nicht unser sein? So wollen wir ihnen nur zu Willen sein, damit sie bei uns wohnen. 24Und sie gehorchten dem Hamor und Sichem, seinem Sohn, alle, die zum Tor seiner Stadt aus und ein gingen, und beschnitten alles, was männlich war, das zu seiner Stadt aus und ein ging.

25Aber am dritten Tage, als sie Schmerzen hatten, nahmen die

34,25
Kap
zwei Söhne Jakobs Simeon und Levi, die Brüder der Dina, ein jeder sein Schwert und überfielen die friedliche Stadt und erschlugen alles, was männlich war, 26und erschlugen auch Hamor und seinen Sohn Sichem mit der Schärfe des Schwerts und nahmen ihre Schwester Dina aus dem Hause Sichems und gingen davon. 27Da kamen die Söhne Jakobs über die Erschlagenen und plünderten die Stadt, weil man ihre Schwester geschändet hatte, 28und nahmen ihre Schafe, Rinder, Esel und was in der Stadt und auf dem Felde war 29und alle ihre Habe; alle Kinder und Frauen führten sie gefangen hinweg und plünderten alles, was in den Häusern war.

30Aber Jakob sprach zu Simeon und Levi: Ihr habt mich ins Unglück gestürzt und in Verruf gebracht bei den Bewohnern dieses Landes, den Kanaanitern und Perisitern, und ich habe nur wenige Leute. Wenn sie sich nun gegen mich versammeln, werden sie mich erschlagen. So werde ich vertilgt samt meinem Hause. 31Sie antworteten aber: Durfte er denn an unserer Schwester wie an einer Hure handeln?

35

Gott segnet Jakob in Bethel

351Und Gott sprach zu Jakob: Mach dich auf und zieh nach Bethel und wohne daselbst und errichte dort einen Altar dem Gott, der dir erschien, als du flohst vor deinem Bruder Esau.

35,1
Kap
2Da sprach Jakob zu seinem Hause und zu allen, die mit ihm waren: Tut von euch
35,2
Kap
die fremden Götter, die unter euch sind, und reinigt euch und wechselt eure Kleider, 3und lasst uns aufbrechen und nach Bethel ziehen, dass ich dort einen Altar errichte dem Gott, der mich erhört hat zur Zeit meiner Trübsal und mit mir gewesen ist auf dem Wege, den ich gezogen bin. 4Da gaben sie ihm alle fremden Götter, die in ihren Händen waren, und ihre Ohrringe, und er vergrub sie
35,4
Jos 24,26
Ri 9,6
unter der Eiche, die bei Sichem stand. 5Und sie brachen auf. Und es kam ein
35,5
2. Mose 23,27
Jos 10,10
Gottesschrecken über die Städte, die um sie her lagen, sodass sie den Söhnen Jakobs nicht nachjagten.

6So kam Jakob nach Lus im Lande Kanaan, das nun Bethel heißt, samt all dem Volk, das mit ihm war, 7und er baute dort einen Altar und nannte die Stätte El-Bethel, weil Gott sich ihm daselbst offenbart hatte, als er vor seinem Bruder floh. 8Da starb

35,8
Kap
Debora, die Amme der Rebekka, und wurde begraben unterhalb von Bethel unter der Eiche; die wurde genannt die Klageeiche.

9Und Gott erschien Jakob abermals, nachdem er aus Mesopotamien gekommen war, und segnete ihn 10und sprach zu ihm: Du heißt Jakob; aber du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern

35,10
Kap
Israel sollst du heißen. Und so nannte er ihn Israel. 11Und Gott sprach zu ihm: Ich bin der
35,11
Kap
allmächtige Gott; sei fruchtbar und mehre dich! Ein Volk und eine Menge von Völkern sollen von dir kommen, und
35,11
Kap
Könige sollen von dir abstammen, 12und das Land, das ich Abraham und Isaak gegeben habe, will ich dir geben und will’s deinem Geschlecht nach dir geben.

13Und Gott fuhr auf von ihm an der Stätte, da er mit ihm geredet hatte. 14

35,14-15
Kap
Jakob aber richtete ein steinernes Mal auf an der Stätte, da er mit ihm geredet hatte, und goss Trankopfer darauf und begoss es mit Öl. 15Und Jakob nannte die Stätte, da Gott mit ihm geredet hatte, Bethel.

Benjamins Geburt und Rahels Tod

16Und sie brachen auf von Bethel. Und als es noch eine Strecke Weges war bis Efrata, da gebar Rahel. Und es kam sie hart an über der Geburt. 17Da ihr aber die Geburt so schwer wurde, sprach die Wehmutter zu ihr: Fürchte dich nicht, denn auch diesmal wirst du einen

35,17
Kap
Sohn haben. 18Als ihr aber das Leben entwich und sie sterben musste, nannte sie ihn Ben-Oni35,18 d. h. Sohn meines Unglücks bzw. Sohn des Glücks., aber sein Vater nannte ihn Ben-Jamin35,18 d. h. Sohn meines Unglücks bzw. Sohn des Glücks.. 19So starb Rahel und wurde begraben an dem Wege nach Efrata, das nun Bethlehem heißt.
35,19
Kap
20Und Jakob richtete einen Stein auf über ihrem Grab; das ist das Grabmal Rahels bis auf diesen Tag. 21Und Israel zog weiter und schlug sein Zelt auf jenseits von Migdal-Eder.

22Und es begab sich, als Israel im Lande wohnte, ging

35,22
Kap
Ruben hin und legte sich zu Bilha, seines Vaters Nebenfrau. Und das kam vor Israel.

Jakobs Söhne

(vgl. 1. Chr 2,1-2)

Es hatte aber Jakob zwölf Söhne. 23Die Söhne Leas waren diese: Ruben, der erstgeborene Sohn Jakobs, Simeon, Levi, Juda, Issachar und Sebulon. 24Die Söhne Rahels waren: Josef und Benjamin. 25Die Söhne Bilhas, Rahels Magd: Dan und Naftali. 26Die Söhne Silpas, Leas Magd: Gad und Asser. Das sind die Söhne Jakobs, die ihm geboren sind in Mesopotamien.

Jakobs Heimkehr. Isaaks Tod

27Und Jakob kam zu seinem Vater Isaak nach Mamre, nach Kirjat-Arba, das ist Hebron, wo Abraham und Isaak als Fremdlinge gelebt hatten. 28Und Isaak wurde hundertundachtzig Jahre alt, 29verschied und starb und wurde versammelt zu seinen Vätern, alt und lebenssatt. Und seine Söhne Esau und Jakob begruben ihn.

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