Lutherbibel 1984 (LU84)
2

Die Anerkennung des Paulus durch die anderen Apostel

21

2,1-10
Apg 15,1-29
4,36
Danach, vierzehn Jahre später, zog ich abermals hinauf nach Jerusalem mit Barnabas und nahm auch Titus mit mir. 2Ich zog aber hinauf aufgrund einer Offenbarung und besprach mich mit ihnen über das Evangelium, das ich predige unter den Heiden, besonders aber mit denen, die das Ansehen hatten, damit ich nicht etwa vergeblich liefe oder gelaufen wäre. 3Aber selbst Titus, der bei mir war, ein Grieche, wurde nicht gezwungen, sich beschneiden zu lassen.
2,3
Apg 16,3
1. Kor 9,21
4Denn es hatten sich einige falsche Brüder mit eingedrängt und neben eingeschlichen, um unsere Freiheit auszukundschaften, die wir in Christus Jesus haben, und uns zu knechten. 5Denen wichen wir auch nicht eine Stunde und unterwarfen uns ihnen nicht,
2,5
Kap
damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestehen bliebe.

6Von denen aber, die das Ansehen hatten – was sie früher gewesen sind, daran liegt mir nichts; denn Gott achtet das Ansehen der Menschen nicht –, mir haben die, die das Ansehen hatten, nichts weiter auferlegt. 7Im Gegenteil, da sie sahen, dass mir

2,7
Eph 3,1-2
anvertraut war das Evangelium an die Heiden so wie Petrus das Evangelium an die Juden 8– denn der in Petrus wirksam gewesen ist zum Apostelamt unter den Juden, der ist auch in mir wirksam gewesen unter den Heiden –, 9und da sie die Gnade erkannten, die mir gegeben war, gaben Jakobus und
2,9
Joh 1,42
Kephas und Johannes, die als Säulen angesehen werden, mir und Barnabas die rechte Hand und wurden mit uns eins, dass wir unter den Heiden, sie aber unter den Juden predigen sollten, 10nur dass wir an die Armen dächten, was ich mich auch eifrig bemüht habe zu tun.
2,10
Apg 11,29-30
2. Kor 8,1–9,15

Die Auseinandersetzung des Paulus mit Petrus in Antiochia

11Als aber Kephas nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, denn es war Grund zur Klage gegen ihn. 12Denn bevor einige von Jakobus kamen,

2,12
Apg 11,2-3
aß er mit den Heiden; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus dem Judentum fürchtete. 13Und mit ihm heuchelten auch die andern Juden, sodass selbst Barnabas verführt wurde, mit ihnen zu heucheln. 14Als ich aber sah, dass sie nicht richtig handelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Kephas öffentlich vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, warum zwingst du dann die Heiden, jüdisch zu leben?

15Wir sind von Geburt Juden und nicht Sünder aus den Heiden. 16Doch weil wir wissen, dass

2,16
Röm 3,2028
Eph 2,8
der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht. 17Sollten wir aber, die wir durch Christus gerecht zu werden suchen, auch selbst als Sünder befunden werden – ist dann Christus ein Diener der Sünde? Das sei ferne! 18Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, dann mache ich mich selbst zu einem Übertreter.

19Denn

2,19
Röm 7,6
ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt. 20Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern
2,20
Joh 17,23
Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und
2,20
Kap
sich selbst für mich dahingegeben. 21Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn die Gerechtigkeit durch das Gesetz kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.

3

Die Gerechtigkeit aus dem Glauben

31O ihr unverständigen Galater! Wer hat euch bezaubert, denen doch Jesus Christus vor die Augen gemalt war als der Gekreuzigte? 2Das allein will ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben? 3Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr’s denn nun im Fleisch vollenden? 4Habt ihr denn so vieles vergeblich erfahren? Wenn es denn vergeblich war! 5Der euch nun den Geist darreicht und tut solche Taten unter euch, tut er’s durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben?

6So war es mit Abraham: »Er hat Gott geglaubt und es ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden« (1. Mose 15,6).

3,6
Röm 4,3
7Erkennt also: die aus dem Glauben sind, das sind Abrahams Kinder. 8Die Schrift aber hat es vorausgesehen, dass Gott die Heiden durch den Glauben gerecht macht. Darum verkündigte sie dem Abraham (1. Mose 12,3): »In dir sollen alle Heiden gesegnet werden.« 9So werden nun die, die aus dem Glauben sind,
3,9
Röm 4,16
gesegnet mit dem gläubigen Abraham.

10Denn die aus den Werken des Gesetzes leben, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben (5. Mose 27,26): »Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er’s tue!« 11Dass aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn

3,11
Röm 1,17
Hebr 10,38
»der Gerechte wird aus Glauben leben« (Hab 2,4). 12Das Gesetz aber ist nicht »aus Glauben«, sondern: »der Mensch, der es tut, wird dadurch leben« (3. Mose 18,5). 13Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er
3,13
2. Kor 5,21
zum Fluch wurde für uns; denn es steht geschrieben (5. Mose 21,23): »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt«, 14damit der Segen Abrahams unter die Heiden komme in Christus Jesus und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben.

Verheißung und Gesetz

15Liebe Brüder, ich will nach menschlicher Weise reden: Man hebt doch das Testament eines Menschen nicht auf, wenn es bestätigt ist, und setzt auch nichts dazu. 16Nun ist die Verheißung Abraham zugesagt und seinem Nachkommen. Es heißt nicht: und den Nachkommen, als gälte es vielen, sondern es gilt einem: »und deinem Nachkommen« (1. Mose 22,18), welcher ist Christus. 17Ich meine aber dies: Das Testament, das von Gott zuvor bestätigt worden ist, wird nicht aufgehoben durch das Gesetz, das

3,17
2. Mose 12,40
vierhundertdreißig Jahre danach gegeben worden ist, sodass die Verheißung zunichtewürde. 18Denn wenn das Erbe durch das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben; Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenkt.

19Was soll dann das Gesetz? Es ist

3,19
Röm 5,20
hinzugekommen um der Sünden willen, bis der Nachkomme da sei, dem die Verheißung gilt, und zwar ist es von
3,19
Apg 7,3853
Hebr 2,2
Engeln verordnet durch die Hand eines
3,19
5. Mose 5,5
Mittlers. 20Ein Mittler aber ist nicht Mittler eines Einzigen, Gott aber ist Einer. 21Wie? Ist dann das Gesetz gegen Gottes Verheißungen? Das sei ferne! Denn nur, wenn ein Gesetz gegeben wäre, das
3,21
Röm 8,2-4
lebendig machen könnte, käme die Gerechtigkeit wirklich aus dem Gesetz. 22Aber die Schrift
3,22
Röm 3,9-20
11,32
hat alles eingeschlossen unter die Sünde, damit die Verheißung durch den Glauben an Jesus Christus gegeben würde denen, die glauben.

23Ehe aber der Glaube kam, waren wir unter dem Gesetz verwahrt und verschlossen auf den Glauben hin, der dann offenbart werden sollte.

3,23
Kap
24So ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christus hin, damit wir durch den Glauben gerecht würden.

25Nachdem aber der Glaube gekommen ist,

3,25
Röm 10,4
sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. 26Denn ihr seid alle durch den Glauben
3,26
Joh 1,12
Röm 8,17
Gottes Kinder in Christus Jesus. 27Denn ihr alle, die ihr
3,27
Röm 6,3
auf Christus getauft seid, habt
3,27
Röm 13,14
Christus angezogen. 28Hier ist
3,28
Röm 10,12
nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn
3,28
1. Kor 12,13
ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. 29Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Kinder und nach der Verheißung Erben.

4

Befreiung vom Gesetz durch Christus

41Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, ist zwischen ihm und einem Knecht kein Unterschied, obwohl er Herr ist über alle Güter; 2sondern er untersteht Vormündern und Pflegern bis zu der Zeit, die der Vater bestimmt hat. 3So auch wir: Als wir unmündig waren, waren wir in der Knechtschaft der

4,3
Kap
Mächte der Welt.

4Als aber

4,4
Mk 1,15
Eph 1,10
die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, 5damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen. 6Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft:
4,6
Röm 8,15
Abba, lieber Vater! 7So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch
4,7
Röm 8,16-17
Erbe durch Gott.

Warnung vor Rückfall in die Gesetzlichkeit

8Aber zu der Zeit, als ihr Gott noch nicht kanntet, dientet ihr denen, die in Wahrheit nicht Götter sind. 9Nachdem ihr aber Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid, wie wendet ihr euch dann wieder den schwachen und dürftigen Mächten zu, denen ihr von Neuem dienen wollt? 10Ihr haltet bestimmte Tage ein und Monate und Zeiten und Jahre.

4,10
Röm 14,5
Kol 2,1620-21
11Ich fürchte für euch, dass ich vielleicht
4,11
2. Joh 8
vergeblich an euch gearbeitet habe.

12Werdet doch wie ich, denn ich wurde wie ihr, liebe Brüder, ich bitte euch. Ihr habt mir kein Leid getan. 13Ihr wisst doch, dass ich euch

4,13
1. Kor 2,3
in Schwachheit des Leibes das Evangelium gepredigt habe
4,13
Apg 16,6
beim ersten Mal. 14Und obwohl meine leibliche Schwäche euch ein Anstoß war, habt ihr mich nicht verachtet oder vor mir ausgespuckt, sondern wie einen Engel Gottes nahmt ihr mich auf, ja wie Christus Jesus. 15Wo sind nun eure Seligpreisungen geblieben? Denn ich bezeuge euch, ihr hättet, wenn es möglich gewesen wäre, eure Augen ausgerissen und mir gegeben. 16Bin ich denn damit euer Feind geworden, dass ich euch die Wahrheit vorhalte?

17Es ist nicht recht, wie sie

4,17
Kap
um euch werben; sie wollen euch nur von mir abspenstig machen, damit ihr um sie werben sollt. 18Umworben zu werden ist gut, wenn’s im Guten geschieht, und zwar immer und nicht nur in meiner Gegenwart, wenn ich bei euch bin. 19Meine lieben Kinder,
4,19
1. Kor 4,15
die ich abermals unter Wehen gebäre, bis Christus in euch Gestalt gewinne! – 20Ich wollte aber, dass ich jetzt bei euch wäre und mit andrer Stimme zu euch reden könnte; denn ich bin irre an euch.

Knechtschaft und Freiheit

21Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Hört ihr das Gesetz nicht? 22Denn es steht geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte,

4,22
1. Mose 16,15
den einen von der Magd,
4,22
1. Mose 21,2
den andern von der Freien. 23Aber der von der Magd ist nach dem Fleisch gezeugt worden,
4,23
Röm 9,7-9
der von der Freien aber kraft der Verheißung.

24Diese Worte haben tiefere Bedeutung. Denn die beiden Frauen bedeuten zwei Bundesschlüsse: einen vom Berg Sinai, der zur

4,24
Kap
Knechtschaft gebiert, das ist Hagar; 25denn Hagar bedeutet den Berg Sinai in Arabien und ist ein Gleichnis für das jetzige Jerusalem, das mit seinen Kindern in der Knechtschaft lebt. 26Aber
4,26
Hebr 12,22
Offb 21,2
das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; das ist unsre Mutter. 27Denn es steht geschrieben (Jes 54,1): »Sei fröhlich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst! Brich in Jubel aus und jauchze, die du nicht schwanger bist. Denn die Einsame hat viel mehr Kinder, als die den Mann hat.« 28Ihr aber, liebe Brüder, seid wie Isaak Kinder der Verheißung.

29Aber wie zu jener Zeit der, der nach dem Fleisch gezeugt war, den verfolgte, der nach dem Geist gezeugt war, so geht es auch jetzt. 30Doch was spricht die Schrift? »Stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohn; denn der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohn der Freien« (1. Mose 21,10). 31So sind wir nun, liebe Brüder, nicht Kinder der Magd, sondern der Freien.

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