Lutherbibel 1984 (LU84)
1

Die Geschichte von Susanna und Daniel

(Zusatz am Anfang des Buches)

11Es war ein Mann in Babylon mit Namen Jojakim; 2der hatte eine Frau, die hieß Susanna, eine Tochter Hilkijas; die war sehr schön und dazu gottesfürchtig. 3Denn sie hatte fromme Eltern,

1,3
5. Mose 6,6-7
die sie nach dem Gesetz des Mose unterwiesen hatten. 4Und Jojakim war sehr reich und hatte einen schönen Garten an seinem Hause. Und die Juden kamen stets bei ihm zusammen, weil er der Angesehenste von allen war.

5Es wurden aber im selben Jahr zwei Älteste aus dem Volk als Richter bestellt; das waren solche Leute, von denen der Herr gesagt hatte:

1,5
Jer 29,22-23
Bosheit ging aus von Babylon von den Ältesten und Richtern. In ihnen sah man die Führer des Volks. 6Die kamen täglich zu Jojakim; und wer eine Streitsache hatte, musste dorthin vor sie kommen.

7Und wenn das Volk mittags weggegangen war, pflegte Susanna sich im Garten ihres Mannes zu ergehen. 8Und als die beiden Ältesten sie täglich darin umhergehen sahen, entbrannten sie in Begierde nach ihr 9und

1,9
Spr 6,32
wurden darüber zu Narren und
1,9
Mt 5,28-29
warfen die Augen so sehr auf sie, dass sie nicht mehr zum Himmel aufsehen konnten und nicht mehr an gerechte Urteile dachten. 10Sie waren beide zugleich für sie entbrannt, verrieten jedoch einander ihre Leidenschaft nicht 11und schämten sich, einander ihre Begierde zu verraten; denn jeder hätte sich gern zu ihr gelegt. 12Und sie warteten täglich gespannt auf sie, um sie nur sehen zu können.

13Es sprach aber einer zum andern: Komm, lass uns heimgehen! Denn es ist nun Essenszeit. Und sie gingen hinaus und trennten sich. 14Danach kehrte jeder wieder um und sie kamen an derselben Stelle wieder zusammen. Als nun einer den andern nach dem Grund fragte, bekannten sie beide ihre Begierde. Danach kamen sie miteinander überein, darauf zu warten, wann sie die Frau allein finden könnten.

15Und als sie auf einen günstigen Tag lauerten, kam Susanna nur mit zwei Mägden, wie es ihre Gewohnheit war, in den Garten, um zu baden; denn es war sehr heiß.

1,15
2. Sam 11,2
16Und es war kein Mensch im Garten außer den beiden Ältesten, die sich heimlich versteckt hatten und auf sie lauerten. 17Und sie sagte zu ihren Mägden: Holt mir Öl und Salben und schließt den Garten zu, damit ich baden kann! 18Und die Mägde taten, wie sie befohlen hatte, und schlossen den Garten zu und gingen zur hinteren Tür hinaus, um ihr zu bringen, was sie haben wollte; aber sie sahen die Ältesten nicht, denn die hatten sich versteckt.

19Als nun die Mägde hinausgegangen waren, kamen die beiden Ältesten hervor, liefen zu ihr und sagten: 20Siehe, der Garten ist zugeschlossen und

1,20
Sir 23,25-28
niemand sieht uns, und wir sind in Liebe zu dir entbrannt; darum sei uns zu Willen! 21Willst du aber nicht, so
1,21
5. Mose 19,15
werden wir dich beschuldigen, dass wir einen jungen Mann allein bei dir gefunden haben und dass du deine Mägde deshalb hinausgeschickt hast. 22Da seufzte Susanna und sagte: In wie großer Bedrängnis bin ich! Denn
1,22
3. Mose 20,10
wenn ich das tue, so bin ich des Todes; tu ich’s aber nicht, so komme ich nicht aus euren Händen. 23Doch ich will lieber unschuldig in eure Hände fallen als
1,23
1. Mose 39,9
gegen den Herrn sündigen.

24Und Susanna fing an, laut zu

1,24
5. Mose 22,24
schreien; aber die Ältesten schrien gegen sie an. 25Und der eine lief hin zu der Tür des Gartens und öffnete sie. 26Als nun die Leute im Haus das Geschrei im Garten hörten, liefen sie durch die hintere Tür herbei, um zu sehen, was ihr widerfahren wäre. 27Und als die Ältesten anfingen, gegen sie auszusagen, schämten sich die Diener ihretwegen sehr; denn so etwas war bisher nie über Susanna gesagt worden.

28Und am andern Tag, als das Volk im Hause Jojakims, ihres Mannes, zusammenkam, da kamen auch die beiden Ältesten in der schändlichen Absicht, Susanna dem Tod zu überliefern; 29und sie sagten vor allem Volk: Schickt hin und lasst Susanna, die Tochter Hilkijas, Jojakims Frau, herholen! Da schickten sie hin. 30Und sie kam mit ihren Eltern und Kindern und ihrer ganzen Verwandtschaft. 31Sie aber war sehr schön von Gestalt und Angesicht; 32darum ließen die Bösewichte ihr den Schleier wegreißen, mit dem sie verhüllt war, um sich an ihrer Schönheit zu ergötzen. 33Und alle, die bei ihr standen und sie sahen, weinten um sie.

34Und die beiden Ältesten traten auf mitten unter dem Volk und

1,34
3. Mose 24,14
legten die Hände auf ihr Haupt. 35Sie aber weinte und
1,35
hob die Augen auf zum Himmel; denn ihr Herz vertraute auf den Herrn. 36Und die Ältesten fingen an und sagten: Als wir beide allein im Garten umhergingen, kam sie hinein mit zwei Mägden und schloss den Garten zu und schickte die Mägde fort. 37Da kam ein junger Mann zu ihr, der sich versteckt hatte, und legte sich zu ihr. 38Als wir aber in einem Winkel im Garten solche Schande sahen, liefen wir eilends hinzu und fanden sie beieinander. 39Aber den jungen Mann konnten wir nicht überwältigen; denn er war uns zu stark und stieß die Tür auf und sprang davon. 40Sie aber ergriffen wir und fragten, wer der junge Mann wäre. Aber sie wollte es uns nicht sagen. Das bezeugen wir.

41Und das Volk glaubte den beiden als Ältesten und Richtern im Volk, und man verurteilte Susanna zum Tode. 42Sie aber schrie mit lauter Stimme: Herr, ewiger Gott,

1,42
Sir 42,18-20
der du alle Heimlichkeiten kennst und alle Dinge zuvor weißt, ehe sie geschehen, 43du weißt, dass diese mich zu Unrecht beschuldigt haben. Und nun siehe, ich muss sterben, obwohl ich doch nicht begangen habe, was sie so bösartig gegen mich zusammengelogen haben. 44Und
1,44
Ps 66,18-19
Gott erhörte ihr Rufen.

45Und als man sie zum Tode führte, erweckte Gott den Heiligen Geist eines jungen Mannes, der hieß

1,45
Dan 4,5
Daniel; der fing an, laut zu rufen: 46Ich will unschuldig sein an diesem Blut! 47Und die Menge wandte sich ihm zu und fragte ihn, was er mit solchen Worten meinte. 48Er aber trat unter sie und sprach: Seid ihr Männer von Israel solche Narren, dass ihr eine Tochter Israels verdammt,
1,48
5. Mose 19,18
ehe ihr die Sache erforscht und Gewissheit erlangt habt? 49Kehrt wieder um vors Gericht, denn diese haben sie zu Unrecht beschuldigt! 50Und die Menge kehrte eilends wieder um.

Und alle Ältesten sagten zu Daniel: Setze dich her zu uns und berichte uns; denn

1,50
Hiob 32,7-9
Weish 8,10
dir hat Gott gegeben, was er sonst nur dem Alter gibt. 51Und Daniel sagte zu ihnen: Stellt die beiden weit auseinander, so will ich jeden für sich verhören! 52Als nun der eine vom andern getrennt war, rief er den einen und sagte zu ihm: Du alter Bösewicht, jetzt treffen dich deine Sünden, die du bisher begangen hast, 53als du ungerechte Urteile gesprochen und
1,53
Spr 17,15
die Unschuldigen verdammt, aber die Schuldigen losgesprochen hast, obwohl doch der Herr geboten hat:
1,53
2. Mose 23,7
Du sollst den Unschuldigen und Gerechten nicht töten. 54Hast du nun diese Frau gesehen, so sag doch: Unter welchem Baum hast du die zwei beieinander gefunden? Er aber antwortete: Unter einer Linde.1,54 Um ein Wortspiel des griechischen Textes wiederzugeben, reimte Luther: »Unter einer Linden. (V. 55) ... der Engel des Herrn wird dich finden.« 55Da sagte Daniel: Ganz recht!
1,55
Apg 5,4-5
Mit deiner Lüge bringst du dich selbst um dein Leben. Denn schon hat
1,55
1. Chr 21,15-16
der Engel des Herrn von Gott dein Urteil empfangen und wird dich mittendurch spalten.

56Und er ließ ihn wegbringen und den andern vor sich kommen und sagte zu ihm: Du

1,56
3. Mose 18,32028
Mann nach Kanaans und nicht nach Judas Art, die Schönheit hat dich betört, und die Begierde hat dein Herz verkehrt. 57So seid ihr mit den Töchtern Israels verfahren, und sie haben euch aus Furcht zu Willen sein müssen. Aber diese Tochter Judas hat nicht in eure Schlechtigkeit gewilligt. 58Nun sage mir: Unter welchem Baum hast du sie beieinander ertappt? Er aber antwortete: Unter einer Eiche.1,58 Luther: »Unter einer Eichen. (V. 59) ... der Engel des Herrn wird dich zeich(n)en«. 59Da sagte Daniel: Ganz recht! Mit deiner Lüge bringst du dich selbst um dein Leben. Der Engel des Herrn wartet schon mit seinem Schwert und wird dich mittendurch hauen, um euch so beide zu vernichten.

60Da fing das ganze Volk an, mit lauter Stimme zu rufen, und sie priesen Gott, der denen hilft, die auf ihn hoffen und vertrauen. 61Und sie erhoben sich gegen die beiden Ältesten, weil Daniel sie aus ihren eignen Worten überführt hatte, dass sie falsche Zeugen waren. 62Und

1,62
5. Mose 19,18-19
man tat mit ihnen nach dem Gesetz des Mose, wie sie gedacht hatten, ihrem Nächsten zu tun, und tötete sie.

So wurde an diesem Tage unschuldiges Blut errettet. 63Aber Hilkija und seine Frau lobten Gott um Susannas, ihrer Tochter, willen, mit Jojakim, ihrem Mann, und der ganzen Verwandtschaft, dass nichts Unehrenhaftes an ihr gefunden worden war. 64Und Daniel wurde groß vor dem Volk von dem Tage an und blieb es auch weiterhin.

2

Vom Bel zu Babel

(Zusatz am Schluss des Buches Daniel)

21Nach dem Tod des Königs Astyages kam das Königreich an

2,1
Dan 6,29
Kyrus aus Persien. Und Daniel war stets um den König und angesehener als alle »Freunde des Königs«. 2Nun hatten die Babylonier einen Götzen, der hieß
2,2
Jer 50,2
Bel; dem musste man täglich opfern zwölf Sack Weizenmehl und vierzig Schafe und sechs Eimer Wein. 3Selbst der König diente dem Götzen und ging täglich hin, um ihn anzubeten; aber Daniel betete seinen Gott an.

4Und der König sagte zu ihm: Warum betest du nicht auch den Bel an? Er aber sagte: Ich diene nicht den Götzen, die mit Händen gemacht sind, sondern dem lebendigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat und ein Herr ist über alles, was lebt.

2,4
Ps 115,3-9
Bar 6,4-6
5Da sagte der König zu ihm: Hältst du denn den Bel nicht für einen lebendigen Gott? Siehst du nicht, wie viel er täglich isst und trinkt? 6Aber Daniel lachte und sagte: Mein König, lass dich nicht täuschen; denn dieser Bel ist innen nur Ton und außen nur Kupfer und hat noch nie etwas gegessen oder getrunken.
2,6
1. Kön 18,27

7Da wurde der König zornig und ließ seine Priester rufen und sprach zu ihnen: Werdet ihr mir nicht sagen, wer dies Opfer verzehrt, so müsst ihr sterben! 8Könnt ihr aber beweisen, dass der Bel es verzehrt, so muss Daniel sterben; denn er hat den Bel gelästert. Und Daniel sprach zum König: Es geschehe, wie du gesagt hast.

9Es gab aber siebzig Priester des Bel, ohne ihre Frauen und Kinder. Und der König ging mit Daniel in den Tempel des Bel. 10Da sagten die Priester des Bel: Siehe, wir wollen hinausgehen; und du, König, sollst die Speise selbst hinstellen und den Trank selbst mischen und hinsetzen und die Tür hinter dir zuschließen und mit deinem eignen Ring versiegeln. 11Und wenn du morgen früh wiederkommst und findest, dass der Bel nicht alles verzehrt hat, so wollen wir gern sterben; sonst muss Daniel getötet werden, der uns verleumdet hat. 12Sie verließen sich aber darauf, dass sie einen geheimen Gang bis unter den Opfertisch gemacht hatten; durch den gingen sie immer wieder hinein und verzehrten, was da war.

13Als nun die Priester hinausgegangen waren, ließ der König dem Bel die Speise vorsetzen. Aber Daniel befahl seinen Dienern, Asche zu holen, und ließ sie durch den ganzen Tempel streuen vor dem König, als er nur noch allein drin war. Danach gingen sie hinaus und schlossen die Tür zu und versiegelten sie mit dem Ring des Königs und gingen davon. 14Die Priester aber gingen in der Nacht hinein nach ihrer Gewohnheit mit ihren Frauen und Kindern und aßen und tranken alles, was da war.

15Und früh am Morgen stand der König auf und Daniel mit ihm. 16Und der König fragte: Ist das Siegel unversehrt, Daniel? 17Er aber antwortete: Ja, mein König. Und sobald die Tür aufgetan war, sah der König auf den Tisch und rief mit lauter Stimme: Bel, du bist ein großer Gott, und bei dir gibt es keinen Betrug, auch nicht einen!

18Aber Daniel lachte und hielt den König zurück, damit er nicht hineinging, und sagte: Sieh auf den Boden und erkenne, wessen Fußtapfen das sind. 19Der König sagte: Ich sehe die Fußtapfen von Männern, Frauen und Kindern. 20Da wurde der König zornig und ließ die Priester mit ihren Frauen und Kindern ergreifen. Und sie mussten ihm die geheimen Gänge zeigen, durch die sie ein und aus gegangen waren und verzehrt hatten, was auf dem Tisch lag. 21Und der König ließ sie töten und gab den Bel in Daniels Gewalt; der zerstörte ihn und seinen Tempel.

Vom Drachen zu Babel

(Fortsetzung des Vorigen)

22Es gab da auch einen großen Drachen, den die Babylonier anbeteten. 23Und der König sagte zu Daniel: Wie? Willst du von dem auch behaupten, dass er nichts als ein eherner Götze ist? Siehe, er lebt ja, denn er isst und trinkt, und du kannst nicht behaupten, dass er kein lebendiger Gott ist. Darum bete ihn an! 24Aber Daniel antwortete: Ich will den Herrn, meinen Gott, anbeten; denn er ist

2,24
Jes 37,17-20
der lebendige Gott. 25Du aber, mein König, erlaube es mir, dann will ich diesen Drachen umbringen
2,25
1. Sam 17,45
ohne Schwert und Spieß. Und der König sagte: Ja, es sei dir erlaubt. 26Da nahm Daniel Pech, Fett und Haare und kochte es zusammen, machte Fladen daraus und warf sie dem Drachen ins Maul; und der Drache barst davon mitten entzwei. Und Daniel sagte: Seht, das sind eure Götter!

27

2,27-41
Dan 6,15-28
Als nun die Babylonier das hörten, verdross es sie sehr, und sie machten einen Aufruhr gegen den König und sagten: Unser König ist ein Jude geworden; denn er hat den Bel zerstört und den Drachen getötet und die Priester umgebracht. 28Und sie traten vor den König und sagten: Gib uns Daniel heraus; sonst werden wir dich und dein ganzes Haus umbringen!

29Als nun der König sah, dass sie mit Gewalt auf ihn eindrangen, musste er ihnen Daniel herausgeben. 30Und sie warfen ihn zu den Löwen in den Graben; darin lag er sechs Tage lang. 31Und es waren sieben Löwen im Graben; denen gab man täglich zwei Menschen und zwei Schafe. Aber während dieser Tage gab man ihnen nichts, damit sie Daniel fressen sollten.

32Es war aber ein Prophet, Habakuk, in Judäa; der hatte einen Brei gekocht und Brot eingebrockt in eine tiefe Schüssel und ging damit aufs Feld, um es den Schnittern zu bringen. 33Und der Engel des Herrn sprach zu Habakuk: Bring das Essen, das du trägst, zu Daniel nach Babel in den Löwengraben. 34Und Habakuk antwortete: Herr, ich habe die Stadt Babel nie gesehen und weiß nicht, wo der Graben ist.

35Da

2,35
Hes 8,3
fasste ihn der Engel des Herrn beim Schopf, trug ihn im Windesbrausen an den Haaren nach Babel und setzte ihn oben am Graben nieder. 36Und Habakuk rief: Daniel, Daniel, nimm das Essen, das dir Gott gesandt hat!
2,36
Jer 15,16
Hab 2,4
Mt 4,4
37Und Daniel sprach: Gott, du denkst ja noch an mich und
2,37
Sir 2,12
verlässt die nicht, die dich lieben! 38Und er stand auf und aß. Aber der Engel Gottes brachte Habakuk sogleich wieder an seinen Ort.

39Und der König kam am siebenten Tage, um Daniel zu beklagen. Und als er zum Graben kam und hineinschaute, siehe, da saß Daniel mitten unter den Löwen. 40Und der König rief laut: Herr, du Gott Daniels, du bist ein großer Gott, und es gibt keinen andern außer dir! 41Und er ließ ihn aus dem Graben ziehen; aber die andern, die seinen Tod gewollt hatten, ließ er in den Graben werfen; und sie wurden sofort vor seinen Augen von den Löwen verschlungen.

3

Das Gebet Asarjas

(Zusatz zu Dan 3,23)

31Und

3,1
Dan 1,7
Asarja stand mitten im glühenden Ofen und tat seinen Mund auf und betete:

2

3,2
Apg 16,25
Gelobt seist du, Herr, du Gott unsrer Väter,

und dein Name soll gepriesen

und verherrlicht werden ewiglich!

3

3,3-9
Dan 9,5-12
Denn du bist gerecht in allem, was du an uns getan hast;

alle deine Werke sind beständig,

und deine Wege sind gerade,

und alle deine Gerichte sind gerecht.

4Du tust uns recht, dass du uns bestraft hast

mit all den Strafen, die du über uns hast ergehen lassen

und über Jerusalem, die heilige Stadt unsrer Väter;

ja, du tust recht und billig mit alledem um unsrer Sünden willen.

3,4
Neh 9,33

5Denn wir haben gesündigt und böse gehandelt,

weil wir von dir gewichen sind.

Und wir haben in allem schwer gesündigt

6und deinen Geboten nicht gehorcht noch sie bewahrt

und haben nicht getan, wie du uns befohlen hast,

damit es uns gut gehen sollte.

7Darum hast du recht daran getan,

dass du das alles über uns hast kommen lassen

und uns das alles angetan hast

8und uns übergeben hast den Händen unsrer Feinde,

der gottlosen, abtrünnigen Widersacher,

und dem ungerechten,

grausamsten König auf Erden.

9Und nun dürfen wir unsern Mund nicht auftun:

so sehr sind deine Knechte und alle, die dich fürchten, zuschanden und zu Spott geworden.

10Aber dennoch verstoße uns nicht ganz um deines heiligen Namens willen,

und

3,10
3. Mose 26,4245
verwirf deinen Bund nicht,

11und nimm deine Barmherzigkeit nicht von uns

um

3,11
2. Chr 20,7
Jes 41,8
Abrahams, deines geliebten Freundes, willen

und deines Knechtes Isaak

und Israels, deines Heiligen,

12denen du verheißen hast, ihre Nachkommen zu

3,12
1. Mose 22,17
26,4
28,14
mehren

wie die Sterne am Himmel

und wie den Sand am Ufer des Meers.

13Denn, Herr, wir sind geringer geworden als alle Heiden

und sind heute die Verachtetsten auf Erden um unsrer Sünden willen.

14Wir haben jetzt keinen Fürsten,

Propheten noch Vorsteher mehr

und weder Brandopfer

noch Schlachtopfer noch Speisopfer noch Räucherwerk

und haben keine Stätte, wo wir vor dir opfern

und Gnade finden könnten;

3,14
Hos 3,4

15sondern

3,15
Ps 51,19
mit betrübtem Herzen und demütigem Geist

kommen wir vor dich,

16als brächten wir Brandopfer von Widdern und Rindern

und viel tausend fetten Schafen.

So wollest du unser Opfer heute vor dir gelten

und wohlgefällig sein lassen;

denn du lässt nicht zuschanden werden,

die auf dich hoffen.

17Und nun kommen wir

3,17
Jer 29,13-14
mit ganzem Herzen

und suchen dein Angesicht mit Furcht.

18Darum lass uns nicht zuschanden werden;

sondern tu mit uns, Herr, nach deiner Gnade

und nach

3,18
Dan 9,18
deiner großen Barmherzigkeit!

19Und errette uns nach deinen Wundertaten

und gib deinem Namen die Ehre,

dass sich alle schämen müssen,

die deinen Knechten Leid antun,

20und alle zuschanden werden mit ihrer großen Macht

und ihre Gewalt zerstört wird,

21

3,21
Jes 37,20
damit sie erfahren, dass du, Herr, allein Gott bist,

herrlich auf dem ganzen Erdkreis.

22Und die Diener des Königs, die sie in den Ofen geworfen hatten, hörten nicht auf, ihn mit Erdharz, Pech, Werg und dürren Reisern zu heizen, 23und die Flamme, etwa neunundvierzig Ellen hoch, schlug oben aus dem Ofen, 24fraß um sich und
3,24
Dan 3,22
verbrannte die Chaldäer, die sie vor dem Ofen erreichte. 25Aber der Engel des Herrn war zugleich mit Asarja und denen, die bei ihm waren, in den Ofen gestiegen;
3,25
Dan 3,24-25
26hatte die Feuerflamme aus dem Ofen herausgestoßen und ließ es mitten im Ofen so sein, als ob ein Wind wehte, der kühlen Tau bringt. So rührte das Feuer sie überhaupt nicht an und fügte ihnen weder Schmerz noch Schaden zu.

Der Gesang der drei Männer im Feuerofen

(Fortsetzung des Zusatzes zu Dan 3,23)

27Da fingen die drei wie mit einem Munde an zu singen, priesen und lobten Gott in dem Ofen und sprachen:

28Gelobt seist du, Herr, du Gott unsrer Väter,

und sollst gepriesen und hoch gerühmt werden ewiglich!

29Gelobt sei dein herrlicher und heiliger Name

und soll gepriesen und hoch gerühmt werden ewiglich!

30Gelobt seist du in deinem heiligen, herrlichen Tempel

und sollst gepriesen und hoch gerühmt werden ewiglich!

31Gelobt seist du, der du

3,31
Ps 80,2
sitzt über den Cherubim und siehst in die Tiefen,

und sollst gepriesen und hoch gerühmt werden ewiglich!

32Gelobt seist du auf deinem königlichen Thron

und sollst gepriesen und hoch gerühmt werden ewiglich!

33

3,33-63
Ps 148,1-14
Gelobt seist du in der Feste des Himmels

und sollst gepriesen und hoch gerühmt werden ewiglich!

34Lobt den Herrn, alle seine Werke,

und preist und rühmt ihn ewiglich!

35Ihr Himmel, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

36

3,36
Ps 103,20
Lobt den Herrn, ihr Engel des Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

37Alle Wasser droben am Himmel, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

38Alle Heerscharen des Herrn, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

39Sonne und Mond, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

40Alle Sterne am Himmel, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

41Regen und Tau, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

42Alle Winde, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

43Feuer und Hitze, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

44Frost und Kälte, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

Tropfen und Flocken, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

45Tag und Nacht, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

46Licht und Finsternis, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

47Eis und Frost, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

48Reif und Schnee, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

49Blitze und Wolken, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

50Die Erde lobe den Herrn,

sie preise und rühme ihn ewiglich!

51Berge und Hügel, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

52Alles, was auf der Erde wächst, lobe den Herrn,

preise und rühme ihn ewiglich!

53Ihr Quellen, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

54Meer und Wasserströme, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

55Walfische und alles, was sich im Wasser regt, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

56Alle Vögel unter dem Himmel, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

57Alle zahmen und wilden Tiere, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

58Ihr Menschenkinder, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

59Israel, lobe den Herrn,

preise und rühme ihn ewiglich!

60Ihr Priester des Herrn, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

61Ihr

3,61
Ps 134,1
Knechte des Herrn, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

62Ihr

3,62
Ps 103,1-5
Lk 1,46
Geister und Seelen der Gerechten, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

63Ihr Heiligen und die ihr

3,63
Mt 11,29
von Herzen demütig seid, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

64Hananja, Asarja und Mischaël, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

Denn er hat uns erlöst aus dem Totenreich

und uns errettet vom Tode,

er hat uns befreit aus dem glühenden Ofen

und hat uns mitten aus dem Feuer gerissen.

65

3,65-66
Ps 136,1-26
Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

66Alle, die den Herrn fürchten, lobt den Gott aller Götter,

preist ihn und rühmt, dass seine Güte ewiglich währt!