Lutherbibel 1984 (LU84)
4

Onias wird von Simon verleumdet und reist zum König

41Jener Simon aber, der den Schatz und sein Vaterland verraten hatte, verleumdete den Onias, kein anderer als er habe dem Heliodor übel mitgespielt und sein Unglück angestiftet; 2ja, er beschuldigte ihn sogar, ein Feind von Land und Leuten zu sein, obwohl er doch der Stadt alles Gute tat und es mit seinem Volk treu meinte und voll Eifer an Gottes Geboten festhielt. 3Als nun die Feindschaft so groß geworden war, dass einer von Simons Vertrauten mehrere Morde verübte, 4und als Onias sah, dass viel Unheil aus solcher Uneinigkeit kommen würde, weil Apollonius, der Sohn des Menestheus, der Befehlshaber in Zölesyrien und Phönizien, den Simon in seiner Bosheit noch bestärkte, da machte Onias sich auf zum König, 5nicht, um seine Mitbürger zu verklagen, sondern weil er in allem auf das Wohl des ganzen Volkes bedacht war. 6Denn er sah: wenn der König nicht Vorsorge treffen würde, so wäre es nicht möglich, im öffentlichen Leben noch zum Frieden zu kommen und Simon von seiner Torheit abzubringen.

Jason erschleicht sich das Hohepriesteramt und führt griechische Sitten ein

7Als aber Seleukus gestorben und die Herrschaft an

4,7
1. Makk 1,11
Antiochus mit dem Beinamen Epiphanes4,7 d. h. der (in göttlichem Lichte) Strahlende. gekommen war, erschlich Jason, der Bruder des Onias, sich das Hohepriesteramt. 8Er versprach dem König, als er mit ihm zusammentraf, dreihundertsechzig Zentner Silber und aus anderm Einkommen achtzig Zentner. 9Und darüber hinaus versprach er, ihm noch hundertfünfzig Zentner zu überschreiben, wenn man gestatten wollte, dass er aus eigner Vollmacht eine Kampfbahn und einen Übungsplatz für junge Leute herrichtete und die Jerusalemer als Antiochener einschrieb.

10Als der König zustimmte und Jason die Macht ergriffen hatte, gewöhnte er sogleich seine Mitbürger an die griechische Lebensart. 11Und die Vorrechte, die der König aus Menschenfreundlichkeit den Juden durch Vermittlung des Johannes verliehen hatte, den Vater jenes

4,11
1. Makk 8,17
Eupolemus, der als Gesandter nach Rom gegangen war, um über Freundschaft und Waffenhilfe zu verhandeln, die gab er auf, schaffte die alten gesetzmäßigen Einrichtungen ab und führte Sitten ein, die dem Gesetz widersprachen.

12Ganz bewusst nämlich baute er unter der Burg eine

4,12
1. Makk 1,15
Kampfbahn und brachte die besten der jungen Leute dazu, dort als Wettkämpfer aufzutreten. 13Und das griechische Wesen und die Aneignung fremder Sitten nahmen durch die übergroße Ruchlosigkeit des gottlosen falschen Hohenpriesters Jason so überhand, 14dass die Priester nicht mehr eifrig im Dienst am Altar waren, vielmehr den Tempel verachteten und die Opfer vernachlässigten und nach dem Aufruf zum Diskuswerfen zur Kampfbahn liefen und an den gesetzwidrigen Spielen teilnahmen; 15und was den Vätern eine Ehre war, galt ihnen nichts, aber die griechischen Auszeichnungen hielten sie für ungemein wertvoll. 16Das wurde ihnen freilich böse heimgezahlt; denn Gott machte eben die, denen sie in ihren Spielen und auch sonst ganz gleich werden wollten, zu ihren Feinden, die sie bestrafen mussten. 17Denn
4,17
Gal 6,7
mit Gottes Wort ist nicht zu scherzen – das wird sich in der Folge zeigen.

18Als man nun in Tyrus das Kampfspiel hielt, das alle fünf Jahre gefeiert wurde, und der König selbst dabei war, 19schickte der ruchlose Jason einige Jerusalemer, die Antiochener waren, als Zuschauer und durch sie dreihundert Drachmen Silber, um dem Herakles davon zu opfern. Als sie das überbrachten, baten sie darum,

4,19
5. Mose 13,7-9
es nicht zum Opfer zu verwenden, weil sich das nicht schicken würde, sondern es für etwas anderes zurückzulegen. 20Obgleich er also das Geld zum Opfer für Herakles gesendet hatte, verwandte man es der Männer wegen, die es überbracht hatten, zur Ausrüstung von Kriegsschiffen.

21Antiochus sandte Apollonius, den Sohn des Menestheus, wegen der Thronbesteigung des Königs Philometor nach Ägypten. So erfuhr Antiochus, dass ihm Philometor abgeneigt geworden war, und daher war er auf seine Sicherheit bedacht; deshalb kam er nach Joppe und begab sich nach Jerusalem. 22Er wurde von Jason und der ganzen Stadt prächtig empfangen und mit Fackeln in großem Triumph hineingeleitet. Danach zog er mit seinem Heer wieder nach Phönizien.

Menelaus verdrängt Jason aus dem Hohepriesteramt

23Aber nach drei Jahren schickte Jason den Menelaus, den Bruder des oben genannten

4,23
Kap
Simon, um dem König das Geld zu überbringen und notwendige Regierungsgeschäfte schriftlich abzuschließen. 24Und als er bei dem König zu Gnaden kam, huldigte er ihm angesichts seiner Macht und brachte das Hohepriesteramt dadurch an sich selber, dass er dem König
4,24
dreihundert Zentner Silber mehr gab als Jason. 25Und nachdem er die königliche Beauftragung empfangen hatte, kam er nach Jerusalem; aber er hatte nichts von einem Hohenpriester an sich, sondern die Leidenschaften eines rohen Tyrannen und die Wut eines wilden Tieres.

26So wurde Jason, der seinen Bruder aus dem Amt gestoßen hatte, wieder durch einen andern fortgestoßen und musste in das Land der Ammoniter fliehen; 27und Menelaus bemächtigte sich der Herrschaft. Als er aber das Geld, das er dem König versprochen hatte, nicht entrichten konnte, obwohl es Sostratus, der Burghauptmann, an den das Geld zu zahlen war, von ihm forderte, 28ließ der König die beiden vor sich laden. 29Und Menelaus ließ als seinen Stellvertreter im Hohenpriesteramt seinen Bruder Lysimachus zurück, Sostratus aber als seinen Stellvertreter den Krates, den Hauptmann über die Kriegsleute aus Zypern.

Auf Anstiften des Menelaus wird Onias ermordet

30Als die Dinge so standen, machten die Leute von Tarsus und Mallus einen Aufruhr, weil der König sie seiner Nebenfrau Antiochis geschenkt hatte. 31Da machte sich der König eilends auf, die Angelegenheit in Ordnung zu bringen, und ließ den Andronikus, einen seiner angesehensten Würdenträger, als Statthalter zurück. 32Menelaus aber dachte, dass er diese gute Gelegenheit nützen müsste: Er stahl einige goldene Geräte aus dem Tempel und schenkte sie dem Andronikus; andere konnte er nach Tyrus und in die umliegenden Städte verkaufen.

33Als das Onias erfuhr, begab er sich an eine Freistatt in Daphne, das bei Antiochia liegt, und tadelte ihn scharf. 34Daher nahm Menelaus den Andronikus beiseite und forderte ihn auf, Hand an Onias zu legen. Der ging zu Onias, beredete ihn mit List, gab ihm Handschlag und Eid, und obwohl Onias Verdacht hegte, überredete Andronikus ihn, aus der Freistatt herauszukommen. Dann aber brachte er ihn sogleich um ohne alle Scheu vor dem Recht. 35Das fanden nicht allein die Juden entsetzlich, sondern auch viele Heiden; sie waren entrüstet über den ruchlosen Mord an diesem Mann.

36Als nun der König aus Zilizien wieder heimkehrte, wandten sich die Juden in allen Städten an ihn, und auch die Griechen zeigten sich mit ihnen darüber empört, dass Onias gewissenlos ermordet worden war. 37Und Antiochus war in tiefster Seele betrübt und von Mitleid ergriffen und weinte, dass ein Mann von so edler Gesinnung und so untadeliger Haltung umgekommen war; 38und er ergrimmte voll Zorn und ließ dem Andronikus sogleich das Purpurkleid abnehmen und die Kleider zerreißen, ihn so in der ganzen Stadt umherführen und zuletzt den Meuchelmörder an dem Ort aus der Welt schaffen, wo er Onias freventlich umgebracht hatte. So hat Gott ihn nach seinem Verdienst bestraft.

Das Volk erhebt sich gegen Lysimachus

39Als aber Lysimachus in der Stadt mit Wissen seines Bruders Menelaus viel aus dem Tempel gestohlen hatte und die Kunde davon unter die Leute gekommen war, versammelte sich die Gemeinde gegen Lysimachus, als schon viele goldene Geräte weggebracht worden waren. 40Als nun die Massen sich erregten und sehr zornig waren, bewaffnete Lysimachus an die dreitausend Mann und begann mit Gewalttaten; dabei war der Anführer ein gewisser Auranus, der zwar

4,40
Sir 25,6-8
schon ein älterer Mann, aber keineswegs schon vernünftig war. 41Als die Bürger sahen, dass Lysimachus sie angreifen ließ, nahmen die einen Steine, die andern dicke Holzstücke, wieder andre rafften etwas von der daliegenden Asche zusammen und warfen alles miteinander auf die Leute des Lysimachus, 42sodass viele von ihnen verwundet, andre zu Boden geschlagen wurden, alle aber davonliefen. Den Tempelräuber selbst aber erschlugen sie bei der Schatzkammer.

Durch Bestechung bleibt Menelaus Hoherpriester

43Wegen dieser Vorgänge wurde Menelaus vor Gericht gezogen. 44Und sobald der König nach Tyrus gekommen war, trugen drei Gesandte des Hohen Rats ihm die Klage vor. 45Als aber Menelaus schon unterlegen war, versprach er

4,45
1. Makk 3,38
Ptolemäus, dem Sohn des Dorymenes, viel Geld, damit er den König bereden sollte. 46Da nahm Ptolemäus den König beiseite und ging mit ihm in einen Säulengang, als wollte er ihm Kühlung verschaffen, und stimmte ihn um, 47sodass er den Menelaus, der doch alles Unglück angerichtet hatte, von der Anklage freisprach, aber die armen Leute zum Tode verurteilte, die doch sogar bei den
4,47
Kap
Skythen als unschuldig erkannt und freigelassen worden wären. 48Sogleich mussten die, die für die Stadt, das Volk und die heiligen Geräte eingetreten waren, unschuldig sterben.

49Darüber waren sogar Leute von Tyrus empört, und sie bereiteten ihnen ein großartiges Begräbnis. 50Menelaus aber blieb an der Macht dank der Habsucht der Herrschenden und trieb es je länger, desto ärger und tat den Bürgern alles Unrecht an.

5

Himmelserscheinungen beunruhigen Jerusalem

51Um diese Zeit zog Antiochus zum zweiten Mal gegen Ägypten. 2Man sah aber in der ganzen Stadt fast vierzig Tage lang, wie Reiter in golddurchwirkten Gewändern mit Lanzen und gezückten Schwertern in Zügen geordnet durch die Lüfte einhersprengten; 3und man sah Reiterscharen in Schlachtordnung aufeinandertreffen und gegeneinander anrennen, eine Bewegung von Schilden, eine Menge von Speeren, das Fliegen von Geschossen, das Schimmern von goldenen Rüstungen und Harnische von vielerlei Art. 4Da beteten alle, dass dies doch ja nichts Böses bedeuten sollte.

Jason nimmt ein schmähliches Ende

5Nun kam das falsche Gerücht auf, dass Antiochus tot sei. Da nahm Jason nicht weniger als tausend Mann und griff unversehens die Stadt an. Als aber die Verteidiger der Mauer zurückgetrieben worden waren und die Stadt gerade erobert wurde, 6floh Menelaus auf die Burg. Jason aber schlachtete seine Mitbürger schonungslos ab und bedachte nicht, dass Kriegsglück gegen Blutsverwandte das größte Unglück ist, sondern er meinte, er siegte gegen Feinde und nicht gegen Landsleute. 7Er konnte aber gleichwohl die Macht nicht erlangen, sondern erntete Schande für seinen Anschlag und

5,7
Kap
floh wieder ins Land der Ammoniter.

8Schließlich kam es mit ihm zu einem bösen Ende. Er wurde bei Aretas, dem König der Araber, angeklagt und musste von einer Stadt in die andere fliehen, von allen verfolgt; er wurde gehasst, weil er von den Gesetzen abtrünnig war, und verabscheut als Verräter seines Vaterlands und Henker seiner Mitbürger, sodass man ihn nach Ägypten verstieß. 9Und wie er viele Leute aus ihrem Vaterland vertrieben hatte, so musste er auch selbst in der Fremde sterben, in Lazedämon, wo er

5,9
1. Makk 12,21
um der Verwandtschaft willen Sicherheit zu finden gehofft hatte. 10Und wie er viele
5,10
Tob 1,20-21
unbegraben hatte liegen lassen, so ist er auch hingestorben, ohne dass jemand um ihn Leid getragen hätte; er hat nicht nur das Glück entbehren müssen, bei seinen Vätern begraben zu werden, sondern hat überhaupt kein ehrliches Grab gefunden.

Antiochus IV. Epiphanes plündert den Tempel von Jerusalem

(vgl. 1. Makk 1,21-29)

11Als diese Vorfälle dem König zu Ohren kamen, dachte er, ganz Judäa würde von ihm abfallen. Und er zog in wildem Grimm von Ägypten herauf und nahm Jerusalem mit Gewalt ein 12und befahl den Kriegsleuten, ohne Erbarmen alle zu erschlagen, die ihnen in die Hände fielen, und auch die abzuschlachten, die sich auf die Häuser hinaufflüchteten. 13Da mordete man hin Junge und Alte, Jünglinge, Frauen und Kinder, Jungfrauen und auch die Kinder in der Wiege, 14sodass in drei Tagen achtzigtausend Menschen zugrunde gingen, von denen vierzigtausend getötet und ebenso viele verkauft wurden.

15Aber dem Antiochus genügte selbst das nicht, sondern er wagte sogar, in die heiligste Stätte auf Erden einzudringen; und

5,15
Kap
Menelaus, der Verräter der Gesetze und des Vaterlands, führte ihn hinein. 16Da
5,16
2. Kön 25,13-17
raubte er mit seinen unreinen Händen die heiligen Geräte; und alles, was andere Könige zu Mehrung, Glanz und Ehre der Stätte gegeben hatten, das raffte er mit seinen sündigen Händen hinweg 17und überhob sich sehr und sah nicht, dass der Herr um der Sünden derer willen, die in der Stadt wohnten,
5,17
Jes 54,7-8
für kurze Zeit erzürnt war.

Das war der Grund, dass Gott dem Schicksal der heiligen Stätte gegenüber so gleichgültig blieb. 18Wäre das Volk nicht in so viele Sünden verstrickt gewesen, so würde es dem Antiochus ebenso ergangen sein wie dem

5,18
Kap
Heliodor, der vom König Seleukus gesandt worden war, um die Schatzkammer zu besichtigen; der wurde, als er eindrang, alsbald gegeißelt, sodass er von seinem frevelhaften Vorgehen ablassen musste. 19Denn der Herr hat das Volk nicht auserwählt um der Stätte willen, sondern die Stätte um des Volkes willen. 20Darum musste die heilige Stätte auch mit leiden, als das Volk im Unglück war, wie sie auch an den Wohltaten teilhatte, die dem Volk später erwiesen wurden. Denn wie die Stätte im Stich gelassen wurde, als der Allmächtige zürnte, so ist sie mit aller Herrlichkeit wieder zu Ehren gebracht worden, als Gott, der große Herrscher, seinem Volk wieder gnädig wurde.
5,20
Mi 3,12–4,2

21Als Antiochus nun achtzehnhundert Zentner Silber aus dem Tempel geraubt hatte, zog er eilends nach Antiochia; aus Hoffart und Überheblichkeit dachte er, er könnte schaffen, dass man auf dem Land mit Schiffen fahren könnte wie auf dem Meer und auf dem Meer gehen wie auf dem Land. 22Und er ließ Vögte zurück, die das Volk quälen sollten: in Jerusalem den Philippus, einen Phrygier, der noch ärger und wilder war als sein Herr; 23auf dem Garizim den Andronikus; neben den beiden aber Menelaus, der noch ärger als die andern sich über die Bürger erhob und gegen seine jüdischen Mitbürger feindselig gesinnt war.

Judas Makkabäus zieht sich in die Wüste zurück

(vgl. 1. Makk 1,30-39)

24Antiochus aber schickte den Erzbösewicht

5,24
1. Makk 3,10
Apollonius mit zweiundzwanzigtausend Mann ins Land und gebot ihm, er sollte alle erwachsenen Männer erschlagen, die Frauen aber und die jungen Leute verkaufen. 25Als er nun nach Jerusalem kam, stellte er sich friedlich bis zum heiligen Sabbattag; sobald er aber sah, dass die Juden nicht arbeiteten, befahl er seinen Leuten, sich zu rüsten. 26Als nun alle herauskamen, um zu sehen, was da werden würde, ließ er sie alle erstechen; dann stürmte er mit seinem Heer in die Stadt und erschlug eine große Zahl.

27Aber Judas, der auch Makkabäus heißt, machte sich mit neun andern davon in die Wildnis und ernährte sich im

5,27
1. Makk 2,28
Gebirge mit seinen Gefährten nach Art der Tiere von Kräutern, um nicht unter Unreinen leben zu müssen.

6

Antiochus IV. Epiphanes zwingt die Juden, als Heiden zu leben

(vgl. 1. Makk 1,43-56)

61Nicht lange danach sandte der König einen alten Mann von Athen, damit er die Juden dazu bringen sollte, dass sie von den Gesetzen ihrer Väter abfielen und nicht mehr nach Gottes Gesetzen lebten. 2Auch sollte er

6,2
1. Makk 1,57
den Tempel zu Jerusalem entweihen und ihn Tempel des Zeus Olympios nennen und den
6,2
Joh 4,20-24
auf dem Garizim Tempel des Zeus Xenios, weil gastfreie Leute dort wohnten.

3Aber das wüste Treiben nahm so überhand, dass es allen sehr wehtat. 4Denn die Heiden schwelgten und prassten im Tempel, gaben sich leichtfertig mit Dirnen ab und sogar im heiligen Bezirk wohnten sie Frauen bei; auch trugen sie viel hinein, was sich nicht gehörte. 5

6,5-6
1. Makk 1,46-52
Dan 7,25
Man opferte auf dem Altar Opfer, die in den Gesetzen verboten sind; 6es war nicht mehr möglich, den Sabbat oder andere altgewohnte Feiertage zu halten, und niemand durfte bekennen, dass er ein Jude wäre; 7vielmehr trieb man die Juden mit roher Gewalt alle Monate zum Opferschmaus, wenn der König seinen Geburtstag feierte. Wenn man aber das Fest des Dionysos beging, zwang man sie, dass sie mit Kränzen von Efeu dem Dionysos zu Ehren einherziehen mussten.

8Man hatte auch auf Anraten des

6,8
1. Makk 3,38
Ptolemäus an die benachbarten griechischen Städte ein Gebot ausgehen lassen, sie sollten die Juden ebenso zum Opferschmaus zwingen; 9wenn aber jemand darauf bestehen würde, nicht zu den griechischen Sitten überzugehen, den sollte man niedermachen. Da sah man, welch großer Jammer sich eingestellt hatte. 10Zwei Frauen nämlich wurden vorgeführt, weil sie ihre Söhne beschnitten hatten. Denen
6,10
1. Makk 1,63-64
band man die Kindlein an die Brust und führte sie öffentlich herum durch die ganze Stadt und warf sie zuletzt über die Mauer hinab. 11Einige Männer hatten sich in den nahen Höhlen zusammengefunden, um heimlich den Sabbat zu halten. Als das Philippus angezeigt wurde, verbrannte man sie; denn
6,11
1. Makk 2,31-38
sie wollten sich nicht wehren, damit sie sich nicht gegen den hochheiligen Tag vergingen.

Der Sinn der Leiden des jüdischen Volkes

12

6,12-17
Spr 3,11-12
Ich möchte aber hier den Leser ermahnen, sich durch diesen Jammer nicht entmutigen zu lassen, sondern zu bedenken, dass unserm Volk Strafen nicht zum Verderben, sondern zur Erziehung widerfahren. 13Denn das ist ein Zeichen großer Gnade, wenn Gott die Sünder nicht lange Zeit gewähren lässt, sondern sie bald der Strafe anheimgibt. 14Denn unser Herrscher sieht uns nicht so langmütig zu wie den andern Völkern, die er hingehen lässt, bis sie das Maß ihrer Sünden erfüllt haben, und sie dann bestraft; sondern er wehrt uns, dass wir’s nicht so weit treiben mit unsern Sünden und er uns zuletzt vernichtend bestrafen müsste. 15Deshalb nimmt er seine Barmherzigkeit nie ganz von uns; und wenn er uns durch ein Unglück erzieht,
6,15
Kap
lässt er doch sein Volk nie im Stich. 16Das sei gesagt, damit wir daran denken. 17Nun aber wollen wir rasch wieder auf die Geschichte kommen.

Der greise Eleasar gibt ein Beispiel tapferen Sterbens

18Eleasar war einer der angesehensten Schriftgelehrten, ein schon betagter und sehr schöner Mann; dem sperrte man mit Gewalt den Mund auf,

6,18
3. Mose 11,7
weil er Schweinefleisch essen sollte. 19Aber er wollte lieber in Ehren sterben als in Schande leben und spie es aus 20und ging freiwillig zur Marter, wie es sich ziemt für die, die sich standhaft weigern, aus Liebe zum zeitlichen Leben
6,20
Dan 1,8
Verbotenes zu essen.

21Weil nun die Männer, die zur Aufsicht beim gesetzwidrigen Opferschmaus bestellt waren, ihn seit langer Zeit gekannt hatten, nahmen sie ihn beiseite und redeten ihm zu, er sollte sich Fleisch besorgen, das er essen dürfte, und es selbst zubereiten; er sollte aber so tun, als wäre es das vom König befohlene Opferfleisch, 22damit er so am Leben bleiben und wegen der alten Freundschaft mit ihnen Freundlichkeit erfahren könnte.

23Aber er dachte so edel, wie es seinen hohen Jahren, dem Ansehen seines Greisenalters und seinem in Ehren ergrauten Haupt wohl anstand, auch seinem untadeligen Wandel von Jugend auf; und mehr noch: er folgte der heiligen Gesetzgebung Gottes und sagte sogleich geradeheraus: Schickt mich nur immer unter die Erde! 24Denn es will meinem Alter übel anstehen, dass ich heuchle, sodass viele von den Jungen denken müssen: Eleasar, der nun neunzig Jahre alt ist, sei auch zum Heiden geworden, 25und sie durch mich verführt werden, weil ich vor den Leuten heuchle und so mein Leben noch eine winzig kleine Zeit friste. Das wäre für mein Alter Schimpf und Schande. 26Wenn ich auch jetzt der Strafe der Menschen entgehen würde, so werde ich doch den

6,26
Ps 139,7-10
Hebr 10,31
Händen des Allmächtigen, ich sei lebendig oder tot, nicht entfliehen können. 27Darum will ich jetzt tapfer sterben, wie es mir altem Mann wohl ansteht, 28und den Jungen
6,28
Dan 12,3
ein gutes Beispiel hinterlassen, damit auch sie freudig und tapfer um der erhabenen, heiligen Gesetze willen einen guten Tod sterben.

29Als er diese Worte gesagt hatte, ging er sogleich zur Marter. Die ihn aber führten und ihm kurz vorher freundlich gewesen waren, wurden ihm jetzt feind um solcher Worte willen; denn sie meinten, er hätte sie aus Trotz gesagt. 30Als sie ihn aber geschlagen hatten und er dem Tode nahe war, seufzte er und sprach: Der Herr, der die heilige Erkenntnis hat, der weiß, dass ich die Schläge und großen Schmerzen, die ich an meinem

6,30
Mt 10,28
Leibe ertrage, und den Tod wohl hätte umgehen können, dass ich sie aber der Seele nach gern erleide, weil ich Gott fürchte. 31Und so ist er verschieden und hat mit seinem Tod ein Beispiel edler Gesinnung hinterlassen, das nicht allein die Jugend, sondern alle zur Tapferkeit mahnen soll.