Lutherbibel 1984 (LU84)
10

101Da nahm Samuel den Krug mit Öl und goss es auf sein Haupt und küsste ihn und sprach: Siehe, der HERR hat dich zum Fürsten über sein Erbteil gesalbt. 2Wenn du jetzt von mir gehst, so wirst du zwei Männer finden bei dem

10,2
1. Mose 35,19
Grabe Rahels an der Grenze Benjamins bei Zelzach; die werden zu dir sagen: Die Eselinnen sind gefunden, die du zu suchen ausgezogen bist; aber siehe, dein Vater hat die Esel nicht mehr im Sinn und sorgt sich um euch und spricht: Was soll ich wegen meines Sohnes tun?

3Und wenn du von da weitergehst, wirst du zur Eiche Tabor kommen; dort werden dich drei Männer treffen, die hinaufgehen zu Gott nach Bethel. Einer trägt drei Böcklein, der andere drei Brote, der dritte einen Krug mit Wein. 4Und sie werden dich freundlich grüßen und dir zwei Brote geben. Die sollst du von ihren Händen annehmen. 5Danach wirst du nach Gibea Gottes kommen, wo die Wache der Philister ist; und wenn du dort in die Stadt kommst, wird dir eine Schar von Propheten begegnen, die von der Höhe herabkommen, und vor ihnen her Harfe und Pauke und Flöte und Zither und sie werden in Verzückung sein. 6Und der

10,6
Ri 13,25
Geist des HERRN wird über dich kommen, dass du mit ihnen in Verzückung gerätst; da wirst du umgewandelt und ein anderer Mensch werden. 7Wenn bei dir nun diese Zeichen eintreffen, so tu, was dir vor die Hände kommt; denn Gott ist mit dir. 8Du sollst aber vor mir hinabgehen nach Gilgal; siehe, da will ich zu dir hinabkommen, um Brandopfer und Dankopfer zu opfern.
10,8
Kap
Sieben Tage sollst du warten, bis ich zu dir komme und dir kundtue, was du tun sollst.

9Und als Saul sich wandte, um von Samuel wegzugehen, gab ihm Gott ein anderes Herz, und alle diese Zeichen trafen ein an demselben Tag. 10

10,10-12
Kap
Und als sie nach Gibea kamen, siehe, da kam ihm eine Prophetenschar entgegen, und der Geist Gottes geriet über ihn, dass er mit ihnen in Verzückung geriet. 11Als sie sahen, dass er mit den Propheten in Verzückung war, sprachen alle, die ihn früher gekannt hatten, untereinander: Was ist mit dem Sohn des Kisch geschehen? Ist Saul auch unter den Propheten? 12Und einer von dort sprach: Wer ist denn schon ihr Vater? Daher ist das Sprichwort gekommen: Ist Saul auch unter den Propheten?

13Und als seine Verzückung aufgehört hatte, kam er nach Gibea. 14Es sprach aber Sauls Oheim zu ihm und zu seinem Knecht: Wo seid ihr hingegangen? Er antwortete: Die Eselinnen zu suchen; und als wir sahen, dass sie nicht da waren, gingen wir zu Samuel. 15Da sprach der Oheim Sauls: Sage mir, was sagte euch Samuel? 16Saul antwortete seinem Oheim: Er sagte uns, dass die Eselinnen gefunden seien. Aber was Samuel von dem Königtum gesagt hatte, sagte er ihm nicht.

Saul wird als König anerkannt

17Samuel aber rief das Volk zusammen zum HERRN nach

10,17
Kap
Mizpa 18und sprach zu den Israeliten: So sagt der HERR, der Gott Israels: Ich habe Israel aus Ägypten geführt und euch aus der Hand der Ägypter errettet und aus der Hand aller Königreiche, die euch bedrängten. 19Ihr aber habt heute
10,19
Kap
euren Gott verworfen, der euch aus aller eurer Not und Bedrängnis geholfen hat, und habt gesprochen: Nein, setze vielmehr einen König über uns! Wohlan, so tretet nun vor den HERRN nach euren Stämmen und Tausendschaften! 20Als nun Samuel alle Stämme Israels herantreten ließ,
10,20
Kap
fiel das Los auf den Stamm Benjamin. 21Und als er den Stamm Benjamin herantreten ließ mit seinen Geschlechtern, fiel das Los auf das Geschlecht Matri, und als er das Geschlecht Matri herantreten ließ, Mann für Mann, fiel das Los auf Saul, den Sohn des Kisch. Und sie suchten ihn, aber sie fanden ihn nicht.

22Da befragten sie abermals den HERRN: Ist denn der Mann überhaupt hergekommen? Der HERR antwortete: Siehe, er hat sich bei dem Tross versteckt. 23Da liefen sie hin und holten ihn von dort. Und als er unter das Volk trat, war er eines Hauptes länger als alles Volk. 24Und Samuel sprach zu allem Volk: Da seht ihr, wen der HERR erwählt hat; ihm ist keiner gleich im ganzen Volk. Da

10,24
Mt 21,9
jauchzte das ganze Volk und sprach: Es lebe der König! 25Samuel aber tat dem Volk
10,25
5. Mose 17,14-20
das Recht des Königtums kund und schrieb’s in ein Buch und legte es vor dem HERRN nieder. Und Samuel entließ das ganze Volk, einen jeden in sein Haus.

26Auch Saul ging heim nach Gibea und mit ihm gingen die vom Heer, denen Gott das Herz gerührt hatte. 27Aber einige ruchlose Leute sprachen:

10,27
Kap
Was soll der uns helfen? Und sie verachteten ihn und brachten ihm kein Geschenk. Aber er tat, als hörte er’s nicht.

11

Sauls Sieg über die Ammoniter

111Es zog aber herauf Nahasch, der Ammoniter, und belagerte

11,1
Kap
Jabesch in Gilead. Und alle Männer von Jabesch sprachen zu Nahasch: Schließ einen Bund mit uns, so wollen wir dir untertan sein. 2Aber Nahasch, der Ammoniter, antwortete ihnen: Das soll der Bund sein, den ich mit euch schließen will, dass ich euch allen das rechte Auge aussteche und bringe damit Schmach über ganz Israel. 3Da sprachen zu ihm die Ältesten von Jabesch: Gib uns sieben Tage, dass wir Boten in das ganze Gebiet Israels senden; ist dann niemand da, der uns rette, so wollen wir zu dir hinausgehen.

4Da kamen die Boten nach Gibea Sauls und sagten diese Worte vor den Ohren des Volks. Da erhob das ganze Volk seine Stimme und weinte. 5Und siehe, da kam Saul vom Felde hinter den Rindern her und fragte: Was ist mit dem Volk, dass es weint? Da berichteten sie ihm die Worte der Männer von Jabesch. 6Da geriet der

11,6
Ri 13,25
Geist Gottes über Saul, als er diese Worte hörte, und sein Zorn entbrannte sehr. 7Und er nahm ein Paar Rinder und
11,7
Ri 19,29
zerstückte sie und sandte davon in das ganze Gebiet Israels durch die Boten und ließ sagen: Wer nicht mit Saul und Samuel auszieht, mit dessen Rindern soll man ebenso tun. Da fiel der Schrecken des HERRN auf das Volk, sodass sie auszogen wie ein Mann. 8Und er musterte sie bei Besek und die von Israel waren dreihunderttausend Mann und die Männer Judas dreißigtausend.

9Und er sagte den Boten, die gekommen waren: So sagt den Männern von Jabesch in Gilead: Morgen soll euch Hilfe werden, wenn die Sonne beginnt, heiß zu scheinen. Als die Boten heimkamen und das den Männern von Jabesch verkündeten, wurden diese froh. 10Und die Männer von Jabesch ließen den Ammonitern sagen: Morgen wollen wir zu euch hinausgehen, dass ihr mit uns alles tut, was euch gefällt. 11Aber am andern Morgen teilte Saul das Volk in drei Heerhaufen, und sie kamen ins Lager um die Zeit der Morgenwache und schlugen die Ammoniter, bis der Tag heiß wurde; die aber übrig blieben, wurden zerstreut, sodass von ihnen nicht zwei beieinanderblieben.

12Da sprach das Volk zu Samuel: Wer sind die, die gesagt haben:

11,12
Kap
Sollte Saul über uns herrschen? Gebt sie her, die Männer, dass wir sie töten. 13Saul aber sprach: Es soll an diesem Tage niemand sterben; denn
11,13
Kap
der HERR hat heute Heil gegeben in Israel.

14Samuel sprach zum Volk: Kommt, lasst uns nach

11,14
Kap
Gilgal gehen und dort das Königtum erneuern. 15Da ging das ganze Volk nach Gilgal, und sie machten Saul dort zum König vor dem HERRN in Gilgal und opferten Dankopfer vor dem HERRN. Saul aber und alle Männer Israels freuten sich dort gar sehr.

12

Samuel legt sein Richteramt nieder

121Da sprach Samuel zu ganz Israel: Siehe, ich

12,1
Kap
habe eurer Stimme gehorcht in allem, was ihr mir gesagt habt, und
12,1
Kap
habe einen König über euch gesetzt. 2Siehe, nun wird euer König vor euch herziehen; ich aber bin alt und grau geworden und meine Söhne sind bei euch. Ich bin vor euch hergegangen von meiner Jugend an bis auf diesen Tag. 3Hier stehe ich. Nun tretet gegen mich auf vor dem HERRN und seinem Gesalbten!
12,3
4. Mose 16,15
Wessen Rind oder Esel hab ich genommen, wem hab ich Gewalt oder Unrecht getan? Aus wessen Hand hab ich ein Geschenk angenommen, um mir damit die Augen blenden zu lassen? Ich will’s euch zurückgeben. 4Sie sprachen: Du hast uns weder Gewalt noch Unrecht getan und von niemand etwas genommen. 5Er sprach zu ihnen: Der HERR ist euch gegenüber Zeuge und heute auch sein Gesalbter, dass ihr nichts in meiner Hand gefunden habt. Sie sprachen: Ja, Zeuge sollen sie sein.

6Und Samuel sprach zum Volk: Der HERR ist’s, der Mose und Aaron eingesetzt und eure Väter aus Ägyptenland geführt hat. 7So tretet nun her, dass ich mit euch rechte vor dem HERRN wegen aller Wohltaten des HERRN, die er an euch und euren Vätern getan hat. 8Als Jakob nach Ägypten gekommen war,

12,8
2. Mose 3,7
schrien eure Väter zu dem HERRN, und der HERR sandte Mose und Aaron, um eure Väter aus Ägypten zu führen und sie in diesem Land wohnen zu lassen. 9Aber als sie den HERRN, ihren Gott, vergaßen, verkaufte er sie in die Hand
12,9
Ri 4,2
Siseras, des Feldhauptmanns von Hazor, und in die Hand der
12,9
Ri 10,7
13,1
Philister und in die Hand des
12,9
Ri 3,12
Königs von Moab; die kämpften gegen sie. 10Und sie schrien zum HERRN und sprachen:
12,10
4. Mose 21,7
Jos 7,20
Ri 10,10
Dan 9,9-19
Wir haben gesündigt, dass wir den HERRN verlassen und den Baalen und den Astarten gedient haben; nun aber errette uns aus der Hand unserer Feinde, so wollen wir dir dienen. 11Da sandte der HERR
12,11
Ri 6,1432
Jerubbaal,
12,11
Ri 4,6
Barak,
12,11
Ri 11,29
Jeftah und
12,11
Kap
Samuel und errettete euch aus der Hand eurer Feinde ringsum und ließ euch sicher wohnen.

12Als ihr aber saht, dass

12,12
Kap
Nahasch, der König der Ammoniter, gegen euch zog, spracht ihr zu mir: Nein, sondern
12,12
Kap
ein König soll über uns herrschen, obwohl doch der HERR, euer Gott, euer König ist. 13Nun, da ist euer König, den ihr erwählt und erbeten habt; denn siehe, der HERR hat einen König über euch gesetzt. 14Möchtet ihr doch den HERRN fürchten und ihm dienen und seiner Stimme gehorchen und dem Munde des HERRN nicht ungehorsam sein, und möchtet ihr und euer König, der über euch herrscht, dem HERRN, eurem Gott, folgen! 15Werdet ihr aber der Stimme des HERRN nicht gehorchen, sondern seinem Munde ungehorsam sein, so wird die
12,15
Ri 2,15
Hand des HERRN gegen euch sein wie gegen eure Väter.

16So tretet nun herzu und seht, was der HERR Großes vor euren Augen tun wird. 17Ist nicht jetzt die Weizenernte? Ich will aber den HERRN anrufen, dass er soll donnern und regnen lassen, damit ihr innewerdet und seht, dass ihr getan habt, was dem HERRN missfiel, als ihr euch einen König erbeten habt. 18Und als Samuel den HERRN anrief, ließ der HERR donnern und regnen an demselben Tage. Da fürchtete das ganze Volk den HERRN und Samuel gar sehr 19und sprach zu Samuel: Bitte für deine Knechte den HERRN, deinen Gott, dass wir nicht sterben; denn zu allen unsern Sünden haben wir noch das Unrecht getan, dass wir uns einen König erbeten haben.

20Samuel aber sprach zum Volk: Fürchtet euch nicht! Ihr habt zwar all das Unrecht getan, doch weicht nicht vom HERRN ab, sondern dient dem HERRN von ganzem Herzen 21und folgt nicht den nichtigen Götzen nach; denn

12,21
5. Mose 32,37-38
sie nützen nicht und können nicht erretten, weil sie
12,21
Jes 41,29
nichtig sind. 22Der HERR verstößt sein Volk nicht um seines großen Namens willen; denn es hat dem HERRN gefallen,
12,22
2. Mose 19,6
euch zu seinem Volk zu machen. 23Es sei aber auch ferne von mir, mich an dem HERRN dadurch zu versündigen, dass ich davon abließe,
12,23
Kap
für euch zu beten und euch zu lehren den guten und richtigen Weg! 24Nur
12,24
5. Mose 6,12-15
fürchtet den HERRN und dient ihm treu von ganzem Herzen; denn seht doch, wie große Dinge er an euch getan hat. 25Werdet ihr aber Unrecht tun, so werdet ihr und euer König verloren sein.