Lutherbibel 1984 (LU84)
13

Das Hohelied der Liebe

131Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. 2Und wenn ich

13,2
Mt 7,22
prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und
13,2
Mt 17,20
hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. 3Und
13,3
Mt 6,2
wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen13,3 Alte wichtige Textzeugen haben: »und meinen Leib hingäbe, um Ruhm zu gewinnen«. und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.

4Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, 5sie verhält sich nicht ungehörig, sie

13,5
Phil 2,4
sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, 6sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit;
13,6
Röm 12,9
7sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
13,7
Spr 10,12
Mt 18,21-22
Röm 15,1

8Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. 9Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. 10Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.

11Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. 12Wir

13,12
4. Mose 12,8
2. Kor 5,7
sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen,
13,12
Kap
wie ich erkannt bin.

13Nun aber bleiben

13,13
1. Thess 1,3
Glaube, Hoffnung,
13,13
1. Joh 4,16
Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

14

Zungenrede und prophetische Rede

141Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber um die Gabe der prophetischen Rede! 2Denn wer

14,2
Apg 2,4
10,46
in Zungen14,2 Siehe Sach- und Worterklärungen zu »Zungenrede«. redet, der redet nicht für Menschen, sondern für Gott; denn niemand versteht ihn, vielmehr redet er im Geist von Geheimnissen. 3Wer aber prophetisch redet, der redet den Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung. 4Wer in Zungen redet, der erbaut sich selbst; wer aber prophetisch redet, der erbaut die Gemeinde. 5Ich wollte,
14,5
Kap
dass ihr alle in Zungen reden könntet; aber noch viel mehr, dass ihr prophetisch reden könntet. Denn wer prophetisch redet, ist größer als der, der in Zungen redet; es sei denn, er legt es auch aus, damit die Gemeinde dadurch erbaut werde.

6Nun aber, liebe Brüder, wenn ich zu euch käme und redete in Zungen, was würde ich euch nützen, wenn ich nicht mit euch redete in Worten der Offenbarung oder der

14,6
Kap
Erkenntnis oder der Prophetie oder der Lehre? 7Verhält sich’s doch auch so mit leblosen Dingen, die Töne hervorbringen, es sei eine Flöte oder eine Harfe: wenn sie nicht unterschiedliche Töne von sich geben, wie kann man erkennen, was auf der Flöte oder auf der Harfe gespielt wird? 8Und wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zum Kampf rüsten? 9So auch ihr: wenn ihr in Zungen redet und nicht mit deutlichen Worten, wie kann man wissen, was gemeint ist? Ihr werdet in den Wind reden. 10Es gibt so viele Arten von Sprache in der Welt und nichts ist ohne Sprache. 11Wenn ich nun die Bedeutung der Sprache nicht kenne, werde ich den nicht verstehen, der redet, und der redet, wird mich nicht verstehen.

12So auch ihr: da ihr euch bemüht um die Gaben des Geistes, so trachtet danach, dass ihr die Gemeinde erbaut und alles reichlich habt. 13Wer also in Zungen redet, der bete, dass er’s auch auslegen könne.

14,13
Kap
14Denn wenn ich in Zungen bete, so betet mein Geist; aber was ich im Sinn habe, bleibt ohne Frucht. 15Wie soll es denn nun sein? Ich will beten mit dem Geist und will auch beten mit dem Verstand; ich will
14,15
Eph 5,19
Psalmen singen mit dem Geist und will auch Psalmen singen mit dem Verstand. 16Wenn du Gott lobst im Geist, wie soll der, der als Unkundiger dabeisteht, das Amen sagen auf dein Dankgebet, da er doch nicht weiß, was du sagst? 17Dein Dankgebet mag schön sein; aber der andere wird dadurch nicht erbaut.

18Ich danke Gott, dass ich mehr in Zungen rede als ihr alle. 19Aber ich will in der Gemeinde lieber fünf Worte reden mit meinem Verstand, damit ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte in Zungen.

20Liebe Brüder, seid nicht

14,20
Eph 4,14
Kinder, wenn es ums Verstehen geht; sondern seid Kinder, wenn es um Böses geht; im Verstehen aber seid vollkommen. 21Im Gesetz steht geschrieben (Jes 28,11-12): »Ich will in andern Zungen und mit andern Lippen reden zu diesem Volk, und sie werden mich auch so nicht hören, spricht der Herr.« 22Darum ist die Zungenrede ein Zeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen; die prophetische Rede aber ein Zeichen nicht für die Ungläubigen, sondern für die Gläubigen.

23Wenn nun die ganze Gemeinde an einem Ort zusammenkäme und alle redeten in Zungen, es kämen aber Unkundige oder Ungläubige hinein, würden sie nicht sagen, ihr seid von Sinnen? 24Wenn sie aber alle prophetisch redeten und es käme ein Ungläubiger oder Unkundiger hinein, der würde von allen geprüft und von allen überführt; 25

14,25
Joh 16,8
was in seinem Herzen verborgen ist, würde offenbar, und so würde er niederfallen auf sein Angesicht, Gott anbeten und bekennen, dass Gott wahrhaftig unter euch ist.

26Wie ist es denn nun, liebe Brüder? Wenn ihr zusammenkommt,

14,26
Kap
so hat ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Zungenrede, er hat eine Auslegung. Lasst es alles geschehen
14,26
Eph 4,12
zur Erbauung! 27Wenn jemand in Zungen redet, so seien es zwei oder höchstens drei und einer nach dem andern; und einer lege es aus. 28Ist aber kein Ausleger da, so schweige er in der Gemeinde und rede für sich selber und für Gott. 29Auch von den Propheten lasst zwei oder drei reden, und die andern lasst
14,29
Apg 17,11
1. Thess 5,21
darüber urteilen. 30Wenn aber einem andern, der dabeisitzt, eine Offenbarung zuteilwird, so schweige der Erste. 31Ihr könnt alle prophetisch reden, doch einer nach dem andern, damit alle lernen und alle ermahnt werden. 32Die Geister der Propheten sind den Propheten untertan. 33Denn Gott ist nicht ein Gott der
14,33
Unordnung, sondern des Friedens.

Wie in allen Gemeinden der Heiligen 34sollen

14,34
1. Tim 2,11-12
die Frauen schweigen in der Gemeindeversammlung; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern
14,34
1. Mose 3,16
sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. 35Wollen sie aber etwas lernen, so sollen sie daheim ihre Männer fragen. Es steht der Frau schlecht an, in der Gemeinde zu reden. 36Oder ist das Wort Gottes von euch ausgegangen? Oder ist’s allein zu euch gekommen?

37Wenn einer meint, er sei ein Prophet oder vom Geist erfüllt,

14,37
1. Joh 4,6
der erkenne, dass es des Herrn Gebot ist, was ich euch schreibe. 38Wer aber das nicht anerkennt, der wird auch nicht anerkannt. 39Darum, liebe Brüder, bemüht euch um die prophetische Rede und wehrt nicht der Zungenrede. 40Lasst aber alles ehrbar und
14,40
Kol 2,5
ordentlich zugehen.

15

Von der Auferstehung

(Kapitel 15,1-58)

Das Zeugnis von der Auferstehung Christi

151Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, 2durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr’s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt.

3Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden

15,3
Jes 53,12
nach der Schrift; 4und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage
15,4
Hos 6,2
Lk 24,2744-46
nach der Schrift; 5und dass er
15,5
Lk 24,34
gesehen worden ist von Kephas,
15,5
Joh 20,1926
danach von den Zwölfen.

6Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. 7Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach

15,7
Lk 24,50
von allen Aposteln. 8Zuletzt von allen ist er
15,8
Kap
auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. 9Denn
15,9
Eph 3,8
ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße,
15,9
Apg 8,3
weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. 10Aber
15,10
2. Kor 11,523
durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. 11Es sei nun ich oder jene: so predigen wir und so habt ihr geglaubt.

Gegen die Leugnung der Auferstehung der Toten

12Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten? 13Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. 14Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. 15Wir würden dann auch als falsche

15,15
Apg 1,22
Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten, er habe Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen. 16Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. 17Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden; 18so sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren. 19Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.

Christus ist auferstanden

20Nun aber

15,20
Kap
ist Christus auferstanden von den Toten als
15,20
Kol 1,18
Erstling unter denen, die entschlafen sind. 21Denn da durch einen Menschen
15,21
1. Mose 3,17-19
der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.
15,21
Röm 5,18
22Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden. 23Ein jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus;
15,23
1. Thess 4,16-17
danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören; 24danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er
15,24
Röm 8,38
alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat.

25Denn er muss herrschen, bis Gott ihm

15,25
Mt 22,44
»alle Feinde unter seine Füße legt« (Ps 110,1). 26Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.
15,26
Offb 20,14
21,4
27Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Ps 8,7). Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. 28Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem.

Leben aus der Auferstehung

29Was soll es sonst, dass sich einige für die Toten taufen lassen? Wenn die Toten gar nicht auferstehen, was lassen sie sich dann für sie taufen? 30Und was stehen wir dann jede Stunde in Gefahr?

15,30
Röm 8,36
Gal 5,11
31So wahr ihr, liebe Brüder, mein Ruhm seid, den ich in Christus Jesus, unserm Herrn, habe:
15,31
2. Kor 4,10
Ich sterbe täglich. 32Habe ich nur im Blick auf dieses Leben in Ephesus mit wilden Tieren gekämpft, was hilft’s mir? Wenn die Toten nicht auferstehen, dann »lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot!« (Jesaja 22,13) 33Lasst euch nicht verführen! Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten. 34Werdet doch einmal recht
15,34
1. Thess 5,8
nüchtern und sündigt nicht! Denn einige wissen nichts von Gott; das sage ich euch zur Schande.

Der neue Leib bei der Auferstehung

35Es könnte aber jemand fragen: Wie werden die Toten auferstehen und mit was für einem Leib werden sie kommen? 36Du Narr: Was du säst, wird nicht lebendig,

15,36
Joh 12,24
wenn es nicht stirbt. 37Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem. 38Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, einem jeden Samen seinen eigenen Leib. 39Nicht alles Fleisch ist das gleiche Fleisch, sondern ein anderes Fleisch haben die Menschen, ein anderes das Vieh, ein anderes die Vögel, ein anderes die Fische. 40Und es gibt himmlische Körper und irdische Körper; aber eine andere Herrlichkeit haben die himmlischen und eine andere die irdischen. 41Einen andern Glanz hat die Sonne, einen andern Glanz hat der Mond, einen andern Glanz haben die Sterne; denn ein Stern unterscheidet sich vom andern durch seinen Glanz.

42So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 43Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in

15,43
Phil 3,21
Kol 3,4
Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft. 44Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib. 45Wie geschrieben steht: Der erste Mensch, Adam, »wurde zu einem lebendigen Wesen« (1. Mose 2,7), und der letzte Adam zum
15,45
2. Kor 3,17
Geist, der lebendig macht.

46Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche; danach der geistliche. 47Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der zweite Mensch ist vom Himmel. 48Wie der irdische ist, so sind auch die irdischen; und wie der himmlische ist, so sind auch die himmlischen. 49Und wie wir getragen haben

15,49
1. Mose 5,3
das Bild des irdischen, so werden wir auch tragen das Bild des himmlischen.

Verwandlung der Gläubigen und Sieg über den Tod

50Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. 51Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen,

15,51
1. Thess 4,15-17
wir werden aber alle verwandelt werden; 52und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn
15,52
Mt 24,31
es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. 53Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit.
15,53
2. Kor 5,4

54Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jes 25,8; Hos 13,14): »Der Tod ist verschlungen vom Sieg. 55Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?«15,55 Luther übersetzte die Verse 54b-55 nach anderer Überlieferung: »Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?« 56Der Stachel des Todes aber ist die Sünde,

15,56
Röm 7,81113
die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. 57Gott aber sei Dank, der uns den
15,57
1. Joh 5,4
Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!

58Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.