Lutherbibel 1984 (LU84)
9

Recht und Freiheit des Apostels

91Bin ich nicht frei? Bin ich nicht ein Apostel?

9,1
Kap
Habe ich nicht unsern Herrn Jesus gesehen? Seid nicht ihr mein Werk in dem Herrn? 2Bin ich für andere kein Apostel, so bin ich’s doch für euch; denn
9,2
Kap
das Siegel meines Apostelamts seid ihr in dem Herrn. 3Denen, die mich verurteilen, antworte ich so: 4Haben wir nicht das Recht, zu essen und zu trinken?
9,4
Lk 10,8
5Haben wir nicht auch das Recht, eine Schwester als Ehefrau mit uns zu führen wie die andern Apostel und die Brüder des Herrn und
9,5
Mt 8,14
Joh 1,42
Kephas? 6Oder haben allein ich und
9,6
Apg 4,36
Barnabas nicht das Recht, nicht zu
9,6
2. Thess 3,7-9
arbeiten?

7Wer zieht denn in den Krieg und zahlt sich selbst den Sold? Wer pflanzt einen Weinberg und isst nicht von seiner Frucht? Oder wer weidet eine Herde und nährt sich nicht von der Milch der Herde? 8Rede ich das nach menschlichem Gutdünken? Sagt das nicht auch das Gesetz? 9Denn im Gesetz des Mose steht geschrieben (5. Mose 25,4):

9,9
1. Tim 5,18
»Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden.« Sorgt sich Gott etwa um die Ochsen? 10Oder redet er nicht überall um unsertwillen? Ja, um unsertwillen ist es geschrieben: Wer pflügt, soll auf Hoffnung pflügen; und wer drischt, soll in der Hoffnung dreschen, dass er seinen Teil empfangen wird. 11Wenn wir euch zugut Geistliches säen, ist es dann zu viel, wenn wir Leibliches von euch ernten?
9,11
Röm 15,27
12Wenn andere dieses Recht an euch haben, warum nicht viel mehr wir? Aber
9,12
Apg 20,33-35
2. Kor 11,9
wir haben von diesem Recht nicht Gebrauch gemacht, sondern wir ertragen alles, damit wir nicht dem Evangelium von Christus ein Hindernis bereiten. 13Wisst ihr nicht, dass,
9,13
4. Mose 18,18-1931
5. Mose 18,1-3
die im Tempel dienen, vom Tempel leben, und die am Altar dienen, vom Altar ihren Anteil bekommen? 14So hat auch der Herr befohlen, dass, die das Evangelium verkündigen, sich vom Evangelium nähren sollen.
9,14
Lk 10,7
Gal 6,6

15Ich aber habe

9,15
Apg 18,3
von alledem keinen Gebrauch gemacht. Ich schreibe auch nicht deshalb davon, damit es nun mit mir so gehalten werden sollte. Lieber würde ich sterben – nein, meinen Ruhm soll niemand zunichtemachen! 16Denn dass ich das Evangelium predige, dessen darf ich mich nicht rühmen; denn ich muss es tun. Und
9,16
Jer 20,9
wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte! 17Täte ich’s aus eigenem Willen, so erhielte ich Lohn. Tue ich’s aber nicht aus eigenem Willen, so
9,17
Kap
ist mir doch das Amt anvertraut. 18Was ist denn nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium predige ohne Entgelt und von meinem Recht am Evangelium nicht Gebrauch mache.

19Denn obwohl ich frei bin von jedermann,

9,19
Mt 20,27
Röm 15,2
habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, damit ich möglichst viele gewinne. 20
9,20-22
Kap
Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden – obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin –, damit ich die, die unter dem Gesetz sind, gewinne. 21Denen, die ohne Gesetz sind,
9,21
Gal 2,3
bin ich wie einer ohne Gesetz geworden – obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin in dem Gesetz Christi –, damit ich die, die ohne Gesetz sind, gewinne. 22Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden,
9,22
Röm 11,14
damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette. 23Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben.

24Wisst ihr nicht, dass die, die

9,24
2. Tim 4,7
in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den
9,24
Phil 3,14
Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. 25
9,25
2. Tim 2,4-5
Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen
9,25
1. Petr 5,4
unvergänglichen. 26Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, 27sondern
9,27
Röm 13,14
ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.

10

Das warnende Beispiel Israels

101Ich will euch aber, liebe Brüder, nicht in Unwissenheit darüber lassen, dass unsre Väter alle

10,1
2. Mose 13,21
unter der Wolke gewesen und alle
10,1
2. Mose 14,22
durchs Meer gegangen sind; 2und alle sind auf Mose getauft worden durch die Wolke und durch das Meer 3und haben alle dieselbe geistliche Speise gegessen
10,3
2. Mose 16,435
5. Mose 8,3
4und haben alle denselben geistlichen Trank getrunken; sie tranken nämlich von dem geistlichen
10,4
2. Mose 17,6
Felsen, der ihnen folgte; der Fels aber war Christus. 5Aber an den meisten von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie wurden in der Wüste erschlagen.
10,5
4. Mose 14,22-32

6Das ist aber geschehen uns zum Vorbild, damit wir nicht am Bösen unsre Lust haben,

10,6
4. Mose 11,4
wie jene sie hatten. 7Werdet auch nicht Götzendiener, wie einige von ihnen es wurden, wie geschrieben steht (2. Mose 32,6): »Das Volk setzte sich nieder, um zu essen und zu trinken, und stand auf, um zu tanzen.« 8Auch lasst uns nicht Hurerei treiben,
10,8
4. Mose 25,19
wie einige von ihnen Hurerei trieben: und an einem einzigen Tag kamen dreiundzwanzigtausend um. 9Lasst uns auch nicht Christus versuchen, wie einige von ihnen ihn versuchten und
10,9
4. Mose 21,4-6
wurden von den Schlangen umgebracht. 10Murrt auch nicht, wie einige von ihnen murrten und wurden umgebracht durch den Verderber.
10,10
4. Mose 14,235-36
Hebr 3,1117
11Dies widerfuhr ihnen als ein Vorbild. Es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf die
10,11
1. Petr 4,7
das Ende der Zeiten gekommen ist.

12Darum, wer meint, er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle. 13Bisher hat euch nur menschliche Versuchung getroffen. Aber Gott ist treu,

10,13
Ps 68,20
2. Petr 2,9
der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr’s ertragen könnt.

Die Unvereinbarkeit von Abendmahl und Götzendienst

14Darum, meine Lieben, flieht den Götzendienst!

10,14
1. Joh 5,21
15Ich rede doch zu verständigen Menschen; beurteilt ihr, was ich sage. 16Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?
10,16
Kap
17Denn ein Brot ist’s: So
10,17
Kap
sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.

18Seht an das Israel nach dem Fleisch! Welche

10,18
3. Mose 7,6
die Opfer essen, stehen die nicht in der Gemeinschaft des Altars? 19Was will ich nun damit sagen? Dass das Götzenopfer etwas sei? Oder
10,19
Kap
dass der Götze etwas sei? 20Nein, sondern was man da opfert, das opfert man den bösen Geistern und nicht Gott. Nun will ich nicht, dass ihr in der Gemeinschaft der bösen Geister seid. 21Ihr könnt nicht zugleich den Kelch des Herrn trinken und den Kelch der bösen Geister; ihr könnt nicht zugleich am Tisch des Herrn teilhaben und am Tisch der bösen Geister.
10,21
Mt 6,24
2. Kor 6,15-16
22Oder wollen wir den Herrn herausfordern? Sind wir stärker als er?

Rücksicht auf das Gewissen

23Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf.

10,23
Kap
24Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.
10,24
Röm 15,2
Phil 2,4
25Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, das esst und forscht nicht nach, damit ihr das Gewissen nicht beschwert.
10,25
Röm 14,2-1022
26Denn »die Erde ist des Herrn und was darinnen ist« (Ps 24,1). 27Wenn euch einer von den Ungläubigen einlädt und ihr wollt hingehen, so esst alles, was euch vorgesetzt wird, und forscht nicht nach, damit ihr das Gewissen nicht beschwert. 28Wenn aber jemand zu euch sagen würde: Das ist
10,28
Kap
Opferfleisch, so esst nicht davon, um dessentwillen, der es euch gesagt hat, und damit ihr das Gewissen nicht beschwert. 29Ich rede aber nicht von deinem eigenen Gewissen, sondern von dem des andern. Denn warum sollte ich das Gewissen eines andern über meine Freiheit urteilen lassen? 30Wenn ich’s
10,30
1. Tim 4,4
mit Danksagung genieße, was soll ich mich dann wegen etwas verlästern lassen, wofür ich danke?

31Ob ihr nun esst oder trinkt oder was ihr auch tut, das tut alles zu Gottes Ehre.

10,31
Kol 3,17
32
10,32
Röm 14,13
Erregt keinen Anstoß, weder bei den Juden noch bei den Griechen noch bei der Gemeinde Gottes, 33so wie
10,33
Kap
auch ich jedermann in allem zu Gefallen lebe und suche nicht, was mir, sondern was vielen dient, damit sie gerettet werden.

11

111Folgt meinem Beispiel wie ich dem Beispiel Christi!

Die Frau im Gottesdienst

2Ich lobe euch, weil ihr in allen Stücken an mich denkt und an den Überlieferungen festhaltet, wie ich sie euch gegeben habe. 3Ich lasse euch aber wissen, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist;

11,3
1. Mose 3,16
Eph 5,23
der Mann aber ist das Haupt der Frau;
11,3
Kap
Gott aber ist das Haupt Christi. 4Ein jeder Mann, der betet oder prophetisch redet und hat etwas auf dem Haupt, der schändet sein Haupt. 5Eine Frau aber, die betet oder prophetisch redet mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt; denn es ist gerade so, als wäre sie geschoren. 6Will sie sich nicht bedecken, so soll sie sich doch das Haar abschneiden lassen! Weil es aber für die Frau eine Schande ist, dass sie das Haar abgeschnitten hat oder geschoren ist, soll sie das Haupt bedecken.

7Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. 8Denn der Mann ist nicht von der Frau, sondern

11,8
1. Mose 2,21-23
die Frau von dem Mann. 9Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern
11,9
1. Mose 2,18
die Frau um des Mannes willen. 10Darum soll die Frau eine Macht11,10 »Macht« bedeutet wohl »Schleier«. auf dem Haupt haben um der Engel willen. 11Doch in dem Herrn ist weder die Frau etwas ohne den Mann noch der Mann etwas ohne die Frau; 12denn wie die Frau von dem Mann, so kommt auch der Mann durch die Frau; aber alles von Gott.

13Urteilt bei euch selbst, ob es sich ziemt, dass eine Frau unbedeckt vor Gott betet. 14Lehrt euch nicht auch die Natur, dass es für einen Mann eine Unehre ist, wenn er langes Haar trägt, 15aber für eine Frau eine Ehre, wenn sie langes Haar hat? Das Haar ist ihr als Schleier gegeben. 16Ist aber jemand unter euch, der Lust hat, darüber zu streiten, so soll er wissen, dass wir diese Sitte nicht haben, die Gemeinden Gottes auch nicht.

Vom Abendmahl des Herrn

17Dies aber muss ich befehlen: Ich kann’s nicht loben, dass ihr nicht zu eurem Nutzen, sondern zu eurem Schaden zusammenkommt. 18Zum Ersten höre ich: Wenn ihr in der Gemeinde zusammenkommt, sind

11,18
Kap
Spaltungen unter euch; und zum Teil glaube ich’s. 19Denn
11,19
Mt 18,7
1. Joh 2,19
es müssen ja Spaltungen unter euch sein, damit die Rechtschaffenen unter euch offenbar werden. 20Wenn ihr nun zusammenkommt, so hält man da nicht das Abendmahl des Herrn. 21Denn ein jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg und der eine ist hungrig, der andere ist betrunken.
11,21
Jud 12
22Habt ihr denn nicht Häuser, wo ihr essen und trinken könnt? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und
11,22
Jak 2,5-6
beschämt die, die nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben? Hierin lobe ich euch nicht.

23

11,23-25
Mt 26,26-28
Mk 14,22-24
Lk 22,19-20
Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, 24dankte und brach’s und sprach: 11,24 Spätere Textzeugen haben entsprechend Mt 26,26 die Worte »Nehmet, esset« eingefügt.Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. 25Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund11,25 Luther übersetzte: »das neue Testament«. in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. 26Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn,
11,26
Mt 26,29
bis er kommt.

27Wer nun

11,27
unwürdig11,27 »Unwürdig«: d. h. in einer Weise, die die Heilstat Christi durch liebloses Verhalten missachtet (vgl. 11,21-22). von dem Brot isst oder aus dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig sein am Leib und Blut des Herrn. 28Der Mensch
11,28
Mt 26,22
prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch. 29Denn wer so isst und trinkt, dass er
11,29
Kap
den Leib des Herrn nicht achtet, der isst und trinkt sich selber zum Gericht. 30Darum sind auch viele Schwache und Kranke unter euch, und nicht wenige sind entschlafen. 31Wenn wir uns selber richteten, so würden wir nicht gerichtet. 32Wenn wir aber von dem Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt, damit wir nicht samt der Welt verdammt werden.
11,32
Spr 3,11-12

33Darum, meine lieben Brüder, wenn ihr zusammenkommt, um zu essen, so wartet aufeinander. 34Hat jemand Hunger, so esse er daheim, damit ihr nicht zum Gericht zusammenkommt.

Das andre will ich ordnen, wenn ich komme.

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