Lutherbibel 2017 (LU17)
7

Salomo empfängt und erfährt die Weisheit

71Auch ich bin ein sterblicher Mensch wie alle andern, ein Nachkomme des ersten aus Erde geschaffenen Menschen, 2 und bin Fleisch,

7,1
Ps 139,13
Hiob 10,10-11
im Mutterleib 2zehn Monate lang gebildet, im Blut zusammengeronnen aus
7,2
Joh 1,13
Mannessamen und der Lust, die im Beischlaf dazukam. 3Auch ich habe, als ich geboren war, Atem geholt aus der Luft, die allen gemeinsam ist, und bin gefallen auf die Erde, die alle in gleicher Weise trägt; und Weinen war wie bei allen mein erster Laut; 4und ich bin in
7,4
Lk 2,712
Windeln gelegt und voll Fürsorge aufgezogen worden. 5Denn selbst ein König hatte niemals einen andern Anfang seines Lebens, 6sondern alle haben denselben Eingang in das Leben und auch den gleichen Ausgang.
7,6
Hiob 1,21
7Deshalb betete ich, und mir wurde Einsicht gegeben; ich rief den Herrn an, und der
7,7
Kap
Geist der Weisheit kam zu mir.
7,7
1. Kön 3,5-12

8Ich achtete sie höher als Zepter und Throne, und Reichtum hielt ich für nichts im Vergleich mit ihr. 9

7,9
Hiob 28,15-19
Neben ihr war mir kein Edelstein etwas wert, und war er noch so teuer. Wenn man sie ansieht, ist alles Gold nur geringer Sand, und Silber ist Dreck gegen sie.
7,9
Phil 3,8
10Ich hatte sie lieber als Gesundheit und schöne Gestalt und zog sie sogar dem Licht vor; denn der Glanz, der von ihr ausgeht, erlischt nicht. 11Zugleich aber kamen mit ihr alle Güter zu mir, und
7,11
1. Kön 3,13
unermesslicher Reichtum war in ihrer Hand. 12Ich freute mich all dieser Dinge, weil die Weisheit sie mit sich führte; ich wusste aber noch nicht, dass sie auch ihre Schöpferin ist.

13Arglos habe ich sie gelernt, neidlos teile ich sie aus; ich will ihren Reichtum nicht verbergen. 14Denn sie ist den Menschen ein unerschöpflicher Schatz; die ihn erwarben, erlangten

7,14
Gottes Freundschaft. Denn sie haben sich ihm empfohlen mit den Gaben, die die
7,14
Röm 12,1
Unterweisung verleiht.

15Gott aber gebe mir, nach seinem Sinn zu reden und so zu denken, wie es der Gaben würdig ist, die ich empfangen habe. Denn er ist’s, der auch die Weisheit auf ihren Weg führt und den Weisen zurechthilft. 16Denn in seiner Hand sind wir selbst und unsre Worte, dazu alle Klugheit und Kenntnisse in mancherlei Fertigkeiten.

17Denn er gab mir sichere

7,17
Sir 17,7-8
Erkenntnis dessen, was ist, sodass ich den Bau der Welt begreife und das Wirken der Elemente: 18Anfang, Ende und Mitte der Zeiten, wie die Tage zu- und abnehmen, wie die Jahreszeiten wechseln, 19wie das Jahr umläuft und wie die Sterne stehen, 20die Arten der zahmen und der wilden Tiere, die Macht der Geister und die Gedanken der Menschen, die Vielfalt der Pflanzen und die Kräfte der Wurzeln.
7,20
1. Kön 5,13
21So erkannte ich alles, was verborgen und was sichtbar ist; 22denn die Weisheit, die alles kunstvoll gebildet hat, lehrte mich’s. 22
7,22
Kap
Denn es wohnt in ihr ein Geist, der verständig ist, heilig, eines und vieles zugleich, fein, beweglich, durchdringend, rein, klar, unversehrt, freundlich, scharfsinnig, 23ungehindert, wohltätig, 23 menschenfreundlich, beständig, gewiss, ohne Sorge; er vermag alles, sieht alles und durchdringt selbst alle Geister, die verständig, rein und fein sind. 24Denn die Weisheit ist regsamer als alles, was sich regt, sie geht und dringt durch alles – so rein ist sie.

25Denn sie ist ein Hauch der göttlichen Kraft und ein reiner Strahl der Herrlichkeit des Allmächtigen; darum kann nichts Unreines in sie hineinkommen. 26Denn sie ist ein

7,26
Hebr 1,3
Abglanz des ewigen
7,26
1. Joh 1,5
Lichts und ein fleckenloser Spiegel des göttlichen Wirkens und ein Bild seiner Güte. 27Sie ist ein und dieselbe und kann alles. Sie bleibt, was sie ist, und erneuert alles. In jedem Geschlecht geht sie in heilige Seelen ein und macht sie zu
7,27
Jak 2,23
Freunden Gottes und zu Propheten. 28Denn Gott liebt niemanden, er bleibe denn bei der Weisheit.
7,28
Sir 4,14

29Denn sie ist herrlicher als die Sonne und übertrifft die Schönheit der Sterne. Sie ist strahlender als das Licht. 30Denn das Licht muss der Nacht weichen, aber die Bosheit überwältigt die Weisheit nimmermehr.

8

81Gewaltig erstreckt sie sich von einem Ende zum andern, und vortrefflich regiert sie das All.

Der Lebensbund Salomos mit der Weisheit

2Diese Weisheit habe ich geliebt und gesucht von meiner Jugend an und danach getrachtet, sie mir zur Braut zu nehmen, und ich habe ihre Schönheit lieb gewonnen. 3Sie ist von herrlichem Adel, denn sie ist eine Gefährtin Gottes, und

8,3
Spr 8,30
der Herr aller Dinge hat sie lieb. 4Denn
8,4
Kap
sie ist in Gottes Wissen eingeweiht und hat teil an seinen Werken.

5Ist aber Reichtum ein köstlich Ding im Leben, was ist dann reicher als die Weisheit, die alles schafft? 6Ist’s aber Klugheit, die etwas schafft, wer ist dann der Klugheit Schöpferin, wenn nicht die Weisheit? 7Hat aber jemand Gerechtigkeit lieb – so ist es die Weisheit, welche die Tugenden wirkt. Denn sie lehrt Besonnenheit und Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit, und nichts Nützlicheres als dies gibt es im Leben für die Menschen. 8Begehrt aber jemand, viele Dinge zu wissen, so ist es die Weisheit, die das Vergangene kennt und

8,8
1. Mose 40,8
das Zukünftige errät. Sie versteht sich auf gewandte Rede und
8,8
1. Kön 10,1-3
weiß, Rätsel zu lösen. Zeichen und Wunder erkennt sie im Voraus und was Stunden und Zeiten bringen werden.

9Daher habe ich beschlossen, mir die Weisheit zur

8,9
Spr 7,4
Gefährtin zu nehmen, denn ich wusste, dass sie mir ein Ratgeber zum Guten sein würde und ein Trost in Sorgen und Traurigkeit. 10Ich werde ihretwegen Ruhm beim Volk und Ehre bei den Alten haben,
8,10
1. Kön 3,7-12
Ps 119,100
St zu Dan 1,45-50
obwohl ich jung bin. 11Ich werde als scharfsinnig gelten,
8,11
1. Kön 3,28
wenn ich Recht spreche, und
8,11
1. Kön 5,14
10,7
bewundert werden bei den Mächtigen. 12Wenn ich schweige, werden sie auf mich warten; wenn ich rede, werden sie aufmerken; wenn ich weiterrede, werden sie die Hand auf ihren Mund legen.
8,12
Hiob 29,7-11
13Ich werde ihretwegen
8,13
Kap
Unsterblichkeit empfangen und ein ewiges Andenken bei denen hinterlassen, die nach mir kommen. 14Ich werde Völker regieren, und Nationen werden mir untertan sein. 15Grausame Tyrannen werden sich fürchten, wenn sie von mir hören; in der Menge werde ich mich tüchtig zeigen und im Krieg tapfer. 16Kehre ich aber heim, so finde ich bei der Weisheit Ruhe. 16 Denn mit ihr Umgang zu haben, bringt keinen Verdruss, und mit ihr zusammenzuleben, keinen Schmerz, sondern Lust und Freude.

17Das bedachte ich bei mir und erwog es in meinem Herzen: Wer bei der Weisheit ruht, gewinnt

8,17
Kap
Unsterblichkeit, 18und wer mit ihr befreundet ist, wahre Lust. Wer seiner Hände Arbeit mit ihr verrichtet, hat unerschöpflichen Reichtum, und wer mit ihr Gemeinschaft pflegt, Klugheit. Und guter Ruf wird dem zuteil, der mit ihr Zwiesprache hält. Darum ging ich umher und suchte, wie ich sie zu mir nehmen könnte.

19

8,19
Ps 51,7
Ich war aber ein schöner junger Mann und hatte eine edle Seele empfangen, 20oder vielmehr: Da ich edel war, kam ich in einen makellosen Leib. 21Als ich aber erkannte, dass ich die Weisheit nur erlangen kann, wenn Gott sie mir gibt – und es war schon Klugheit zu wissen, von wem diese Gnadengabe kommt –, da wandte ich mich an den Herrn, betete zu ihm und sprach von ganzem Herzen:

9

Salomos Gebet um Weisheit

91Gott meiner Väter und Herr des Erbarmens, der du

9,1
Kap
alle Dinge durch dein Wort geschaffen 2und den Menschen durch deine Weisheit bereitet hast, dass er
9,2
1. Mose 1,26-28
herrsche über die Geschöpfe, die von dir gemacht wurden, 3und die Welt in Heiligkeit und Gerechtigkeit regiere und Gericht halte mit aufrichtigem Herzen: 4Gib mir die Weisheit, die bei dir auf deinem Thron sitzt, und verwirf mich nicht aus der Schar deiner Kinder. 5Denn ich bin dein Knecht und der Sohn deiner
9,5
2. Sam 12,24
Magd, ein schwacher Mensch, der nur ein kurzes Leben hat und dem es an Einsicht fehlt für Recht und Gesetz. 6Denn selbst wenn einer unter den Menschenkindern vollkommen wäre, so wird er doch nichts gelten, wenn ihm die Weisheit fehlt, die von dir kommt. 7
9,7
2. Sam 7,12-13
Du hast mich erwählt zum König über dein Volk und zum Richter über deine Söhne und Töchter. 8Du hießest mich einen Tempel bauen auf deinem heiligen Berge und einen Altar in der Stadt, in der du wohnst, einen Altar, ein
9,8
2. Mose 25,8-940
Abbild des heiligen Zeltes, das du von Anfang an bereitet hast.

9Und bei dir ist

9,9
Kap
die Weisheit, die deine Werke kennt und die dabei war, als du die Welt schufst, und die weiß, was dir wohlgefällt und was recht ist nach deinen Geboten. 10Sende sie herab von deinem heiligen Himmel, und von dem Thron deiner Herrlichkeit. Sende sie, dass sie bei mir sei und mit mir arbeite, dass ich erkenne, was dir wohlgefällt. 11Denn sie weiß alles und versteht’s. Und sie wird mich mit Besonnenheit leiten bei meinen Werken und mich behüten in ihrer Herrlichkeit. 12Dann werden dir meine Werke angenehm sein, und ich werde dein Volk gerecht richten und würdig sein des Throns meines Vaters.

13Denn welcher Mensch erkennt den Ratschluss Gottes? Oder wer kann ergründen, was der Herr will?

9,13
Jes 40,13
Röm 11,34
1. Kor 2,16
14Denn die Gedanken der sterblichen Menschen sind armselig und unsre Vorsätze hinfällig.
9,14
Ps 146,4
15Denn der vergängliche Leib beschwert die Seele, und die irdische
9,15
2. Kor 5,1-4
2. Petr 1,13-14
Hütte bedrückt den sorgenvollen Sinn. 16Wir erfassen kaum, was auf Erden ist, und begreifen nur schwer, was wir in Händen haben. Was aber im Himmel ist, wer hat es erforscht?
9,16
Joh 3,12
17Und wer hat deinen Ratschluss erkannt? Es sei denn, du hast Weisheit gegeben und
9,17
1. Kor 2,9-16
deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt. 18Und so wurden die Erdenbewohner auf den rechten Weg gebracht. Die Menschen wurden in dem unterwiesen, was dir gefällt, 19 und durch die Weisheit errettet.