Lutherbibel 2017 (LU17)
1

Ruf zur Gerechtigkeit und Weisheit

11Habt Gerechtigkeit lieb, ihr Herrscher der Erde! Denkt über den Herrn nach in lauterem Sinn und sucht ihn mit aufrichtigem Herzen! 2Denn er lässt sich

1,2
5. Mose 4,29
finden von denen, die ihn nicht versuchen, und
1,2
Joh 11,40
erscheint denen, die ihm nicht misstrauen. 3Denn verkehrtes Denken
1,3
Jes 59,2
scheidet von Gott; und wird seine Macht auf die Probe gestellt, so bestraft sie solche Narren.
1,3
Röm 1,21

4Denn die Weisheit kommt nicht in eine arglistige Seele und

1,4
Röm 7,14
wohnt nicht in einem Leibe, der
1,4
Röm 7,18
der Sünde verfallen ist. 5Denn der heilige Geist, der ein Geist der Zucht ist, flieht die Falschheit und weicht von den törichten Gedanken und wird vertrieben, wenn Ungerechtigkeit ihm naht.
1,5
Eph 4,30

6Die Weisheit ist ein Geist, der den Menschen liebt; und sie lässt den Lästerer nicht unbestraft für seine Reden. Denn

1,6
Ps 139,2
Hebr 4,13
Gott ist Zeuge seiner heimlichsten Gedanken und erkennt in Wahrheit sein Herz und hört seine Worte. 7
1,7
Jes 6,3
Denn der Erdkreis ist erfüllt vom Geist des Herrn, und der Geist, der alles zusammenhält, kennt jedes Wort. 8Darum kann keiner verborgen bleiben, der Unrechtes redet; und das Recht, das ihn bestrafen soll, wird ihn nicht verfehlen. 9Denn die Pläne des Frevlers müssen vor Gericht, und seine Reden sollen vor den Herrn kommen, damit seine Übertretungen bestraft werden. 10Denn das Ohr des
1,10
Jos 24,19
eifernden Gottes hört alles, und das Gerede der Murrenden bleibt nicht verborgen.

Nicht Gott hat den Tod geschaffen

11So hütet euch nun vor unnützem Murren und bewahrt die Zunge vor böser Nachrede. Denn was ihr heimlich einander in die Ohren redet, wird nicht ohne Folgen bleiben, und

1,11
Spr 19,59
Apg 5,1-11
der Mund, der lügt, bringt sich den Tod. 12
1,12
Kap
Strebt nicht nach dem Tod auf dem Irrweg eures Lebens, und
1,12
Jes 5,18
zieht nicht das Verderben herbei durch das Werk eurer Hände. 13Denn Gott hat den Tod nicht gemacht und hat kein Gefallen am Untergang der Lebenden; 14sondern er hat alles geschaffen, dass es Bestand haben sollte; und
1,14
1. Mose 1,31
was in der Welt geschaffen wird, ist heilsam; es ist kein tödliches Gift darin, und das Reich des Todes herrscht nicht auf Erden. 15Denn die Gerechtigkeit ist unsterblich; 16aber die Frevler haben den Tod herbeigerufen mit Worten und mit Werken. Denn sie hielten ihn für ihren Freund und sehnten sich nach ihm; sie
1,16
Jes 28,15
schlossen mit ihm einen Bund, weil sie es wert sind, ihm anzugehören.
1,16
Spr 8,36

2

Rede der Frevler

21In die Irre gingen ihre Gedanken, und sie sagten zueinander: »Kurz und mühselig ist unser Leben, und

2,1
Hiob 14,10-12
wenn ein Mensch dahin ist, so ist es aus mit ihm. Auch weiß man von keinem,
2,1
Mt 20,28
der aus dem Totenreich befreit. 2Denn nur zufällig sind wir geworden, und nachher werden wir sein, als wären wir nie gewesen. Denn der Atem in unsrer Nase ist nur Rauch und unser Denken nur ein Funke, der aus dem Pochen unsres Herzens entsteht. 3Wenn er verloschen ist, so geht der Leib dahin wie Asche, und der Geist zerflattert wie Luft.
2,3
Pred 3,20-21
4Unser Name wird mit der Zeit vergessen, und niemand wird sich unseres Tuns erinnern. Unser Leben fährt dahin, als wäre nur eine Wolke da gewesen, und zergeht wie Nebel, der von den Strahlen der Sonne verjagt und von ihrer Hitze verzehrt wird. 5Unsre Zeit geht vorbei wie ein Schatten, und wenn wir weg sind, gibt es keine Wiederkehr; denn es ist besiegelt, dass niemand wiederkommt. 6Kommt nun und lasst uns genießen, was wir jetzt haben, und die Schöpfung auskosten, solange wir jung sind.
2,6
Jes 22,13
1. Kor 15,32
7
2,7
Jes 56,11-12
Wir wollen mit bestem Wein uns füllen und uns salben, und keine Frühlingsblume soll uns entgehen. 8Lasst uns Kränze tragen von Rosenknospen, ehe sie welk werden. 9Keine Wiese bleibe von unserem Übermut verschont; überall lasst uns Spuren unserer Freude hinterlassen. Denn das ist unser Teil und dies unser Los. 10Lasst uns
2,10
Am 8,4-6
den Gerechten unterdrücken, der in Armut lebt; lasst uns keine Witwe verschonen; wir wollen uns nicht scheuen vor dem grauen Haar des Greises. 11Unsere Stärke sei das Gesetz der Gerechtigkeit; denn
2,11
Hab 1,11
es zeigt sich, dass Schwäche nichts ausrichtet. 12So
2,12
Jer 11,18-19
lasst uns dem Gerechten auflauern; denn er ist uns lästig und widersetzt sich unserm Tun und schilt uns, weil wir gegen das Gesetz sündigen, und hält uns vor, dass wir gegen die Zucht verstoßen.
2,12
Lk 11,54
13Er behauptet, Erkenntnis Gottes zu haben, und rühmt sich, ein Kind des Herrn zu sein. 14
2,14
1. Petr 4,4
Er wird uns zum Vorwurf bei allem, was wir denken; 15 er ist uns unleidlich, wenn er sich nur sehen lässt. 15Denn sein Leben unterscheidet sich von dem der andern, und ganz anders sind seine Wege. 16Als falsche Münze gelten wir ihm, und er meidet unsre Wege wie Schmutz; er rühmt,
2,16
Ps 37,37
wie es die Gerechten zuletzt gut haben werden, und prahlt damit, dass Gott sein
2,16
Ps 2,7
Sir 23,1
Vater sei. 17So lasst doch sehen, ob sein Wort wahr ist, und prüfen, was bei seinem Ende geschehen wird. 18
2,18
Mt 27,43
Ist der Gerechte Gottes Sohn, so wird er ihm helfen und ihn erretten aus der Hand der Widersacher. 19Durch Schmach und Qual wollen wir ihn auf die Probe stellen, damit wir sehen, wie es mit seiner Sanftmut steht, und prüfen, wie geduldig er ist.
2,19
Jak 5,6
20Wir wollen ihn zu schändlichem Tod verurteilen, denn er selbst sagt ja, es werde ihm Rettung zuteil.«

21Das alles dachten sie – und irrten; denn ihre Bosheit hat sie verblendet, 22sodass sie Gottes Geheimnisse nicht erkannten; auch hatten sie nicht die Hoffnung, dass ein frommes Leben belohnt wird, und sie achteten die Ehre für nichts, die untadeligen Seelen gegeben wird. 23Denn Gott hat den Menschen

2,23
Kap
zur Unvergänglichkeit geschaffen und ihn
2,23
1. Mose 1,27
zum Abbild seines eignen Wesens gemacht. 24
2,24
1. Mose 3,1-19
Joh 8,44
Röm 5,12
7,7-13
Aber durch des Teufels Neid ist der Tod in die Welt gekommen, 25und es müssen ihn erfahren, die ihm angehören.