Lutherbibel 2017 (LU17)
1

Tobit, der Vater des Tobias

11Dies ist das Buch der Geschichte Tobits, des Sohnes Tobiëls, des Sohnes Hananiëls, des Sohnes Aduels, des Sohnes Gabaëls, des Sohnes Rafaëls, des Sohnes Raguëls, aus dem Geschlecht Asiëls aus dem Stamme

1,1
Jos 19,32
Naftali. 2Der wurde aus Tischbe mit in die Gefangenschaft geführt zur Zeit
1,2
2. Kön 18,8-11
Salmanassars, des Königs von Assyrien. Tischbe aber liegt südlich von Kedesch Naftali in Galiläa oberhalb von
1,2
Jos 19,36
Hazor und nordwestlich von Fogor.

3Ich, Tobit, wandelte mein Leben lang auf den Wegen der Wahrheit, übte gerechte Werke und erwies meinen Brüdern viel Barmherzigkeit und meinem Volk, das mit mir in die Gefangenschaft in das Land Assyrien nach Ninive gezogen war. 4Als ich noch ein junger Mann in meiner Heimat im Land Israel war, fiel der ganze Stamm meines Vaters vom Haus meines Vaters David und von der Stadt Jerusalem ab. Sie aber ist aus allen Stämmen Israels erwählt, damit man dort opfere, und der Tempel der Wohnung Gottes ist dort geheiligt und erbaut für alle Geschlechter auf ewig. 5Alle meine Brüder und das Haus meines Vaters Naftali opferten

1,5
1. Kön 12,28-30
dem Kalb, das Jerobeam, der König von Israel, in Dan auf den Bergen Galiläas gemacht hatte. 6
1,6
5. Mose 12,4-6
2. Mose 23,19
5. Mose 14,2228-29
Ich allein begab mich oft an den Festtagen nach Jerusalem, wie es ganz Israel geboten ist als ewige Satzung. Mit den Erstlingsgaben und den Erstlingsfrüchten und den Zehnten vom Vieh und der ersten Wolle der Schafe zog ich eilends nach Jerusalem 7und gab es den Priestern, den Söhnen Aarons, für den Altar; und den Zehnten von Getreide und Wein und Öl und Granatäpfeln und Feigen und den übrigen Früchten gab ich den Söhnen Levis, die Dienst tun in Jerusalem. Und den zweiten Zehnten von sechs Jahren verkaufte ich und gab das Silber in jedem Jahr bei der Wallfahrt in Jerusalem. 8Und ich gab es den Waisen und Witwen und denen, die sich Israel angeschlossen hatten; ich brachte den Zehnten herbei und gab ihn im dritten Jahr, und wir verzehrten ihn nach der Anordnung im Gesetz des Mose und nach dem, was mir Debora, die Mutter unseres Vaters Hananiël, geboten hatte. Denn mein Vater war gestorben und hatte mich als Waise zurückgelassen.

9Da ich nun erwachsen war, nahm ich eine Frau

1,9
4. Mose 36,6-7
aus dem Geschlecht unserer Väter und zeugte mit ihr einen Sohn, den nannte ich Tobias. 10Als ich aber zu den Assyrern in Gefangenschaft gebracht worden war und gefangen nach Ninive kam, da aßen alle meine Brüder und die aus meinem Volk von den Speisen der Heiden. 11Ich aber hütete mich,
1,11
Dan 1,8
Jdt 12,2
von den Speisen der Heiden zu essen. 12
1,12
Dan 1,18-19
Und da ich mit ganzer Seele meines Gottes gedachte, 13ließ mich der Höchste Gnade und Gunst bei Salmanassar finden, und ich kaufte für ihn alles, was er brauchte. 14Und ich reiste nach Medien und kaufte für ihn dort ein, solange er lebte. Damals ließ ich bei Gabaël, dem Bruder des Gabri, im Lande Medien zehn Talente Silber zurück.

15Als aber Salmanassar starb und sein Sohn Sanherib König wurde an seiner statt, da wurden die Wege in Medien unsicher, und ich konnte nicht mehr dorthin reisen. 16Auch in den Tagen Salmanassars erwies ich den Brüdern aus meinem Geschlecht viel Barmherzigkeit: 17

1,17
Jes 58,7
Hiob 31,17
Die Hungrigen speiste ich,
1,17
Hiob 31,19
die Nackten kleidete ich, und wenn ich einen Toten aus meinem Volk sah, der hinter Ninives Mauer geworfen war, so begrub ich ihn. 18Sanherib aber war in den Tagen des Gerichts,
1,18
2. Kön 18,35
das der König des Himmels an ihm um seiner Lästerungen willen vollzog, aus Judäa
1,18
2. Kön 19,35-36
geflohen. Wenn er jemanden tötete, so begrub ich ihn. Denn in seinem Zorn tötete er viele der Israeliten. Da stahl ich ihre Leichname und begrub sie. Sanherib aber suchte sie und fand sie nicht. 19Doch einer aus Ninive ging hin und zeigte mich beim König an, dass ich sie begrub. Da verbarg ich mich. Als ich aber erfuhr, dass der König über mich Bescheid wusste und ich gesucht wurde, um getötet zu werden, fürchtete ich mich und flüchtete. 20All mein Hab und Gut wurde mir geraubt. Mir blieb nichts, was nicht zum königlichen Schatz zugeschlagen wurde, außer meiner Frau Hanna und meinem Sohn Tobias.

21Doch es waren noch keine vierzig Tage vergangen, da

1,21
2. Kön 19,37
wurde der König von zwei seiner Söhne erschlagen, und sie flohen in das Gebirge Ararat. Da wurde sein Sohn Asarhaddon König an seiner statt. Der setzte Achikar, den Sohn meines Bruders Hanaël, über den gesamten Schatz seines Reiches, und er erhielt Macht über die ganze Verwaltung. 22Damals legte Achikar Fürsprache für mich ein, und ich kam zurück nach Ninive. Achikar war nämlich der oberste Mundschenk, Siegelbewahrer, Verwalter und Schatzmeister unter Sanherib, dem König der Assyrer. Und Asarhaddon setzte ihn wieder in sein Amt ein. Achikar war mein Neffe und aus meiner Verwandtschaft.

2

21Danach, als Asarhaddon König war, kehrte ich in mein Haus zurück. Und meine Frau Hanna und Tobias, mein Sohn, wurden mir wiedergeschenkt. Und an unserem heiligen Wochenfest bereitete man mir ein herrliches Mahl, und ich setzte mich nieder, um zu essen. 2Als mir der Tisch mit den vielen Speisen vorgesetzt wurde, sagte ich zu Tobias, meinem Sohn: Kind, geh hin, und wenn du unter unseren Brüdern, die nach Ninive verbannt wurden, einen Armen findest, der mit ganzem Herzen des Herrn gedenkt, so lade ihn ein, mit mir zu essen. Und siehe, mein Kind, ich will auf dich warten, bis du wiederkommst. 3Da machte sich Tobias auf, um einen Armen unter unseren Brüdern zu suchen. Und als er zurückkam, sagte er: Vater! Und ich sagte zu ihm: Hier bin ich, mein Kind! Und er antwortete und sprach: Vater, siehe, einer aus unserem Volk wurde ermordet und ist auf den Marktplatz geworfen worden – dort liegt er nun erwürgt. 4Da sprang ich auf und ließ das Essen stehen, ehe ich davon gekostet hatte. Und ich trug ihn weg vom Marktplatz und legte ihn in eine Hütte, bis die Sonne untergegangen war und ich ihn heimlich begraben konnte. 5Dann ging ich zurück, wusch mich und

2,5
Hes 24,17
aß mein Brot in großer Trauer. 6
2,6
Am 8,10
Und ich dachte an das Wort des Propheten, das Amos über Bethel gesagt hatte: Eure Feiertage sollen in Trauer verwandelt werden, und alle eure Lieder in Wehklagen. 7Und ich weinte. Als aber die Sonne unterging, machte ich mich auf, hob ein Grab aus und begrub ihn. 8Aber meine Nachbarn verspotteten mich und sagten: Fürchtet er sich nicht mehr? Erst neulich wurde er doch gesucht, um für solch eine Tat getötet zu werden. Da ist er davongelaufen – und siehe, schon begräbt er wieder die Toten!

9Es geschah aber in derselben Nacht, da wusch ich mich und ging in meinen Hof und schlief im Schutz einer Mauer. Wegen der Hitze war mein Gesicht unbedeckt. 10Ich wusste aber nicht, dass Schwalben über mir in der Mauer nisteten. Und ihr Dreck fiel heiß auf meine Augen und machte dort weiße Flecken. Da ging ich hin zu vielen Ärzten, um mich heilen zu lassen, aber je mehr Salben sie mir aufstrichen, umso mehr erblindeten meine Augen durch die Flecken, bis sie endlich ganz blind waren. Vier Jahre lang konnte ich damals meine Augen nicht gebrauchen. Und alle meine Brüder waren betrübt um meinetwillen. Achikar aber versorgte mich zwei Jahre lang, bis er nach Elam ging.

Der Streit mit Hanna

11Zu jener Zeit ernährte mich meine Frau Hanna durch Arbeiten, wie Frauen sie tun; 12und sie schickte ihre Arbeiten ihren Herren, und die gaben ihr den Lohn.

Und am siebenten Tag des Monats Dystros schnitt sie das Webtuch ab und sandte es den Herren. Die gaben ihr den ganzen Lohn und dazu ein Ziegenböcklein für den Herd. 13Als sie dann zu mir kam, fing das Böcklein zu blöken an. Und ich rief sie und sprach: Woher ist das Böcklein? Wenn das nur nicht gestohlen ist! Gib es dem Besitzer zurück! Denn es ist uns nicht erlaubt, von gestohlenem Gut zu essen! 14Sie aber sprach zu mir: Ich bekam es als Geschenk zu meinem Lohn hinzu. – Ich aber glaubte ihr nicht und befahl, es den Besitzern zurückzugeben. Und ich wurde ihretwegen schamrot. Da antwortete sie und sprach zu mir: Wo sind jetzt deine Almosen, wo deine gerechten Werke? Man sieht doch, was du davon hast.

2,14
Hiob 2,9

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