Lutherbibel 2017 (LU17)
1

Paulus, Apostel der Heiden

11Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel,

1,1
Apg 9,15
13,2
Gal 1,15
ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes, 2das er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der Heiligen Schrift,
1,2
Kap
3von seinem Sohn, der geboren ist
1,3
Kap
aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, 4
1,4
Apg 13,33
der eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geist, der da heiligt, durch die Auferstehung von den Toten – Jesus Christus, unserm Herrn. 5Durch ihn haben wir empfangen Gnade und Apostelamt, den
1,5
Kap
Gehorsam des Glaubens um seines Namens willen aufzurichten
1,5
Apg 26,16-18
Gal 2,79
unter allen Heiden, 6zu denen auch ihr gehört, die ihr berufen seid von Jesus Christus.

7An alle Geliebten Gottes und

1,7
1. Kor 1,2
Eph 1,1
berufenen Heiligen in Rom: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Der Wunsch des Paulus, nach Rom zu kommen

8Zuerst

1,8
1. Kor 1,4
danke ich meinem Gott durch Jesus Christus für euch alle,
1,8
Kap
dass man von eurem Glauben in aller Welt spricht. 9Denn
1,9
2. Kor 1,23
Phil 1,8
1. Thess 2,5
Gott ist mein Zeuge, dem ich in meinem Geist diene durch das Evangelium von seinem Sohn, dass ich
1,9
Eph 1,16
1. Thess 1,2-3
ohne Unterlass euer gedenke 10und allezeit in meinem Gebet flehe, ob sich’s wohl einmal fügen möchte durch Gottes Willen,
1,10
Kap
dass ich zu euch komme. 11Denn mich verlangt danach, euch zu sehen, damit ich euch etwas mitteile an geistlicher Gabe, um euch zu stärken, 12das ist, dass ich zusammen mit euch getröstet werde durch euren und meinen Glauben, den wir miteinander haben.

13Ich will euch aber nicht verschweigen, Brüder und Schwestern,

1,13
Kap
dass ich mir oft vorgenommen habe, zu euch zu kommen – wurde aber bisher gehindert –, damit ich auch unter euch Frucht schaffe wie unter andern Heiden. 14Griechen und Nichtgriechen, Weisen und Nichtweisen bin ich es schuldig; 15darum, soviel an mir liegt, bin ich willens, auch euch in Rom das Evangelium zu predigen.

Das Evangelium als Kraft Gottes

16Denn

1,16
Ps 119,46
2. Tim 1,8
ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine
1,16
1. Kor 1,1824
Kraft Gottes, die selig macht1,16 Andere Übersetzung: »eine Kraft Gottes zur Rettung«. alle, die glauben,
1,16
Kap
die Juden zuerst und ebenso die Griechen. 17Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt,
1,17
Kap
welche kommt aus Glauben in Glauben;1,17 Wörtlich: »Denn die Gerechtigkeit Gottes wird in ihm offenbart aus Glauben zum Glauben« (vgl. 3,21); siehe Sach- und Worterklärungen zu »Gerechtigkeit Gottes«. wie geschrieben steht (Hab 2,4): »Der Gerechte wird aus Glauben leben.«

Die Gottlosigkeit der Heiden

18Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Leben und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. 19Denn

1,19
Apg 14,15-17
17,24-28
was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. 20Denn sein unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es wahrnimmt, ersehen
1,20
Ps 8,4
19,2
an seinen Werken, sodass sie keine Entschuldigung haben. 21Denn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und
1,21
Eph 4,18
ihr unverständiges Herz ist verfinstert. 22Die sich für Weise hielten, sind zu
1,22
1. Kor 1,20
Narren geworden 23und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild gleich dem eines vergänglichen Menschen und der Vögel und der vierfüßigen und der kriechenden Tiere.
1,23
2. Mose 20,4
5. Mose 4,15-19
Ps 106,19-20
Jer 2,11

24Darum hat Gott sie in den Begierden ihrer Herzen dahingegeben in die Unreinheit, sodass sie ihre Leiber selbst entehren. 25Sie haben Gottes Wahrheit in Lüge verkehrt und das Geschöpf verehrt und ihm gedient statt dem Schöpfer, der gelobt ist in Ewigkeit. Amen.

26Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn bei ihnen haben Frauen den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; 27desgleichen haben auch

1,27
3. Mose 18,22
20,13
1. Kor 6,9
die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Männer mit Männern Schande über sich gebracht und den Lohn für ihre Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen.

28Und wie sie es für nichts geachtet haben, Gott zu erkennen, hat sie Gott dahingegeben in verkehrten Sinn, sodass sie tun, was nicht recht ist, 29voll von aller Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier, Bosheit, voll Neid, Mord, Hader, List, Niedertracht; Ohrenbläser, 30Verleumder, Gottesverächter, Frevler, hochmütig, prahlerisch, erfinderisch im Bösen, den Eltern ungehorsam, 31unvernünftig, treulos, lieblos, unbarmherzig. 32Sie wissen, dass nach Gottes Recht den Tod verdienen, die solches tun; aber sie tun es nicht nur selbst, sondern haben auch Gefallen an denen, die es tun.

2

Das Gericht über alle Menschen

21Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der du richtest. Denn

2,1
Mt 7,2
Joh 8,7
Jak 4,12
worin du den andern richtest, verdammst du dich selbst, weil du ebendasselbe tust, was du richtest. 2Wir wissen aber, dass Gottes Urteil zu Recht über die ergeht, die solches tun. 3Denkst du aber, o Mensch, der du die richtest, die solches tun, und tust auch dasselbe, dass du dem Urteil Gottes entrinnen wirst? 4Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte,
2,4
2. Petr 3,915
Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?

5Du aber, mit deinem verstockten und unbußfertigen Herzen, häufst dir selbst Zorn an für den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, 6

2,6
Spr 24,12
Ps 62,13
Jer 32,19
Mt 16,27
2. Kor 5,10
der einem jeden geben wird nach seinen Werken: 7ewiges Leben denen, die in aller Geduld mit guten Werken trachten nach Herrlichkeit, Ehre und unvergänglichem Leben; 8Zorn und Grimm aber denen, die streitsüchtig sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit;
2,8
2. Thess 1,8
9Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die das Böse tun, zuerst der Juden und auch der Griechen; 10Herrlichkeit aber und Ehre und Frieden allen denen, die das Gute tun, zuerst
2,10
Kap
den Juden und ebenso den Griechen.

11Denn

2,11
2. Chr 19,7
Apg 10,34
Kol 3,25
1. Petr 1,17
es ist kein Ansehen der Person vor Gott. 12Alle, die ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verloren gehen; und alle, die unter dem Gesetz gesündigt haben, werden durchs Gesetz verurteilt werden. 13Denn vor Gott sind nicht gerecht, die das Gesetz hören, sondern
2,13
5. Mose 6,25
Mt 7,21
Jak 1,22
die das Gesetz tun, werden gerecht sein2,13 Wörtlich: »gerecht gemacht werden«.. 14Denn wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch
2,14
Apg 10,35
von Natur aus tun, was das Gesetz fordert, so sind sie, obwohl sie das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz. 15Sie beweisen damit, dass des Gesetzes Werk in ihr Herz geschrieben ist; ihr Gewissen bezeugt es ihnen, dazu auch die Gedanken, die einander anklagen oder auch entschuldigen,
2,15
Kap
16an dem Tag,
2,16
Lk 8,17
an dem Gott das Verborgene der Menschen durch Christus Jesus richtet, wie es mein Evangelium bezeugt.

Fragen an die Juden

17Wenn du dich aber Jude nennst und verlässt dich aufs Gesetz und rühmst

2,17
Jer 9,22-23
1. Kor 1,31
dich Gottes 18und kennst seinen Willen und prüfst, weil du aus dem Gesetz unterrichtet bist, was das Beste sei, 19und maßt dir an, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht derer, die in Finsternis sind,
2,19
Mt 15,14
20ein Erzieher der Unverständigen, ein Lehrer der Unmündigen, der im Gesetz die Gestalt der Erkenntnis und Wahrheit hat – 21du lehrst nun andere und lehrst dich selber nicht? Du predigst, man solle nicht stehlen, und du stiehlst?
2,21
Mt 23,3-4
22Du sprichst, man solle nicht ehebrechen, und du brichst die Ehe? Du verabscheust die Götzen und beraubst Tempel? 23Du rühmst dich des Gesetzes und entehrst Gott durch Übertretung des Gesetzes? 24Denn »euretwegen wird Gottes Name gelästert unter den Völkern«, wie geschrieben steht (Jes 52,5).

25Die Beschneidung nützt etwas, wenn du das Gesetz hältst; hältst du aber das Gesetz nicht, so bist du aus einem Beschnittenen schon ein Unbeschnittener geworden.

2,25
1. Kor 7,19
Gal 5,3
26Wenn nun der Unbeschnittene hält, was nach dem Gesetz recht ist, meinst du nicht, dass dann der Unbeschnittene vor Gott als Beschnittener gilt?
2,26
3. Mose 18,5
5. Mose 30,16
Gal 5,6
27Und so wird der, der von Natur aus unbeschnitten ist und das Gesetz erfüllt, dir ein Richter sein, der du unter dem Buchstaben stehst und beschnitten bist und das Gesetz übertrittst. 28
2,28
Jer 4,4
Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; 29sondern der ist ein Jude, der es inwendig verborgen ist, und
2,29
5. Mose 30,6
Phil 3,3
Kol 2,11
die Beschneidung des Herzens ist eine Beschneidung, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht. Dessen Lob kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.

3

Gottes Treue

31Was haben dann die Juden für einen Vorzug, oder was nützt die Beschneidung? 2Viel in jeder Weise! Vor allem: Ihnen ist anvertraut, was Gott geredet hat.

3,2
Kap
3Was nun? Wenn einige untreu wurden,
3,3
Kap
hebt dann ihre Untreue die Treue Gottes auf? 4Das sei ferne! Es bleibe vielmehr so: Gott ist wahrhaftig, und
3,4
Ps 116,11
alle Menschen sind Lügner; wie geschrieben steht (Ps 51,6): »Damit du recht behältst in deinen Worten und siegst, wenn man mit dir rechtet.«

5Ist’s aber so, dass unsre Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit erweist, was sollen wir sagen? Ist Gott dann nicht ungerecht, wenn er zürnt? – Ich rede nach Menschenweise. – 6Das sei ferne! Wie könnte sonst Gott die Welt richten? 7Wenn aber die Wahrheit Gottes durch meine Lüge herrlicher wurde zu seiner Ehre, warum sollte ich dann noch als ein Sünder gerichtet werden? 8Und ist es etwa so, wie wir verlästert werden und einige behaupten, dass wir sagen:

3,8
Kap
Lasst uns Böses tun, damit Gutes daraus komme? Deren Verdammnis geschieht zu Recht.

Die Sünde aller vor Gott

9Was sagen wir denn nun? Haben wir einen Vorzug? Gar keinen. Denn

3,9
Kap
wir haben soeben bewiesen, dass alle, Juden wie Griechen, unter der Sünde sind, 10wie geschrieben steht: »Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. 11Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. 12Alle sind sie abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer (Ps 14,1-3). 13Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen betrügen sie (Ps 5,10), Otterngift ist unter ihren Lippen (Ps 140,4); 14ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit (Ps 10,7). 15Ihre Füße eilen, Blut zu vergießen; 16auf ihren Wegen ist lauter Zerstörung und Elend, 17und
3,17
Lk 1,79
den Weg des Friedens kennen sie nicht (Jes 59,7-8). 18Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen (Ps 36,2)

19Wir wissen aber: Was das Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, auf dass jeder Mund gestopft werde und

3,19
Kap
alle Welt vor Gott schuldig sei. 20Denn durch des Gesetzes Werke wird
3,20
Ps 143,2
Gal 2,16
kein Mensch vor ihm gerecht sein. Denn
3,20
Kap
durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.

Die Rechtfertigung allein durch Glauben

21Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt3,21 Wörtlich: »die Gerechtigkeit Gottes«., offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten.

3,21
Kap
22Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott,
3,22
Phil 3,9
die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben.

Denn es ist hier kein Unterschied: 23Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen,3,23 Andere Übersetzung: »ermangeln der Herrlichkeit, die Gott ihnen gab«. 24und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

3,24
Kap

25Den hat Gott für den Glauben hingestellt zur

3,25
3. Mose 16,12-15
Mt 26,28
Kol 1,20
Hebr 9,526-28
Sühne3,25 Luther übersetzte: »zu einem Gnadenstuhl«; siehe Sach- und Worterklärungen zu »Sühne« und »Gnadenstuhl«. in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden 26in der Zeit der Geduld Gottes, um nun, in dieser Zeit, seine Gerechtigkeit zu erweisen, auf dass er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.

27Wo bleibt nun

3,27
1. Kor 1,2931
das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. 28So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben3,28 Wörtlich: »dass der Mensch aus Glauben gerechtfertigt wird, ohne Werke des Gesetzes«..
3,28
Gal 2,16
29Oder ist Gott allein der Gott der Juden? Ist er nicht auch der Gott der Heiden? Ja gewiss, auch der Heiden.
3,29
Kap
30Denn es ist der
3,30
5. Mose 6,4
1. Kor 8,6
eine Gott,
3,30
Kap
der gerecht macht die Juden aus dem Glauben und die Heiden durch den Glauben. 31Wie? Heben wir das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Sondern
3,31
Mt 5,17
wir richten das Gesetz auf.