Lutherbibel 2017 (LU17)
89

Israels Not und die Verheißung an David

891Eine Unterweisung Etans, des Esrachiters.

2Ich will singen von der Gnade des HERRN ewiglich

und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für;

3denn ich sage: Auf ewig steht die Gnade fest;

du gibst deiner Treue sicheren Grund im Himmel.

4»Ich

89,4
Jes 55,3
habe einen Bund geschlossen mit meinem Auserwählten,

89,4
Ps 132,11
ich habe David, meinem Knechte, geschworen:

5Ich will deinem Geschlecht festen Grund geben auf ewig

und

89,5
2. Sam 7,16
Apg 2,30
deinen Thron bauen für und für.« SELA.

6Und die Himmel werden, HERR, deine Wunder preisen

und deine Treue in der Gemeinde der Heiligen.

7Denn wer in den Wolken könnte dem HERRN gleichen

und dem HERRN gleich sein unter

89,7
1. Kön 22,19
den Himmlischen?

8Gott ist gefürchtet in der Versammlung der Heiligen,

groß und furchtbar über alle, die um ihn sind.

9HERR, Gott Zebaoth, wer ist wie du?

Mächtig bist du, HERR, und deine Treue ist um dich her.

10Du herrschest über das ungestüme Meer,

89,10
Ps 65,8
Mt 8,26
du stillest seine Wellen, wenn sie sich erheben.

11Du hast

89,11
Hiob 26,12
Jes 30,7
51,9
Rahab89,11 Der Drache der Urzeit. zu Tode geschlagen

und deine Feinde zerstreut mit deinem starken Arm.

12

89,12
Ps 24,1
Himmel und Erde sind dein,

du hast gegründet den Erdkreis und was darinnen ist.

13Nord und Süd hast du geschaffen,

Tabor und Hermon jauchzen über deinen Namen.

14Du hast einen gewaltigen Arm,

stark ist deine Hand, und hoch ist deine Rechte.

15Gerechtigkeit und Recht sind deines Thrones Stütze,

Gnade und Treue treten vor dein Angesicht.

16Wohl dem Volk, das jauchzen kann!

HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln;

17sie werden über deinen Namen täglich fröhlich sein

und in deiner Gerechtigkeit herrlich sein.

18Denn du bist der Ruhm ihrer Stärke,

und durch deine Gnade wirst du unser Horn erhöhen.

19Denn dem HERRN gehört unser Schild

und dem Heiligen Israels unser König.

20

89,20
1. Sam 13,14
16,13
Damals hast du geredet durch ein Gesicht

zu deinen Heiligen und gesagt:

Ich habe einem Helden Hilfe gewährt,

ich habe erhöht einen Auserwählten aus dem Volk.

21Ich habe gefunden meinen Knecht David,

ich habe ihn gesalbt mit meinem heiligen Öl.

22Meine Hand soll ihn erhalten,

und mein Arm soll ihn stärken.

23Die Feinde sollen ihn nicht überwältigen

und die Ungerechten ihn nicht demütigen;

24sondern ich will seine Widersacher vor ihm zerschlagen

und, die ihn hassen, zu Boden stoßen.

25Aber meine Treue und Gnade soll bei ihm sein,

und sein Horn soll erhöht sein in meinem Namen.

26Seine Hand lege ich

89,26
Ps 72,8
auf das Meer

und seine Rechte auf die Ströme.

27

89,27
2. Sam 7,14
Er wird mich nennen: Du bist mein Vater,

mein Gott und der Hort meines Heils.

28Und ich will ihn zum erstgeborenen Sohn machen,

zum Höchsten unter den Königen auf Erden.

29Ich will ihm ewiglich bewahren meine Gnade,

und mein Bund soll ihm fest bleiben.

30Ich will ihm ewiglich Nachkommen geben

und seinen Thron erhalten, solange der Himmel währt.

31Wenn aber seine Söhne mein Gesetz verlassen

und in meinen Rechten nicht wandeln,

32wenn sie meine Ordnungen entheiligen

und meine Gebote nicht halten,

33so will ich ihre Sünde mit der Rute heimsuchen

und ihre Missetat mit Plagen;

34aber meine Gnade will ich nicht von ihm wenden

und meine Treue nicht brechen.

35Ich will meinen Bund nicht entheiligen

und nicht ändern, was aus meinem Munde gegangen ist.

36Eines habe ich geschworen bei meiner Heiligkeit

und will David nicht belügen:

37»Sein Geschlecht soll ewig bestehen

und

89,37
Ps 72,17
sein Thron vor mir wie die Sonne,

38wie der Mond, der ewiglich bleibt,

und wie

89,38
1. Mose 9,13
der treue Zeuge in den Wolken.« SELA.

39Aber nun hast du verstoßen und verworfen

und zürnst mit deinem Gesalbten!

40Du hast zerbrochen den Bund mit deinem Knecht

und seine Krone entweiht in den Staub.

41Du hast eingerissen alle seine Mauern

und hast zerstört seine Festungen.

42Es berauben ihn alle, die vorübergehen;

er ist seinen Nachbarn ein Spott geworden.

43Du hast die Rechte seiner Widersacher erhöht

und alle seine Feinde erfreut.

44Auch hast du die Kraft seines Schwerts weggenommen

und lässest ihn nicht siegen im Streit.

45Du hast seinem Glanz ein Ende gemacht

und seinen Thron zu Boden geworfen.

46Du hast die Tage seiner Jugend verkürzt

und ihn bedeckt mit Schande. SELA.

47Wie lange, HERR, willst du dich immerfort verbergen

und deinen Grimm wie Feuer brennen lassen?

48Gedenke, wie kurz mein Leben ist,

wie vergänglich du alle Menschen geschaffen hast!

49Wo ist jemand, der da lebt und den Tod nicht sähe,

der seine Seele errette aus des Todes Hand? SELA.

50Herr, wo ist deine Gnade von einst,

die du David geschworen hast in deiner Treue?

51Gedenke, Herr, an die

89,51
Ps 44,10-25
Schmach deiner Knechte,

die ich trage in meiner Brust von all den vielen Völkern,

52mit der, HERR, deine Feinde dich schmähen,

mit der sie schmähen die Spuren deines Gesalbten!

53Gelobt sei der HERR ewiglich!

Amen! Amen!

89,53
Ps 41,14

90

Viertes Buch

Psalm 90–106

Zuflucht in unserer Vergänglichkeit

901Ein Gebet des Mose, des Mannes Gottes.

Herr, du bist unsre Zuflucht für und für. /

2Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden,

bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

3Der du

90,3
Ps 146,4
die Menschen lässest sterben

und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!

90,3
Pred 1,4

4Denn

90,4
2. Petr 3,8
tausend Jahre sind vor dir /

wie der Tag, der gestern vergangen ist,

und wie eine Nachtwache.

5

90,5
Ps 102,12
103,15
Hiob 14,2
Jes 40,6
1. Petr 1,24-25
Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, /

sie sind wie ein Schlaf,

wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst,

6das am Morgen blüht und sprosst

und des Abends welkt und verdorrt.

7Das macht dein Zorn, dass wir so vergehen,

und dein Grimm, dass wir so plötzlich dahinmüssen.

8Denn unsre Missetaten stellst du vor dich,

unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht.

9Darum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen Zorn,

wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz.

10Unser Leben währet siebzig Jahre,

und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre,

und was daran köstlich scheint,

ist doch nur

90,10
Pred 1,3
vergebliche Mühe;90,10 Luther übersetzte: »und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist’s Mühe und Arbeit gewesen«.

denn es fähret schnell dahin,

als flögen wir davon.

11Wer glaubt’s aber, dass du so sehr zürnest,

und wer fürchtet sich vor dir in deinem Grimm?

12

90,12
Ps 39,5-7
Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen,

auf dass wir klug werden.

13HERR, kehre dich doch endlich wieder zu uns

und sei deinen Knechten gnädig!

14Fülle uns frühe mit deiner Gnade,

so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.

15Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest,

nachdem wir so lange Unglück leiden.

16Zeige deinen Knechten

90,16
Jes 5,12
deine Werke

und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

17Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich /

und fördere das Werk unsrer Hände bei uns.

Ja, das Werk unsrer Hände wollest du fördern!

91

Unter Gottes Schutz

911Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt

und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,

2der spricht zu dem HERRN: /

Meine Zuversicht und meine Burg,

mein Gott, auf den ich hoffe.

3Denn er errettet dich vom Strick des Jägers

und von der verderblichen Pest.

4Er wird dich mit seinen Fittichen decken, /

und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.

Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,

5dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht,

vor dem Pfeil, der des Tages fliegt,

6vor der Pest, die im Finstern schleicht,

vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.

7Wenn auch tausend fallen zu deiner Seite /

und zehntausend zu deiner Rechten,

so wird es doch dich nicht treffen.

8Ja, du wirst es mit eigenen Augen sehen

und schauen, wie den Frevlern vergolten wird.

9Denn der HERR ist deine Zuversicht,

der Höchste ist deine Zuflucht.91,9 Wörtlich: »›Denn du, HERR, bist meine Zuversicht.‹ Den Höchsten hast du zu deiner Zuflucht gemacht.«

10Es wird dir kein Übel begegnen,

und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.

11

91,11
Mt 4,6
Denn er hat seinen Engeln befohlen,

dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

12dass sie dich auf den Händen tragen

und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

13Über Löwen und Ottern wirst du gehen

und junge Löwen und Drachen niedertreten.

91,13
Lk 10,19

14»Er liebt mich, darum will ich ihn erretten;

er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen.

15Er

91,15
Ps 50,15
ruft mich an, darum will ich ihn erhören; /

ich bin bei ihm in der Not,

ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen.

16Ich will ihn sättigen mit langem Leben

und will ihm zeigen mein

91,16
Jes 52,10
Heil.«