Lutherbibel 2017 (LU17)
71

Bitte um Gottes Hilfe im Alter

711HERR, ich traue auf dich,

lass mich nimmermehr zuschanden werden.

2Errette mich durch deine Gerechtigkeit und hilf mir heraus,

neige deine Ohren zu mir und hilf mir!

3Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann, /

der du zugesagt hast, mir zu helfen;

denn du bist mein

71,3
Ps 31,3-4
Fels und meine Burg.

4Mein Gott, hilf mir aus der Hand des Gottlosen,

aus der Hand des Ungerechten und Tyrannen.

5Denn du bist meine Zuversicht, HERR, mein Gott,

meine Hoffnung von meiner Jugend an.

6Auf dich habe ich mich verlassen vom Mutterleib an; /

du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen.

Dich rühme ich immerdar.

7Ich bin für viele wie ein Zeichen;

aber du bist meine starke Zuversicht.

8Lass meinen Mund deines Ruhmes

und deines Preises voll sein täglich.

9Verwirf mich nicht in meinem Alter,

verlass mich nicht, wenn ich schwach werde.

10Denn meine Feinde reden über mich,

und die auf mich lauern, beraten sich miteinander

11und sprechen: Gott hat ihn verlassen;

jagt ihm nach und ergreift ihn, denn da ist kein Erretter!

12Gott, sei nicht ferne von mir;

mein Gott, eile, mir zu helfen!

13Schämen sollen sich und umkommen,

die mir feind sind;

mit Schimpf und Schande sollen überschüttet werden,

die mein Unglück suchen.

14Ich aber will immer harren

und mehren all deinen Ruhm.

15Mein Mund soll verkündigen deine Gerechtigkeit,

täglich deine Wohltaten, die ich nicht zählen kann.

16Ich gehe einher in der Kraft Gottes des HERRN;

ich preise deine Gerechtigkeit allein.

17Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt,

und noch jetzt verkündige ich deine Wunder.

18Auch verlass mich nicht, Gott,

71,18
Jes 46,4
im Alter,

wenn ich grau werde,

bis ich deine Macht verkündige Kindeskindern

und deine Kraft allen, die noch kommen sollen.

19Gott, deine Gerechtigkeit reicht bis zum Himmel;

der du große Dinge tust, Gott, wer ist dir gleich?

20Du lässest mich erfahren viel Angst und Not

und

71,20
1. Sam 2,6
machst mich wieder lebendig

und holst mich wieder herauf

aus den Tiefen der Erde.

21Du machst mich sehr groß

und tröstest mich wieder.

22So will auch ich dir danken mit Saitenspiel

für deine Treue, mein Gott;

ich will dir zur Harfe lobsingen,

du

71,22
2. Kön 19,22
Jes 43,3
Heiliger Israels.

23Meine Lippen und meine Seele, die du erlöst hast,

sollen fröhlich sein und dir lobsingen.

24Auch meine Zunge soll täglich reden

von deiner Gerechtigkeit;

denn zu Schmach und Schande werden,

die mein Unglück suchen.

72

Der Friedefürst und sein Reich

721Von Salomo.

Gott, gib dein Recht dem König

und deine Gerechtigkeit dem Königssohn,

2dass er dein Volk richte in Gerechtigkeit

und deine Elenden nach dem Recht.

3Lass die Berge Frieden bringen für das Volk

und die Hügel Gerechtigkeit.

4Er soll den Elenden im Volk Recht schaffen

und den Armen helfen und die Bedränger zermalmen.

5Er soll leben, solange die Sonne scheint

und solange der Mond währt, von Geschlecht zu Geschlecht.

6Er soll herabfahren wie der Regen auf die Aue,

wie die Tropfen, die das Land feuchten.

7Zu seinen Zeiten soll blühen die Gerechtigkeit

und großer Friede sein, bis der Mond nicht mehr ist.

8Er soll herrschen von einem Meer bis ans andere

und von dem Strom bis zu den Enden der Erde.

72,8
Sach 9,10

9Vor ihm sollen sich neigen die Söhne der Wüste,

und

72,9
Jes 49,23
seine Feinde sollen Staub lecken.

10Die Könige von

72,10
Jes 60,9
Tarsis und auf den Inseln

sollen

72,10
Ps 68,30
Geschenke bringen,

die Könige aus

72,10
1. Kön 10,1-2
Saba und Seba

sollen Gaben senden.

11Alle Könige sollen vor ihm niederfallen

und alle Völker ihm dienen.

12Denn er wird den Armen erretten, der um Hilfe schreit,

und den

72,12
Hiob 36,15
Elenden, der keinen Helfer hat.

13Er wird gnädig sein den Geringen und Armen,

und den Armen wird er helfen.

14Er wird sie aus Bedrückung und Frevel erlösen,

und

72,14
Ps 9,13
116,15
ihr Blut ist wert geachtet vor ihm.

15Er soll leben, und man soll ihm geben

vom Gold aus Saba.

Man soll immerdar für ihn beten

und ihn täglich segnen.

16Voll stehe das Getreide im Land bis oben auf den Bergen;

wie am Libanon rausche seine Frucht.

In den Städten sollen sie grünen

wie das Gras auf Erden.

17Sein Name bleibe ewiglich;

solange die Sonne währt, blühe sein Name.

Und

72,17
1. Mose 12,3
22,18
durch ihn sollen gesegnet sein alle Völker,

und sie werden ihn preisen.

18

72,18
Ps 41,14
Gelobt sei Gott der HERR, der Gott Israels,

der allein Wunder tut!

19Gelobt sei sein herrlicher Name ewiglich,

und

72,19
Jes 6,3
alle Lande sollen seiner Ehre voll werden!

Amen! Amen!

20Zu Ende sind die Gebete Davids, des Sohnes Isais.

73

Drittes Buch

Psalm 73–89

Anfechtung und Trost beim Glück des Frevlers

731Ein Psalm Asafs.

Gott ist dennoch Israels Trost

für alle, die reinen Herzens sind.

2Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen;

mein Tritt wäre beinahe geglitten.

3Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen,

da ich sah,

73,3
Hiob 21,7
dass es den Frevlern so gut ging.

4Denn für sie gibt es keine Qualen,

gesund und feist ist ihr Leib.

5Sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute

und werden nicht wie andere Menschen geplagt.

6Darum prangen sie in Hoffart

und hüllen sich in Frevel.

7Sie brüsten sich wie ein fetter Wanst,

sie tun, was ihnen einfällt.

8Sie höhnen und reden böse,

sie reden und lästern hoch her.

9Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein;

was sie sagen, das soll gelten auf Erden.

10Darum läuft ihnen der Pöbel zu

und schlürft ihr Wasser in vollen Zügen.

11Sie sprechen:

73,11
Ps 10,11
Wie sollte Gott es wissen?

Wie sollte der Höchste etwas merken?

12Siehe, das sind die Frevler;

die sind glücklich für immer und werden reich.

13

73,13
Mal 3,14
Soll es denn umsonst sein, dass ich mein Herz rein hielt

und meine Hände in Unschuld wasche?

14Ich bin täglich geplagt,

und meine Züchtigung ist alle Morgen da.

15Hätte ich gedacht: Ich will reden wie sie,

siehe, dann hätte ich das Geschlecht deiner Kinder verraten.

16So sann ich nach, ob ich’s begreifen könnte,

aber es war mir zu schwer,

17bis ich ging in das Heiligtum Gottes

und merkte auf ihr Ende.

18Ja, du stellst sie auf schlüpfrigen Grund

und stürzest sie zu Boden.

19Wie werden sie so plötzlich zunichte!

Sie gehen unter und nehmen ein Ende mit Schrecken.

20Wie ein Traum verschmäht wird, wenn man erwacht,

so verschmähst du, Herr, ihr Bild, wenn du dich erhebst.

21Als es mir wehe tat im Herzen

und mich stach in meinen Nieren,

22da war ich ein Narr und wusste nichts,

ich war wie ein Tier vor dir.

23Dennoch

73,23
Röm 8,35-39
bleibe ich stets an dir;

denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,

24du leitest mich nach deinem Rat

und

73,24
Ps 49,16
nimmst mich am Ende mit Ehren an.

25Wenn ich nur dich habe,

so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

26Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,

so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und

73,26
Ps 16,5
mein Teil.

27Denn siehe, die von dir weichen, werden umkommen;

du bringst um alle, die dir die Treue brechen.

28Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte /

und meine Zuversicht setze auf Gott den HERRN,

dass ich verkündige all dein Tun.

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