Lutherbibel 2017 (LU17)
8

Einladung und Verheißung der Weisheit

81

8,1
Kap
Ruft nicht die Weisheit, und lässt nicht die Klugheit sich hören? 2Öffentlich am Wege steht sie und an der Kreuzung der Straßen; 3an den Toren am Ausgang der Stadt und am Eingang der Pforte ruft sie: 4O ihr Männer, euch rufe ich und erhebe meine Stimme zu den Menschenkindern! 5Merkt, ihr Unverständigen, auf Klugheit, und ihr Toren, nehmt Verstand an! 6Hört, denn ich rede, was edel ist, und meine Lippen sprechen, was recht ist. 7Denn mein Mund redet die Wahrheit, und meine Lippen hassen, was gottlos ist. 8Alle Reden meines Mundes sind gerecht, es ist nichts Verkehrtes noch Falsches darin. 9Sie sind alle recht für die Verständigen und richtig denen, die Erkenntnis gefunden haben. 10Nehmt meine Zucht an lieber als Silber und achtet Erkenntnis höher als kostbares Gold.
8,10
Kap
11Denn Weisheit ist besser als Perlen, und alles, was man wünschen mag, kann ihr nicht gleichen.

12Ich, die Weisheit, wohne bei der Klugheit und finde Einsicht und guten Rat. 13Die Furcht des HERRN hasst das Arge; Hoffart und Hochmut, bösem Wandel und verkehrter Rede bin ich feind. 14Mein ist beides, Rat und Tat, ich habe Verstand und Macht. 15Durch mich regieren die Könige und setzen die Ratsherren das Recht.

8,15
Kap
16Durch mich herrschen die Fürsten und die Edlen richten auf Erden. 17Ich liebe, die mich lieben, und die mich suchen, finden mich. 18Reichtum und Ehre ist bei mir, bleibendes Gut und Gerechtigkeit. 19Meine Frucht ist besser als Gold und feines Gold, und mein Ertrag besser als erlesenes Silber. 20Ich wandle auf dem Wege der Gerechtigkeit, mitten auf der Straße des Rechts, 21dass ich versorge mit Besitz, die mich lieben, und ihre Schatzkammern fülle.

Weisheit und Schöpfung

22

8,22
1. Mose 1,1–2,4
Hiob 28,23-28
Joh 1,1-3
Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. 23Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war. 24Als die Tiefe noch nicht war, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen. 25Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren, 26als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens. 27Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über der Tiefe, 28als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe, 29als er
8,29
Ps 104,9
dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte, 30da war ich beständig8,30 Luther übersetzte: »der Werkmeister«. bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; 31ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.

32So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten! 33Hört die Zucht und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind! 34Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore! 35Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom HERRN. 36Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod.

9

Weisheit und Torheit laden zum Mahle

91Die Weisheit hat ihr Haus gebaut und ihre sieben Säulen behauen. 2Sie hat ihr Vieh geschlachtet, ihren Wein gemischt und ihren Tisch bereitet 3und sandte ihre Mägde aus, zu rufen oben auf den Höhen der Stadt: 4»Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!«, und zum Toren spricht sie: 5»Kommt, esst von meinem Brot und trinkt von dem Wein, den ich gemischt habe! 6Verlasst die Torheit, so werdet ihr leben, und geht auf dem Wege der Klugheit.«

7Wer den Spötter belehrt, der trägt Schande davon, und wer den Frevler zurechtweist, holt sich Schmach. 8Rüge nicht den Spötter, dass er dich nicht hasse; rüge den Weisen, der wird dich lieben. 9Gib dem Weisen, so wird er noch weiser werden; lehre den Gerechten, so wird er in der Lehre zunehmen.

9,9
Mt 13,12

10

9,10
Kap
Der Weisheit Anfang ist die Furcht des HERRN, und den Heiligen erkennen, das ist Verstand. 11Denn durch mich werden deine Tage viel werden und die Jahre deines Lebens sich mehren. 12Bist du weise, so bist du’s dir zugut; bist du ein Spötter, so musst du’s allein tragen.

13Frau Torheit ist unbändig, trügerisch und weiß nichts. 14Sie sitzt vor der Tür ihres Hauses auf einem Thron auf den Höhen der Stadt, 15einzuladen alle, die vorübergehen und richtig auf ihrem Wege wandeln: 16»Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!«, und zum Toren spricht sie: 17»Gestohlenes Wasser ist süß, und heimliches Brot schmeckt fein.«

9,17
Kap
18Er weiß aber nicht, dass dort nur die Schatten wohnen, dass ihre Gäste in der Tiefe des Todes hausen.

10

Salomos Lehren von Weisheit und Frömmigkeit

101Dies sind die Sprüche Salomos.

10,1
Kap
Ein weiser Sohn ist seines Vaters Freude; aber ein törichter Sohn ist seiner Mutter Grämen.

2Unrecht Gut hilft nicht; aber Gerechtigkeit errettet vom Tode.

3Der HERR lässt

10,3
Ps 37,1925
den Gerechten nicht Hunger leiden; aber die Gier der Gottlosen stößt er zurück.

4Lässige Hand macht arm; aber

10,4
Kap
der Fleißigen Hand macht reich.

5Wer im Sommer sammelt, der ist klug; wer aber in der Ernte schläft, wird zuschanden.

6Segen ruht auf dem Haupt des Gerechten; aber der Mund der Frevler deckt Gewalttat.

7Das Andenken des Gerechten bleibt im Segen; aber

10,7
Hiob 18,17
Ps 9,6
der Name der Frevler wird verwesen.

8Wer weisen Herzens ist, nimmt Gebote an; wer aber ein Narrenmaul hat, kommt zu Fall.

9Wer in Unschuld lebt, der lebt sicher; wer aber verkehrte Wege geht, wird ertappt werden.

10Wer mit den Augen winkt, schafft Verdruss, und wer ein Narrenmaul hat, kommt zu Fall.

10,10
Kap

11Des Gerechten Mund ist ein Brunnen des Lebens; aber der Mund der Frevler deckt Gewalttat.

12Hass erregt Hader; aber

10,12
1. Petr 4,8
Liebe deckt alle Übertretungen zu.

13Auf den Lippen des Verständigen findet man Weisheit; aber auf den Rücken des Unverständigen gehört eine Rute.

14Die Weisen halten mit ihrem Wissen zurück; aber der Toren Mund führt schnell zum Verderben.

15

10,15
Kap
Die Habe des Reichen ist seine feste Stadt; aber das Verderben der Geringen ist ihre Armut.

16Dem Gerechten gereicht sein Erwerb zum Leben, aber dem Frevler sein Einkommen zur Sünde.

17Zucht bewahren ist der Weg zum Leben; wer aber Zurechtweisung nicht achtet, geht in die Irre.

18Wer Hass verdeckt, hat Lügen auf den Lippen, und wer Verleumdung ausstreut, der ist ein Narr.

19Wo viel Worte sind, da geht’s ohne Sünde nicht ab; wer aber seine Lippen im Zaum hält, ist klug.

20Des Gerechten Zunge ist kostbares Silber; aber der Gottlosen Verstand ist wie nichts.

21Des Gerechten Lippen erquicken viele; aber die Toren werden an ihrer Torheit sterben.

22Der Segen des HERRN allein macht reich, und nichts tut eigene Mühe hinzu.

10,22
Ps 127,2

23Ein Tor hat Lust an Schandtat, aber der einsichtige Mann an Weisheit.

24Was

10,24
Kap
der Frevler fürchtet, das wird ihm begegnen; und was
10,24
Ps 37,4
die Gerechten begehren, wird ihnen gegeben.

25Wenn das Wetter daherfährt, ist der Frevler nicht mehr; der Gerechte aber besteht ewiglich.

10,25
Kap

26Wie Essig den Zähnen und Rauch den Augen tut, so tut der Faule denen, die ihn senden.

27Die Furcht des HERRN mehrt die Tage; aber die Jahre der Gottlosen werden verkürzt.

28Das

10,28
Ps 9,19
Warten der Gerechten wird Freude werden; aber
10,28
Hiob 8,13
der Gottlosen Hoffnung wird verloren sein.

29Der

10,29
Kap
Weg des HERRN ist des Frommen Zuflucht; aber für die Übeltäter ist er Verderben.

30Der Gerechte wird nimmermehr wanken; aber

10,30
Kap
die Frevler werden nicht im Lande bleiben.

31

10,31
Ps 37,30
Aus dem Munde des Gerechten sprießt Weisheit; aber die falsche Zunge wird ausgerottet.

32Die Lippen der Gerechten wissen, was wohlgefällt; aber der Mund des Frevlers weiß Dinge zu verdrehen.

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