Lutherbibel 2017 (LU17)
7

71Mein Sohn, behalte meine Rede und verwahre meine Gebote bei dir. 2Behalte meine Gebote, so wirst du leben, und hüte meine Weisung wie deinen Augapfel. 3Binde sie an deine Finger, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens. 4Sprich zur Weisheit: Du bist meine Schwester, und nenne die Klugheit deine Freundin, 5dass sie dich behüte vor der fremden Frau, vor der Fremden, die glatte Worte gibt.

6Denn am Fenster meines Hauses guckte ich durchs Gitter 7und sah einen unter den Unverständigen und erblickte unter den jungen Leuten einen Jüngling ohne Verstand. 8Der ging über die Gasse zu ihrer Ecke und schritt daher auf dem Wege zu ihrem Hause 9in der Dämmerung, am Abend des Tages, als es Nacht wurde und dunkel war. 10Und siehe, da begegnete ihm eine Frau im Hurengewand, listig, 11wild und unbändig, dass ihre Füße nicht in ihrem Hause bleiben können. 12Jetzt ist sie draußen, jetzt auf der Gasse und lauert an allen Ecken. 13Und sie erwischt ihn und küsst ihn, wird dreist und spricht: 14»Ich hatte

7,14
3. Mose 7,15-17
Dankopfer zu bringen, heute habe ich meine Gelübde erfüllt. 15Darum bin ich ausgegangen, dir entgegen, um nach dir zu suchen, und habe dich gefunden. 16Ich habe mein Bett schön geschmückt mit bunten Decken aus Ägypten. 17Ich habe mein Lager mit Myrrhe besprengt, mit Aloe und Zimt. 18Komm, wir wollen uns satt trinken an der Liebe bis zum Morgen, lass uns die Liebe genießen. 19Denn der Mann ist nicht daheim, er ist auf eine weite Reise gegangen. 20Er hat den Geldbeutel mit sich genommen; er wird erst zum Vollmond wieder heimkommen.« 21Sie überredet ihn mit vielen Worten und gewinnt ihn mit ihrem glatten Munde. 22Er folgt ihr alsbald nach, wie ein Stier zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Hirsch, der ins Netz rennt, 23bis ihm der Pfeil die Leber spaltet; wie ein Vogel zur Schlinge eilt und weiß nicht, dass es das Leben gilt.

24So hört nun auf mich, meine Söhne, und merkt auf die Rede meines Mundes. 25Lass dein Herz nicht abweichen auf ihren Weg und irre nicht ab auf ihre Bahn. 26Denn zahlreich sind die Erschlagenen, die sie gefällt hat, und viele sind, die sie getötet hat. 27Ihr Haus ist der Weg ins Totenreich, da man hinunterfährt in des Todes Kammern.

8

Einladung und Verheißung der Weisheit

81

8,1
Kap
Ruft nicht die Weisheit, und lässt nicht die Klugheit sich hören? 2Öffentlich am Wege steht sie und an der Kreuzung der Straßen; 3an den Toren am Ausgang der Stadt und am Eingang der Pforte ruft sie: 4O ihr Männer, euch rufe ich und erhebe meine Stimme zu den Menschenkindern! 5Merkt, ihr Unverständigen, auf Klugheit, und ihr Toren, nehmt Verstand an! 6Hört, denn ich rede, was edel ist, und meine Lippen sprechen, was recht ist. 7Denn mein Mund redet die Wahrheit, und meine Lippen hassen, was gottlos ist. 8Alle Reden meines Mundes sind gerecht, es ist nichts Verkehrtes noch Falsches darin. 9Sie sind alle recht für die Verständigen und richtig denen, die Erkenntnis gefunden haben. 10Nehmt meine Zucht an lieber als Silber und achtet Erkenntnis höher als kostbares Gold.
8,10
Kap
11Denn Weisheit ist besser als Perlen, und alles, was man wünschen mag, kann ihr nicht gleichen.

12Ich, die Weisheit, wohne bei der Klugheit und finde Einsicht und guten Rat. 13Die Furcht des HERRN hasst das Arge; Hoffart und Hochmut, bösem Wandel und verkehrter Rede bin ich feind. 14Mein ist beides, Rat und Tat, ich habe Verstand und Macht. 15Durch mich regieren die Könige und setzen die Ratsherren das Recht.

8,15
Kap
16Durch mich herrschen die Fürsten und die Edlen richten auf Erden. 17Ich liebe, die mich lieben, und die mich suchen, finden mich. 18Reichtum und Ehre ist bei mir, bleibendes Gut und Gerechtigkeit. 19Meine Frucht ist besser als Gold und feines Gold, und mein Ertrag besser als erlesenes Silber. 20Ich wandle auf dem Wege der Gerechtigkeit, mitten auf der Straße des Rechts, 21dass ich versorge mit Besitz, die mich lieben, und ihre Schatzkammern fülle.

Weisheit und Schöpfung

22

8,22
1. Mose 1,1–2,4
Hiob 28,23-28
Joh 1,1-3
Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. 23Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war. 24Als die Tiefe noch nicht war, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen. 25Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren, 26als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens. 27Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über der Tiefe, 28als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe, 29als er
8,29
Ps 104,9
dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte, 30da war ich beständig8,30 Luther übersetzte: »der Werkmeister«. bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; 31ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.

32So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten! 33Hört die Zucht und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind! 34Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore! 35Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom HERRN. 36Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod.

9

Weisheit und Torheit laden zum Mahle

91Die Weisheit hat ihr Haus gebaut und ihre sieben Säulen behauen. 2Sie hat ihr Vieh geschlachtet, ihren Wein gemischt und ihren Tisch bereitet 3und sandte ihre Mägde aus, zu rufen oben auf den Höhen der Stadt: 4»Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!«, und zum Toren spricht sie: 5»Kommt, esst von meinem Brot und trinkt von dem Wein, den ich gemischt habe! 6Verlasst die Torheit, so werdet ihr leben, und geht auf dem Wege der Klugheit.«

7Wer den Spötter belehrt, der trägt Schande davon, und wer den Frevler zurechtweist, holt sich Schmach. 8Rüge nicht den Spötter, dass er dich nicht hasse; rüge den Weisen, der wird dich lieben. 9Gib dem Weisen, so wird er noch weiser werden; lehre den Gerechten, so wird er in der Lehre zunehmen.

9,9
Mt 13,12

10

9,10
Kap
Der Weisheit Anfang ist die Furcht des HERRN, und den Heiligen erkennen, das ist Verstand. 11Denn durch mich werden deine Tage viel werden und die Jahre deines Lebens sich mehren. 12Bist du weise, so bist du’s dir zugut; bist du ein Spötter, so musst du’s allein tragen.

13Frau Torheit ist unbändig, trügerisch und weiß nichts. 14Sie sitzt vor der Tür ihres Hauses auf einem Thron auf den Höhen der Stadt, 15einzuladen alle, die vorübergehen und richtig auf ihrem Wege wandeln: 16»Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!«, und zum Toren spricht sie: 17»Gestohlenes Wasser ist süß, und heimliches Brot schmeckt fein.«

9,17
Kap
18Er weiß aber nicht, dass dort nur die Schatten wohnen, dass ihre Gäste in der Tiefe des Todes hausen.

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