Lutherbibel 2017 (LU17)
1

11Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.

Johannes der Täufer

(Mt 3,1-12; Lk 3,1-18; Joh 1,19-27)

2Wie geschrieben steht im Propheten Jesaja: »Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bereiten soll.«

1,2
2. Mose 23,20
Mal 3,1
Mt 11,10
3»Es ist eine Stimme eines Predigers1,3 Wörtlich: »Rufers«. in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige eben!«,
1,3
Jes 40,3
4so war Johannes in der Wüste, taufte und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. 5Und es ging zu ihm hinaus das ganze judäische Land und alle Leute von Jerusalem und ließen sich von ihm taufen im Jordan und bekannten ihre Sünden. 6Und Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen
1,6
2. Kön 1,8
ledernen Gürtel um seine Lenden und aß Heuschrecken und wilden Honig. 7Und er predigte und sprach: Nach mir kommt der, der stärker ist als ich; ich bin nicht wert, dass ich mich vor ihm bücke und die Riemen seiner Schuhe löse. 8Ich habe euch mit Wasser getauft; aber
1,8
Joh 1,33
er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

Jesu Taufe und Versuchung

(Mt 3,13–4,11; Lk 3,21-22; 4,1-13; Joh 1,32-34)

9Und es begab sich zu der Zeit, dass Jesus aus

1,9
Mt 2,23
Nazareth in Galiläa kam und ließ sich taufen von Johannes im Jordan. 10Und alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn. 11Und da geschah eine Stimme vom Himmel:
1,11
Ps 2,7
Jes 42,1
Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.
1,11
Kap

12Und alsbald trieb ihn der Geist in die Wüste; 13und er war in der Wüste vierzig Tage und wurde versucht von dem Satan und war bei den Tieren, und die Engel dienten ihm.

Der Beginn des Wirkens Jesu in Galiläa

(Mt 4,12-17; Lk 4,14-15)

14Nachdem aber Johannes

1,14
Kap
überantwortet war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes 15und sprach:
1,15
Gal 4,4
Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!

Die Berufung der ersten Jünger

(Mt 4,18-22; Lk 5,1-11; Joh 1,35-51)

16Als er aber am Galiläischen Meer entlangging, sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, wie sie ihre Netze ins Meer warfen; denn sie waren Fischer. 17Und Jesus sprach zu ihnen: Kommt, folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! 18Und sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.

19Und als er ein wenig weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, wie sie im Boot die Netze flickten. 20Und sogleich rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus im Boot mit den Tagelöhnern und gingen fort, ihm nach.

Jesus in Kapernaum

(Mt 8,14-17; Lk 4,31-44)

21Und sie gingen hinein nach Kapernaum; und alsbald am Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte. 22Und

1,22
Kap
sie entsetzten sich über seine Lehre; denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie die Schriftgelehrten.
1,22
Mt 7,28-29

23Und alsbald war in ihrer Synagoge ein Mensch, besessen von einem unreinen Geist1,23 Siehe Sach- und Worterklärungen.; der schrie: 24

1,24
Kap
Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus von Nazareth? Bist du gekommen, uns zu vernichten? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes! 25Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm! 26Und der unreine Geist riss ihn hin und her und schrie laut und fuhr aus von ihm.
1,26
Kap
27Und sie entsetzten sich alle, sodass sie sich untereinander befragten und sprachen: Was ist das? Eine neue Lehre in Vollmacht! Er gebietet auch den unreinen Geistern, und sie gehorchen ihm! 28Und die Kunde von ihm erscholl alsbald überall in das ganze Land um Galiläa.

29Und alsbald gingen sie aus der Synagoge und kamen in das Haus des Simon und Andreas mit Jakobus und Johannes. 30Die Schwiegermutter Simons aber lag darnieder und hatte das Fieber; und alsbald sagten sie ihm von ihr. 31Und er trat zu ihr, ergriff sie bei der Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ sie, und sie diente ihnen.

32Am Abend aber, da die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen. 33Und die ganze Stadt war versammelt vor der Tür. 34Und er heilte viele, die an mancherlei Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus und

1,34
Kap
ließ die Dämonen nicht reden; denn sie kannten ihn.

35Und am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und

1,35
Mt 14,23
Lk 5,16
er ging an eine einsame Stätte und betete dort. 36Und Simon und die bei ihm waren, eilten ihm nach. 37Und da sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich. 38Und er sprach zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die nächsten Orte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. 39Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die Dämonen aus.
1,39
Mt 4,23
9,35

Die Heilung eines Aussätzigen

(Mt 8,2-4; Lk 5,12-16)

40Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. 41Und es jammerte ihn, und er streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun; sei rein! 42Und alsbald wich der Aussatz von ihm, und er wurde rein. 43Und Jesus bedrohte ihn und trieb ihn alsbald von sich 44und sprach zu ihm: Sieh zu, dass du

1,44
Kap
niemandem etwas sagst; sondern
1,44
3. Mose 14,2-32
geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis.

45Er aber ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekannt zu machen, sodass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; und sie kamen zu ihm von allen Enden.

2

Die Heilung eines Gelähmten und die Vollmacht zur Sündenvergebung

(Mt 9,1-8; Lk 5,17-26)

21Und nach etlichen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war. 2Und

2,2
Kap
es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort. 3Und es kamen einige, die brachten zu ihm einen Gelähmten, von vieren getragen. 4Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, gruben es auf und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. 5Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.

6Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: 7Wie redet der so? Er lästert Gott!

2,7
Ps 130,4
Jes 43,25
Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? 8Und Jesus erkannte alsbald in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? 9Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin? 10Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: 11Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!
2,11
Joh 5,8
12Und er stand auf und nahm sogleich sein Bett und ging hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben solches noch nie gesehen.

Die Berufung des Levi und das Mahl mit den Zöllnern

(Mt 9,9-13; Lk 5,27-32)

13Und er ging wieder hinaus an das Meer2,13 Gemeint ist der See Genezareth.; und alles Volk kam zu ihm, und er lehrte sie. 14Und als er vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und

2,14
Kap
folgte ihm nach.

15Und es begab sich, dass er zu Tisch saß in seinem Hause,

2,15
Lk 7,34
da setzten sich viele Zöllner und Sünder zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern; denn es waren viele, und sie folgten ihm nach. 16Und als die Schriftgelehrten unter den Pharisäern sahen, dass er mit den Sündern und Zöllnern aß, sprachen sie zu seinen Jüngern: Mit den Zöllnern und Sündern isst er? 17Da das Jesus hörte, sprach er zu ihnen: Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

Die Frage nach dem Fasten

(Mt 9,14-17; Lk 5,33-38)

18Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten viel. Und es kamen etliche, die sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, aber deine Jünger fasten nicht? 19Und Jesus sprach zu ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten. 20Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen ist; dann werden sie fasten, an jenem Tage.

21Niemand flickt einen Lappen von neuem Tuch auf ein altes Kleid; sonst reißt der neue Lappen vom alten ab und der Riss wird ärger. 22Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der Wein die Schläuche, und der Wein ist verloren und die Schläuche auch; sondern man füllt neuen Wein in neue Schläuche.

Das Ährenraufen am Sabbat

(Mt 12,1-8; Lk 6,1-5)

23Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen,

2,23
5. Mose 23,26
Ähren auszuraufen. 24Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger
2,24
2. Mose 20,10
am Sabbat, was nicht erlaubt ist? 25
2,25
1. Sam 21,2-7
Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: 26wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar und aß die Schaubrote, die
2,26
3. Mose 24,9
niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? 27Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. 28So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

3

Die Heilung am Sabbat

(Mt 12,9-14; Lk 6,6-11)

31Und er ging abermals in die Synagoge. Und es war da ein Mensch, der hatte eine verdorrte Hand. 2Und sie gaben acht, ob er ihn am Sabbat heilen würde, damit sie ihn verklagen könnten. 3Und er sprach zu dem Menschen mit der verdorrten Hand: Steh auf und tritt in die Mitte! 4Und er sprach zu ihnen: Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes tun oder Böses tun, Leben retten oder töten? Sie aber schwiegen still. 5Und er sah sie ringsum an mit Zorn, betrübt über ihr erstarrtes Herz, und sprach zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus; und seine Hand wurde wieder gesund. 6Und die Pharisäer gingen hinaus und hielten alsbald Rat über ihn mit den Anhängern des Herodes3,6 Siehe Sach- und Worterklärungen zu »Herodes«., dass sie ihn

3,6
2. Mose 31,14-15
umbrächten.

Andrang des Volkes und viele Heilungen

(Mt 12,15-16; Lk 6,17-19)

7

3,7
Mt 4,25
Aber Jesus entwich mit seinen Jüngern an das Meer, und eine große Menge aus Galiläa folgte ihm; auch aus Judäa 8und Jerusalem, aus Idumäa und von jenseits des Jordans und aus der Umgebung von Tyrus und Sidon kam eine große Menge zu ihm, da sie von seinen Taten hörten. 9Und er sagte zu seinen Jüngern, sie sollten ihm ein Boot bereithalten, damit das Volk ihn nicht bedränge. 10Denn er heilte viele, sodass sie über ihn herfielen, damit ihn anrührten alle, die geplagt waren. 11Und wenn ihn die unreinen Geister sahen, fielen sie vor ihm nieder und schrien:
3,11
Kap
Du bist Gottes Sohn! 12Und
3,12
Kap
er bedrohte sie hart, dass sie ihn nicht offenbar machten.

Die Berufung der Zwölf

(Mt 10,1-4; Lk 6,12-16)

13Und er ging auf einen Berg und rief zu sich, welche er wollte, und die gingen hin zu ihm. 14Und er setzte zwölf ein, die er auch Apostel nannte, dass sie bei ihm sein sollten und dass er sie aussendete zu predigen 15und dass sie Vollmacht hätten, die Dämonen auszutreiben.

3,15
Kap
16Und er setzte die Zwölf ein: Simon – ihm gab er den Namen Petrus – 17und Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus – ihnen gab er den Namen Boanerges, das heißt: Donnersöhne – 18und Andreas und Philippus und Bartholomäus und Matthäus und Thomas und Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Thaddäus und Simon Kananäus 19und Judas Iskariot,
3,19
Kap
der ihn dann verriet.

Jesus und seine Verwandten

20Und er ging in ein Haus. Und

3,20
Kap
da kam abermals das Volk zusammen, sodass sie nicht einmal essen konnten. 21Und als es die Seinen hörten, machten sie sich auf und wollten ihn ergreifen; denn sie sprachen: Er ist von Sinnen.
3,21
Kap

Jesus und die Dämonen

(Mt 12,24-32; Lk 11,14-23)

22Die Schriftgelehrten aber, die von Jerusalem herabgekommen waren, sprachen: Er hat den Beelzebul, und:

3,22
Mt 9,34
Durch den Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus. 23Und er rief sie zu sich und sprach zu ihnen in Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben? 24Wenn ein Reich mit sich selbst uneins wird, kann es nicht bestehen. 25Und wenn ein Haus mit sich selbst uneins wird, kann es nicht bestehen. 26Erhebt sich nun der Satan gegen sich selbst und ist mit sich selbst uneins, so kann er nicht bestehen, sondern es ist aus mit ihm. 27Niemand aber kann in das Haus des Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken fesselt; und dann wird er sein Haus ausrauben.
3,27
Jes 49,24-25

28Wahrlich, ich sage euch: Alles wird den Menschenkindern vergeben werden, die Sünden und die Lästerungen, so viel sie auch lästern mögen; 29wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig. 30Denn sie hatten gesagt: Er hat einen unreinen Geist.

Jesu wahre Verwandte

(Mt 12,46-50; Lk 8,19-21)

31Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. 32Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe,

3,32
Kap
deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. 33Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? 34Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! 35Denn
3,35
Mt 7,21
wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.