Lutherbibel 2017 (LU17)
6

Vom Almosengeben

61Habt aber acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht übt vor den Leuten,

6,1
Kap
um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel.

2Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 3Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut,

6,3
Röm 12,8
4auf dass dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.

Vom Beten. Das Vaterunser

5Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.

7Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn

6,7
Jes 1,15
sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 9
6,9
Lk 11,2-4
Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel!

Dein Name werde geheiligt.

6,9
Kap

10Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe

wie im Himmel so auf Erden.

6,10
Kap

11Unser tägliches Brot6,11 Wörtlich: »das Brot für morgen«. gib uns heute.

6,11
2. Mose 16,4
Ps 145,15

12Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.6,12 Wörtlich: »Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben haben unsern Schuldigern«.

6,12
Kap

13Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

6,13
1. Kor 10,13

[Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]6,13 Dieser Abschluss ist in den ältesten Handschriften nicht enthalten.

14Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.
6,14
Mk 11,25
15Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Vom Fasten

16Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, um sich vor den Leuten zu zeigen mit ihrem Fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.

6,16
Jes 58,5-6
17Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, 18damit du dich nicht vor den Leuten zeigst mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.

Vom Schätzesammeln und Sorgen

19

6,19
Lk 12,33-34
Kol 3,1-2
Jak 5,2-3
Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen. 20Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie fressen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen. 21Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

22

6,22
Lk 11,34-36
Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. 23Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!
6,23
Joh 11,10

24Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

6,24
Lk 16,13
Jak 4,4

25

6,25
Lk 12,22-31
Darum sage ich euch:
6,25
Ps 145,15-16
Phil 4,6
1. Petr 5,7
Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? 26Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?
6,26
Kap
27Wer ist aber unter euch, der seiner Länge6,27 Das griechische Wort kann »Lebenslänge« oder »Körpergröße« bedeuten. eine Elle zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?

28Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. 29Ich sage euch, dass auch

6,29
1. Kön 10,1-29
Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. 30Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: Sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? 31Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?
6,31
Phil 4,6
1. Petr 5,7
32Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.

33Trachtet zuerst nach dem

6,33
Röm 14,17
Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit,
6,33
1. Kön 3,13-14
Ps 37,425
so wird euch das alles zufallen. 34Darum sorgt nicht für morgen, denn
6,34
2. Mose 16,16-19
der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

7

Vom Richten

71Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.

7,1
Lk 6,37
Röm 2,1
1. Kor 4,5
2Denn wie ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und
7,2
Jes 33,1
Mk 4,24
mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.

3Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge? 4Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen! – und siehe, ein Balken ist in deinem Auge? 5Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.

6Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit die sie nicht zertreten mit ihren Füßen und sich umwenden und euch zerreißen.

7,6
Kap

Von der Zuversicht beim Beten

(Lk 11,9-13)

7

7,7
Mk 11,24
Joh 14,13
15,7
Bittet, so wird euch gegeben;
7,7
Spr 8,17
Jer 29,13-14
suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 8Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

9Oder ist ein Mensch unter euch, der seinem Sohn, wenn er ihn bittet um Brot, einen Stein biete? 10Oder der ihm, wenn er ihn bittet um einen Fisch, eine Schlange biete? 11Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr

7,11
Jak 1,17
wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!

Die Goldene Regel. Von den zwei Wegen

12Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten.

7,12
Kap

13

7,13
Lk 13,24
Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind’s, die auf ihm hineingehen. 14Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s, die ihn finden!
7,14
Kap

Warnung vor den falschen Propheten

15Seht euch vor vor den

7,15
Kap
falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. 16An ihren
7,16
Gal 5,19-23
Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? 17So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte.
7,17
Kap
18Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. 19Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
7,19
Kap
20Darum, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

21Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern

7,21
Röm 2,13
Jak 1,22
die den Willen tun meines Vaters im Himmel. 22
7,22
Lk 13,25-27
Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr,
7,22
Jer 27,15
haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten getan? 23Dann werde ich ihnen bekennen:
7,23
Kap
Ich habe euch nie gekannt;
7,23
Ps 6,9
weicht von mir, die ihr das Gesetz übertretet!

Vom Hausbau

24Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. 25Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.

26Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. 27Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.

28Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk

7,28
Kap
entsetzte über seine Lehre; 29denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten.
7,29
Kap

8

Die Heilung eines Aussätzigen

(Mk 1,40-44; Lk 5,12-14)

81Als er aber vom Berge herabging, folgte ihm eine große Menge. 2Und siehe, ein Aussätziger kam heran und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen. 3Und Jesus streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will’s tun; sei rein! Und sogleich wurde er von seinem Aussatz rein. 4Und Jesus sprach zu ihm: Sieh zu,

8,4
Kap
sage es niemandem, sondern geh hin und
8,4
3. Mose 14,2-32
Lk 17,14
zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Mose befohlen hat, ihnen zum Zeugnis.

Der Hauptmann von Kapernaum

(Lk 7,1-10; Joh 4,46-53)

5Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn 6und sprach: Herr, mein Knecht8,6 Andere Übersetzung (hier und in Vers 8 und 13): »mein Kind«. liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen. 7Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen.8,7 Andere Übersetzung: »Ich soll kommen und ihn gesund machen?« 8Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. 9Denn auch ich bin ein Mensch, der einer Obrigkeit untersteht, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er’s.

10Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!

8,10
Mk 6,6
Lk 18,8
11
8,11
Lk 13,28-29
Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; 12aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die äußerste Finsternis;
8,12
Kap
da wird sein Heulen und Zähneklappern.

13Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin;

8,13
Kap
dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.

Jesus im Haus des Petrus

(Mk 1,29-34; Lk 4,38-41)

14Und Jesus kam in das Haus des Petrus und sah, dass dessen

8,14
1. Kor 9,5
Schwiegermutter zu Bett lag und hatte das Fieber. 15Da berührte er ihre Hand und das Fieber verließ sie. Und sie stand auf und diente ihm.

16Am Abend aber brachten sie viele Besessene zu ihm; und er trieb die Geister aus durch sein Wort und machte alle Kranken gesund, 17auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jes 53,4): »Er hat unsre Schwachheit auf sich genommen, und unsre Krankheiten hat er getragen.«

Vom Ernst der Nachfolge

(Lk 9,57-60)

18Als aber Jesus die Menge um sich sah, befahl er, hinüber ans andre Ufer zu fahren. 19Und es trat ein Schriftgelehrter herzu und sprach zu ihm: Meister, ich will dir folgen, wohin du gehst. 20Jesus sagt zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber

8,20
2. Kor 8,9
der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

21Ein anderer aber, einer seiner Jünger, sprach zu ihm: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.

8,21
Kap
22Aber Jesus spricht zu ihm: Folge mir nach und lass die Toten ihre Toten begraben!

Die Stillung des Sturms

(Mk 4,35-41; Lk 8,22-25)

23Und er stieg in das Boot und seine Jünger folgten ihm. 24Und siehe, da war ein

8,24
Offb 6,12
großes Beben im Meer, sodass das Boot von den Wellen bedeckt wurde. Er aber schlief. 25Und sie traten zu ihm, weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf, wir verderben! 26Da sagt er zu ihnen:
8,26
Kap
Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?, und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer; und es ward eine große Stille.
8,26
Ps 89,10
Apg 27,22

27Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind?

Die Heilung von zwei besessenen Gadarenern

(Mk 5,1-17; Lk 8,26-37)

28Und er kam ans andre Ufer in die Gegend der Gadarener. Da liefen ihm entgegen zwei Besessene; die kamen aus den Grabhöhlen und waren sehr gefährlich, sodass niemand diese Straße gehen konnte. 29Und siehe, sie schrien:

8,29
Mk 1,24
Was haben wir mit dir zu schaffen, du
8,29
Mk 3,11
Lk 4,41
Sohn Gottes? Bist du hergekommen,
8,29
2. Petr 2,4
Jak 2,19
uns zu quälen, ehe es Zeit ist?

30Es war aber fern von ihnen eine große Herde Säue auf der Weide. 31Da baten ihn die Dämonen und sprachen: Willst du uns austreiben, so schick uns in die Herde Säue. 32Und er sprach: Weg mit euch! Da fuhren sie aus und fuhren in die Säue. Und siehe, die ganze Herde stürmte den Abhang hinunter ins Meer, und sie ersoffen im Wasser.

33Und die Hirten flohen und gingen hin in die Stadt und berichteten das alles und wie es den Besessenen ergangen war. 34Und siehe, da ging die ganze Stadt hinaus Jesus entgegen. Und als sie ihn sahen, baten sie ihn, dass er ihr Gebiet verlasse.