Lutherbibel 2017 (LU17)

Jesu Leiden, Sterben und Auferstehung

Kapitel 26,1–28,20

(Mk 14,1–16,20; Lk 22,1–24,53; Joh 13,1-38; 18,1–21,25)

261Und es begab sich, als Jesus alle diese Reden vollendet hatte, sprach er zu seinen Jüngern: 2Ihr wisst, dass in zwei Tagen

26,2
2. Mose 12,1-20
Passa ist; und
26,2
Mt 17,22
20,18
der Menschensohn wird überantwortet werden, dass er gekreuzigt werde.

Der Plan der Hohenpriester und der Ältesten

3Da versammelten sich die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes im Palast des Hohenpriesters, der hieß

26,3
Lk 3,2
Kaiphas, 4und hielten Rat, Jesus mit List zu ergreifen und zu töten. 5Sie sprachen aber: Ja nicht bei dem Fest, damit es nicht einen Aufruhr gebe im Volk.

Die Salbung in Betanien

(Lk 7,36-50; Joh 12,1-8)

6Als nun Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen, 7trat zu ihm eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit kostbarem Salböl und goss es auf sein Haupt, als er zu Tisch saß. 8Da das die Jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Wozu diese Vergeudung? 9Es hätte teuer verkauft und das Geld den Armen gegeben werden können.

10Als Jesus das merkte, sprach er zu ihnen: Was bekümmert ihr die Frau? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 11Denn ihr habt allezeit

26,11
5. Mose 15,11
Arme bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit. 12Dass sie dies Öl auf meinen Leib gegossen hat, hat sie getan, dass sie mich für das Begräbnis bereite. 13Wahrlich, ich sage euch: Wo dies Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Der Verrat des Judas

14Da ging einer von den Zwölfen, mit Namen Judas Iskariot, zu den Hohenpriestern 15und sprach:

26,15
Joh 11,57
Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten. Und sie boten ihm
26,15
Sach 11,12
dreißig Silberlinge. 16Und von da an suchte er eine Gelegenheit, dass er ihn ausliefere.

Das Abendmahl

17Aber am ersten

26,17
2. Mose 12,18-20
Tag der Ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wo willst du, dass wir dir das Passalamm zum Essen bereiten? 18Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passamahl halten mit meinen Jüngern.
26,18
Mt 21,3
19Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Passalamm.

20Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen. 21Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. 22Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzeln zu ihm zu sagen: Herr, bin ich’s? 23Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten. 24Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch

26,24
Lk 17,1-2
weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre. 25Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich’s, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es.

26

26,26
1. Kor 10,16
11,23-25
Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. 27Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; 28das ist mein
26,28
2. Mose 24,8
Jer 31,31
Sach 9,11
Hebr 9,15-16
Blut des Bundes26,28 Luther übersetzte: »des neuen Testaments«., das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. 29Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich. 30Und als sie den
26,30
Ps 113,1–118,29
Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Die Ankündigung der Verleugnung des Petrus

31Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch alle ärgern an mir; denn es steht geschrieben (Sach 13,7): »Ich werde den Hirten schlagen, und

26,31
Joh 16,32
die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.« 32Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor euch hingehen nach
26,32
Mt 28,7
Galiläa.

33Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sich auch alle an dir ärgern, so will ich doch mich niemals ärgern. 34Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. 35Petrus sprach zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen. Das Gleiche sagten auch alle Jünger.

Jesus in Gethsemane

36Da kam Jesus mit ihnen zu einem Garten, der hieß Gethsemane, und sprach zu den Jüngern: Setzt euch hierher, solange ich dorthin gehe und bete. 37Und

26,37
Mt 17,1
er nahm mit sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und
26,37
Hebr 5,7
fing an zu trauern und zu zagen. 38Da sprach Jesus zu ihnen:
26,38
Joh 12,27
Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet mit mir!

39Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser

26,39
Joh 18,11
Kelch an mir vorüber; doch
26,39
Joh 6,38
Hebr 5,8
nicht, wie ich will, sondern wie du willst! 40Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Konntet ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen? 41
26,41
Eph 6,18
Wachet und betet, dass ihr nicht in
26,41
Hebr 2,18
Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.

42Zum zweiten Mal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater, ist’s nicht möglich, dass dieser Kelch vorübergehe26,42 Luther übersetzte nach anderen Handschriften: »von mir gehe«., ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille! 43Und er kam und fand sie abermals schlafend, und ihre Augen waren voller Schlaf. 44Und er ließ sie und ging wieder hin und

26,44
2. Kor 12,8
betete zum dritten Mal und redete abermals dieselben Worte. 45Dann kam er zu den Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist da, dass der Menschensohn in die Hände der Sünder überantwortet wird. 46Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, er ist da, der mich verrät.

Jesu Gefangennahme

47Und als er noch redete, siehe, da kam Judas, einer von den Zwölfen, und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und mit Stangen, von den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes. 48Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen genannt und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist’s; den ergreift. 49Und alsbald trat er zu Jesus und sprach: Sei gegrüßt, Rabbi!, und küsste ihn. 50Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, dazu bist du gekommen? Da traten sie heran und legten Hand an Jesus und ergriffen ihn.

51Und siehe, einer von denen, die bei Jesus waren, streckte die Hand aus und zog sein Schwert und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm ein Ohr ab. 52Da sprach Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn

26,52
1. Mose 9,6
wer das Schwert nimmt, der wird durchs Schwert umkommen. 53Oder meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, und er würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen
26,53
Mt 4,11
Ps 91,11-12
Engel schicken? 54Wie würde dann aber die Schrift erfüllt, dass es so geschehen muss?

55Zu der Stunde sprach Jesus zu der Schar: Ihr seid ausgezogen wie gegen einen Räuber mit Schwertern und mit Stangen, mich gefangen zu nehmen? Habe ich doch

26,55
Lk 19,47
täglich im Tempel gesessen und gelehrt, und ihr habt mich nicht ergriffen. 56Aber das ist alles geschehen, auf dass erfüllt würden die Schriften der Propheten. Da verließen ihn alle Jünger und flohen.

Jesus vor dem Hohen Rat

57Die aber Jesus ergriffen hatten, führten ihn zu dem Hohenpriester Kaiphas, wo die Schriftgelehrten und die Ältesten sich versammelt hatten. 58Petrus aber folgte ihm nach von ferne bis zum Palast des Hohenpriesters und ging hinein und setzte sich zu den Knechten, um zu sehen, worauf es hinauswollte.

59Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten falsches Zeugnis gegen Jesus, dass sie ihn töteten, 60und fanden keins, obwohl viele falsche Zeugen herzutraten. Zuletzt aber traten zwei herzu 61und sprachen: Er hat gesagt: Ich kann

26,61
Apg 6,14
den Tempel Gottes abbrechen und in drei Tagen aufbauen.
26,61
Joh 2,19-21
62Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich bezeugen? 63Aber Jesus
26,63
Mt 27,12
Jes 53,7
schwieg still. Und der Hohepriester sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott,
26,63
Joh 10,24
dass du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes. 64Jesus sprach zu ihm: Du sagst es. Doch sage ich euch: Von nun an werdet ihr sehen den Menschensohn
26,64
Ps 110,1
sitzen zur Rechten der Kraft und
26,64
Mt 16,27
24,30
Dan 7,13
kommen auf den Wolken des Himmels.

65

26,65
3. Mose 24,16
Joh 10,33
19,7
Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert! Was bedürfen wir weiterer Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr die Gotteslästerung gehört. 66Was meint ihr? Sie antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig. 67Da spien sie ihm ins Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Einige aber schlugen ihn ins Angesicht
26,67
Jes 50,6
68und sprachen: Weissage uns, Christus, wer ist’s, der dich schlug?

Die Verleugnung des Petrus

69Petrus aber saß draußen im Hof. Und es trat eine Magd zu ihm und sprach: Und du warst auch mit dem Jesus aus Galiläa. 70Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst. 71Als er aber hinausging in die Torhalle, sah ihn eine andere und sprach zu denen, die da waren: Dieser war auch mit dem

26,71
Mt 2,23
Jesus von Nazareth26,71 Andere Übersetzung: »Jesus, dem Nazoräer«; siehe Sach- und Worterklärungen zu »Nazoräer«.. 72Und er leugnete abermals und schwor dazu: Ich kenne den Menschen nicht.

73Und nach einer kleinen Weile traten hinzu, die da standen, und sprachen zu Petrus: Wahrhaftig, du bist auch einer von denen, denn deine Sprache verrät dich. 74Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht. Und alsbald krähte der Hahn. 75Da dachte Petrus an das Wort, das Jesus gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.