Lutherbibel 2017 (LU17)
6

Das Ährenraufen am Sabbat

(Mt 12,1-8; Mk 2,23-28)

61

6,1
Kap
Und es begab sich an einem Sabbat, dass er durch die Kornfelder ging; und seine Jünger
6,1
5. Mose 23,26
rauften Ähren aus und zerrieben sie mit den Händen und aßen. 2Einige der Pharisäer aber sprachen: Warum tut ihr, was
6,2
2. Mose 20,8-11
5. Mose 5,12-15
am Sabbat nicht erlaubt ist? 3
6,3
1. Sam 21,2-7
Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht das gelesen, was David tat, als ihn hungerte, und die, die bei ihm waren? 4Wie er in das Haus Gottes ging und die
6,4
3. Mose 24,5-9
Schaubrote nahm und aß, die doch niemand essen darf als die Priester allein, und wie er sie auch denen gab, die bei ihm waren? 5Und er sprach zu ihnen: Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.

Die Heilung eines Mannes am Sabbat

(Mt 12,9-14; Mk 3,1-6)

6Es geschah aber an einem andern Sabbat, dass er in die Synagoge ging und lehrte. Und da war ein Mensch, dessen rechte Hand war verdorrt. 7Aber die Schriftgelehrten und die Pharisäer gaben acht, ob er auch

6,7
2. Mose 20,8-11
5. Mose 5,12-15
am Sabbat heilen würde, damit sie etwas fänden, ihn zu verklagen. 8Er aber kannte ihre Gedanken und sprach zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und tritt in die Mitte! Und er stand auf und trat vor. 9Da sprach Jesus zu ihnen: Ich frage euch: Ist’s erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, Leben zu retten oder zu verderben? 10Und er sah sie alle ringsum an und sprach zu ihm: Strecke deine Hand aus! Und er tat’s; da wurde seine Hand wieder gesund. 11Sie aber wurden ganz von Sinnen und beredeten sich miteinander, was sie Jesus tun wollten.

Die Berufung der Zwölf auf dem Berg

(Mt 10,1-4; Mk 3,13-19)

12Es begab sich aber zu der Zeit, dass er auf einen Berg ging, um zu beten; und er blieb über Nacht im Gebet zu Gott.

6,12
Mt 14,23
Mk 1,35
13
6,13
Apg 1,13
Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger und erwählte zwölf von ihnen, die er auch Apostel nannte: 14Simon, den er auch Petrus nannte, und Andreas, seinen Bruder, Jakobus und Johannes; Philippus und Bartholomäus; 15Matthäus und Thomas; Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Simon, genannt der Zelot; 16Judas, den Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot,
6,16
Kap
der zum Verräter wurde.

Die Feldrede

Kapitel 6,17-49

17

6,17
Mt 4,23-25
12,15
Mk 3,7-12
Und er ging mit ihnen hinab und trat auf ein ebenes Feld, er und eine große Schar seiner Jünger und eine große Menge des Volkes aus dem ganzen jüdischen Land und Jerusalem und aus dem Küstenland von Tyrus und Sidon, 18die gekommen waren, ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden; und die von unreinen Geistern umgetrieben wurden, die wurden gesund. 19Und alles Volk suchte ihn anzurühren; denn
6,19
Kap
es ging Kraft von ihm aus und heilte sie alle.

Die Seligpreisungen

(Mt 5,3-12)

20Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach:

6,20
Kap
Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. 21Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen.
6,21
Jes 49,10
61,2
Offb 7,16-17
21,4
22Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und euch ausstoßen und schmähen und verwerfen euren Namen als böse um des Menschensohnes willen.
6,22
Kap
23Freut euch an jenem Tage und tanzt; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Denn
6,23
2. Chr 36,16
Neh 9,26
das Gleiche haben ihre Väter den Propheten getan.

Die Weherufe

24Aber dagegen: Weh euch Reichen; denn ihr habt euren Trost schon gehabt.

6,24
Mt 19,23
Jak 5,1
25Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet weinen und klagen.
6,25
Jes 65,13
26Wehe, wenn jedermann gut über euch redet; denn
6,26
Jer 5,31
das Gleiche haben ihre Väter den falschen Propheten getan.

Von der Feindesliebe

(Mt 5,39-48)

27Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; 28segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.

6,28
Röm 12,14
1. Kor 4,12
1. Petr 3,9
29Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem
6,29
Jes 50,6
Klgl 3,30
biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht. 30Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück. 31Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!
6,31
Mt 7,12

32Und wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr davon? Denn auch die Sünder lieben, die ihnen Liebe erweisen. 33Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, welchen Dank habt ihr davon? Das tun die Sünder auch. 34Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft, welchen Dank habt ihr davon? Auch Sünder leihen Sündern, damit sie das Gleiche zurückbekommen. 35Vielmehr liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen. So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.

Vom Umgang mit dem Nächsten

(Mt 7,1-5)

36Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. 37Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.

6,37
Mt 6,14
Mk 11,25

38Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn

6,38
Mk 4,24
eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.

39Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?

6,39
Mt 15,14
40Ein Jünger6,40 Andere Übersetzung: »Schüler«. steht nicht über dem Meister; wer aber alles gelernt hat, der ist wie sein Meister.
6,40
Mt 10,24-25

41Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr? 42Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.

Vom Baum und seinen Früchten

(Mt 12,33-35)

43

6,43
Mt 7,16-18
Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht trägt, noch einen faulen Baum, der gute Frucht trägt. 44Ein jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Denn man pflückt nicht Feigen von den Dornen, auch liest man nicht Trauben von den Hecken. 45Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser bringt Böses hervor aus dem bösen. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.

46Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?

6,46
Mal 1,6
Mt 7,21

Vom Hausbau

(Mt 7,24-27)

47Wer zu mir kommt und hört meine Rede und tut sie – ich will euch zeigen, wem er gleicht. 48Er gleicht einem Menschen, der ein Haus baute und grub tief und legte den Grund auf Fels. Als aber eine Wasserflut kam, da riss der Fluss an dem Haus und konnte es nicht erschüttern; denn es war gut gebaut.

49Wer aber hört und nicht tut, der gleicht einem Menschen, der ein Haus baute auf die Erde, ohne Grund zu legen; und der Fluss riss an ihm, und es fiel gleich zusammen, und der Einsturz dieses Hauses war gewaltig.

7

Der Hauptmann von Kapernaum

(Mt 8,5-13; Joh 4,46-53)

71Nachdem Jesus seine Rede vor dem Volk vollendet hatte, ging er nach Kapernaum. 2

7,2
Apg 10,1-5
Ein Hauptmann aber hatte einen Knecht, der ihm lieb und wert war; der lag todkrank. 3Da er aber von Jesus hörte, sandte er Älteste der Juden zu ihm und bat ihn, zu kommen und seinen Knecht gesund zu machen. 4Als sie aber zu Jesus kamen, baten sie ihn inständig und sprachen: Er ist es wert, dass du ihm dies erfüllst; 5denn er hat unser Volk lieb, und die Synagoge hat er uns erbaut.

6Da ging Jesus mit ihnen. Als er aber nicht mehr fern von dem Haus war, sandte der Hauptmann Freunde zu ihm und ließ ihm sagen: Ach, Herr, bemühe dich nicht; ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst; 7darum habe ich auch mich selbst nicht für würdig geachtet, zu dir zu kommen; sondern sprich ein Wort, so wird mein Knecht gesund. 8Denn auch ich bin ein Mensch, der einer Obrigkeit untersteht, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er hin; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er’s.

9Da Jesus das hörte, wunderte er sich über ihn und wandte sich um und sprach zu dem Volk, das ihm nachfolgte: Ich sage euch: Solchen Glauben habe ich auch in Israel nicht gefunden. 10Und als die Boten wieder nach Hause kamen, fanden sie den Knecht gesund.

Der Sohn der Witwe zu Nain

11Und es begab sich danach, dass er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger gingen mit ihm und eine große Menge. 12

7,12
1. Kön 17,17-24
2. Kön 4,32-37
Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr. 13Und da sie der Herr sah, jammerte sie ihn, und er sprach zu ihr: Weine nicht! 14Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und er sprach: Jüngling,
7,14
Kap
ich sage dir, steh auf! 15Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus
7,15
Kap
gab ihn seiner Mutter. 16Und Furcht ergriff sie alle, und sie priesen Gott und sprachen:
7,16
Kap
Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und:
7,16
Kap
Gott hat sein Volk besucht. 17Und diese Kunde von ihm erscholl im ganzen jüdischen Land und in allen umliegenden Ländern.
7,17
Kap

Die Frage des Täufers

(Mt 11,2-6)

18Und die Jünger des Johannes verkündeten ihm das alles. Und Johannes rief zwei seiner Jünger zu sich 19und sandte sie zum Herrn und ließ ihm sagen: Bist du,

7,19
Kap
der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten? 20Als aber die Männer zu ihm kamen, sprachen sie: Johannes der Täufer hat uns zu dir gesandt und lässt dir sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten? 21Zu der Stunde machte Jesus viele gesund von Krankheiten und Plagen und bösen Geistern, und vielen Blinden schenkte er das Augenlicht. 22Und er antwortete und sprach zu ihnen: Geht und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt:
7,22
Jes 29,18
35,5-6
Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören,
7,22
Jes 26,19
Tote stehen auf,
7,22
Kap
Armen wird das Evangelium gepredigt; 23und selig ist, wer sich nicht ärgert an mir.

Jesu Zeugnis über den Täufer

(Mt 11,7-19)

24Als aber die Boten des Johannes fortgingen, fing Jesus an, zu dem Volk über Johannes zu reden: Was zu sehen seid ihr hinausgegangen in die Wüste? Ein Schilfrohr, das vom Wind bewegt wird? 25Oder was zu sehen seid ihr hinausgegangen? Einen Menschen in weichen Kleidern? Seht, die herrliche Kleider tragen und üppig leben, die sind an den königlichen Höfen.

7,25
Mt 3,4
Mk 1,6
26Oder was zu sehen seid ihr hinausgegangen? Einen Propheten? Ja, ich sage euch: Er ist mehr als ein Prophet.
7,26
Kap
27Er ist’s, von dem geschrieben steht (Mal 3,1): »Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.«
7,27
Mk 1,2
28Ich sage euch, dass unter denen, die von einer Frau geboren sind,
7,28
Kap
keiner größer ist als Johannes; der aber der Kleinste ist im Reich Gottes, ist größer als er.

29Und alles Volk, das ihn hörte, und

7,29
Kap
die Zöllner gaben Gott recht und ließen sich taufen mit der Taufe des Johannes. 30Aber die Pharisäer und die Lehrer des Gesetzes verwarfen für sich Gottes Ratschluss und ließen sich nicht von ihm taufen.

31Mit wem soll ich die Menschen dieses Geschlechts vergleichen, und wem sind sie gleich? 32Sie sind den Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und rufen einander zu: Wir haben euch aufgespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint. 33Denn Johannes der Täufer ist gekommen und

7,33
Mt 3,4
aß kein Brot und
7,33
Kap
trank keinen Wein; und ihr sagt: Er ist von einem Dämon besessen. 34Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt; und ihr sagt: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein
7,34
Kap
Freund der Zöllner und Sünder! 35Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden von allen ihren Kindern.
7,35
Spr 8,32
Sir 4,11
1. Kor 1,24-30

Jesu Salbung durch eine Sünderin

36Es bat ihn aber einer der Pharisäer, mit ihm zu essen. Und er ging hinein in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tisch.

7,36
Kap
37Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. Als die vernahm, dass er zu Tisch saß im Haus des Pharisäers,
7,37
Mk 14,3
brachte sie ein Alabastergefäß mit Salböl 38und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu netzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit dem Salböl.

39Da aber das der Pharisäer sah, der ihn eingeladen hatte, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüsste er, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin. 40Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sag es! 41Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert Silbergroschen schuldig, der andere fünfzig. 42Da sie aber nicht bezahlen konnten,

7,42
Mt 18,27
schenkte er’s beiden. Wer von ihnen wird ihn mehr lieben? 43Simon antwortete und sprach: Ich denke, der, dem er mehr geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt.

44Und er wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen;

7,44
1. Mose 18,4
du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen genetzt und mit ihren Haaren getrocknet. 45Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. 46Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt. 47Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. 48
7,48
Kap
Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. 49Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch Sünden vergibt? 50Er aber sprach zu der Frau:
7,50
Kap
Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden!

8

Frauen in der Nachfolge Jesu

81Und es begab sich danach, dass er

8,1
Kap
von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf zog und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes; und die Zwölf waren mit ihm, 2
8,2
Kap
dazu etliche Frauen, die er gesund gemacht hatte von bösen Geistern und Krankheiten, nämlich
8,2
Mk 16,9
Joh 20,111-18
Maria, genannt Magdalena, von der sieben Dämonen ausgefahren waren, 3und Johanna, die Frau des Chuza, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihnen dienten mit ihrer Habe.

Vom Sämann

(Mt 13,1-9; Mk 4,1-9)

4Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: 5Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. 6Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. 7Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. 8Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er:

8,8
Kap
Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Vom Sinn der Gleichnisse

(Mt 13,10-17; Mk 4,10-12)

9Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. 10Er aber sprach: Euch ist’s gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Reiches Gottes, den andern aber ist’s gegeben in Gleichnissen,

8,10
Jes 6,9-10
Joh 12,40
Apg 28,26-27
dass sie es sehen und doch nicht sehen und hören und nicht verstehen.

Die Deutung des Gleichnisses vom Sämann

(Mt 13,18-23; Mk 4,13-20)

11Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. 12Die aber an dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. 13Die aber auf dem Fels sind die: Wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Sie haben aber keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. 14Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht zur Reife. 15Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

Vom Licht und vom rechten Hören

(Mk 4,21-25)

16Niemand aber zündet ein Licht an und bedeckt es mit einem Gefäß oder setzt es unter eine Bank; sondern er setzt es auf einen Leuchter, auf dass, wer hineingeht, das Licht sehe.

8,16
Kap
17Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird, auch nichts geheim, was nicht bekannt werden und an den Tag kommen wird.
8,17
Kap

18So seht nun darauf, wie ihr hört; denn

8,18
Kap
wer da hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er meint zu haben.

Jesu wahre Verwandte

(Mt 12,46-50; Mk 3,31-35)

19Es kamen aber seine Mutter und seine Brüder zu ihm und konnten wegen der Menge nicht zu ihm gelangen. 20Da wurde ihm gesagt: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen dich sehen. 21Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Meine Mutter und meine Brüder sind diese,

8,21
die Gottes Wort hören und tun.

Die Stillung des Sturms

(Mt 8,18.23-27; Mk 4,35-41)

22Und es begab sich an einem der Tage, dass er in ein Boot stieg mit seinen Jüngern; und er sprach zu ihnen: Lasst uns ans andere Ufer des Sees fahren. Und sie stießen vom Land ab. 23Und als sie fuhren, schlief er ein. Und es kam ein Windwirbel über den See und die Wellen überfielen sie, und sie waren in großer Gefahr. 24Da traten sie zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: Meister, Meister, wir kommen um! Da stand er auf und bedrohte den Wind und die Wogen des Wassers, und sie legten sich und es ward eine Stille.

8,24
Ps 65,8
89,10
107,29
25Er sprach aber zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie fürchteten sich aber und verwunderten sich und sprachen untereinander: Wer ist dieser, dass er auch dem Wind und dem Wasser gebietet und sie sind ihm gehorsam?

Der besessene Gerasener

(Mt 8,28-34; Mk 5,1-20)

26Und sie fuhren weiter in die Gegend der Gerasener, die Galiläa gegenüberliegt. 27Und als er ans Land trat, begegnete ihm ein Mann aus der Stadt, der war von Dämonen besessen; er trug seit langer Zeit keine Kleider mehr und blieb in keinem Hause, sondern in den Grabhöhlen. 28Da er aber Jesus sah, schrie er auf und fiel vor ihm nieder und

8,28
Kap
rief laut: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesus, du Sohn des höchsten Gottes? Ich bitte dich: Quäle mich nicht! 29Denn er hatte dem unreinen Geist geboten, aus dem Menschen auszufahren. Denn der hatte ihn lange Zeit geplagt; und er wurde mit Ketten und Fesseln an den Füßen gebunden und gefangen gehalten, doch er zerriss seine Fesseln und wurde von dem Dämon in die Wüste getrieben. 30Und Jesus fragte ihn: Wie heißt du? Er antwortete: Legion. Denn es waren viele Dämonen in ihn gefahren. 31Und sie baten ihn, dass er ihnen nicht gebiete, in den Abgrund zu fahren.

32Es war aber dort auf dem Berg eine große Herde

8,32
3. Mose 11,7-8
5. Mose 14,8
Säue auf der Weide. Und sie baten ihn, dass er ihnen erlaube, in diese zu fahren. Und er erlaubte es ihnen. 33Da fuhren die Dämonen von dem Menschen aus und fuhren in die Säue, und die Herde stürmte den Abhang hinunter in den See und ersoff.

34Als aber die Hirten sahen, was da geschah, flohen sie und verkündeten es in der Stadt und auf dem Lande. 35Da gingen die Leute hinaus, zu sehen, was geschehen war, und kamen zu Jesus und fanden den Menschen, von dem die Dämonen ausgefahren waren, sitzend zu den Füßen Jesu, bekleidet und vernünftig, und sie erschraken. 36Und die es gesehen hatten, verkündeten ihnen, wie der Besessene gerettet worden war. 37Und die ganze Menge aus dem umliegenden Land der Gerasener bat ihn, von ihnen fortzugehen; denn es hatte sie große Furcht ergriffen. Und er stieg ins Boot und kehrte zurück.

38Aber der Mann, von dem die Dämonen ausgefahren waren, bat ihn, dass er bei ihm bleiben dürfe. Aber Jesus schickte ihn fort und sprach: 39Geh wieder heim und sage, wie große Dinge Gott an dir getan hat. Und er ging hin und verkündigte überall in der Stadt, wie große Dinge Jesus an ihm getan hatte.

Die Heilung einer blutflüssigen Frau und die Auferweckung der Tochter des Jaïrus

(Mt 9,18-26; Mk 5,21-43)

40Als Jesus zurückkam, nahm ihn das Volk auf; denn sie warteten alle auf ihn. 41Und siehe, da kam ein Mann mit Namen Jaïrus, der ein Vorsteher der Synagoge war, und fiel Jesus zu Füßen und bat ihn, in sein Haus zu kommen; 42denn er hatte eine einzige Tochter von etwa zwölf Jahren, die lag in den letzten Zügen. Und als er hinging, umdrängte ihn das Volk.

43Und eine Frau hatte den

8,43
3. Mose 15,25
Blutfluss seit zwölf Jahren; die hatte alles, was sie zum Leben hatte, für die Ärzte aufgewandt und konnte von niemandem geheilt werden. 44Die trat von hinten heran und
8,44
Mt 14,36
berührte den Saum seines Gewandes; und sogleich hörte ihr Blutfluss auf. 45Und Jesus sprach: Wer hat mich berührt? Als es aber alle leugneten, sprach Petrus: Meister, das Volk drängt und drückt dich. 46Jesus aber sprach: Es hat mich jemand berührt; denn ich habe gespürt, dass
8,46
Kap
eine Kraft von mir ausgegangen ist. 47Da aber die Frau sah, dass sie nicht verborgen blieb, kam sie mit Zittern und fiel vor ihm nieder und verkündete vor allem Volk, warum sie ihn angerührt hatte und wie sie sogleich gesund geworden war. 48Er aber sprach zu ihr: Meine Tochter,
8,48
Kap
dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden!

49Als er noch redete, kam einer von den Leuten des Vorstehers der Synagoge und sprach: Deine Tochter ist gestorben; bemühe den Meister nicht mehr. 50Als aber Jesus das hörte, antwortete er ihm: Fürchte dich nicht; glaube nur, so wird sie gesund!

51Als er aber in das Haus kam, ließ er niemanden mit hineingehen

8,51
Mt 17,1
als Petrus und Johannes und Jakobus und den Vater des Kindes und die Mutter. 52Sie weinten aber alle und klagten um sie. Er aber sprach:
8,52
Kap
Weint nicht, denn sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft. 53Und sie verlachten ihn, denn sie wussten, dass sie gestorben war. 54Er aber nahm sie bei der Hand und rief: Kind, steh auf! 55Und
8,55
1. Kön 17,22
ihr Geist kam wieder und sie stand sogleich auf, und er befahl, man sollte ihr zu essen geben. 56Und ihre Eltern entsetzten sich.
8,56
Kap
Er aber gebot ihnen, niemandem zu sagen, was geschehen war.