Lutherbibel 2017 (LU17)
5

51Rufe doch, ob einer dir antwortet! Und an welchen von den Heiligen willst du dich wenden? 2Denn einen Toren tötet der Unmut, und den Unverständigen bringt der Eifer um. 3

5,3
Ps 37,35-36
Ich sah einen Toren Wurzel schlagen, und sogleich fluchte ich seinem Hause. 4Seinen Kindern bleibt Hilfe fern, und sie werden zerschlagen im Tor; denn kein Erretter ist da. 5Seine Ernte verzehrt der Hungrige, und auch aus den Hecken holt er sie, und nach seinem Gut lechzen die Durstigen. 6Denn Unheil geht nicht aus der Erde hervor, und Mühsal wächst nicht aus dem Acker; 7sondern der Mensch wird zur Mühsal geboren, wie die Funken des Feuers emporfliegen.

8Ich aber würde mich zu Gott wenden und meine Sache vor ihn bringen, 9der große Dinge tut, die nicht zu erforschen sind, und Wunder, die nicht zu zählen sind,

5,9
Kap
10der den Regen aufs Land gibt und Wasser kommen lässt auf die Gefilde, 11der
5,11
Ps 75,8
Lk 1,52
die Niedrigen erhöht und den Betrübten emporhilft. 12Er macht zunichte die Pläne der Klugen, dass ihre Hände nichts zustande bringen. 13Er
5,13
1. Kor 3,19
fängt die Weisen in ihrer Klugheit und stürzt den Rat der Verkehrten, 14dass sie am Tage in Finsternis laufen und
5,14
Jes 59,9-10
tappen am Mittag wie in der Nacht. 15Er hilft dem Armen vor dem Schwert, vor ihrem Mund und vor der Hand des Mächtigen den Elenden. 16Dem Armen wird Hoffnung zuteil, und die Bosheit muss ihren Mund zuhalten.

17Siehe, selig ist der Mensch, den Gott zurechtweist; darum widersetze dich der

5,17
Ps 94,12
Spr 3,11
Zucht des Allmächtigen nicht. 18Denn er verletzt und verbindet; er zerschlägt und seine Hand
5,18
5. Mose 32,39
Hos 6,1
heilt. 19In sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in sieben wird dich kein Übel anrühren.
5,19
Ps 37,24
Spr 24,16
20In der Hungersnot wird er dich vom Tod erlösen und im Kriege von des Schwertes Gewalt. 21Er wird dich verbergen vor der Geißel der Zunge, dass du dich nicht fürchten musst, wenn Verderben kommt.

22Über Verderben und Hunger wirst du lachen und dich vor den wilden Tieren im Lande nicht fürchten. 23Denn dein Bund wird sein mit den Steinen auf dem Felde, und

5,23
Jes 11,6-9
Hos 2,20
die wilden Tiere werden Frieden mit dir halten, 24und du wirst erfahren, dass deine Hütte Frieden hat, und wirst deine Stätte überschauen und nichts vermissen, 25und du wirst erfahren, dass deine Kinder sich mehren und deine Nachkommen wie das Gras auf Erden sind, 26und du wirst im Alter zu Grabe kommen, wie Garben eingebracht werden zur rechten Zeit. 27Siehe, das haben wir erforscht, so ist es; darauf höre und merke du dir’s.

6

Hiobs erste Antwort an Elifas

61Hiob antwortete und sprach:

2Wenn man doch meinen Kummer wägen und mein Leiden zugleich auf die Waage legen wollte! 3Denn nun ist es schwerer als Sand am Meer; darum sind meine Worte noch unbedacht. 4Denn die

6,4
Ps 38,3
Pfeile des Allmächtigen stecken in mir; mein Geist muss ihr Gift trinken, und die Schrecknisse Gottes sind auf mich gerichtet. 5Schreit denn der Wildesel, wenn er Gras hat, oder brüllt der Stier, wenn er sein Futter hat? 6Isst man denn Fades, ohne es zu salzen, oder hat Eiweiß Wohlgeschmack? 7Meine Kehle sträubt sich, es aufzunehmen; es ist, als wäre mein Brot unrein.

8Könnte meine Bitte doch geschehen und Gott mir geben, was ich hoffe! 9Dass mich doch Gott erschlagen wollte und seine Hand ausstreckte und mir den Lebensfaden abschnitte! 10So hätte ich noch diesen Trost und wollte fröhlich springen – ob auch der Schmerz mich quält ohne Erbarmen –, dass ich nicht verleugnet habe die Worte des Heiligen.

11Was ist meine Kraft, dass ich ausharren könnte; und welches Ende wartet auf mich, dass ich geduldig sein sollte? 12Ist doch meine Kraft nicht aus Stein und mein Fleisch nicht aus Erz. 13Hab ich denn keine Hilfe mehr, und gibt es keinen Rat mehr für mich?

14Wer Barmherzigkeit seinem Nächsten verweigert, der gibt die Furcht vor dem Allmächtigen auf. 15Meine

6,15
Ps 38,12
Brüder sind trügerisch wie ein Bach, wie das Bett der Bäche, die versickern, 16die erst trübe sind vom Eis, darin der Schnee sich birgt, 17doch zur Zeit, wenn die Hitze kommt, versiegen sie; wenn es heiß wird, vergehen sie von ihrer Stätte: 18Karawanen gehen ihren Weg dahin, sie gehen hin ins Nichts und verschwinden. 19Die Karawanen von Tema blickten aus auf sie, die Karawanen von
6,19
Kap
Saba hofften auf sie; 20aber sie wurden zuschanden über ihrer Hoffnung und waren betrogen, als sie dahin kamen. 21So seid ihr jetzt für mich geworden; weil ihr Schrecknisse seht, fürchtet ihr euch. 22Hab ich denn gesagt: Schenkt mir etwas und bezahlt für mich von eurem Vermögen 23und errettet mich aus der Hand des Feindes und kauft mich los von der Hand der Gewalttätigen?

24Belehrt mich, so will ich schweigen, und worin ich geirrt habe, darin unterweist mich! 25Wie könnten redliche Worte betrüben? Aber euer Tadel, was tadelt er? 26Gedenkt ihr, Worte zu rügen? Aber die Rede eines Verzweifelnden verhallt im Wind. 27Ihr freilich könntet wohl über eine Waise das Los werfen und euren Nächsten verschachern. 28Nun aber hebt doch an und seht auf mich, ob ich euch ins Angesicht lüge. 29Kehrt doch um, damit nicht Unrecht geschehe! Kehrt um! Noch habe ich recht darin! 30Ist denn auf meiner Zunge Unrecht, oder sollte mein Gaumen Böses nicht merken?

7

71Muss nicht der Mensch immer im Dienst stehen auf Erden, und sind seine Tage nicht wie die eines

7,1
Kap
Tagelöhners? 2Wie ein Knecht sich sehnt nach dem Schatten und ein Tagelöhner auf seinen Lohn wartet, 3so erbte ich Monde der Enttäuschung, und Nächte voller Mühsal wurden mir zuteil. 4Wenn ich mich niederlegte, sprach ich: Wann werde ich aufstehen? Bin ich aufgestanden, so wird mir’s lang bis zum Abend, und mich quälte die Unruhe bis zur Dämmerung. 5Mein Fleisch ist gekleidet in Maden und staubigen Schorf, meine Haut ist verschrumpft und voller Eiter. 6Meine Tage sind schneller dahingeflogen als ein
7,6
Jes 38,12
Weberschiffchen und sind vergangen ohne Hoffnung.

7Bedenke, dass mein Leben ein Hauch ist und meine Augen nicht wieder Gutes sehen werden. 8Und kein lebendiges Auge wird mich mehr schauen; sehen deine Augen nach mir, so bin ich nicht mehr. 9Eine Wolke vergeht und fährt dahin: so kommt nicht wieder herauf, wer zu den Toten hinunterfährt; 10er

7,10
Kap
kommt nicht zurück, und
7,10
Ps 103,16
seine Stätte kennt ihn nicht mehr.

11Darum will auch ich meinem Munde nicht wehren. Ich will reden in der Angst meines Herzens und will klagen in der Betrübnis meiner Seele. 12Bin ich denn das Meer oder ein Ungeheuer, dass du eine Wache gegen mich aufstellst? 13Wenn ich dachte, mein Bett soll mich trösten, mein Lager soll mir meinen Jammer erleichtern, 14so erschrecktest du mich mit Träumen und machtest mir Grauen durch Gesichte, 15dass meine Seele sich wünschte, erwürgt zu sein, und mein Leib wünschte den Tod. 16Ich vergehe! Ich will nicht ewig leben. Lass ab von mir, denn meine Tage sind nur noch ein Hauch.

7,16
1. Kön 19,4

17Was ist der Mensch, dass du ihn groß achtest und dich um ihn bekümmerst? 18Jeden Morgen suchst du ihn heim und prüfst ihn alle Stunden. 19Warum blickst du nicht einmal von mir weg und lässt mir keinen Atemzug Ruhe? 20Hab ich gesündigt, was tue ich dir damit an, du Menschenhüter? Warum machst du mich zum Ziel deiner Anläufe, dass ich mir selbst eine Last bin? 21Und warum vergibst du mir meine Sünde nicht oder lässt meine Schuld hingehen? Denn nun werde ich mich in den Staub legen, und wenn du mich suchst, werde ich nicht mehr da sein.

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