Lutherbibel 2017 (LU17)
4

Hiobs Gespräch mit seinen Freunden

Kapitel 4,1–27,23

Des Elifas erste Rede

41Da hob Elifas von Teman an und sprach:

2Du hast’s vielleicht nicht gern, wenn man versucht, mit dir zu reden; aber Worte zurückhalten, wer kann’s? 3Siehe, du hast viele unterwiesen und matte Hände gestärkt; 4deine Rede hat die Strauchelnden aufgerichtet, und die bebenden Knie hast du gekräftigt. 5Nun es aber an dich kommt, wirst du weich, und nun es dich trifft, erschrickst du! 6Ist nicht deine Gottesfurcht dein Trost, und die Unsträflichkeit deiner Wege deine Hoffnung?

7Bedenke doch: Wo ist ein Unschuldiger umgekommen? Oder wo wurden die Gerechten je vertilgt? 8Wohl aber habe ich gesehen: Die da Frevel pflügten und Unheil säten, ernteten es auch ein.

4,8
Spr 22,8
9Durch den Odem Gottes sind sie umgekommen und vom Schnauben seines Zorns vertilgt. 10Das Brüllen des Löwen und die Stimme des Leuen und die Zähne der jungen Löwen sind zerbrochen. 11Der Löwe kommt um, wenn er keine Beute hat, und die Jungen der Löwin werden zerstreut.

12Zu mir ist heimlich ein Wort gekommen, und von ihm hat mein Ohr ein Flüstern empfangen 13

4,13
Kap
beim Nachsinnen über Gesichte in der Nacht, wenn tiefer Schlaf auf die Leute fällt; 14da kam mich Furcht und Zittern an, und alle meine Gebeine erschraken. 15Und ein Hauch fährt an mir vorüber; es stehen mir die Haare zu Berge an meinem Leibe. 16Da steht ein Gebilde vor meinen Augen, doch ich erkenne seine Gestalt nicht; es ist eine Stille, und ich höre eine Stimme:

17Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott oder ein Mann rein sein vor dem, der ihn gemacht hat?

4,17
1. Kön 8,46
Ps 14,3
Spr 20,9
18Siehe,
4,18
Kap
seinen Dienern traut er nicht, und seinen Boten wirft er Torheit vor: 19wie viel mehr denen, die in Lehmhäusern wohnen und auf Staub gegründet sind und wie Motten zerdrückt werden! 20Es währt vom Morgen bis zum Abend, so werden sie zerschlagen, und ehe man’s gewahr wird, sind sie ganz dahin. 21Ihr Zelt wird abgebrochen, und sie sterben ohne Einsicht.

5

51Rufe doch, ob einer dir antwortet! Und an welchen von den Heiligen willst du dich wenden? 2Denn einen Toren tötet der Unmut, und den Unverständigen bringt der Eifer um. 3

5,3
Ps 37,35-36
Ich sah einen Toren Wurzel schlagen, und sogleich fluchte ich seinem Hause. 4Seinen Kindern bleibt Hilfe fern, und sie werden zerschlagen im Tor; denn kein Erretter ist da. 5Seine Ernte verzehrt der Hungrige, und auch aus den Hecken holt er sie, und nach seinem Gut lechzen die Durstigen. 6Denn Unheil geht nicht aus der Erde hervor, und Mühsal wächst nicht aus dem Acker; 7sondern der Mensch wird zur Mühsal geboren, wie die Funken des Feuers emporfliegen.

8Ich aber würde mich zu Gott wenden und meine Sache vor ihn bringen, 9der große Dinge tut, die nicht zu erforschen sind, und Wunder, die nicht zu zählen sind,

5,9
Kap
10der den Regen aufs Land gibt und Wasser kommen lässt auf die Gefilde, 11der
5,11
Ps 75,8
Lk 1,52
die Niedrigen erhöht und den Betrübten emporhilft. 12Er macht zunichte die Pläne der Klugen, dass ihre Hände nichts zustande bringen. 13Er
5,13
1. Kor 3,19
fängt die Weisen in ihrer Klugheit und stürzt den Rat der Verkehrten, 14dass sie am Tage in Finsternis laufen und
5,14
Jes 59,9-10
tappen am Mittag wie in der Nacht. 15Er hilft dem Armen vor dem Schwert, vor ihrem Mund und vor der Hand des Mächtigen den Elenden. 16Dem Armen wird Hoffnung zuteil, und die Bosheit muss ihren Mund zuhalten.

17Siehe, selig ist der Mensch, den Gott zurechtweist; darum widersetze dich der

5,17
Ps 94,12
Spr 3,11
Zucht des Allmächtigen nicht. 18Denn er verletzt und verbindet; er zerschlägt und seine Hand
5,18
5. Mose 32,39
Hos 6,1
heilt. 19In sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in sieben wird dich kein Übel anrühren.
5,19
Ps 37,24
Spr 24,16
20In der Hungersnot wird er dich vom Tod erlösen und im Kriege von des Schwertes Gewalt. 21Er wird dich verbergen vor der Geißel der Zunge, dass du dich nicht fürchten musst, wenn Verderben kommt.

22Über Verderben und Hunger wirst du lachen und dich vor den wilden Tieren im Lande nicht fürchten. 23Denn dein Bund wird sein mit den Steinen auf dem Felde, und

5,23
Jes 11,6-9
Hos 2,20
die wilden Tiere werden Frieden mit dir halten, 24und du wirst erfahren, dass deine Hütte Frieden hat, und wirst deine Stätte überschauen und nichts vermissen, 25und du wirst erfahren, dass deine Kinder sich mehren und deine Nachkommen wie das Gras auf Erden sind, 26und du wirst im Alter zu Grabe kommen, wie Garben eingebracht werden zur rechten Zeit. 27Siehe, das haben wir erforscht, so ist es; darauf höre und merke du dir’s.

6

Hiobs erste Antwort an Elifas

61Hiob antwortete und sprach:

2Wenn man doch meinen Kummer wägen und mein Leiden zugleich auf die Waage legen wollte! 3Denn nun ist es schwerer als Sand am Meer; darum sind meine Worte noch unbedacht. 4Denn die

6,4
Ps 38,3
Pfeile des Allmächtigen stecken in mir; mein Geist muss ihr Gift trinken, und die Schrecknisse Gottes sind auf mich gerichtet. 5Schreit denn der Wildesel, wenn er Gras hat, oder brüllt der Stier, wenn er sein Futter hat? 6Isst man denn Fades, ohne es zu salzen, oder hat Eiweiß Wohlgeschmack? 7Meine Kehle sträubt sich, es aufzunehmen; es ist, als wäre mein Brot unrein.

8Könnte meine Bitte doch geschehen und Gott mir geben, was ich hoffe! 9Dass mich doch Gott erschlagen wollte und seine Hand ausstreckte und mir den Lebensfaden abschnitte! 10So hätte ich noch diesen Trost und wollte fröhlich springen – ob auch der Schmerz mich quält ohne Erbarmen –, dass ich nicht verleugnet habe die Worte des Heiligen.

11Was ist meine Kraft, dass ich ausharren könnte; und welches Ende wartet auf mich, dass ich geduldig sein sollte? 12Ist doch meine Kraft nicht aus Stein und mein Fleisch nicht aus Erz. 13Hab ich denn keine Hilfe mehr, und gibt es keinen Rat mehr für mich?

14Wer Barmherzigkeit seinem Nächsten verweigert, der gibt die Furcht vor dem Allmächtigen auf. 15Meine

6,15
Ps 38,12
Brüder sind trügerisch wie ein Bach, wie das Bett der Bäche, die versickern, 16die erst trübe sind vom Eis, darin der Schnee sich birgt, 17doch zur Zeit, wenn die Hitze kommt, versiegen sie; wenn es heiß wird, vergehen sie von ihrer Stätte: 18Karawanen gehen ihren Weg dahin, sie gehen hin ins Nichts und verschwinden. 19Die Karawanen von Tema blickten aus auf sie, die Karawanen von
6,19
Kap
Saba hofften auf sie; 20aber sie wurden zuschanden über ihrer Hoffnung und waren betrogen, als sie dahin kamen. 21So seid ihr jetzt für mich geworden; weil ihr Schrecknisse seht, fürchtet ihr euch. 22Hab ich denn gesagt: Schenkt mir etwas und bezahlt für mich von eurem Vermögen 23und errettet mich aus der Hand des Feindes und kauft mich los von der Hand der Gewalttätigen?

24Belehrt mich, so will ich schweigen, und worin ich geirrt habe, darin unterweist mich! 25Wie könnten redliche Worte betrüben? Aber euer Tadel, was tadelt er? 26Gedenkt ihr, Worte zu rügen? Aber die Rede eines Verzweifelnden verhallt im Wind. 27Ihr freilich könntet wohl über eine Waise das Los werfen und euren Nächsten verschachern. 28Nun aber hebt doch an und seht auf mich, ob ich euch ins Angesicht lüge. 29Kehrt doch um, damit nicht Unrecht geschehe! Kehrt um! Noch habe ich recht darin! 30Ist denn auf meiner Zunge Unrecht, oder sollte mein Gaumen Böses nicht merken?

Diese Webseite benutzt Cookies für ein verbessertes Nutzungserlebnis. Mehr Informationen[X]