Lutherbibel 2017 (LU17)
39

391Weißt du die Zeit, wann die Gämsen gebären, oder hast du aufgemerkt, wann die Hirschkühe kreißen? 2Zählst du die Monde, die sie erfüllen müssen, oder weißt du die Zeit, wann sie gebären? 3Sie kauern sich nieder, werfen ihre Jungen und werden los ihre Wehen. 4Ihre Jungen werden stark und groß im Freien und gehen davon und kommen nicht wieder zu ihnen.

5Wer hat dem Wildesel die Freiheit gegeben, wer hat ihm die Bande gelöst, 6dem ich die Steppe zum Hause gegeben habe und die Salzwüste zur Wohnung? 7Er verlacht das Lärmen der Stadt, die Schreie des Treibers hört er nicht; 8er durchstreift die Berge, wo seine Weide ist, und sucht, wo es grün ist.

9Meinst du, der Wildstier wird dir dienen wollen und nachts bleiben an deiner Krippe? 10Kannst du ihm das Seil anknüpfen, um Furchen zu machen, oder wird er hinter dir in den Tälern den Pflug ziehen? 11Kannst du dich auf ihn verlassen, weil er so stark ist, und kannst du ihn für dich arbeiten lassen? 12Kannst du ihm trauen, dass er dein Korn einbringt und in deine Scheune sammelt?

13Der Fittich der Straußin hebt sich fröhlich; aber ist er wie die Schwinge eines Storchs oder Falken? 14Lässt sie doch ihre Eier auf der Erde liegen zum Ausbrüten auf dem Boden 15und vergisst, dass ein Fuß sie zertreten und ein wildes Tier sie zerbrechen kann! 16Sie ist so hart gegen ihre Jungen, als wären es nicht ihre; es kümmert sie nicht, dass ihre Mühe umsonst war. 17Denn Gott hat ihr die Weisheit versagt und hat ihr keinen Verstand zugeteilt. 18Doch wenn sie auffährt, verlacht sie Ross und Reiter.

19Kannst du dem Ross Kräfte geben oder seinen Hals zieren mit einer Mähne? 20Kannst du es springen lassen wie die Heuschrecken? Schrecklich ist sein prächtiges Schnauben. 21Es stampft auf den Boden und freut sich, mit Kraft zieht es aus, den Geharnischten entgegen. 22Es spottet der Furcht und erschrickt nicht und flieht nicht vor dem Schwert. 23Über ihm klirrt der Köcher und glänzen Spieß und Lanze. 24Mit Donnern und Tosen fliegt es über die Erde dahin und lässt sich nicht halten beim Schall der Trompete. 25Sooft die Trompete erklingt, wiehert es »Hui!« und wittert den Kampf von ferne, das Rufen der Fürsten und Kriegsgeschrei.

26Fliegt der Habicht empor dank deiner Einsicht und breitet seine Flügel aus, dem Süden zu? 27Fliegt der Adler auf deinen Befehl so hoch und baut sein Nest in der Höhe? 28Auf Felsen wohnt er und nächtigt auf Zacken der Felsen und steilen Klippen. 29Von dort schaut er aus nach Beute, und seine Augen sehen sie von ferne. 30Seine Jungen gieren nach Blut, und

39,30
Hab 1,8
Mt 24,28
wo Erschlagene liegen, da ist er.

40

Hiobs erste Antwort an den Herrn

401Und der HERR antwortete Hiob und sprach: 2Wer da meint, alles besser zu wissen, sollte der

40,2
Jes 45,9
mit dem Allmächtigen rechten? Wer Gott zurechtweist, der antworte!

3Hiob aber antwortete dem HERRN und sprach: 4Siehe,

40,4
1. Mose 32,11
Jes 6,5
ich bin zu gering, was soll ich dir antworten?
40,4
Spr 30,32
Ich will meine Hand auf meinen Mund legen. 5Einmal hab ich geredet und will nicht mehr antworten, ein zweites Mal geredet und will’s nicht wieder tun.

Zweite Rede des Herrn aus dem Sturm

6Und der HERR antwortete Hiob aus dem Sturm und sprach:

7Gürte wie ein Mann deine Lenden! Ich will dich fragen; lehre mich!

40,7
Kap
8Willst du mein Urteil zunichtemachen und mich schuldig sprechen, dass du recht behältst? 9Hast du einen Arm wie Gott, und kannst du mit gleicher Stimme donnern wie er? 10Schmücke dich mit Pracht und Hoheit; zieh Glanz und Herrlichkeit an! 11Streu aus den Zorn deines Grimmes; schau an alle Hochmütigen und demütige sie! 12Ja, schau alle Hochmütigen an und demütige sie und zertritt die Frevler, wo sie sind! 13Verscharre sie miteinander in der Erde, und versenke sie ins Verborgene, 14so will auch ich dich preisen, dass dir deine rechte Hand helfen kann.

15Siehe da den Behemot40,15 Ein riesiges Tier nach Art des Nilpferds., den ich geschaffen habe wie auch dich! Er frisst Gras wie ein Rind. 16Siehe, welch eine Kraft ist in seinen Lenden und welch eine Stärke in den Muskeln seines Bauchs! 17Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder; die Sehnen seiner Schenkel sind dicht geflochten. 18Seine Knochen sind wie eherne Röhren, seine Gebeine wie eiserne Stäbe. 19Er ist das erste der Werke Gottes; der ihn gemacht hat, gab ihm sein Schwert. 20Denn die Berge bringen ihm Tribut, und alle wilden Tiere spielen dort. 21Er liegt unter Lotosbüschen, im Rohr und im Schlamm verborgen. 22Lotosbüsche bedecken ihn mit Schatten, und die Bachweiden umgeben ihn. 23Siehe, der Strom schwillt gewaltig an: er dünkt sich sicher, auch wenn ihm der Jordan ins Maul dringt. 24Kann man ihn fangen Auge in Auge und ihm einen Strick durch seine Nase ziehen?

25Kannst du den

40,25
Ps 74,14
Leviatan40,25 Siehe Sach- und Worterklärungen. am Haken ziehen und sein Maul mit einem Strick niederhalten? 26Kannst du ihm ein Binsenseil an die Nase legen und mit einem Haken ihm die Backen durchbohren? 27Meinst du, er wird dich lang um Gnade bitten oder dir süße Worte geben? 28Meinst du, er wird einen Bund mit dir schließen, dass du ihn für immer zum Knecht bekommst? 29Kannst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel oder ihn für deine Mädchen anbinden? 30Meinst du, die Zunftgenossen werden um ihn feilschen und die Händler ihn verteilen? 31Kannst du mit Spießen spicken seine Haut und mit Fischerhaken seinen Kopf? 32Lege deine Hand an ihn! An diesen Kampf wirst du denken und es nicht wieder tun!

41

411Siehe, jede Hoffnung wird an ihm zuschanden; schon wenn einer ihn sieht, stürzt er zu Boden. 2Niemand ist so kühn, dass er ihn zu reizen wagt. – Wer ist denn, der vor mir bestehen könnte? 3Wer kann mir entgegentreten und ich lasse ihn unversehrt? Alles unter dem Himmel ist mein!

4Ich will nicht schweigen von seinen Gliedern, wie groß, wie mächtig und wohlgeschaffen er ist. 5Wer kann ihm den Panzer ausziehen, und wer darf es wagen, ihm zwischen die Zähne zu greifen? 6Wer kann die Tore seines Rachens auftun? Um seine Zähne herum herrscht Schrecken. 7Sein Rücken ist eine Reihe von Schilden, wie mit festem Siegel verschlossen. 8Einer reiht sich an den andern, dass nicht ein Lufthauch hindurchgeht. 9Es haftet einer am andern, sie schließen sich zusammen und lassen sich nicht trennen. 10Sein Niesen lässt Licht aufleuchten; seine Augen sind wie die Wimpern der Morgenröte. 11Aus seinem Rachen fahren Fackeln, und feurige Funken schießen heraus. 12Aus seinen Nüstern fährt Rauch wie von einem siedenden Kessel und Binsenfeuer. 13Sein Odem ist wie lichte Lohe, und aus seinem Rachen schlagen Flammen. 14Auf seinem Nacken nächtigt die Stärke, und vor ihm her tanzt die Angst. 15Die Wampen seines Fleisches haften an ihm, fest angegossen, ohne sich zu bewegen. 16Sein Herz ist so hart wie ein Stein und so fest wie der untere Mühlstein.

17Wenn er sich erhebt, so entsetzen sich die Starken, und wenn er hervorbricht, weichen sie zurück. 18Trifft man ihn mit dem Schwert, so richtet es nichts aus, auch nicht Spieß, Geschoss und Speer. 19Er achtet Eisen wie Stroh und Erz wie faules Holz. 20Kein Pfeil wird ihn verjagen; die Schleudersteine sind ihm wie Spreu. 21Die Keule achtet er wie Stoppeln; er spottet der bebenden Lanze. 22Unter seinem Bauch sind scharfe Spitzen; er fährt wie ein Dreschschlitten über den Schlamm. 23Er macht, dass die Tiefe brodelt wie ein Topf, und rührt das Meer um, wie man Salbe mischt. 24Er lässt hinter sich eine leuchtende Bahn; man denkt, die Flut sei Silberhaar. 25Auf Erden ist nicht seinesgleichen; er ist ein Geschöpf ohne Furcht. 26Er sieht allem ins Auge, was hoch ist; er ist König über alle Stolzen.

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