Lutherbibel 2017 (LU17)
34

Elihus zweite Rede

341Und Elihu hob an und sprach:

2Höret, ihr Weisen, meine Rede, und ihr Verständigen, merkt auf mich! 3Denn das Ohr prüft die Rede, wie der Gaumen die Speise schmeckt.

34,3
Kap
4Lasst uns ein Urteil finden, dass wir miteinander erkennen, was gut ist. 5Denn Hiob hat gesagt:
34,5
Kap
»Ich bin gerecht, doch
34,5
Kap
Gott verweigert mir mein Recht; 6ich soll
34,6
Kap
lügen, obwohl ich recht habe, und mich quält der
34,6
Kap
Pfeil, der mich traf, obwohl ich doch ohne Schuld bin.« 7Wo ist so ein Mann wie Hiob, der
34,7
Kap
Hohn trinkt wie Wasser 8und
34,8
Ps 1,1
auf dem Wege geht mit den Übeltätern und wandelt mit den gottlosen Leuten? 9Denn er hat gesagt: »Es nützt dem Menschen nichts, wenn er Gottes Wohlgefallen sucht.«
34,9
Kap

10Darum hört mir zu, ihr weisen Männer:

34,10
Kap
Es sei ferne, dass Gott sollte gottlos handeln und der Allmächtige ungerecht; 11sondern er vergilt dem Menschen, wie er verdient hat, und trifft einen jeden nach seinem Tun.
34,11
Ps 18,26-27
Röm 2,6
Offb 22,12
12Ohne Zweifel,
34,12
Kap
Gott tut niemals Unrecht, und der Allmächtige beugt das Recht nicht.

13Wer hat ihm die Erde anvertraut? Und wer hat den ganzen Erdkreis hingestellt? 14Wenn er nur an sich dächte, seinen Geist und Odem an sich zöge, 15so würde alles Fleisch miteinander vergehen, und der Mensch würde wieder zu Staub werden.

34,15
Ps 104,29

16Hast du nun Verstand, so höre das und merke auf die Stimme meiner Reden! 17Kann denn regieren, wer das Recht hasst? Oder willst du den verdammen, der gerecht und mächtig ist, 18der zum König sagt: »Du heilloser Mann«, und zu den Fürsten: »Ihr Frevler«, 19der nicht ansieht die Person der Fürsten und achtet den Vornehmen nicht mehr als den Armen? Denn sie sind alle seiner Hände Werk.

20Plötzlich müssen die Leute sterben und zu Mitternacht erschrecken und vergehen; die Mächtigen werden weggenommen ohne Menschenhand. 21Denn seine Augen sehen auf eines jeden Weg, und er schaut auf alle ihre Schritte.

34,21
Kap
22Es
34,22
Ps 139,11-12
gibt keine Finsternis und kein Dunkel, wo sich verbergen könnten die Übeltäter. 23Denn es wird niemand gesagt, wann er vor Gott zum Gericht erscheinen muss. 24Er bringt die Stolzen um, ohne sie erst zu verhören, und stellt andere an ihre Stelle; 25denn er kennt ihre Werke und er stürzt sie des Nachts, dass sie zerschlagen werden. 26Er urteilt sie ab wie die Frevler an einem Ort, wo viele es sehen, 27weil sie von ihm gewichen sind und verstanden keinen seiner Wege, 28sodass das Schreien des Armen vor ihn kommen musste und
34,28
1. Mose 16,11
er das Schreien der Elenden hörte. – 29Wenn er sich aber ruhig hält, wer will ihn verdammen? Und wenn er das Antlitz verbirgt, wer kann ihn schauen unter allen Völkern und Leuten? – 30So lässt er denn nicht einen Frevler regieren, der ein Fallstrick ist für das Volk.

31Wenn einer zu Gott sagt: »Ich habe geirrt, ich will kein Unrecht mehr tun; 32was ich nicht sehe, das lehre du mich; hab ich unrecht gehandelt, ich will’s nicht mehr tun«, 33soll er dann nach deinem Sinn vergelten, weil du ja widerrufen hast? Denn du hast zu wählen und nicht ich, und was du erkannt, sage an!

34Verständige Leute werden zu mir sagen und ein weiser Mann, der mir zuhört: 35»Hiob

34,35
Kap
redet mit Unverstand, und seine Worte sind nicht klug.« 36Ja, Hiob sollte bis zum Äußersten geprüft werden, weil er Antwort gibt wie die Ruchlosen. 37Denn zu seiner Sünde fügt er noch Frevel hinzu. Er treibt Spott unter uns und macht viele Worte wider Gott.

35

Elihus dritte Rede

351Und Elihu hob an und sprach:

2Hältst du das für recht, nennst du das

35,2
Kap
»meine Gerechtigkeit vor Gott«, 3dass du sprichst:
35,3
Kap
»Was nützt sie mir? Was habe ich davon, dass ich nicht sündige?« 4Ich will dir antworten ein Wort und deinen Freunden mit dir.

5Schau gen Himmel und sieh; und schau die Wolken an hoch über dir! 6Sündigst du, was kannst du ihm schaden? Und wenn deine Missetaten viel sind, was kannst du ihm tun?

35,6
Kap
7Und wenn du gerecht wärst, was kannst du ihm geben oder was wird er von deinen Händen nehmen?
35,7
Kap
8Nur einem Menschen wie dir kann deine Bosheit etwas tun und einem Menschenkind deine Gerechtigkeit.

9Man schreit, dass viel Gewalt geschieht, und ruft um Hilfe vor dem Arm der Großen; 10aber man fragt nicht: »Wo ist Gott, mein Schöpfer, der

35,10
Apg 16,25
Lobgesänge gibt in der Nacht, 11der uns klüger macht als die Tiere auf Erden und weiser als die Vögel unter dem Himmel?« 12Da schreien sie über den Hochmut der Bösen, doch er erhört sie nicht. 13Denn
35,13
Joh 9,31
Gott wird Nichtiges nicht erhören, und der Allmächtige wird es nicht ansehen. 14Nun gar, wenn du sprichst,
35,14
Kap
du könntest ihn nicht sehen – der Rechtsstreit liegt ihm vor, harre nur seiner! 15Aber nun,
35,15
Pred 8,11
da sein Zorn nicht heimsucht und er sich um Frevel nicht viel kümmert, 16sperrt Hiob seinen Mund auf zu eitlem Gerede und macht viele Worte ohne Verstand.

36

Elihus letzte Rede

361Elihu hob noch einmal an und sprach:

2Warte noch ein wenig, ich will dich lehren; denn ich habe noch mehr für Gott zu sagen. 3Ich will mein Wissen von weit herholen und meinem Schöpfer Recht verschaffen. 4Meine Reden sind wahrlich nicht falsch; vor dir steht einer, der es wirklich weiß.

5Siehe, Gott ist mächtig und verwirft niemand; er ist mächtig an Kraft des Herzens. 6Den Frevler erhält er nicht am Leben, sondern schafft dem Elenden Recht.

36,6
Ps 72,412
146,7-9
7Er wendet seine Augen nicht von dem Gerechten, sondern
36,7
Ps 113,7-8
mit Königen auf dem Thron lässt er sie sitzen immerdar, dass sie groß werden. 8Und wenn sie gefangen liegen in Ketten und elend, gebunden mit Stricken, 9so hält er ihnen vor, was sie getan haben, und ihre Sünden, dass sie sich überhoben haben, 10und
36,10
Kap
öffnet ihnen das Ohr zur Warnung und sagt ihnen, dass sie sich von dem Unrecht bekehren sollen. 11Gehorchen sie und dienen ihm, so vollenden sie ihre Tage im Guten und ihre Jahre in Wonne. 12Gehorchen sie nicht, so laufen sie in den Tod und vergehen in Unverstand. 13Die Ruchlosen verhärten sich im Zorn. Sie flehen nicht, auch wenn er sie gefangen legt; 14so wird ihre Seele in der Jugend sterben und ihr Leben unter den Hurern im Tempel. 15Aber den Elenden wird er durch sein Elend erretten und ihm das Ohr öffnen durch Trübsal.

16So reißt er auch dich aus dem Rachen der Angst in einen weiten Raum, wo keine Bedrängnis mehr ist; und deinen Tisch füllt er mit Gutem. 17Wenn du aber richtest wie ein Frevler, so halten dich Gericht und Recht fest. 18Sieh zu, dass nicht dein Zorn dich verlockt oder die Menge des Lösegeldes dich verleitet. 19Wird dein Geschrei dich aus der Not bringen oder alle kräftigen Anstrengungen? 20Sehne dich nicht nach der Nacht, die Völker wegnimmt von ihrer Stätte! 21Hüte dich und kehre dich nicht zum Unrecht, denn Unrecht wählst du lieber als Elend!

22Siehe, Gott ist groß in seiner Kraft; wo ist ein Lehrer, wie er ist?

36,22
Ps 25,9
23Wer will ihm weisen seinen Weg, und wer will zu ihm sagen: »Du tust Unrecht«? 24Denk daran, dass du sein Werk preisest, von dem die Menschen singen. 25Denn alle Menschen sehen es, der Mensch schaut’s nur von ferne. 26Siehe, Gott ist groß und unbegreiflich; die Zahl seiner Jahre kann niemand erforschen.

27Er zieht empor die Wassertropfen und treibt seine Wolken zusammen zum Regen, 28dass die Wolken überfließen und Regen triefen lassen auf die Menge der Menschen. 29Wer versteht, wie er die Wolken türmt und donnern lässt aus seinem Gezelt? 30Siehe, er breitet sein Licht um sich und bedeckt alle Tiefen des Meeres. 31Denn damit regiert er die Völker und gibt Speise die Fülle. 32Er bedeckt seine Hände mit Blitzen und bietet sie auf gegen den, der ihn angreift. 33Ihn kündet an sein Donnern, wenn er mit Zorn eifert gegen den Frevel.

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