Lutherbibel 2017 (LU17)
17

171Mein Geist ist zerbrochen, meine Tage sind ausgelöscht; nur das Grab bleibt mir. 2Fürwahr, Gespött umgibt mich, und auf ihrem Hadern muss mein Auge weilen. 3Sei

17,3
Kap
du selbst mein Bürge bei dir – wer sonst soll für mich bürgen? 4Denn du hast ihrem Herzen den Verstand verborgen, darum wirst du ihnen den Sieg nicht geben. 5Zum Teilen lädt einer Freunde ein, doch die Augen seiner Kinder müssen verschmachten.

6Er hat mich zum

17,6
Kap
Sprichwort unter den Leuten gemacht, und ich muss mir ins Angesicht speien lassen. 7Mein Auge ist dunkel geworden vor Gram, und alle meine Glieder sind wie ein Schatten. 8Darüber entsetzen sich die Gerechten, und die Unschuldigen entrüsten sich über die Ruchlosen. 9Aber der Gerechte hält fest an seinem Weg, und wer reine Hände hat, nimmt an Stärke zu.

10Wohlan, kehrt euch alle wieder her und kommt; ich werde dennoch keinen Weisen unter euch finden! 11Meine Tage sind vergangen; zerrissen sind meine Pläne, die mein Herz besessen haben. 12Nacht will man mir zum Tag machen: Licht sei näher als Finsternis. 13Wenn ich auch lange warte, so ist doch bei den Toten mein Haus, und in der Finsternis ist mein Bett gemacht. 14Das Grab nenne ich meinen Vater und die Würmer meine Mutter und meine Schwester. 15Worauf soll ich denn hoffen? Und wer sieht noch Hoffnung für mich? 16Hinunter zu den Toten wird sie fahren, wenn alle miteinander im Staub liegen.

18

Bildads zweite Rede

181Da antwortete Bildad von Schuach und sprach:

2Wie lange noch? Macht den Worten ein Ende! Kommt zur Einsicht; danach wollen wir reden! 3Warum werden wir geachtet wie Vieh und sind so töricht in euren Augen? 4Willst du vor Zorn bersten? Soll um deinetwillen die Erde veröden und der Fels von seiner Stätte weichen?

5Dennoch

18,5
Spr 13,9
wird das Licht der Frevler verlöschen, und der Funke seines Feuers wird nicht leuchten. 6Das Licht wird finster werden in seiner Hütte und seine Leuchte über ihm verlöschen. 7Seine kräftigen Schritte werden kürzer, und sein eigener Plan wird ihn fällen. 8Denn mit seinen Füßen gerät er ins Netz, und über Fanggruben führt sein Weg. 9Das Netz wird seine Ferse festhalten, und die Schlinge wird ihn fangen. 10Versteckt liegt der Fallstrick am Boden und die Falle auf seinem Weg. 11Um und um schreckt ihn jähe Angst, dass er nicht weiß, wo er hinaus soll.
18,11
3. Mose 26,36
12Unheil hungert nach ihm, und Unglück steht bereit zu seinem Sturz. 13Die Glieder seines Leibes werden verzehrt; seine Glieder wird verzehren der
18,13
4. Mose 12,10-12
Erstgeborene des Todes. 14Er wird aus seiner Hütte verjagt, auf die er vertraute, und hingetrieben zum König der Schrecken18,14 Gemeint ist das Totenreich.. 15In seiner Hütte wird wohnen, was nicht zu ihm gehört; über seine Stätte wird Schwefel gestreut. 16Unten verdorren seine Wurzeln, und oben verwelken seine Zweige. 17Sein Andenken wird vergehen im Lande, und er wird keinen Namen haben auf der Gasse. 18Er wird vom Licht in die Finsternis vertrieben und vom Erdboden verstoßen werden. 19Er wird keine Kinder haben und keine Enkel unter seinem Volk; es wird ihm keiner übrig bleiben in seinen Wohnungen. 20Die im Westen werden sich
18,20
Ps 37,13
über seinen Tag entsetzen, und die im Osten wird Furcht ankommen. 21Ja, so geht’s der Wohnung des Gottlosen und so der Stätte dessen, der Gott nicht kennt.

19

Hiobs zweite Antwort an Bildad

191Hiob antwortete und sprach:

2Wie lange plagt ihr meine Seele und peinigt mich mit Worten? 3Ihr habt mich nun zehnmal verhöhnt und schämt euch nicht, mir so zuzusetzen. 4Habe ich wirklich geirrt, so trage ich meinen Irrtum selbst. 5Wollt ihr euch wirklich über mich erheben und wollt mir meine Schande beweisen?

6So merkt doch endlich, dass Gott mir unrecht getan hat und mich mit seinem Jagdnetz umgeben hat. 7Siehe,

19,7
Jer 20,8
Hab 1,2
ich schreie »Gewalt!« und werde doch nicht gehört; ich rufe, aber kein Recht ist da.
19,7
Kap
8Er
19,8
Kap
hat meinen Weg vermauert, dass ich nicht hinüberkann, und hat Finsternis auf meine Steige gelegt. 9Er hat mir mein Ehrenkleid ausgezogen und die Krone von meinem Haupt genommen. 10Er hat mich zerbrochen um und um, dass ich dahinfuhr, und hat meine Hoffnung ausgerissen wie einen Baum. 11Sein Zorn ist über mich entbrannt, und
19,11
Kap
er achtet mich seinen Feinden gleich. 12Vereint kommen seine Kriegsscharen und haben ihren Weg gegen mich gebaut und sich um meine Hütte her gelagert.

13Er hat meine Brüder von mir entfernt, und meine Verwandten sind mir fremd geworden.

19,13
Ps 31,12
14Meine
19,14
Ps 38,12
Nächsten haben sich zurückgezogen, und meine Freunde haben mich vergessen. 15Meinen Hausgenossen und meinen Mägden gelte ich als Fremder; ich bin ein Unbekannter in ihren Augen. 16Ich rief meinen Knecht und er antwortete mir nicht; ich musste ihn anflehen mit eigenem Munde. 17Mein Atem ist zuwider meiner Frau, und die Söhne meiner Mutter ekelt’s vor mir. 18Selbst die Kinder geben nichts auf mich; stelle ich mich gegen sie, so geben sie mir böse Worte. 19Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt. 20Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon. 21Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! 22Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch?

23Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, 24mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen! 25Aber ich weiß, dass

19,25
Jes 41,14
Hos 13,14
mein Erlöser19,25 Wörtlich: »Löser«; siehe Sach- und Worterklärungen zu »Erlöser«. lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.
19,25
Kap
26Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch
19,26
Ps 17,15
73,24
Gott sehen. 27Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust. 28Wenn ihr sprecht: Wie wollen wir ihn verfolgen und eine Sache gegen ihn finden!, 29so fürchtet euch selbst vor dem Schwert; denn das sind Missetaten, die das Schwert straft, damit ihr wisst, dass es ein Gericht gibt.