Lutherbibel 2017 (LU17)
13

131Siehe, das hat alles mein Auge gesehen und mein Ohr gehört, und ich hab’s verstanden. 2Was ihr wisst, das weiß ich auch, und ich bin nicht geringer als ihr. 3Doch ich wollte gern zu dem Allmächtigen reden und wollte rechten mit Gott. 4Aber ihr seid Lügentüncher und seid alle unnütze Ärzte. 5Wollte Gott, dass ihr geschwiegen hättet, so wäret ihr weise geblieben.

13,5
Spr 17,28

6Hört doch, wie ich mich verantworte, und merkt auf die Streitsache, von der ich rede! 7Wollt ihr Gott verteidigen mit Unrecht und Trug für ihn reden? 8Wollt ihr für ihn Partei ergreifen? Wollt ihr Gottes Sache vertreten? 9Wird’s euch auch wohlgehen, wenn er euch verhören wird? Meint ihr, dass ihr ihn täuschen werdet, wie man einen Menschen täuscht? 10Er wird euch hart zurechtweisen, wenn ihr heimlich Partei ergreift. 11Werdet ihr euch nicht entsetzen, wenn er sich erhebt, und wird sein Schrecken nicht über euch fallen? 12Was ihr zu bedenken gebt, sind Sprüche aus Asche; eure Bollwerke werden zu Lehmhaufen. 13Schweigt still und lasst mich reden; es komme über mich, was da will.

14Was soll ich mein Fleisch mit meinen Zähnen festhalten und mein Leben aufs Spiel setzen? 15Siehe, auch wenn er mich umbringt, warte ich auf ihn; fürwahr, ich will meine Wege vor ihm verantworten. 16Auch das muss mir zum Heil sein; denn es kommt kein Ruchloser vor ihn.

17Hört meine Rede und was ich darlege, mit euren Ohren! 18Siehe, ich bin zum Rechtsstreit gerüstet; ich weiß, dass ich recht behalten werde. 19Wer ist, der mit mir rechten könnte? Denn dann wollte ich schweigen und zugrunde gehen. 20Nur zweierlei tu mir nicht, so will ich mich vor dir nicht verbergen: 21Lass deine Hand fern von mir sein, und dein Schrecken erschrecke mich nicht;

13,21
Kap
22dann rufe, ich will dir antworten, oder ich will reden, dann antworte du mir!

23Wie groß ist meine Schuld und Sünde? Lass mich wissen meine Übertretung und Sünde. 24Warum verbirgst du dein Antlitz und

13,24
Kap
hältst mich für deinen Feind? 25Willst du ein verwehendes Blatt schrecken und einen dürren Halm verfolgen, 26dass du so Bitteres über mich verhängst und über mich bringst
13,26
Ps 25,7
die Sünden meiner Jugend? 27Du hast meinen Fuß in den Block gelegt und hast acht auf alle meine Pfade und zeichnest meine Fußstapfen nach, 28der ich doch wie Moder vergehe und wie ein Kleid, das die Motten fressen.

14

141Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, 2geht auf wie eine Blume und welkt, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht.

14,2
Ps 90,5-6
3Doch du tust deine Augen über einen solchen auf, dass du mich vor dir ins Gericht ziehst. 4Kann wohl ein Reiner kommen von Unreinen? Auch nicht einer!
14,4
Ps 14,3
5Sind
14,5
Ps 31,16
seine Tage bestimmt, steht die Zahl seiner Monde bei dir und hast du
14,5
Ps 39,5
ein Ziel gesetzt, das er nicht überschreiten kann: 6so blicke doch weg von ihm, damit er Ruhe hat, bis sein Tag kommt, auf den er sich
14,6
Kap
wie ein Tagelöhner freut.

7Denn ein Baum hat Hoffnung, auch wenn er abgehauen ist; er kann wieder ausschlagen, und seine Schösslinge bleiben nicht aus. 8Ob seine Wurzel in der Erde alt wird und sein Stumpf im Staub erstirbt, 9so grünt er doch wieder vom Geruch des Wassers und treibt Zweige wie eine junge Pflanze. 10Stirbt aber ein Mann, so ist er dahin; kommt ein Mensch um – wo ist er? 11Wie Wasser ausläuft aus dem See, und wie ein Strom versiegt und vertrocknet, 12so ist ein Mensch, wenn er sich niederlegt,

14,12
Kap
er wird nicht wieder aufstehen; er wird nicht aufwachen, solange der Himmel bleibt, noch von seinem Schlaf erweckt werden.

13Ach dass du mich im Totenreich verwahren und

14,13
Jes 26,20
verbergen wolltest, bis dein Zorn sich legt, und mir eine Frist setzen und dann an mich denken wolltest! 14Meinst du, einer stirbt und kann wieder leben? Alle Tage meines Dienstes wollte ich harren, bis meine Ablösung kommt. 15Du würdest rufen und ich dir antworten; es würde dich verlangen nach dem Werk deiner Hände. 16Dann würdest du meine Schritte zählen und nicht achtgeben auf meine Sünde. 17Du würdest
14,17
Hos 13,12
meine Übertretung in ein Bündlein versiegeln und meine Schuld übertünchen.

18Doch ein Berg kann zerfallen und vergehen und ein Fels von seiner Stätte weichen, 19Wasser wäscht Steine weg, und seine Fluten schwemmen die Erde weg: so machst du die

14,19
Röm 5,5
Hoffnung des Menschen zunichte. 20Du überwältigst ihn für immer, dass er davon muss, entstellst sein Antlitz und lässt ihn dahinfahren. 21Sind seine Kinder in Ehren, das weiß er nicht, oder ob sie verachtet sind, das wird er nicht gewahr. 22Nur sein eigenes Fleisch macht ihm Schmerzen, und nur um ihn selbst trauert seine Seele.

15

Des Elifas zweite Rede

151Da antwortete Elifas von Teman und sprach:

2Soll ein Weiser antworten mit windiger Einsicht und seinen Bauch so blähen mit leeren Reden? 3Du verantwortest dich mit Worten, die nichts taugen, und dein Reden ist nichts nütze. 4Du selbst zerstörst die Gottesfurcht und raubst dir die Andacht vor Gott. 5Denn deine Schuld lehrt deinen Mund, und du hast erwählt eine listige Zunge. 6Dein Mund verurteilt dich und nicht ich, deine Lippen zeugen gegen dich.

7Bist du als der erste Mensch geboren? Kamst du vor den Hügeln zur Welt? 8Hast du zugehört

15,8
Kap
im Rat Gottes und die Weisheit an dich gerissen? 9Was weißt du, das wir nicht wissen? Was verstehst du, das uns nicht bekannt ist?
15,9
Kap
10Es sind Ergraute und Alte unter uns, die länger gelebt haben als dein Vater.

11Gelten Gottes Tröstungen so gering bei dir und ein Wort, das sanft mit dir verfuhr? 12Was reißt dein Herz dich fort? Was funkeln deine Augen, 13dass sich dein Mut wider Gott richtet und du solche Reden aus deinem Munde lässt? 14Was ist der Mensch, dass er

15,14
Kap
rein sein sollte, und dass der gerecht sein sollte, der vom Weibe geboren ist? 15Siehe,
15,15
Kap
seinen Heiligen traut Gott nicht, und
15,15
Kap
selbst die Himmel sind nicht rein vor ihm. 16Wie viel weniger ein Mensch, der ein Gräuel ist und verderbt, der Unrecht säuft wie Wasser!

17Ich will dir’s zeigen, höre mir zu, und ich will dir erzählen, was ich gesehen habe, 18was die Weisen gesagt und ihre Väter ihnen nicht verborgen haben, 19denen allein das Land gegeben war, sodass kein Fremder unter ihnen umherzog: 20

15,20
1. Mose 4,14
Der Frevler bebt sein Leben lang, und dem Tyrannen ist die Zahl seiner Jahre verborgen. 21Stimmen des Schreckens hört sein Ohr, und mitten im Frieden kommt der Verderber über ihn. 22Er glaubt nicht, dass er dem Dunkel entrinnen könne, und fürchtet immer das Schwert. 23Er zieht hin und her nach Brot und weiß, dass ihm der Tag der Finsternis bereitet ist. 24Angst und Not schrecken ihn, sie überwältigen ihn wie ein König, bereit zum Kampf. 25Denn er hat seine Hand gegen Gott ausgereckt und dem Allmächtigen getrotzt. 26Er läuft mit dem Kopf gegen ihn an und ficht halsstarrig wider ihn. 27Er brüstet sich wie ein fetter Wanst und macht sich feist und dick. 28Er wohnt in zerstörten Städten, in Häusern, darin niemand bleibt, die zu Steinhaufen bestimmt sind.

29Doch wird er nicht reich bleiben, und sein Gut wird nicht bestehen, und sein Besitz wird sich nicht ausbreiten im Lande. 30Er wird der Finsternis nicht entrinnen. Die Flamme wird seine Zweige verdorren, und Gott wird ihn durch den Hauch seines Mundes wegraffen. 31Er traue nicht auf Trug, sonst wird er betrogen sein, und Trug wird sein Lohn werden. 32Er verwelkt noch vor der Zeit, und sein Zweig wird nicht mehr grünen. 33Er gleicht dem Weinstock, der die Trauben unreif abstößt, und dem Ölbaum, der seine Blüte abwirft. 34Denn die Rotte der Ruchlosen wird unfruchtbar bleiben, und das Feuer wird die Hütten der Bestechlichen fressen. 35Sie gehen schwanger mit Mühsal und gebären Unglück, und ihr Schoß bringt Trug zur Welt.

15,35
Jes 59,4

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