Lutherbibel 2017 (LU17)
11

Zofars erste Rede

111Da hob Zofar von Naama an und sprach:

2Soll ohne Antwort bleiben, der viele Worte macht? Muss denn ein Schwätzer immer recht haben? 3Müssen Männer zu deinem leeren Gerede schweigen, dass du spottest und niemand dich beschämt? 4Du sprichst: »Meine Rede ist rein, und lauter bin ich vor deinen Augen.«

11,4
Kap
5Ach dass Gott mit dir redete und täte seine Lippen auf 6und zeigte dir
11,6
Ps 51,8
die Tiefen der Weisheit – denn sie ist zu wunderbar für jede Erkenntnis –, damit du weißt, dass er noch nicht an alle deine Sünden denkt.

7Meinst du, du kannst die Tiefen Gottes ergründen oder die Grenze des Allmächtigen erforschen? 8Er ist höher als der Himmel: Was willst du tun?, tiefer als die Unterwelt: Was kannst du wissen?, 9länger als die Erde und breiter als das Meer: 10Wenn er daherfährt und gefangen legt und Gericht hält – wer will’s ihm wehren? 11Denn er kennt die heillosen Leute; er sieht den Frevel und sollte es nicht merken?

12Kann ein Hohlkopf verständig werden, kann ein junger Wildesel als Mensch zur Welt kommen? 13Wenn aber du dein Herz auf ihn richtest und deine Hände zu ihm ausbreitest – 14wenn Frevel in deiner Hand ist, entferne ihn, und lass in deinen Zelten kein Unrecht wohnen –, 15so könntest du dein Antlitz aufheben ohne Tadel und würdest fest sein und dich nicht fürchten. 16Dann würdest du alle Mühsal vergessen und so wenig daran denken wie an Wasser, das verrinnt, 17und dein Leben würde aufgehen wie der Mittag, und das Finstre würde ein lichter Morgen werden, 18

11,18
Ps 4,9
und du könntest Zuversicht haben, weil es Hoffnung gibt, du wärest geborgen und könntest in Sicherheit schlafen, 19würdest ruhen und niemand würde dich aufschrecken, und viele würden deine Gunst erbitten. 20Aber die Augen der Frevler werden verschmachten, und sie werden nicht entrinnen können, und
11,20
Kap
als ihre Hoffnung bleibt, das Leben auszuhauchen.

12

Hiobs erste Antwort an Zofar

121Da antwortete Hiob und sprach:

2Ja, ihr seid die Richtigen, mit euch wird die Weisheit sterben! 3Ich hab ebenso Verstand wie ihr und bin nicht geringer als ihr; wer wüsste das nicht? 4Ich muss von meinem Nächsten verlacht sein, der ich Gott anrief und den er erhörte. Der Gerechte und Fromme muss verlacht sein. 5Dem Unglück gebührt Verachtung, so meint der Sichere; ein Stoß denen, deren Fuß schon wankt! 6Die Hütten der Verwüster stehen ganz sicher, und Ruhe haben, die wider Gott toben, die Gott in ihrer Faust führen.

12,6
Hab 1,11

7Frage doch das Vieh, das wird dich’s lehren, und die Vögel unter dem Himmel, die werden dir’s sagen, 8oder die Sträucher der Erde, die werden dich’s lehren, und die Fische im Meer werden dir’s erzählen. 9Wer erkennte nicht an dem allen, dass des Herrn Hand das gemacht hat, 10dass in seiner Hand ist die Seele von allem, was lebt, in seiner Hand auch

12,10
4. Mose 16,22
Apg 17,28
der Geist im Leib eines jeden Menschen? 11Prüft nicht das Ohr die Rede, wie der Mund die Speise schmeckt? 12Bei den Großvätern nur soll Weisheit sein und Verstand nur bei den Alten?
12,12
Kap

13Bei Gott ist Weisheit und Gewalt, sein ist Rat und Verstand. 14Siehe, wenn er zerbricht, so hilft kein Bauen;

12,14
Offb 3,7
wenn er jemand einschließt, kann niemand aufmachen. 15Siehe,
12,15
1. Kön 17,17
wenn er die Wasser zurückhält, so wird alles dürr, und wenn er sie loslässt,
12,15
1. Mose 7,19-23
verwüsten sie das Land. 16Bei ihm ist Kraft und Einsicht. Sein ist, der da irrt und
12,16
1. Kön 12,28-30
2. Kön 19,10-37
der irreführt. 17Er lässt die Ratsherren barfuß gehen und macht die Richter zu Toren. 18Er macht frei von den Banden der Könige und umgürtet ihre Lenden mit einem Gurt. 19Er führt die Priester barfuß davon und
12,19
1. Sam 2,30-32
22,18-19
bringt zu Fall die alten Geschlechter. 20Er entzieht die Sprache den Verlässlichen und nimmt weg den Verstand der Alten. 21Er schüttet Verachtung auf die Fürsten und
12,21
1. Sam 17,5
31,9
2. Kön 19,37
Dan 4,29-30
zieht den Gewaltigen die Rüstung aus. 22Er öffnet die finstern Schluchten und bringt heraus das Dunkel ans Licht. 23Er macht Völker groß und bringt sie wieder um; er breitet ein Volk aus und treibt’s wieder weg. 24Er nimmt den Häuptern des Volks im Lande den Mut und führt sie irre in wegloser Wüste, 25dass sie in der Finsternis tappen ohne Licht. Er führt sie irre wie die Trunkenen.

13

131Siehe, das hat alles mein Auge gesehen und mein Ohr gehört, und ich hab’s verstanden. 2Was ihr wisst, das weiß ich auch, und ich bin nicht geringer als ihr. 3Doch ich wollte gern zu dem Allmächtigen reden und wollte rechten mit Gott. 4Aber ihr seid Lügentüncher und seid alle unnütze Ärzte. 5Wollte Gott, dass ihr geschwiegen hättet, so wäret ihr weise geblieben.

13,5
Spr 17,28

6Hört doch, wie ich mich verantworte, und merkt auf die Streitsache, von der ich rede! 7Wollt ihr Gott verteidigen mit Unrecht und Trug für ihn reden? 8Wollt ihr für ihn Partei ergreifen? Wollt ihr Gottes Sache vertreten? 9Wird’s euch auch wohlgehen, wenn er euch verhören wird? Meint ihr, dass ihr ihn täuschen werdet, wie man einen Menschen täuscht? 10Er wird euch hart zurechtweisen, wenn ihr heimlich Partei ergreift. 11Werdet ihr euch nicht entsetzen, wenn er sich erhebt, und wird sein Schrecken nicht über euch fallen? 12Was ihr zu bedenken gebt, sind Sprüche aus Asche; eure Bollwerke werden zu Lehmhaufen. 13Schweigt still und lasst mich reden; es komme über mich, was da will.

14Was soll ich mein Fleisch mit meinen Zähnen festhalten und mein Leben aufs Spiel setzen? 15Siehe, auch wenn er mich umbringt, warte ich auf ihn; fürwahr, ich will meine Wege vor ihm verantworten. 16Auch das muss mir zum Heil sein; denn es kommt kein Ruchloser vor ihn.

17Hört meine Rede und was ich darlege, mit euren Ohren! 18Siehe, ich bin zum Rechtsstreit gerüstet; ich weiß, dass ich recht behalten werde. 19Wer ist, der mit mir rechten könnte? Denn dann wollte ich schweigen und zugrunde gehen. 20Nur zweierlei tu mir nicht, so will ich mich vor dir nicht verbergen: 21Lass deine Hand fern von mir sein, und dein Schrecken erschrecke mich nicht;

13,21
Kap
22dann rufe, ich will dir antworten, oder ich will reden, dann antworte du mir!

23Wie groß ist meine Schuld und Sünde? Lass mich wissen meine Übertretung und Sünde. 24Warum verbirgst du dein Antlitz und

13,24
Kap
hältst mich für deinen Feind? 25Willst du ein verwehendes Blatt schrecken und einen dürren Halm verfolgen, 26dass du so Bitteres über mich verhängst und über mich bringst
13,26
Ps 25,7
die Sünden meiner Jugend? 27Du hast meinen Fuß in den Block gelegt und hast acht auf alle meine Pfade und zeichnest meine Fußstapfen nach, 28der ich doch wie Moder vergehe und wie ein Kleid, das die Motten fressen.