Lutherbibel 2017 (LU17)
6

Die Speisung der Fünftausend

(Mt 14,13-21; Mk 6,30-44; Lk 9,10-17)

61Danach ging Jesus weg ans andre Ufer des Galiläischen Meeres, das auch See von Tiberias heißt. 2Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. 3Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. 4Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden.

6,4
Kap

5Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben? 6Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. 7Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder auch nur ein wenig bekomme. 8Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: 9Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das für so viele? 10Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer.

11Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, so viel sie wollten. 12Als sie aber satt waren, spricht er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt. 13Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.

14Als nun die Menschen das

6,14
Kap
Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich
6,14
5. Mose 18,15
der Prophet, der in die Welt kommen soll. 15Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er allein.

Jesus geht über das Wasser

(Mt 14,22-33; Mk 6,45-52)

16Am Abend aber gingen seine Jünger hinab an das Meer, 17stiegen in ein Boot und fuhren über das Meer nach Kapernaum. Und es war schon finster geworden und Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen. 18Und das Meer wurde aufgewühlt von einem starken Wind. 19Als sie nun etwa fünfundzwanzig oder dreißig Stadien gerudert waren, sahen sie Jesus auf dem Meer gehen und nahe an das Boot kommen; und sie fürchteten sich. 20Er aber spricht zu ihnen: Ich bin’s; fürchtet euch nicht! 21Da wollten sie ihn ins Boot nehmen; und sogleich war das Boot am Land, wohin sie fahren wollten.

Das Brot des Lebens

22Am nächsten Tag sah das Volk, das am andern Ufer des Meeres stand, dass kein anderes Boot da war als das eine und dass Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Boot gestiegen war, sondern seine Jünger waren allein weggefahren. 23Es kamen aber andere Boote von Tiberias nahe zu der Stätte, wo sie das Brot gegessen hatten, nachdem der Herr die Danksagung gesprochen hatte. 24Als nun das Volk sah, dass Jesus nicht da war und seine Jünger auch nicht, stiegen sie in die Boote und kamen nach Kapernaum und suchten Jesus. 25Und als sie ihn fanden am andern Ufer des Meeres, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hergekommen? 26Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid. 27Müht euch nicht um Speise, die vergänglich ist, sondern um Speise, die da bleibt zum ewigen Leben. Dies wird euch der Menschensohn geben; denn

6,27
Kap
auf ihm ist das Siegel Gottes des Vaters.

28Da fragten sie ihn: Was sollen wir tun, dass wir Gottes Werke wirken? 29Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. 30Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein

6,30
Kap
Zeichen, auf dass wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? 31Unsre Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht (Ps 78,24): »Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.«
6,31
2. Mose 16,13-15
32Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 33Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. 34Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot.
6,34
Kap

35Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

6,35
Kap
36Aber ich habe euch gesagt: Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht. 37Alles, was mir der Vater gibt, das kommt zu mir; und
6,37
Mt 11,28
wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. 38Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern
6,38
Kap
den Willen dessen, der mich gesandt hat. 39Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat,
6,39
Kap
dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich’s auferwecke am Jüngsten Tage. 40Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und
6,40
Kap
ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.

41Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist, 42und sprachen: Ist dieser nicht Jesus,

6,42
Lk 4,22
Josefs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel gekommen? 43Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Murrt nicht untereinander. 44Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage. 45Es steht geschrieben in den Propheten (Jes 54,13): »Sie werden alle von Gott gelehrt sein.« Wer es vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir. 46Nicht dass jemand den Vater gesehen hätte; nur der, der von Gott ist, der hat den Vater gesehen.
6,46
Kap
47Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben.
6,47
Kap

48Ich bin das Brot des Lebens.

6,48
49Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
6,49
1. Kor 10,3-5
50Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. 51Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und
6,51
Mk 14,22
das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt.

52Da stritten die Juden untereinander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? 53Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht esst das Fleisch des Menschensohns und trinkt sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. 54Wer

6,54
Mt 26,26-28
mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. 55Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. 56Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der
6,56
Kap
bleibt in mir und ich in ihm. 57Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. 58Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.

59Das sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte.

Spaltung unter den Jüngern und das Bekenntnis des Petrus

60Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? 61Da Jesus aber bei sich selbst merkte, dass seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Nehmt ihr daran Anstoß? 62Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn

6,62
Lk 24,50-51
auffahren dahin, wo er
6,62
Kap
zuvor war? 63
6,63
Kap
Der Geist ist’s, der da lebendig macht; das Fleisch6,63 Siehe Sach- und Worterklärungen. ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. 64Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. 65Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben.

66Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm. 67Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? 68Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; 69und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

6,69
Mt 16,16

70Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch Zwölf erwählt? Und einer von euch ist ein Teufel. 71Er redete aber von Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Der verriet ihn hernach und war einer der Zwölf.

7

Die Reise zum Laubhüttenfest

71Danach zog Jesus umher in

7,1
Kap
Galiläa; denn er wollte nicht in Judäa umherziehen, weil ihm die Juden nach dem Leben trachteten. 2Es war aber nahe das
7,2
3. Mose 23,34-36
Laubhüttenfest der Juden. 3Da sprachen seine
7,3
Kap
Brüder zu ihm: Mach dich auf von hier und geh nach Judäa, auf dass auch deine Jünger die Werke sehen, die du tust. 4Denn niemand tut etwas im Verborgenen und will doch öffentlich bekannt sein. Willst du das, so offenbare dich vor der Welt. 5Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn.

6Da spricht Jesus zu ihnen:

7,6
Kap
Meine Zeit ist noch nicht da, eure Zeit aber ist immer da. 7Die Welt kann euch nicht hassen.
7,7
Kap
Mich aber hasst sie, denn ich bezeuge von ihr, dass ihre Werke böse sind. 8Geht ihr hinauf zum Fest! Ich will nicht hinaufgehen zu diesem Fest, denn meine Zeit ist noch nicht erfüllt. 9Das sagte er und blieb in Galiläa.

10Als aber seine Brüder hinaufgegangen waren zum Fest, da ging auch er hinauf, nicht offen, sondern heimlich.

7,10
Kap
11Da suchten ihn die Juden auf dem Fest und fragten: Wo ist er? 12Und es war ein großes Gemurmel über ihn im Volk. Einige sprachen: Er ist gut; andere aber sprachen: Nein, sondern er verführt das Volk. 13Niemand aber redete offen über ihn
7,13
Kap
aus Furcht vor den Juden.

Jesus auf dem Fest

14Aber mitten im Fest ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte. 15Und die Juden verwunderten sich und sprachen: Wie kennt dieser die Schrift, wenn er es doch nicht gelernt hat?

7,15
Mt 13,56
16Jesus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat.
7,16
Kap
17Wenn jemand dessen Willen tun will, wird er innewerden, ob diese Lehre von Gott ist oder ob ich aus mir selbst rede. 18Wer aus sich selbst redet, der
7,18
Kap
sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und keine Ungerechtigkeit ist in ihm.

19Hat euch nicht

7,19
Kap
Mose das Gesetz gegeben? Und
7,19
Röm 2,17-24
niemand unter euch tut das Gesetz.
7,19
Kap
Warum sucht ihr mich zu töten? 20Das Volk antwortete:
7,20
Kap
Du bist von einem Dämon besessen; wer sucht dich zu töten? 21Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ein einziges Werk habe ich getan und es wundert euch alle.
7,21
Kap
22Darum hat Mose euch die
7,22
1. Mose 17,10-12
3. Mose 12,3
Beschneidung gegeben – nicht dass sie von Mose kommt, sondern von den Vätern –, und ihr beschneidet einen Menschen auch am Sabbat. 23Wenn ein Mensch am Sabbat die Beschneidung empfängt, damit nicht das Gesetz des Mose gebrochen werde, was zürnt ihr dann mir, weil ich am Sabbat den ganzen Menschen gesund gemacht habe? 24Richtet nicht nach dem, was vor Augen ist, sondern richtet gerecht.

25Da sprachen einige aus Jerusalem: Ist das nicht der, den sie zu töten suchen? 26Und siehe, er redet frei und offen, und sie sagen ihm nichts. Sollten unsere Oberen wahrhaftig erkannt haben, dass er der

7,26
Kap
Christus ist? 27Doch wir wissen, woher dieser ist; wenn aber der Christus kommt, so weiß niemand, woher er ist.
7,27
Hebr 7,3
28Da rief Jesus im Tempel und lehrte: Ja, ihr kennt mich und wisst, woher ich bin. Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen, sondern von dem, der wahrhaftig ist, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt. 29
7,29
Mt 11,27
Ich aber kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt. 30Da suchten sie ihn zu ergreifen; aber niemand legte Hand an ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen.
7,30
Kap
31Aber viele aus dem Volk glaubten an ihn und sprachen: Wenn der Christus kommen wird, wird er etwa mehr Zeichen tun, als dieser getan hat?

32Die Pharisäer hörten, dass es im Volk solches Gemurmel über ihn gab. Da sandten die Hohenpriester und die Pharisäer Knechte aus, dass sie ihn ergriffen. 33Da sprach Jesus:

7,33
Kap
Ich bin noch eine kleine Zeit bei euch, und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat. 34
7,34
Kap
Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen. 35Da sprachen die Juden untereinander: Wo will dieser hingehen, dass wir ihn nicht finden könnten? Will er etwa zu denen gehen, die in der Zerstreuung unter den Griechen wohnen, und die Griechen lehren? 36Was ist das für ein Wort, das er sagte: Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, da könnt ihr nicht hinkommen?

37Aber

7,37
3. Mose 23,36
am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief:
7,37
Kap
Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! 38Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden,
7,38
Jes 58,11
wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. 39Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn
7,39
Kap
der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Zwietracht im Volk

40Etliche nun aus dem Volk, die diese Worte hörten, sprachen:

7,40
Kap
Dieser ist wahrhaftig der
7,40
Mal 3,23
Prophet. 41Andere sprachen: Er ist der Christus. Wieder andere sprachen:
7,41
Kap
Soll der Christus etwa aus Galiläa kommen? 42Sagt nicht die Schrift:
7,42
Mt 22,42
Aus dem Geschlecht Davids und
7,42
Mi 5,1
Mt 2,5-6
aus dem Ort Bethlehem, wo David war, kommt der Christus? 43So entstand seinetwegen Zwietracht im Volk.
7,43
Kap
44Einige von ihnen wollten ihn ergreifen; aber niemand legte Hand an ihn.

45Da kamen die Knechte zu den Hohenpriestern und Pharisäern; und die fragten sie: Warum habt ihr ihn nicht gebracht? 46Die Knechte antworteten: Noch nie hat ein Mensch

7,46
Mt 7,28-29
so gesprochen. 47Da antworteten ihnen die Pharisäer: Seid ihr auch verführt worden? 48Glaubt denn einer von den Oberen oder von den Pharisäern an ihn? 49Nur das Volk tut’s, das nichts vom Gesetz weiß; verflucht ist es. 50Spricht zu ihnen
7,50
Kap
Nikodemus, der vormals zu ihm gekommen war und der einer von ihnen war: 51Richtet denn unser Gesetz einen Menschen, ehe man ihn angehört und erkannt hat, was er tut?
7,51
5. Mose 1,16
52Sie antworteten und sprachen zu ihm: Bist du auch aus Galiläa? Forsche und sieh: Aus Galiläa steht kein Prophet auf. 53[Und sie gingen fort, ein jeder in sein Haus.

8

81Jesus aber ging zum Ölberg.

Jesus und die Ehebrecherin

2Frühmorgens aber kam Jesus wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm, und er setzte sich und lehrte sie. 3Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte 4und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. 5

8,5
3. Mose 20,10
5. Mose 22,22-24
Mose hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du? 6Das sagten sie aber, um ihn zu versuchen, auf dass sie etwas hätten, ihn zu verklagen. Aber Jesus bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 7Als sie ihn nun beharrlich so fragten, richtete er sich auf und sprach zu ihnen:
8,7
Röm 2,1
Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. 8Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. 9Als sie das hörten, gingen sie hinaus, einer nach dem andern, die Ältesten zuerst; und Jesus blieb allein mit der Frau, die in der Mitte stand.

10Da richtete Jesus sich auf und sprach zu ihr: Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt? 11Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus aber sprach: So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und

8,11
Kap
sündige hinfort nicht mehr.]8,11 Der Abschnitt 7,53–8,11 ist in den ältesten Handschriften des Johannesevangeliums nicht enthalten.

Das Licht der Welt

12Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das

8,12
Kap
Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. 13Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Du gibst Zeugnis von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr. 14Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Auch
8,14
Kap
wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr; denn
8,14
Kap
ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wisst nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe. 15Ihr richtet nach dem Fleisch8,15 Siehe Sach- und Worterklärungen.,
8,15
Kap
ich richte niemand. 16Wenn ich aber richte, so ist mein Richten wahr, denn ich bin’s nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat. 17Auch steht in eurem Gesetz geschrieben, dass zweier Menschen Zeugnis wahr sei.
8,17
5. Mose 19,15
18Ich bin’s, der von sich selbst zeugt; und der Vater, der mich gesandt hat, zeugt auch von mir. 19Da sprachen sie zu ihm: Wo ist dein Vater? Jesus antwortete: Ihr kennt weder mich noch meinen Vater;
8,19
Kap
wenn ihr mich kenntet, so kenntet ihr auch meinen Vater. 20Diese Worte redete Jesus an dem Gotteskasten8,20 Gemeint ist die bewachte Schatzkammer; siehe Sach- und Worterklärungen zu »Gotteskasten«., als er lehrte im Tempel;
8,20
Kap
und niemand ergriff ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen.

Jesu Weg zur Erhöhung

21

8,21
Kap
Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Ich gehe hinweg, und ihr werdet mich suchen und in eurer Sünde sterben. Wo ich hingehe, da könnt ihr nicht hinkommen. 22Da sprachen die Juden: Will er sich denn selbst töten, dass er sagt: Wohin ich gehe, da könnt ihr nicht hinkommen? 23Und er sprach zu ihnen: Ihr seid von unten her, ich bin
8,23
Kap
von oben her; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. 24So habe ich euch gesagt, dass ihr sterben werdet in euren Sünden; denn
8,24
Jes 43,10
wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, werdet ihr sterben in euren Sünden.

25Da fragten sie ihn: Wer bist du denn? Und Jesus sprach zu ihnen: Was soll ich euch zuerst sagen? 26Ich habe viel über euch zu reden und zu richten. Aber der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und was ich von ihm gehört habe, das rede ich zu der Welt. 27Sie erkannten aber nicht, dass er zu ihnen vom Vater sprach. 28Da sprach Jesus zu ihnen:

8,28
Kap
Wenn ihr den Menschensohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin und nichts von mir aus tue, sondern, wie mich der Vater gelehrt hat, so rede ich. 29Und der mich gesandt hat, ist mit mir. Er lässt mich nicht allein; denn ich tue allezeit, was ihm gefällt. 30Als er das sagte, glaubten viele an ihn.

Die befreiende Wahrheit

31Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten:

8,31
Kap
Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger 32und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. 33Da antworteten sie ihm:
8,33
Mt 3,9
Wir sind Abrahams Nachkommen und sind niemals jemandes Knecht gewesen. Wie sprichst du dann: Ihr sollt frei werden? 34Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. 35Der Knecht aber bleibt nicht ewig im Haus; der Sohn bleibt ewig. 36Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.
8,36
Röm 6,161822

Streit um Abraham

37Ich weiß wohl, dass ihr Abrahams Nachkommen seid; aber ihr sucht mich zu töten, denn mein Wort findet bei euch keinen Raum. 38Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; und ihr tut, was ihr von eurem Vater gehört habt. 39Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, so tätet ihr Abrahams Werke. 40Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan. 41Ihr tut eures Vaters Werke.

Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht aus Hurerei geboren; wir haben einen Vater: Gott. 42Jesus sprach zu ihnen: Wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich; denn ich bin von Gott ausgegangen und komme von ihm; denn ich bin nicht von mir selber gekommen, sondern er hat mich gesandt. 43Warum versteht ihr meine Rede nicht?

8,43
1. Kor 2,14
Weil ihr mein Wort nicht hören könnt! 44Ihr
8,44
1. Joh 3,8-10
habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Begierden wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. 45Weil ich aber die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht.

Der Streit um Jesu Ehre

46

8,46
2. Kor 5,21
1. Petr 2,22
1. Joh 3,5
Hebr 4,15
Wer unter euch kann mich einer Sünde überführen? Wenn ich die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? 47
8,47
Kap
Wer von Gott ist, der hört Gottes Worte; ihr hört darum nicht, weil ihr nicht von Gott seid.

48Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht mit Recht, dass du ein Samariter bist und von

8,48
Kap
einem Dämon besessen bist? 49Jesus antwortete: Ich bin nicht besessen, sondern ich ehre meinen Vater, aber ihr nehmt mir die Ehre. 50Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber einer, der sie sucht und richtet. 51Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hält, der
8,51
Kap
wird den Tod nicht sehen in Ewigkeit.

52Da sprachen die Juden zu ihm: Nun erkennen wir, dass du von einem Dämon besessen bist. Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sprichst: Wer mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken in Ewigkeit. 53Bist du mehr als unser Vater Abraham, der gestorben ist? Und die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst? 54Jesus antwortete: Wenn ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehrt, von dem ihr sagt:

8,54
Jes 63,16
Er ist unser Gott. 55Und
8,55
Kap
ihr kennt ihn nicht, ich aber kenne ihn. Und wenn ich sagen würde: Ich kenne ihn nicht, wäre ich ein Lügner wie ihr. Aber ich kenne ihn und halte sein Wort. 56Abraham, euer Vater, wurde froh, dass er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich. 57Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen? 58Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:
8,58
Kap
Ehe Abraham wurde, bin ich. 59Da
8,59
Kap
hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Aber Jesus verbarg sich und ging zum Tempel hinaus.