Lutherbibel 2017 (LU17)
4

41Willst du dich, Israel, bekehren, spricht der HERR, so kehre dich zu mir! Und wenn du deine gräulichen Götzen von meinem Angesicht wegtust, so brauchst du nicht mehr umherzuschweifen, 2und wenn du ohne Heuchelei recht und heilig

4,2
5. Mose 10,20
Jes 65,16
schwörst: »So wahr der HERR lebt«, dann werden
4,2
1. Mose 12,3
18,18-19
Völker sich Segen wünschen durch ihn und sich seiner rühmen. 3Denn so spricht der HERR zu denen in Juda und zu Jerusalem:
4,3
Hos 10,12
Pflüget ein Neues und säet nicht unter die Dornen! 4
4,4
Kap
Beschneidet euch für den HERRN und tut weg die Vorhaut eures Herzens, ihr Männer von Juda und ihr Leute von Jerusalem, auf dass nicht
4,4
Kap
um eurer Bosheit willen mein Grimm ausfahre wie Feuer und brenne, sodass niemand löschen kann.

Der Feind aus dem Norden

5Verkündet in Juda und schreit laut in Jerusalem und sprecht: »Blast die Posaune im Lande!« Ruft mit voller Stimme und sprecht: »Sammelt euch und lasst uns in die festen Städte ziehen!«

4,5
Kap
6Richtet in Zion ein Zeichen auf; flieht und säumet nicht! Denn ich bringe
4,6
Kap
von Norden Unheil herzu und großen Jammer. 7Es steigt herauf der
4,7
Kap
Löwe aus seinem Dickicht, und der Verderber der Völker hat sich aufgemacht und ist ausgezogen von seiner Stätte, dein Land zu verwüsten und deine Städte zu verbrennen, sodass niemand darin wohnt. 8Darum
4,8
Kap
zieht den Sack an, klagt und heult; denn der grimmige Zorn des HERRN will sich nicht von uns wenden.

9Zu der Zeit, spricht der HERR, wird dem König und den Fürsten der Mut entfallen, die Priester werden bestürzt und die Propheten erschrocken sein. 10Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, du hast dies Volk und Jerusalem sehr getäuscht, als du sagtest: »Es wird

4,10
Kap
Friede bei euch sein«, wo doch das Schwert uns ans Leben geht!

11Zu der Zeit wird man diesem Volk und Jerusalem sagen: »Es kommt ein heißer Wind von den kahlen Höhen aus der Wüste, geraden Weges zu der Tochter meines Volks, nicht zum Worfeln noch zum Sichten.« 12Ja, ein Wind kommt auf mein Geheiß, der ihnen zu stark sein wird; da will ich dann mit ihnen rechten. 13Siehe, er fährt daher wie Wolken, und seine Wagen sind wie ein Sturmwind, seine Rosse sind schneller als Adler. Weh uns! Wir sind verloren! 14So

4,14
Kap
wasche nun, Jerusalem, dein Herz von der Bosheit, auf dass dir geholfen werde. Wie lange wollen bei dir bleiben deine heillosen Gedanken? 15Horch, Kunde kommt von Dan her und eine böse Botschaft vom Gebirge Ephraim. 16Sagt an den Völkern, verkündet in Jerusalem: Belagerer kommen aus fernen Landen und erheben Kriegsgeschrei gegen die Städte Judas. 17Sie lagern sich
4,17
Kap
um Jerusalem her wie die Wächter auf dem Felde; denn es hat mich erzürnt, spricht der HERR. 18Das hast du zum Lohn für deinen Wandel und dein Tun. Das kommt von deiner
4,18
Kap
Bosheit, dass es so bitter um dich steht und dir bis ans Herz dringt.

19Wie ist mir so weh, so weh! Ich winde mich. Mein

4,19
Kap
Herz pocht in meiner Brust. Ich kann nicht schweigen; denn den Hall der Posaune habe ich gehört, den Lärm der Feldschlacht; 20Niederlage auf Niederlage wird gemeldet. Denn das ganze Land wird verheert, plötzlich sind meine
4,20
Kap
Hütten und meine Zelte zerstört. 21Wie lange soll ich noch das Feldzeichen sehen und der Posaune Hall hören? 22Aber mein Volk ist toll, mich kennen sie nicht.
4,22
5. Mose 32,28
Töricht sind sie und ohne Einsicht; weise sind sie genug, Übles zu tun, aber Gutes zu tun verstehen sie nicht.

Das Chaos kehrt zurück

23Ich sah das Land, und siehe,

4,23
1. Mose 1,2
es war wüst und leer, sah zum Himmel, und er war finster. 24
4,24
Kap
Ich sah die Berge an, und siehe, sie bebten und alle Hügel wankten. 25Ich sah, und siehe, da war kein Mensch, und alle Vögel unter dem Himmel waren weggeflogen. 26Ich sah, und siehe, das Fruchtland war eine Wüste, und alle seine Städte waren zerstört vor dem HERRN und vor seinem grimmigen Zorn. 27Denn so spricht der HERR: Das ganze Land soll wüst werden, aber
4,27
Kap
ich will mit ihm doch nicht ganz ein Ende machen. 28Darum wird das Land betrübt und der Himmel droben traurig sein; denn ich hab’s geredet, ich hab’s beschlossen, und es soll mich nicht gereuen, ich will auch nicht davon ablassen.

29Alle Städte fliehen vor dem Geschrei der Reiter und Schützen. Sie sind in die dichten Wälder gelaufen und in die Felsen gestiegen. Alle Städte stehen verlassen, sodass niemand darin wohnt. 30Was willst du dann tun, du Überwältigte? Wenn du dich schon mit Purpur kleiden und mit goldenen Kleinoden schmücken und dein Angesicht schminken würdest, so schmückst du dich doch vergeblich. Deine Freier verschmähen dich. Sie trachten dir nach dem Leben. 31Denn ich höre ein

4,31
Kap
Geschrei wie von einer Gebärenden, Angstrufe wie von einer, die in den ersten Kindsnöten ist, ein Geschrei der Tochter Zion, die da keucht und die Hände ausbreitet: Ach, weh mir! Ich muss vergehen vor den Würgern.

5

Jerusalems Schuld

51Geht durch die Gassen Jerusalems und schaut und merkt auf und

5,1
1. Mose 18,22-32
Ps 14,2-3
sucht auf den Straßen der Stadt, ob ihr jemand findet, der Recht übt und auf Wahrheit hält, so will ich ihr gnädig sein. 2Und wenn sie auch sprechen: So wahr der HERR lebt!, so
5,2
Kap
schwören sie doch falsch.

3HERR, deine Augen sehen auf Wahrhaftigkeit. Du hast sie geschlagen, aber sie fühlten’s nicht;

5,3
Kap
fast hast du sie vernichtet, aber sie besserten sich nicht. Sie haben ein Angesicht, härter als ein Fels, und wollten sich nicht bekehren. 4Ich aber dachte: Wohlan, es sind arme, unverständige Leute und wissen nicht um des HERRN Weg und um ihres Gottes Recht. 5Ich will zu den Großen gehen und mit ihnen reden; die werden um des HERRN Weg und ihres Gottes Recht wissen. Aber
5,5
Kap
sie alle haben das Joch zerbrochen und die Seile zerrissen. 6Darum schlug sie auch der
5,6
Kap
Löwe aus dem Walde, der Wolf aus der Steppe fällt über sie her, und der Panther belauert ihre Städte; alle, die von da herausgehen, werden zerfleischt. Denn ihrer Sünden sind zu viele, und sie bleiben in ihrem Ungehorsam.

7Wie soll ich dir denn gnädig sein? Deine Kinder haben mich verlassen und schwören bei dem, der nicht Gott ist. Als ich sie satt gemacht hatte, trieben sie Ehebruch und liefen ins Hurenhaus. 8Ein jeder

5,8
Hes 22,11
wiehert nach seines Nächsten Frau wie die vollen, müßigen Hengste. 9Und ich sollte das an ihnen nicht heimsuchen, spricht der HERR, und ich sollte mich nicht rächen an einem Volk wie diesem?
5,9
Kap

10Stürmt die schützenden Mauern und verwüstet die Weingärten; aber verwüstet sie nicht ganz! Reißt ihre Weinreben weg; denn sie gehören nicht dem HERRN! 11Denn

5,11
Kap
treulos geworden sind sie mir, das Haus Israel und das Haus Juda, spricht der HERR. 12Sie verleugneten den HERRN und sprachen: »Das tut er nicht; so übel wird es uns nicht gehen; Schwert und Hunger werden wir nicht sehen.«
5,12
Mi 3,11
13Die Propheten werden zu Wind und Gottes Wort ist nicht in ihnen. So ergehe es ihnen selbst! 14Darum spricht der HERR, der Gott Zebaoth: Weil ihr solche Reden führt, siehe, so will ich meine
5,14
Kap
Worte in deinem Munde zu Feuer machen und dies Volk zu Brennholz, dass es verzehrt werde.

15

5,15
Kap
Siehe, ich will über euch vom Hause Israel ein Volk von ferne her bringen, spricht der HERR, ein Volk von unerschöpflicher Kraft, ein uraltes Volk, ein Volk, dessen Sprache du nicht verstehst, und was sie reden, kannst du nicht vernehmen. 16Seine Köcher sind wie offene Gräber; es sind lauter Helden. 17Sie werden deine
5,17
5. Mose 28,33
Ernte und dein Brot verzehren, sie werden deine Söhne und Töchter fressen, sie werden deine Schafe und Rinder verschlingen, sie werden deine Weinstöcke und Feigenbäume verzehren; deine festen Städte, auf die du dich verlässt, werden sie mit dem Schwert verderben.

18Doch will ich, spricht der HERR, auch zu jener Zeit mit euch

5,18
Kap
nicht ganz ein Ende machen. 19Und wenn sie sagen: Warum tut uns der HERR, unser Gott, dies alles?, sollst du ihnen antworten: Wie ihr mich verlasst und fremden Göttern dient in eurem eigenen Lande, so sollt ihr auch Fremden dienen in einem Lande, das nicht euer ist.
5,19
Kap

20Verkündet im Hause Jakob und ruft aus in Juda und sprecht: 21Hört zu, ihr tolles Volk, das keinen Verstand hat,

5,21
Jes 6,9-10
Hes 12,2
die da Augen haben und sehen nicht, Ohren haben und hören nicht! 22Wollt ihr mich nicht fürchten, spricht der HERR, und vor mir nicht erschrecken,
5,22
Hiob 38,8-11
Ps 104,9
der ich dem Meere den Sand zur Grenze setze, darin es allezeit bleiben muss, darüber es nicht gehen darf? Und ob es auch aufwallt, so vermag es doch nichts; und ob seine Wellen auch toben, so dürfen sie doch nicht darübergehen. 23Aber dies Volk hat ein abtrünniges, ungehorsames Herz. Sie bleiben abtrünnig und gehen ihrer Wege 24und sprechen niemals in ihrem Herzen: »Lasst uns doch den HERRN, unsern Gott, fürchten, der uns
5,24
5. Mose 11,14
Frühregen und Spätregen gibt zur rechten Zeit und uns die Ernte treulich und jährlich gewährt.« 25
5,25
Jes 59,2
Eure Verschuldungen verhindern das, und eure Sünden halten das Gute von euch fern.

26Man findet unter meinem Volk Frevler, die den Leuten nachstellen und Fallen zurichten, um sie zu fangen, wie’s die Vogelfänger tun. 27Ihre Häuser sind voller Tücke, wie ein Vogelbauer voller Lockvögel ist. Daher sind sie groß und reich geworden, 28fett und feist. Sie gingen mit bösen Dingen um; sie hielten kein Recht,

5,28
2. Mose 22,21
Jes 1,17
der Waisen Sache führten sie nicht zum Erfolg und halfen den Armen nicht zum Recht. 29Sollte ich das an ihnen nicht heimsuchen, spricht der HERR, und sollte ich mich nicht rächen an einem Volk wie diesem?
5,29

30Es steht gräulich und grässlich im Lande. 31Die

5,31
Hes 13,6
Propheten weissagen Lüge, und die Priester lehren auf eigene Faust, und mein Volk hat’s gern so. Aber was werdet ihr tun, wenn’s damit ein Ende hat?

6

Unheil von Norden

61Flieht, ihr Benjaminiter, aus Jerusalem und blast die Posaune in Tekoa und richtet ein Feldzeichen auf über Bet-Kerem! Denn es droht

6,1
Kap
von Norden Unheil und großer Jammer. 2Die Tochter Zion ist wie eine liebliche Aue; 3aber es werden Hirten über sie kommen mit ihren Herden,
6,3
Kap
die haben Zelte aufgeschlagen rings um sie her. Sie weiden ein jeder seinen Platz ab. 4»Rüstet euch zum Krieg gegen sie! Wohlauf, lasst uns hinaufziehen am Mittag!« »Weh uns, es will Abend werden, und die Schatten werden lang!« 5»Wohlan, lasst uns hinaufziehen bei Nacht und ihre Paläste zerstören!«

6Denn so spricht der HERR Zebaoth: Fällt Bäume und werft einen Wall auf gegen Jerusalem; denn es ist eine Stadt, von der erwiesen ist: Nichts als Unrecht ist darin! 7Denn wie ein Brunnen sein Wasser quellen lässt, so quillt auch ihre Bosheit. Frevel und Gewalt hört man in ihr, und Morden und Schlagen treiben sie täglich vor mir. 8Bessre dich, Jerusalem, ehe sich mein Herz von dir wende und ich dich zum wüsten Lande mache, darin niemand wohnt!

9So spricht der HERR Zebaoth: Halte Nachlese am Rest Israels wie am Weinstock, strecke deine Hand immer wieder aus wie ein Winzer nach den Reben. 10»Ach, mit wem soll ich noch reden, und wem soll ich Zeugnis geben? Dass doch jemand hören wollte! Aber

6,10
Kap
ihr Ohr ist unbeschnitten; sie können’s nicht hören. Siehe, sie halten des HERRN Wort für Spott und wollen es nicht. 11Darum bin ich von des HERRN Zorn so voll, dass ich ihn nicht zurückhalten kann.« So schütte ihn aus über die Kinder auf der Gasse und über die Schar der jungen Männer! Denn es sollen alle, Mann und Frau, Alte und Hochbetagte, gefangen weggeführt werden. 12
6,12
Kap
Ihre Häuser sollen den Fremden zuteilwerden samt den Äckern und Frauen; denn ich will meine Hand ausstrecken wider die Bewohner des Landes, spricht der HERR. 13Denn sie gieren alle, Klein und Groß, nach unrechtem Gewinn, und Propheten und Priester gehen alle mit Lüge um 14und heilen den Schaden meines Volks nur obenhin, indem sie sagen:
6,14
Kap
»Friede! Friede!«, und ist doch nicht Friede. 15Sie werden mit Schande dastehen, weil sie solche Gräuel getrieben haben; aber sie wollen sich nicht schämen und wissen nichts von Scham. Darum sollen sie fallen unter den Fallenden, und wenn ich sie heimsuchen werde, sollen sie stürzen, spricht der HERR.

16So spricht der HERR: Tretet hin an die Wege und schaut und fragt nach den Wegen der Vorzeit, welches der gute Weg sei, und wandelt darin,

6,16
Mt 11,29
so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele! Aber sie sprachen: Wir wollen’s nicht tun! 17Auch habe ich
6,17
Hes 3,17
Wächter über euch gesetzt: Achtet auf den Hall der Posaune! Aber sie sprachen: Wir wollen’s nicht tun!

18Darum höret, ihr Völker, und merkt auf samt euren Leuten! 19Du, Erde, höre zu! Siehe, ich will Unheil über dies Volk bringen, ihren verdienten Lohn, weil sie

6,19
Jes 1,2
auf meine Worte nicht achten und mein Gesetz verwerfen.

20Was frage ich nach dem Weihrauch aus Saba und nach dem köstlichen Gewürz, das aus fernen Landen kommt?

6,20
Kap
Eure Brandopfer sind mir nicht wohlgefällig, und eure Schlachtopfer gefallen mir nicht. 21Darum, so spricht der HERR: Siehe, ich will diesem Volk Anstöße in den Weg stellen, daran sich Väter und Kinder zugleich stoßen und ein Nachbar mit dem andern umkommen soll.

22So spricht der HERR: Siehe, es kommt ein Volk von Norden, und

6,22
Kap
ein großes Volk wird sich erheben vom Ende der Erde. 23Sie führen Bogen und Schwert, sind grausam und ohne Erbarmen. Sie brausen daher wie ein ungestümes Meer und reiten auf Rossen, gerüstet als Kriegsleute, gegen dich, du Tochter Zion.
6,23
Kap

24Wir haben von ihnen gehört und unsre Hände sind uns niedergesunken; es ist uns angst und weh geworden wie einer Gebärenden. 25Niemand gehe hinaus auf den Acker, niemand gehe über Land; denn es ist

6,25
Kap
Schrecken um und um vor dem Schwert des Feindes.

26O Tochter meines Volks,

6,26
Kap
zieh den Sack an und wälze dich im Staube! Trage Leid wie um den einzigen Sohn und klage bitterlich; denn der Verderber kommt über uns plötzlich.

Jeremia als Prüfer des Volkes

27Ich habe dich zum Prüfer gesetzt für mein Volk, dass du ihren Wandel erkennen und prüfen sollst. 28Alle sind sie abtrünnig und wandeln verleumderisch;

6,28
Hes 22,18
Erz und Eisen sind sie; alle bringen sie Verderben. 29Der Blasebalg schnaubte, das Blei verschwand im Feuer; aber das Schmelzen war umsonst, denn die Bösen sind nicht ausgeschieden. 30Darum heißen sie »Verworfenes Silber«; denn
6,30
1. Kön 9,7
der HERR hat sie verworfen.

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