Lutherbibel 2017 (LU17)
44

Jeremias letzte Predigt

441Dies ist das Wort, das zu Jeremia geschah an alle Judäer, die in Ägyptenland wohnten, nämlich in Migdol,

44,1
Kap
Tachpanhes und Memphis, und die im Lande Patros wohnten. 2So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Ihr habt gesehen all das Unheil, das ich habe kommen lassen über Jerusalem und über alle Städte in Juda; siehe, heutigentags sind sie wüst, und niemand wohnt darin; 3und das um ihrer Bosheit willen, die sie taten, dass sie mich erzürnten und hingingen und opferten und dienten
44,3
Kap
andern Göttern, die weder sie noch ihr noch eure Väter kannten. 4Und ich sandte
44,4
Kap
immer wieder zu euch alle meine Knechte, die Propheten, und ließ euch sagen: »Tut doch nicht solche Gräuel, die ich hasse.« 5Aber sie
44,5
Kap
wollten nicht gehorchen, auch ihr Ohr nicht neigen, dass sie sich von ihrer Bosheit bekehrt und andern Göttern nicht geopfert hätten. 6Darum ergoss sich auch mein Zorn und Grimm und entbrannte über die Städte Judas und die Gassen Jerusalems, dass sie zur Wüste und Öde geworden sind, so wie es heute ist.

7Nun, so spricht der Herr, der Gott Zebaoth, der Gott Israels: Warum tut ihr euch selbst ein so großes Unheil an, dass bei euch ausgerottet werden aus Juda Mann und Frau, Kind und Säugling und nichts von euch übrig bleibt,

44,7
Kap
8und erzürnt mich so durch eurer Hände Werke und opfert andern Göttern in Ägyptenland, wohin ihr gezogen seid, um dort zu wohnen, auf dass ihr ausgerottet und zum Fluch und zur Schmach werdet unter allen Völkern auf Erden? 9Habt ihr vergessen
44,9
Kap
all das Böse, das eure Väter und die Könige von Juda und ihre Frauen, dazu ihr selbst und eure Frauen getan haben im Lande Juda und auf den Gassen Jerusalems? 10Sie haben sich bis auf diesen Tag nicht gedemütigt, fürchten sich auch nicht und wandeln nicht in meinem Gesetz und den Ordnungen, die ich euch und euren Vätern gegeben habe.

11Darum, so spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Siehe,

44,11
Am 9,4
ich will mein Angesicht wider euch richten zum Unheil, und ganz Juda soll ausgerottet werden. 12Und ich will wegraffen, die übrig geblieben sind von Juda, die ihr Angesicht nach Ägyptenland gerichtet haben, um dorthin zu ziehen und dort zu wohnen; es soll ein Ende mit ihnen allen werden in Ägyptenland. Durchs Schwert sollen sie fallen und durch Hunger sollen sie umkommen, Klein und Groß; sie sollen durch Schwert und Hunger sterben und sollen zur Verwünschung, zum Entsetzen, zum Fluch und zur Schmach werden.
44,12
Kap
13Ich will auch jene, die in Ägyptenland wohnen, heimsuchen mit Schwert, Hunger und Pest, gleichwie ich an Jerusalem getan habe, 14sodass von denen, die übrig geblieben sind von Juda und die hierher gekommen sind nach Ägyptenland, um hier zu wohnen, keiner entrinnen und entkommen soll. Sie sollen nicht mehr ins Land Juda zurückkehren, wohin sie gerne wiederkämen und wohnten, sondern es soll keiner dahin zurückkommen außer einigen Entronnenen.

15Da antworteten dem Jeremia alle Männer, die sehr wohl wussten, dass ihre Frauen andern Göttern opferten, und alle Frauen, die dabeistanden, eine große Menge, samt allem Volk, das in Ägyptenland und in

44,15
Jes 11,11
Patros wohnte, und sprachen: 16Das Wort, das du uns im Namen des Herrn sagst – wir wollen dir nicht gehorchen. 17Das Wort, das aus unserm eigenen Munde gekommen ist, das wollen wir halten und der
44,17
Kap
Himmelskönigin opfern und ihr Trankopfer darbringen, wie wir und unsere Väter, unsere Könige und Oberen getan haben in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems. Da
44,17
Hos 2,7
hatten wir auch Brot genug und es ging uns gut, und wir sahen kein Unglück. 18Seit der Zeit aber, da wir es unterlassen haben, der Himmelskönigin zu opfern und Trankopfer darzubringen, haben wir an allem Mangel gelitten und sind durch Schwert und Hunger umgekommen. 19Und wenn wir Frauen der Himmelskönigin opfern und Trankopfer darbringen, das
44,19
4. Mose 30,11-13
tun wir ja nicht ohne den Willen unserer Männer, wenn wir ihr Opferkuchen backen, die sie abbilden, und ihr Trankopfer darbringen.

20Da sprach Jeremia zu dem ganzen Volk, den Männern und Frauen und allen Leuten, die ihm so geantwortet hatten: 21Waren es nicht jene Opfer, an die der Herr gedacht hat, die ihr in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems dargebracht habt, ihr und eure Väter, Könige, Oberen und alles Volk des Landes? Waren nicht sie es, die ihm in den Sinn gekommen sind? 22So konnte der Herr es nicht mehr ertragen wegen eures bösen Wandels und der Gräuel, die ihr tatet; daher ist auch euer Land zur Wüste, zum Entsetzen und zum Fluch geworden, dass niemand darin wohnt, so wie es heute ist. 23Weil ihr der Himmelskönigin geopfert habt und wider den Herrn sündigtet und der Stimme des Herrn nicht gehorchtet und in seinem Gesetze, seinen Rechten und Mahnungen nicht gewandelt seid, darum ist euch solches Unheil widerfahren, so wie es heute ist.

24Und Jeremia sprach zu allem Volk und zu allen Frauen: Höret des Herrn Wort, ihr alle aus Juda, die in Ägyptenland sind! 25So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Ihr und eure Frauen, was ihr mit eurem Munde gelobt habt, vollbringt ihr mit euren Händen. Ihr sagt: »Wir wollen unsere Gelübde halten, die wir der Himmelskönigin gelobt haben, dass wir ihr opfern und Trankopfer darbringen.« Wohlan, erfüllt doch eure Gelübde und haltet eure Gelübde! 26So höret nun des Herrn Wort, ihr alle aus Juda, die ihr in Ägyptenland wohnt: Siehe, ich schwöre bei meinem großen Namen, spricht der Herr, dass mein Name nicht mehr genannt werden soll durch irgendeines Menschen Mund aus Juda in ganz Ägyptenland, der da sagt: »So wahr Gott der Herr lebt!« 27Siehe,

44,27
Kap
ich will über sie wachen zum Unheil und nicht zum Heil, dass, wer aus Juda in Ägyptenland ist, durch Schwert und Hunger umkommen soll, bis es ein Ende mit ihnen hat. 28Die aber dem Schwert entrinnen, werden aus Ägyptenland ins Land Juda zurückkommen als ein geringes Häuflein. So werden dann alle, die übrig geblieben sind von Juda und die nach Ägyptenland gezogen waren, dort zu wohnen, erkennen, wessen Wort wahr geworden ist, meines oder ihres.

29Und dies sei das Zeichen, spricht der Herr: Ich will euch an diesem Ort heimsuchen, damit ihr wisst, dass mein Wort wahr werden soll über euch zum Unheil. 30So spricht der Herr: Siehe, ich will den Pharao Hofra, den König von Ägypten, übergeben in die Hände seiner Feinde und derer, die ihm nach dem Leben trachten,

44,30
Hes 29,19
gleichwie ich Zedekia, den König von Juda, übergeben habe in die Hand Nebukadnezars, des Königs von Babel, seines Feindes, der ihm nach dem Leben trachtete.

45

Trostwort für Baruch

451Dies ist das Wort, das der Prophet Jeremia zu Baruch, dem Sohn Nerijas, redete,

45,1
Kap
als er die Worte, wie Jeremia sie ihm sagte, auf eine Schriftrolle schrieb, im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs von Juda: 2So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, über dich, Baruch: 3Du sprichst: Weh mir, wie hat mir der Herr Jammer zu meinem Schmerz hinzugefügt!
45,3
Ps 6,7
Ich bin müde vom Seufzen und finde keine Ruhe. 4Sage ihm: So spricht der Herr: Siehe,
45,4
Kap
was ich gebaut habe, das reiße ich ein, und was ich gepflanzt habe, das reiße ich aus. Das gilt der ganzen Erde. 5Und du begehrst für dich große Dinge? Begehre es nicht! Denn siehe, ich will Unheil kommen lassen über alles Fleisch, spricht der Herr, aber
45,5
Kap
dein Leben sollst du wie eine Beute davonbringen, an welchen Ort du auch ziehst.

46

Gerichtsworte gegen fremde Völker

Kapitel 46,1–51,64

461Dies ist das Wort des Herrn, das zu dem Propheten Jeremia geschehen ist wider die Völker.

Über Ägypten: Die Niederlage bei Karkemisch

(vgl. Jes 19,1-25; Hes 29,1–32,32)

2Über Ägypten. Wider das Heer des

46,2
2. Kön 23,29
Pharao Necho, des Königs von Ägypten, welches lagerte am Euphratstrom bei Karkemisch und das Nebukadnezar, der König von Babel, schlug im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs von Juda:

3Rüstet Rundschild und Langschild und zieht in den Streit! 4Spannt Rosse an und lasst Reiter aufsitzen, setzt die Helme auf und schärft die Spieße und zieht Panzer an! 5Wie kommt’s aber, dass ich sehe, dass sie verzagt sind und die Flucht ergreifen und ihre Helden erschlagen sind? Sie fliehen und wenden sich nicht mehr zurück.

46,5
Kap
Schrecken um und um!, spricht der Herr. 6
46,6
Am 2,14-15
Der Schnelle kann nicht entfliehen noch der Starke entrinnen. Im Norden am Euphratstrom sind sie gefallen und niedergestreckt.

7Wer ist’s, der emporsteigt wie der Nil und dessen Wasser wogen wie Ströme? 8Ägypten steigt empor wie der Nil, und seine Wasser wogen wie Ströme. Es sprach: »Ich will emporsteigen, das Land bedecken und die Städte verderben samt denen, die darin wohnen.« 9Bäumt euch, ihr Rosse, rast dahin, ihr Wagen, zieht aus, ihr Helden,

46,9
Hes 27,10
Nah 3,9
Kusch und Put, die den Schild führen, und die Schützen aus Lud! 10Denn dies ist der Tag Gottes, des Herrn Zebaoth,
46,10
Kap
ein Tag der Vergeltung, dass er sich an seinen Feinden räche, wenn das Schwert fressen und von ihrem Blut voll und trunken werden wird. Denn sie müssen Gott, dem Herrn Zebaoth, ein Schlachtopfer werden im Lande des Nordens am Euphratstrom.

11Geh hinauf nach Gilead und hole Balsam, Jungfrau, Tochter Ägypten! Aber

46,11
Kap
es ist umsonst, dass du viel Heilmittel gebrauchst; du wirst doch nicht heil. 12Deine Schande ist unter den Völkern erschollen, dein Heulen erfüllt die Erde; denn ein Held ist über den andern gefallen und liegen beide miteinander darnieder.

Die Babylonier fallen ein

13Dies ist das Wort des Herrn, das er zu dem Propheten Jeremia redete, als Nebukadnezar, der König von Babel, heranzog, um Ägyptenland zu schlagen: 14Verkündigt’s in Ägypten und sagt’s an in Migdol, sagt’s an in Memphis und Tachpanhes und sprecht: Stell dich auf und rüste dich! Denn schon hat das Schwert gefressen, was um dich her ist. 15Wie geht’s zu, dass dein Gewaltiger zu Boden fiel? Er hielt nicht stand, weil der Herr ihn stieß. 16Er macht, dass ihrer viele fallen, dass einer mit dem andern darniederliegt. Da sprachen sie: Wohlauf, lasst uns wieder zu unserm Volk ziehen, in unser Vaterland

46,16
Kap
vor dem mörderischen Schwert! 17
46,17
Jes 30,7
Nennt den Namen des Pharao, des Königs von Ägypten: »Lärm, der seine Zeit versäumt hat«. 18So wahr ich lebe, spricht der König, der Herr Zebaoth heißt: Er wird daherziehen so hoch, wie der Berg Tabor unter den Bergen ist und wie der Karmel am Meer ist.

19Pack dir Sachen für die Verbannung,

46,19
Kap
du thronende Tochter Ägypten;
46,19
Jes 20,4
denn Memphis wird wüst und verbrannt werden, dass niemand darin wohnen wird. 20Ägypten ist wie eine schöne junge Kuh; die Hornisse von Norden stürzt sich auf sie. 21Auch die Söldner in seiner Mitte sind wie gemästete Kälber; auch sie müssen sich wenden, sie fliehen miteinander und halten nicht stand; denn der Tag ihres Unheils kommt über sie, die Zeit ihrer Heimsuchung.

22Ägyptens Stimme zischt wie eine fliehende Schlange, wenn jene anrücken mit Heeresmacht. Mit Äxten kommen sie über Ägypten wie die Holzhauer. 23Sie hauen seinen Wald um, der unermesslich ist, spricht der Herr; ihrer sind mehr als Heuschrecken, die niemand zählen kann. 24Die Tochter Ägypten wird zuschanden; sie ist dem Volk aus dem Norden in die Hände gegeben.

25

46,25
Kap
Der Herr Zebaoth, der Gott Israels, spricht: Siehe, ich will heimsuchen den Amon zu No und den Pharao und Ägypten samt seinen Göttern und Königen, ja, den Pharao mit allen, die sich auf ihn verlassen, 26dass ich sie gebe in die Hände derer, die ihnen nach dem Leben trachten, und in die Hände Nebukadnezars, des Königs von Babel, und seiner Großen. Aber
46,26
Hes 29,14
danach soll das Land bewohnt werden wie vor alters, spricht der Herr.

Trostwort an Israel

27

46,27
Kap
Aber du, mein Knecht Jakob, fürchte dich nicht, und du, Israel, verzage nicht! Denn siehe, ich will dich erretten aus fernen Landen und deine Nachkommen aus dem Lande ihrer Gefangenschaft, dass Jakob zurückkehren soll und in Frieden und Sicherheit leben, und niemand soll ihn schrecken. 28Fürchte dich nicht, du mein Knecht Jakob, spricht der Herr, denn ich bin bei dir! Ich will mit allen Völkern ein Ende machen, unter die ich dich verstoßen habe; aber mit dir will ich nicht ein Ende machen.
46,28
Kap
Ich will dich mit Maßen züchtigen, doch ungestraft kann ich dich nicht lassen.